Nagelbildungsstörungen – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung und Verbesserung von Nagelwachstum, Schmerzen und funktionellen Einschränkungen.
  • Bei entzündlichen Nagelerkrankungen: Kontrolle der Entzündung und Vermeidung bleibender Schäden der Nagelmatrix (Bereich, in dem der Nagel gebildet wird); insbesondere beim Nagel-Lichen-planus (Knötchenflechte am Nagel) ist eine frühzeitige Behandlung wichtig [LL4].

Therapieempfehlungen

  • Ursachenbezogene Therapie: Nagelbildungsstörungen sind ein klinischer Befund und keine eigenständige Arzneimittelindikation. Traumatische (durch Verletzungen verursachte), entzündliche, infektiöse, arzneimittelbedingte und durch Grunderkrankungen verursachte Veränderungen müssen unterschieden werden.
  • Diagnosesicherung: Gelblich-bräunliche Verfärbungen allein sichern keine Nagelpsoriasis (Schuppenflechte am Nagel). Bei Verdacht auf Onychomykose (Nagelpilz) erfolgt eine mykologische Untersuchung; eine Pilzinfektion kann gleichzeitig mit Nagelpsoriasis bestehen [LL2, LL3].
  • Nagelpsoriasis mit begrenztem Befall: Bei bis zu drei betroffenen Nägeln kommen lokale Behandlungen infrage. Bei überwiegendem Nagelbettbefall werden topische Glucocorticoide, gegebenenfalls in Kombination mit Vitamin-D-Analoga, eingesetzt; bei überwiegendem Nagelmatrixbefall können intralesionale Glucocorticoide bevorzugt werden. Auswahl und Anwendung richten sich nach der betroffenen Nagelstruktur [LL3].
  • Ausgeprägte oder therapieresistente Nagelpsoriasis: Bei mehreren betroffenen Nägeln, erheblicher Beeinträchtigung oder zusätzlicher behandlungsbedürftiger Hautpsoriasis (Schuppenflechte der Haut) bzw. Psoriasisarthritis (Gelenkentzündung bei Schuppenflechte) ist eine Systemtherapie dermatologisch zu prüfen. Eine relevante Nagelbeteiligung kann die Einstufung der Psoriasisschwere beeinflussen [LL1, LL3]. Siehe auch „Psoriasis/Medikamentöse Therapie“ und „Psoriasisarthritis/Medikamentöse Therapie“.
  • Onychomykose: Antimykotische Therapie nach gesicherter Diagnose, Erreger und Befallsausmaß; bei begrenztem Befall ohne Matrixbeteiligung gegebenenfalls topisch, bei ausgeprägtem Befall bzw. Matrixbeteiligung in der Regel systemisch in Kombination mit lokaler Behandlung. Siehe „Nagelpilz – Onychomykose/Medikamentöse Therapie“ [LL2].
  • Nagel-Lichen-planus: Wegen möglicher irreversibler Vernarbung und Nagelverlust frühzeitig dermatologisch behandeln. Intralesionale bzw. bei ausgedehntem Befall systemische Glucocorticoide sind spezialisierte Behandlungsoptionen; topische Therapie allein ist häufig unzureichend [LL4].
  • Sonstige Ursachen: Bei Ekzemen (entzündliche Hautausschläge) Behandlung der zugrunde liegenden Dermatitis (Hautentzündung); bei arzneimittelbedingten Veränderungen Prüfung einer Therapieanpassung durch den verordnenden Arzt. Bei nachgewiesenem Mangel gezielte Substitution. Keine pauschale medikamentöse Behandlung allein wegen brüchiger Nägel.
  • Begleitmaßnahmen: Schutz vor wiederholten Traumata, Feuchtarbeit und irritierenden Substanzen; siehe auch „Weitere Therapie“.

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die folgenden lokalen Wirkstoffe betreffen die entzündliche Nagelpsoriasis bei Erwachsenen. Sie sind keine allgemeine Therapie aller Nagelbildungsstörungen.

Topische Glucocorticoide

Wirkstoff Besonderheiten
Clobetasolpropionat Sehr stark wirksames Glucocorticoid. Bei Matrixbefall Behandlung am proximalen Nagelfalz (Hautfalte an der Nagelwurzel), bei Nagelbettbefall am zugänglichen distalen Nagelbett bzw. Hyponychium (Hautbereich unter dem freien Nagelrand). Die gezielte Nageltherapie, insbesondere länger dauernde Schemata oder Nagellackrezepturen, ist als Off-Label-Use zu prüfen und aufzuklären. Keine unkontrollierte Dauerbehandlung [1, LL3, FI1].
  • Wirkweise: Entzündungshemmende und antiproliferative Wirkung [FI1].
  • Indikation: Lokal begrenzte Nagelpsoriasis; dermatologisch gesteuerter Therapieversuch unter Berücksichtigung der Befallslokalisation [1, LL3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und unbehandelte Infektion im Anwendungsbereich; weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten. Bei Kindern und in Schwangerschaft bzw. Stillzeit gelten besondere Einschränkungen [FI1].
  • Nebenwirkungen: Lokale Hautatrophie (Verdünnung der Haut), Teleangiektasien (erweiterte kleine Blutgefäße), Reizung und Kontaktdermatitis (durch Hautkontakt ausgelöste Hautentzündung); bei längerer Anwendung oder Okklusion erhöhtes Risiko systemischer Glucocorticoidwirkungen [FI1].

Intralesionale Glucocorticoide

Wirkstoff Besonderheiten
Triamcinolonacetonid Intralesionale Anwendung am Nagelapparat als Off-Label-Use; Durchführung ausschließlich durch entsprechend erfahrene Ärzte. Keine pauschale Anwendung einer unverdünnten 40-mg/ml-Kristallsuspension. Keine fest vorgeschriebene Zahl von drei Injektionen; Fortführung anhand von Wirkung und Nebenwirkungen [1, LL3].
  • Wirkweise: Lokale Unterdrückung der Entzündung im Bereich von Nagelmatrix bzw. Nagelbett [LL3].
  • Indikation: Insbesondere begrenzte Nagelpsoriasis mit Nagelmatrixbefall; bei Nagel-Lichen-planus eigenständiges spezialisiertes Behandlungskonzept [LL3, LL4].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und lokale Infektion; bei erheblichen Durchblutungsstörungen oder erhöhtem Blutungsrisiko individuelle Prüfung vor einer Injektion.
  • Nebenwirkungen: Injektionsschmerz, Hämatom (Bluterguss), lokale Haut- bzw. Gewebeatrophie (Gewebeschwund), Hypopigmentierung (verminderte Hautfärbung) und mögliche zusätzliche Nageldystrophie (Störung der Nagelform und Nagelstruktur); selten Infektion [1, LL3].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Es besteht keine einheitliche medikamentöse Nebenindikation für Nagelbildungsstörungen. Systemische Antipsoriatika, Antimykotika und Arzneimittel zur Behandlung anderer Grunderkrankungen werden ausschließlich entsprechend der jeweiligen gesicherten Diagnose eingesetzt; Wirkstoffwahl, Dosierung, Kontraindikationen und Monitoring sind in den jeweiligen Erkrankungsartikeln dargestellt [LL1, LL2].

Beachte

  • Clobetasol-Nagellack: Für unterschiedliche Konzentrationen liegen kleine Studien vor. Daraus lässt sich keine allgemein verbindliche Standardrezeptur ableiten. Eine Mischung aus Clobetasol, DMSO und Nagellack stellt keine allgemein empfohlene Routineverordnung dar; Rezeptur, Konzentration und Anwendung müssen dermatologisch und pharmazeutisch festgelegt werden [2].
  • Therapiekontrolle: Erfolg am gesund nachwachsenden Nagel beurteilen. Wegen des langsamen Nagelwachstums ist eine vollständige Normalisierung erst nach Monaten zu erwarten; fehlende rasche kosmetische Verbesserung rechtfertigt keine unkontrollierte Dosiserhöhung [LL3].
  • Gelenkbeteiligung: Bei Nagelpsoriasis und Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen oder entzündlicher Morgensteifigkeit an Psoriasisarthritis denken und eine entsprechende Abklärung veranlassen [LL1].
  • Warnbefunde: Neu auftretende einzelne pigmentierte Nagelveränderungen, zunehmende Nagelzerstörung, Blutung oder eine persistierende schmerzhafte Veränderung dermatologisch abklären.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • CoQ10: Coenzym Q10
  • DHA: Docosahexaensäure
  • DMSO: Dimethylsulfoxid
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • GLA: Gamma-Linolensäure

Literatur

  1. Boontaveeyuwat E et al.: A randomized comparison of efficacy and safety of intralesional triamcinolone injection and clobetasol propionate ointment for psoriatic nails. J Dermatolog Treat. 2019;30(2):117-122. doi: 10.1080/09546634.2018.1476647.
  2. Nakamura RC et al.: Comparison of nail lacquer clobetasol efficacy at 0.05%, 1% and 8% in nail psoriasis treatment: prospective, controlled and randomized pilot study. An Bras Dermatol. 2012;87(2):203-211. doi: 10.1590/S0365-05962012000200003.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris. (AWMF-Registernummer: 013-001), Juli 2025, Version 8.0 der verlinkten Langfassung. Langfassung [LL1]
  2. S1-Leitlinie: Onychomykose. (AWMF-Registernummer: 013-003), Mai 2022, Version 5.1. Langfassung [LL2]
  3. Internationaler Expertenkonsens mit Behandlungsempfehlungen, keine AWMF-S-Leitlinie: Rigopoulos D et al.: Recommendations for the definition, evaluation, and treatment of nail psoriasis in adult patients with no or mild skin psoriasis: A dermatologist and nail expert group consensus. J Am Acad Dermatol. 2019;81(1):228-240. doi: 10.1016/j.jaad.2019.01.072 [LL3]
  4. Internationaler Expertenkonsens mit Behandlungsempfehlungen, keine AWMF-S-Leitlinie: Iorizzo M et al.: Isolated nail lichen planus: An expert consensus on treatment of the classical form. J Am Acad Dermatol. 2020;83(6):1717-1723. doi: 10.1016/j.jaad.2020.02.056 [LL4]

Produktinformationen

  1. GlaxoSmithKline: Dermoxin Creme/Salbe, 0,5 mg/g Clobetasolpropionat. Fachinformation, Stand: Januar 2022. Fachinformation [FI1]