Beinschwellung (Beinödem) – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Kompressionssonographie (Ultraschalluntersuchung mit Drucktechnik) (Synonym: Kompressionsphlebosonographie (Ultraschall der Venen mit Kompression)) der tiefen Beinvenen (inklusive farbkodierter Duplexsonographie (Ultraschall mit Farbdarstellung des Blutflusses)) – bei Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose (Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen); Methode der ersten Wahl
  • Pulsoxymetrie (Messung der Sauerstoffsättigung im Blut) (Ermittlung der arteriellen Sauerstoffsättigung, SpO2) – bei Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz) oder Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf)

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung (Stufendiagnostik)

  • Stufe 1 – Symptomorientierte Basisbildgebung
    • Elektrokardiogramm (EKG) (Herzstromkurve) – bei Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz), Tachykardie (Herzrasen), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit)
    • Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) – bei Dyspnoe (Atemnot) zur Differentialdiagnostik (Unterscheidung möglicher Ursachen) (Lungenödem (Flüssigkeit in der Lunge), Pneumonie (Lungenentzündung), Pleuraerguss (Flüssigkeit im Rippenfell))
    • Arterielle Duplexsonographie (Ultraschall der Arterien mit Farbdarstellung des Blutflusses) der Beinarterien – bei Verdacht auf akute arterielle Ischämie (akute Durchblutungsstörung)
    • Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der betroffenen Körperregion – bei Verdacht auf Weichteilinfektion (Infektion des Gewebes unter der Haut), Abszess (Eiteransammlung), Hämatom (Bluterguss)
  • Stufe 2 – Zielgerichtete erweiterte Gefäßdiagnostik
    • Computertomographie (CT) (Schicht-Röntgenuntersuchung)-Pulmonalisangiographie (Darstellung der Lungengefäße mit Kontrastmittel) – bei klinischem Verdacht auf Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge) (hämodynamisch stabil (stabile Kreislaufverhältnisse))
    • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) (transthorakal (über den Brustkorb)) – bei Verdacht auf Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder bei Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge) zur Risikostratifizierung (Einschätzung des Schweregrades)
    • Computertomographie (CT) (Schicht-Röntgenuntersuchung)-Angiographie (Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel) – bei akuter arterieller Ischämie (akute Durchblutungsstörung) zur Therapieplanung
    • Magnetresonanz-Phlebographie (MR-Phlebographie) (Darstellung der Venen mittels Magnetresonanztomographie (MRT)) – bei Verdacht auf Becken-/Abdomenthrombose (Blutgerinnsel im Becken- oder Bauchraum) oder venöses Kompressionssyndrom (Zusammendrücken einer Vene)
    • Phlebographie (Röntgendarstellung der Venen mit Kontrastmittel) – in Einzelfällen bei sonographisch (im Ultraschall) unklaren Befunden oder spezieller interventioneller Fragestellung
  • Stufe 3 – Systemische Ursachenabklärung
    • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane) – bei Verdacht auf maligne Ursache (bösartige Erkrankung), retroperitoneale Raumforderung (Raumforderung hinter dem Bauchfell) oder Aszites (Bauchwassersucht)
    • Lebersonographie (Ultraschall der Leber) – bei Verdacht auf Leberzirrhose (narbiger Umbau der Leber)/Leberinsuffizienz (Leberfunktionsstörung)
    • Nierensonographie (Ultraschall der Nieren) – bei Verdacht auf akute Nierenfunktionsstörung (plötzliche Einschränkung der Nierenfunktion) oder nephrotisches Syndrom (Erkrankung mit starkem Eiweißverlust über die Nieren)
  • Stufe 4 – Notfall- und Spezialdiagnostik
    • Kompartimentdruckmessung (Messung des Gewebedrucks in einer Muskelloge) – bei klinischem Verdacht auf Kompartmentsyndrom (Drucksteigerung in einem Muskelraum mit Durchblutungsgefahr) (zeitkritisch)
    • Laryngoskopie (Spiegelung des Kehlkopfes) – bei Verdacht auf angioneurotisches Ödem (plötzlich auftretende Schwellung durch Gefäßreaktion) mit möglicher Atemwegsbeteiligung
    • Lichtreflexionsrheographie (Messung der venösen Funktion mittels Infrarotlicht) – bei Verdacht auf chronisch-venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche)
    • Lymphszintigraphie (nuklearmedizinische Darstellung der Lymphbahnen) – bei unklarer chronischer Schwellung und Verdacht auf Lymphödem (Schwellung durch Lymphstau) (Spezialzentrum)
    • Kernspinlymphangiographie (Darstellung der Lymphgefäße mittels Magnetresonanztomographie (MRT)) – bei komplexer lymphatischer Fragestellung (Spezialzentrum)
    • Indirekte Lymphographie (Röntgendarstellung der Lymphgefäße mit Kontrastmittel) – Durchführung nur als Off-Label-Use möglich

Cave!
Lipödem (Fettverteilungsstörung mit schmerzhafter Schwellung) und chronisch-venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche) (chronisch venöses Stauungssyndrom (dauerhafte Blutstauung in den Venen))/Varikose (Krampfaderbildung) haben eine hohe Koinzidenz (häufiges gemeinsames Auftreten), sodass der venöse Status duplexsonographisch (mittels Gefäßultraschall mit Farbdarstellung) abgeklärt werden sollte. Unter dem Deckmantel des Lipödems (Fettverteilungsstörung mit schmerzhafter Schwellung) kann sich z. B. auch ein postthrombotisches Syndrom (Spätfolgen einer tiefen Venenthrombose) verbergen.