Hypertriglyzeridämie – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Reduktion des Risikos einer akuten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) bei schwerer bzw. extremer Hypertriglyzeridämie (erhöhte Triglyceridwerte); das Risiko steigt ab Triglyceridwerten von ≥ 500 mg/dl (≥ 5,7 mmol/l) an und ist insbesondere bei ≥ 1.000 mg/dl (≥ 11,3 mmol/l) relevant [LL2, LL3].
  • Reduktion des atherosklerotischen kardiovaskulären Risikos (Risiko für durch Gefäßverkalkung bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen) entsprechend dem individuellen Gesamtrisiko; bei Patienten mit Hypertriglyzeridämie bleibt die risikoadaptierte LDL-Cholesterinsenkung das primäre pharmakologische Therapieziel [LL1, LL2].
  • Behandlung sekundärer Ursachen der Hypertriglyzeridämie, insbesondere unzureichend eingestellter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Alkoholkonsum, Adipositas (starkes Übergewicht), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), Nieren- bzw. Lebererkrankungen sowie triglyceridsteigernder Arzneimittel [LL1, LL2].
  • Vermeidung rezidivierender Pankreatitiden bei familiärem Chylomikronämie-Syndrom (seltene erbliche Fettstoffwechselstörung) (FCS) bzw. persistierender Chylomikronämie (starke Vermehrung fettreicher Transportpartikel im Blut) durch konsequente diätetische und, soweit indiziert, spezifische medikamentöse Therapie [4, 5, LL2].

Therapieempfehlungen

  • Basis jeder Therapie: Behandlung sekundärer Ursachen sowie konsequente Lebensstilintervention mit Gewichtsreduktion bei Übergewicht bzw. Adipositas, Optimierung der Diabetestherapie, Reduktion rasch resorbierbarer Kohlenhydrate und zuckerhaltiger Getränke sowie Reduktion bzw. Elimination von Alkohol [LL1, LL2].
    • Bei Triglyceriden von 500-999 mg/dl (5,7-11,3 mmol/l) ist eine individuelle Einschränkung der Gesamtfettzufuhr und Alkoholkarenz (vollständiger Verzicht auf Alkohol) erforderlich [LL2].
    • Bei Triglyceriden ≥ 1.000 mg/dl (≥ 11,3 mmol/l) ist eine sehr fettarme Ernährung mit Verzicht auf Alkohol und zugesetzte Zucker erforderlich [LL2].
    • Triglyceridsteigernde Arzneimittel sind nach Möglichkeit zu reduzieren, abzusetzen bzw. zu ersetzen [LL1, LL2].
  • Triglyceride 150-499 mg/dl (1,7-5,6 mmol/l):
    • Eine spezifische medikamentöse Triglyceridsenkung ist nicht allein aufgrund des Triglyceridwertes indiziert; im Vordergrund stehen Lebensstilmaßnahmen und die Behandlung des atherosklerotischen kardiovaskulären Gesamtrisikos [LL1, LL2].
    • Bei entsprechender kardiovaskulärer Indikation ist eine Statintherapie zur Erreichung des risikoadaptierten LDL-Cholesterin-Zielwertes die medikamentöse Therapie der ersten Wahl [LL1, LL2].
    • Bei Hoch- bzw. Sehr-Hochrisikopatienten mit persistierenden Nüchtern-Triglyceriden von 135-499 mg/dl (1,52-5,63 mmol/l) trotz Statintherapie sollte hoch dosiertes Icosapent-Ethyl 2 g zweimal täglich zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse erwogen werden [1, LL1].
    • Gemäß ACC/AHA-Leitlinie 2026 kann Icosapent-Ethyl insbesondere bei Patienten ab 50 Jahren mit manifester atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder Diabetes mellitus plus mindestens einem weiteren ASCVD-Risikofaktor (Risikofaktor für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und persistierenden Triglyceriden von 150-499 mg/dl unter maximal tolerierter Statintherapie erwogen werden [LL2].
  • Triglyceride ≥ 500 mg/dl (≥ 5,7 mmol/l):
    • Neben der Reduktion des atherosklerotischen kardiovaskulären Risikos gewinnt die Senkung sehr hoher Triglyceridkonzentrationen zur Reduktion des Pankreatitisrisikos therapeutische Bedeutung [LL2, LL3].
    • Nach Ausschluss bzw. Behandlung sekundärer Ursachen können Fibrate, vorzugsweise Fenofibrat, und/oder verschreibungspflichtige Omega-3-Fettsäuren zur Senkung sehr hoher Triglyceridkonzentrationen mit dem Ziel der Reduktion des Pankreatitisrisikos eingesetzt werden [LL2, LL3].
    • Eine Statintherapie erfolgt zusätzlich entsprechend dem individuellen atherosklerotischen kardiovaskulären Risiko [LL1, LL2].
  • Triglyceride ≥ 1.000 mg/dl (≥ 11,3 mmol/l):
    • Prioritäres Ziel ist die deutliche Senkung der Triglyceridkonzentration zur Reduktion des Pankreatitisrisikos [LL2, LL3].
    • Sehr fettarme Ernährung, Verzicht auf Alkohol und zugesetzte Zucker sowie konsequente Behandlung sekundärer Ursachen sind obligat [LL2].
    • Pharmakologisch können insbesondere Fenofibrat und/oder verschreibungspflichtige Omega-3-Fettsäuren eingesetzt werden [LL2].
    • Bei persistierender Chylomikronämie sollte ein familiäres Chylomikronämie-Syndrom (FCS) bzw. eine andere genetische oder multifaktorielle Chylomikronämie abgeklärt werden [LL2].
  • Fibrate:
    • Fibrate senken die Triglyceridkonzentration typischerweise um etwa 30-50 % [LL2].
    • Ein zusätzlicher kardiovaskulärer Nutzen einer routinemäßigen Fibrattherapie zusätzlich zu Statinen ist nicht nachgewiesen [3, LL1, LL2].
    • Der selektive PPAR-α-Modulator Pemafibrat reduzierte in der PROMINENT-Studie trotz deutlicher Senkung von Triglyceriden, VLDL-Cholesterin, Remnant-Cholesterin und Apolipoprotein C-III nicht die kardiovaskuläre Ereignisrate [3].
    • Falls eine Kombination aus Statin und Fibrat erforderlich ist, ist Fenofibrat gegenüber Gemfibrozil zu bevorzugen. Gemfibrozil sollte wegen des deutlich höheren Myopathie- (Muskelerkrankungs-) und Rhabdomyolyserisikos (Risiko eines Zerfalls von Muskelgewebe) nicht mit Statinen kombiniert werden [LL2].
  • Icosapent-Ethyl:
    • Icosapent-Ethyl ist ein hochreiner Ethylester der Eicosapentaensäure (EPA).
    • In REDUCE-IT reduzierte Icosapent-Ethyl 2 g zweimal täglich bei statinbehandelten Hochrisikopatienten mit Triglyceriden von 135-499 mg/dl das relative Risiko des primären kardiovaskulären Endpunktes um 25 % [1].
    • Die Evidenz für Icosapent-Ethyl darf nicht auf andere Omega-3-Fettsäurepräparate oder Nahrungsergänzungsmittel übertragen werden [1, 2, LL1].
    • Zu beachten sind insbesondere ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus) bzw. Vorhofflattern (schneller regelmäßiger Herzrhythmus der Herzvorhöfe) sowie eine mögliche Zunahme von Blutungsereignissen [1].
  • Omega-3-Fettsäuren mit EPA und DHA:
    • Verschreibungspflichtige hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren können die Triglyceridkonzentration deutlich senken und bei schwerer Hypertriglyzeridämie eingesetzt werden [LL2].
    • Für EPA/DHA-Kombinationen ist kein gesicherter zusätzlicher kardiovaskulärer Nutzen zur Statintherapie nachgewiesen. In der STRENGTH-Studie führte eine hoch dosierte EPA/DHA-Kombination nicht zu einer Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse [2, LL1].
    • EPA/DHA-Präparate sind hinsichtlich der kardiovaskulären Evidenz nicht mit Icosapent-Ethyl gleichzusetzen [1, 2, LL1].
  • Familiäres Chylomikronämie-Syndrom (FCS):
    • Grundlage der Therapie bleibt eine konsequent sehr fettarme Ernährung [LL2].
    • Für das FCS stehen inzwischen mehrere gegen Apolipoprotein C-III gerichtete Therapien zur Verfügung [4, 5, PI1, PI2, PI3, LL2].
    • Olezarsen ist seit September 2025 in der Europäischen Union als Ergänzung zu diätetischen Maßnahmen zur Behandlung erwachsener Patienten mit genetisch bestätigtem FCS zugelassen [4, PI2].
    • Plozasiran ist seit Juni 2026 in der Europäischen Union als Ergänzung zu diätetischen Maßnahmen zur Senkung der Triglyceridkonzentration bei erwachsenen Patienten mit FCS zugelassen; eine genetische Bestätigung ist im europäischen Indikationstext nicht obligat [5, PI3].
    • Volanesorsen ist für erwachsene Patienten mit genetisch bestätigtem FCS und hohem Pankreatitisrisiko zugelassen, wenn Diät und konventionelle triglyceridsenkende Therapie nicht ausreichend wirksam waren [PI1].
  • Olezarsen außerhalb des FCS:
    • In Phase-III-Studien senkte Olezarsen auch bei moderater bzw. schwerer Hypertriglyzeridämie die Triglyceridkonzentration ausgeprägt [6, 7].
    • Bei schwerer Hypertriglyzeridämie wurde in CORE-TIMI 72a und CORE2-TIMI 72b zusätzlich eine deutliche Reduktion akuter Pankreatitiden beobachtet [7].
    • Die europäische Zulassung von Olezarsen umfasst derzeit ausschließlich erwachsene Patienten mit genetisch bestätigtem FCS. Eine Anwendung bei multifaktorieller bzw. sonstiger schwerer Hypertriglyzeridämie ist derzeit ein Off-Label-Use [7, PI2].
  • Nicotinsäure:
    • Nicotinsäure wird zur Behandlung der Hypertriglyzeridämie bzw. zur Reduktion des atherosklerotischen kardiovaskulären Risikos nicht empfohlen [LL1, LL2].
    • Ein zusätzlicher kardiovaskulärer Nutzen zur Statintherapie ist nicht nachgewiesen; gleichzeitig bestehen relevante Nebenwirkungen wie Flush, Hepatotoxizität (Leberschädigung), Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel) und eine Verschlechterung der Glucosetoleranz.
    • Nicotinsäure/Laropiprant besitzt in der Europäischen Union keine therapeutische Rolle mehr.

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Fibrinsäurederivate (Fibrate)

Wirkstoff Triglyceridsenkung Besonderheiten
Fenofibrat ca. 30-50 %
  • Dosisanpassung bzw. Vermeidung bei eingeschränkter Nierenfunktion entsprechend Fachinformation
  • Bei erforderlicher Kombination mit einem Statin bevorzugtes Fibrat
  • Kontrolle der Transaminasen; bei Muskelsymptomen Creatinkinase (CK)
Bezafibrat ca. 30-50 %
  • Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion
  • Kontraindikation bei schwerer Leber- bzw. Nierenfunktionsstörung entsprechend Fachinformation
Gemfibrozil ca. 30-50 %
  • Kombination mit Statinen vermeiden
  • Erhöhtes Risiko für Myopathie und Rhabdomyolyse
  • Wirkweise: Aktivierung von PPAR-α mit Zunahme der Lipoproteinlipase-Aktivität, verminderter VLDL-Synthese und verstärktem Abbau triglyceridreicher Lipoproteine.
  • Indikationen: insbesondere schwere Hypertriglyzeridämie bzw. Hypertriglyzeridämie mit relevantem Pankreatitisrisiko [LL2, LL3].
  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Transaminasen ↑, Creatinkinase (CK) ↑, Myalgie (Muskelschmerzen), Myopathie, Cholelithiasis (Gallensteine); unter Kombination mit Statinen erhöhtes Myopathierisiko.
  • Beachte: Fibrate sind nicht generell Medikamente der ersten Wahl zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei moderater Hypertriglyzeridämie [3, LL1, LL2].

HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (Statine)

Wirkstoff Triglyceridsenkung Hauptfunktion bei Hypertriglyzeridämie
Atorvastatin typischerweise ca. 10-30 %, abhängig vom Ausgangswert Reduktion des atherosklerotischen kardiovaskulären Risikos und Erreichen des risikoadaptierten LDL-Cholesterin-Zielwertes
Rosuvastatin typischerweise ca. 10-30 %, abhängig vom Ausgangswert Reduktion des atherosklerotischen kardiovaskulären Risikos und Erreichen des risikoadaptierten LDL-Cholesterin-Zielwertes
  • Wirkweise: kompetitive Hemmung der HMG-CoA-Reduktase mit verminderter hepatischer Cholesterinsynthese (Cholesterinbildung in der Leber) und vermehrter Expression hepatischer LDL-Rezeptoren.
  • Indikation: Statine sind bei Hypertriglyzeridämie entsprechend dem kardiovaskulären Gesamtrisiko die medikamentöse Therapie der ersten Wahl zur ASCVD-Risikoreduktion [LL1, LL2].
  • Beachte: Statine sind keine primären Medikamente zur Behandlung einer extremen Hypertriglyzeridämie mit akut relevantem Pankreatitisrisiko [LL2].

Icosapent-Ethyl und Omega-3-Fettsäuren

Wirkstoff Indikation/Besonderheiten
Icosapent-Ethyl
  • Zusätzlich zu einer Statintherapie zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei geeigneten Hochrisikopatienten mit erhöhten Triglyceriden [1, LL1, LL2]
  • Nicht mit gewöhnlichen Fischöl- bzw. EPA/DHA-Nahrungsergänzungsmitteln gleichzusetzen
Verschreibungspflichtige Omega-3-Fettsäuren mit EPA/DHA
  • Triglyceridsenkung bei schwerer Hypertriglyzeridämie [LL2]
  • Keine gesicherte zusätzliche Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse durch EPA/DHA-Kombinationen [2, LL1]

Apolipoprotein-C-III-gerichtete Therapie bei familiärem Chylomikronämie-Syndrom

Wirkstoff Wirkprinzip EU-Indikation/Besonderheiten
Olezarsen GalNAc-konjugiertes Antisense-Oligonukleotid gegen APOC3-mRNA
  • Erwachsene mit genetisch bestätigtem FCS als Ergänzung zu diätetischen Maßnahmen [4, PI2]
  • In BALANCE deutliche Triglyceridsenkung und geringere Pankreatitisrate gegenüber Placebo [4]
  • Häufige Nebenwirkungen umfassen Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Arthralgie (Gelenkschmerzen) und Erbrechen [PI2]
Plozasiran GalNAc-konjugierte small interfering RNA gegen APOC3-mRNA
  • Erwachsene mit FCS als Ergänzung zu diätetischen Maßnahmen; eine genetische Bestätigung ist nicht obligat [5, PI3]
  • In PALISADE Senkung der Triglyceridkonzentration um etwa 80 % und signifikante Reduktion akuter Pankreatitiden [5]
  • Häufigste Nebenwirkungen sind Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Kopfschmerzen, Übelkeit und Reaktionen an der Injektionsstelle [PI3]
Volanesorsen Antisense-Oligonukleotid gegen APOC3-mRNA
  • Genetisch bestätigtes FCS mit hohem Pankreatitisrisiko und unzureichendem Ansprechen auf Diät und triglyceridsenkende Therapie [PI1]
  • Relevantes Risiko einer Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) [PI1]
  • Regelmäßige Kontrolle der Thrombozytenzahl obligat [PI1]

Besondere Therapiesituationen

  • Hypertriglyzeridämie-assoziierte akute Pankreatitis:
    • Die Behandlung erfolgt stationär entsprechend den allgemeinen Empfehlungen zur akuten Pankreatitis sowie unter konsequenter Behandlung auslösender bzw. sekundärer Ursachen [LL3].
    • Eine intravenöse Insulintherapie wird bei Patienten mit Diabetes mellitus empfohlen und kann auch bei Patienten ohne Diabetes mellitus als First-Line-Therapie zur Senkung der Triglyceridkonzentration erwogen werden [LL3].
    • Eine kurzfristige Therapie mit niedermolekularem Heparin für weniger als drei Tage kann zusätzlich erwogen werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen [LL3].
    • Eine Plasmapherese ist keine routinemäßige Erstlinientherapie; sie kann bei persistierendem Organversagen (Ausfall eines Organs) und weiterhin hoher Triglyceridkonzentration, insbesondere bei akutem Nierenversagen (Versagen der Nierenfunktion), erwogen werden [LL3].
    • Nach hypertriglyzeridämischer akuter Pankreatitis ist eine dauerhafte, konsequente Kontrolle der Triglyceridkonzentration zur Vermeidung von Rezidiven erforderlich [LL3].

Beachte

  • Die Senkung der Triglyceridkonzentration allein ist kein validiertes Surrogat für eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse. Dies zeigen insbesondere die neutralen kardiovaskulären Ergebnisse von Pemafibrat in PROMINENT und einer EPA/DHA-Kombination in STRENGTH [2, 3].
  • Bei moderater Hypertriglyzeridämie bleibt die LDL-Cholesterinsenkung entsprechend dem kardiovaskulären Gesamtrisiko vorrangig. Eine isolierte Triglyceridsenkung mit Fibraten ersetzt keine leitliniengerechte LDL-Cholesterinsenkung [LL1, LL2].
  • Bei Triglyceriden ≥ 500 mg/dl gewinnt die Reduktion des Pankreatitisrisikos zunehmend an Bedeutung; bei ≥ 1.000 mg/dl ist die rasche Senkung der Triglyceridkonzentration prioritär [LL2, LL3].
  • Bei ungewöhnlich hohen oder trotz Therapie persistierenden Triglyceridwerten sollte an ein FCS bzw. eine andere Form persistierender Chylomikronämie gedacht werden [LL2].
  • Bei Hypertriglyzeridämie sind Non-HDL-Cholesterin bzw. Apolipoprotein B zur Beurteilung der atherogenen Lipoproteinbelastung aussagekräftiger als das LDL-Cholesterin allein [LL2].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Herz und Gefäßen sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Chrom, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Traubenkern- und Olivenpolyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), L-Carnitin)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Bhatt DL et al.: Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2019; 380: 11-22. doi: 10.1056/NEJMoa1812792
  2. Nicholls SJ et al.: Effect of High-Dose Omega-3 Fatty Acids vs Corn Oil on Major Adverse Cardiovascular Events in Patients at High Cardiovascular Risk: The STRENGTH Randomized Clinical Trial. JAMA 2020; 324: 2268-2280. doi: 10.1001/jama.2020.22258
  3. Pradhan AD et al.: Triglyceride Lowering with Pemafibrate to Reduce Cardiovascular Risk. N Engl J Med 2022; 387: 1923-1934. doi: 10.1056/NEJMoa2210645
  4. Stroes ESG et al.: Olezarsen, Acute Pancreatitis, and Familial Chylomicronemia Syndrome. N Engl J Med 2024; 390: 1781-1792. doi: 10.1056/NEJMoa2400201
  5. Watts GF et al.: Plozasiran for Managing Persistent Chylomicronemia and Pancreatitis Risk. N Engl J Med 2025; 392: 127-137. doi: 10.1056/NEJMoa2409368
  6. Bergmark BA et al.: Targeting APOC3 with Olezarsen in Moderate Hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2025; 393: 1279-1291. doi: 10.1056/NEJMoa2507227
  7. Marston NA et al.: Olezarsen for Managing Severe Hypertriglyceridemia and Pancreatitis Risk. N Engl J Med 2026; 394: 429-441. doi: 10.1056/NEJMoa2512761

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J 2025; 46: 4359-4378. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf190 [LL1]
  2. 2026 ACC/AHA/AACVPR/ABC/ACPM/ADA/AGS/APhA/ASPC/NLA/PCNA Guideline on the Management of Dyslipidemia: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines. J Am Coll Cardiol 2026; 87: 2624-2757. doi: 10.1016/j.jacc.2025.11.016 [LL2]
  3. International Association of Pancreatology Revised Guidelines on Acute Pancreatitis 2025: Supported and Endorsed by the American Pancreatic Association, European Pancreatic Club, Indian Pancreas Club, and Japan Pancreas Society. Pancreatology 2025; 25: 770-814. doi: 10.1016/j.pan.2025.04.020 [LL3]

Produktinformationen

  1. European Medicines Agency: Waylivra (Volanesorsen). EPAR/Product Information. EMA [PI1]
  2. European Medicines Agency: Tryngolza (Olezarsen). EPAR/Product Information. EU-Zulassung vom 17. September 2025. EMA [PI2]
  3. European Medicines Agency: Redemplo (Plozasiran). EPAR/Product Information. EU-Zulassung vom 19. Juni 2026. EMA [PI3]