Dekubitus – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Schmerzen in Ruhe, bei Bewegung und während der Wundversorgung lindern; behandlungsbedürftige Infektionen (Erkrankungen durch Krankheitserreger) kontrollieren und eine möglichst wenig belastende Versorgung ermöglichen. Die Pharmakotherapie (Behandlung mit Arzneimitteln) ergänzt Druckentlastung, geeignete Wundversorgung und gegebenenfalls Debridement. Bei palliativer Zielsetzung (Behandlung mit dem Schwerpunkt Linderung) stehen Symptomkontrolle und Lebensqualität im Vordergrund [LL1, LL4]. Die folgenden Dosierungen sind Orientierungswerte für Erwachsene und erfordern eine Anpassung an Körpergewicht, Organfunktion, Begleitmedikation und Therapieziel.

Therapieempfehlungen

Schmerzen differenzieren: Schmerzintensität, Qualität und Auslöser erfassen und im Verlauf mit demselben Instrument bewerten. Bei eingeschränkter Kommunikation strukturierte Fremdbeobachtung ergänzen. Nozizeptive Wundschmerzen (Schmerzen durch Gewebeschädigung), neuropathische Beschwerden (Beschwerden durch Nervenschädigung) und prozedurale Schmerzen benötigen unterschiedliche Behandlungsansätze. Ein höherer Dekubitusgrad (Schweregrad eines Druckgeschwürs) begründet für sich allein weder eine Opioidtherapie noch eine bestimmte Opioiddosis.

  • Nozizeptive Schmerzen: Bei leichteren Beschwerden kann Paracetamol eingesetzt werden. Metamizol kommt bei starken Schmerzen entsprechend seiner Zulassung infrage. NSAR sind allenfalls für einen kurzen, begründeten Behandlungsversuch geeignet; bei Frailty (Gebrechlichkeit), Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion), gastrointestinalem Blutungsrisiko (Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt) oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche) sind sie häufig ungünstig [FI1, FI2, FI9, B1].
  • Starke oder unzureichend kontrollierte Schmerzen: Einen individuell titrierten Opioidversuch erwägen. Mit einer niedrigen Dosis beginnen, Wirkung und Verträglichkeit früh überprüfen und eine Fortführung an einen dokumentierten Nutzen knüpfen. Bei regelmäßiger Gabe Obstipationsprophylaxe (Vorbeugung gegen Verstopfung) vorsehen, beispielsweise Macrogol; zusätzliche sedierende Arzneimittel kritisch prüfen [FI3, FI4, LL3].
  • Neuropathischer Schmerz: Brennende oder elektrisierende Beschwerden allein beweisen keine Neuropathie (Erkrankung der Nerven). Bei plausibler neuropathischer Komponente können Amitriptylin oder Gabapentin erwogen werden. Nutzen erst nach ausreichend langem, verträglichem Therapieversuch beurteilen. Antiepileptika gehören nicht automatisch zur Behandlung jedes Dekubitusschmerzes [FI5, FI6].
  • Prozedurale Schmerzen: Eine geeignete Bedarfsmedikation vor Verbandwechsel oder Debridement so planen, dass die Wirkung zum Eingriff einsetzt. Bei oralem, schnell freisetzendem Opioid ist häufig ein Vorlauf von ungefähr 30-60 Minuten zweckmäßig; Präparat und individuelles Ansprechen berücksichtigen. Bei ausgeprägten Schmerzen kann eine überwachte lokale oder systemische Anästhesie erforderlich sein [LL1].

Frailty und Organinsuffizienz (eingeschränkte Funktion eines Organs): Niedriger beginnen und langsamer titrieren; Wachheit, Atmung, Delirzeichen (Anzeichen einer akuten Verwirrtheit), Mobilität und Sturzrisiko berücksichtigen. Morphinmetaboliten können bei Niereninsuffizienz akkumulieren. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion deshalb eine geeignete Alternative unter fachkundiger Begleitung wählen; auch Oxycodon erfordert Dosisanpassung und Überwachung. Gabapentin wird renal ausgeschieden und muss nach Kreatinin-Clearance dosiert werden. Bei Mangelernährung oder Lebererkrankung die Paracetamoldosis reduzieren [FI1, FI3, FI4, FI6].

Palliative Situation: Belastung und Nutzen jeder Maßnahme gemeinsam abwägen. Kontinuierliche Analgesie (Schmerzbehandlung) mit planbarer Bedarfsmedikation kombinieren, wenn Ruhe- und Versorgungsschmerzen bestehen. Bei fehlender oraler Einnahmemöglichkeit eine geeignete alternative Applikationsform wählen. Transdermale Opioide eignen sich wegen ihres verzögerten Wirkungseintritts nicht zur kurzfristigen Titration akuter Versorgungsschmerzen [LL3].

Infektionsbehandlung: Ein positiver Wundabstrich oder eine Kolonisation (Besiedlung mit Keimen ohne Infektionszeichen) allein rechtfertigen keine systemischen Antibiotika. Diese sind bei klinischer systemischer Infektion beziehungsweise Sepsis (lebensbedrohlicher Organschädigung durch eine fehlgesteuerte Reaktion auf eine Infektion), sich ausbreitender Cellulitis (bakterieller Entzündung von Haut und Unterhaut) oder nachgewiesener beziehungsweise begründet vermuteter Osteomyelitis (Knochenentzündung) angezeigt. Sie werden nicht allein zur Beschleunigung der Dekubitusheilung verordnet [LL1, LL2].

  • Lokal begrenzte Infektion: Wundreinigung, Druckentlastung und Debridement prüfen; ein lokal antimikrobielles Verfahren gegebenenfalls zeitlich begrenzen und seine Wirkung überprüfen. Routinemäßige dauerhafte Antiseptik und topische Antibiotika vermeiden [LL1, LL2].
  • Mikrobiologie: Bei Infektionsverdacht möglichst nach Reinigung und Debridement eine geeignete Gewebeprobe gewinnen; ein fachgerecht erhobener Abstrich ist eine Alternative, wenn Gewebeentnahme nicht möglich ist. Bei Osteomyelitisverdacht Knochenhistologie und -kultur erwägen. Proben möglichst vor Antibiotikabeginn entnehmen, ohne die dringliche Therapie einer Sepsis zu verzögern [LL1].
  • Antibiotikawahl: Schweregrad, Lokalisation, Vorbehandlung, Allergien, Organfunktion, lokale Resistenzlage und Kultur berücksichtigen. Amoxicillin/Clavulansäure kann bei klinisch stabilen Erwachsenen mit behandlungsbedürftiger Weichteilinfektion (Infektion von Haut oder anderem weichem Gewebe) und vermuteter empfindlicher Mischflora eine orale Option sein. Bei schwerer polymikrobieller Infektion (Infektion durch mehrere Arten von Keimen) ist beispielsweise Piperacillin/Tazobactam i.v. möglich. Beide Beispiele sind keine universelle Dekubitustherapie [FI7, FI8].
  • MRSA-Risiko: Bei begründetem Verdacht oder Nachweis eine wirksame Zusatz- beziehungsweise Zieltherapie, beispielsweise Vancomycin, nach infektiologischem Konzept einsetzen. Amoxicillin/Clavulansäure und Piperacillin/Tazobactam decken MRSA nicht zuverlässig ab. Bei bekannten resistenten gramnegativen Erregern das Regime ebenfalls gezielt anpassen.
  • Verlauf: Nach etwa 48-72 Stunden klinisch und mikrobiologisch überprüfen, das Spektrum möglichst verengen und die Dauer nach Infektionsart und Herdsanierung festlegen. Eine Osteomyelitis benötigt ein eigenständiges diagnostisches und therapeutisches Konzept; eine pauschale kurze orale Behandlung genügt nicht. Sichtbarer Knochen beweist eine Osteomyelitis nicht; zur Sicherung sind Knochenbiopsie mit Histologie und Kultur besonders relevant. Bei chronischem sakralem Dekubitus (lang bestehendem Druckgeschwür im Kreuzbeinbereich) ohne realistischen Sanierungs- und Wundverschlussplan keine pauschale Langzeitantibiose allein wegen freiliegenden Knochens durchführen [3, LL1].

Tetanusprophylaxe

Auch bei einem Dekubitus den dokumentierten Tetanusimpfstatus prüfen und erforderliche Impfungen beziehungsweise eine passive Immunisierung veranlassen. Die Entscheidung richtet sich nach Wundbeschaffenheit, Anzahl dokumentierter Impfdosen und Abstand zur letzten Impfung; eine pauschale Simultanprophylaxe bei jedem Dekubitus ist nicht angezeigt [LL5].

  • Dekubitus Kategorie 1: Bei intakter Haut besteht durch diese Läsion (Gewebeschädigung) keine offene Eintrittspforte. Der reguläre Impfschutz ist dennoch zu prüfen; eine zusätzliche wundbezogene Tetanusprophylaxe ergibt sich aus dieser Läsion allein nicht.
  • Offener Dekubitus: Insbesondere tiefe, nekrotische (durch abgestorbenes Gewebe gekennzeichnete), mit Stuhl kontaminierte oder durch reduzierte Gewebeoxygenierung (Sauerstoffversorgung des Gewebes) gekennzeichnete Wunden sind anhand ihrer Merkmale der STIKO-Kategorie „alle anderen Wunden“ zuzuordnen. Diese Zuordnung folgt aus den Wundmerkmalen und nicht allein aus dem Dekubitusgrad [LL5].
  • Zeitpunkt: Eine indizierte postexpositionelle Prophylaxe möglichst unverzüglich durchführen. Bei begonnener, aber unvollständiger Grundimmunisierung die Mindestabstände beachten; eine weitere Impfung am Tag der Wundversorgung ist nach STIKO erst bei mindestens 28 Tagen Abstand zur vorausgegangenen Dosis zweckmäßig. Die Impfserie anschließend nach den Nachholimpfempfehlungen vervollständigen [LL5].

Tetanus-Immunprophylaxe nach Wundart und dokumentiertem Impfstatus

Wundart Dokumentierter Tetanusimpfstatus und Abstand zur letzten Impfung Aktive Impfung Tetanus-Immunglobulin (TIG)
Saubere, geringfügige Wunde Ungeimpft oder Impfstatus unbekannt Ja Ja
Saubere, geringfügige Wunde Begonnene Grundimmunisierung mit weniger als 3 dokumentierten Impfdosen Ja; Mindestabstände beachten Nein
Saubere, geringfügige Wunde Mindestens 3 dokumentierte Impfdosen; letzte Impfung vor mindestens 10 Jahren Ja Nein
Saubere, geringfügige Wunde Mindestens 3 dokumentierte Impfdosen; letzte Impfung vor weniger als 10 Jahren Nein Nein
Alle anderen Wunden, insbesondere tiefer, nekrotischer oder kontaminierter offener Dekubitus Weniger als 3 dokumentierte Impfdosen oder Impfstatus unbekannt Ja; bei begonnener Impfserie Mindestabstände beachten Ja
Alle anderen Wunden Mindestens 3 dokumentierte Impfdosen; letzte Impfung vor mindestens 5 Jahren Ja Nein
Alle anderen Wunden Mindestens 3 dokumentierte Impfdosen; letzte Impfung vor weniger als 5 Jahren Nein Nein

Schema nach STIKO 2026, Tabelle 9. Ein offener Dekubitus ist nicht ohne Prüfung seiner Wundmerkmale als „saubere, geringfügige Wunde“ einzustufen. Bei Erwachsenen wird ein geeigneter tetanushaltiger Kombinationsimpfstoff verwendet; Tdap insbesondere bei noch fehlender Pertussisimpfung im Erwachsenenalter oder aktueller Pertussisimpfindikation. Antibiotika ersetzen weder die aktive Impfung noch eine indizierte TIG-Gabe [LL5, B2].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Nichtsaure Nichtopioidanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Bei niedrigem Gewicht, Mangelernährung, Lebererkrankung oder weiteren Risikofaktoren niedrigere Tageshöchstdosis festlegen. Alle paracetamolhaltigen Präparate mitrechnen [FI1].
Metamizol Niedrigste wirksame Dosis; bei reduziertem Allgemeinzustand oder eingeschränkter Clearance reduzieren. Agranulozytose (starker Mangel bestimmter weißer Blutkörperchen) kann unabhängig von der Dosis auftreten [FI2, B1].
  • Wirkweise: Paracetamol wirkt analgetisch und antipyretisch (fiebersenkend); Metamizol zusätzlich spasmolytisch (krampflösend).
  • Indikation: Nozizeptive Schmerzen; Metamizol insbesondere starke Schmerzen entsprechend der jeweiligen Fachinformation.
  • Kontraindikationen: Präparatespezifisch beachten. Paracetamol nicht bei schwerer Leberinsuffizienz (eingeschränkter Leberfunktion) einsetzen. Metamizol insbesondere bei früherer Agranulozytose durch entsprechende Wirkstoffe oder Störungen der Knochenmarkfunktion vermeiden [FI1, FI2].
  • Nebenwirkungen: Paracetamol: Leberschädigung bei Überdosierung. Metamizol: Agranulozytose, anaphylaktische Reaktionen (schwere allergische Reaktionen), Hypotonie (niedriger Blutdruck) und mögliche Leberschädigung [FI1, FI2, B1].

Metamizol beachten: Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen sofort absetzen und unverzüglich ärztlich einschließlich Differenzialblutbild abklären. Unter Antibiotika können Warnzeichen verschleiert sein. Routinemäßige Blutbildkontrollen ersetzen diese Aufklärung nicht [B1].

Nichtsteroidale Antirheumatika

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Keine routinemäßige Dauertherapie. Höhere verschreibungspflichtige Dosierungen bedürfen einer gesonderten Indikation und Nutzen-Risiko-Prüfung [FI9].
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen; analgetische und antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung.
  • Indikation: Kurzzeitiger Behandlungsversuch bei geeigneten Patienten mit nozizeptivem Schmerz und entzündlicher Komponente.
  • Kontraindikationen: Unter anderem aktive beziehungsweise wiederholte gastrointestinale Blutung, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz, erhebliche Dehydratation und letztes Schwangerschaftsdrittel. Weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten [FI9].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Blutung, Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung) und kardiovaskuläre Risiken (Risiken für Herz und Kreislauf) [FI9].

Opioidanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Morphin, schnell freisetzend Die niedrige Startdosis ist ein individualisiertes geriatrisch-palliatives Vorgehen, keine allgemeine Fachinformationsdosis. Bei Niereninsuffizienz Akkumulationsrisiko; kein unkritisches festes Schema [FI3, LL3].
Oxycodon, schnell freisetzend Bei Leber- oder Niereninsuffizienz reduziert beginnen. Wechselwirkungen über CYP3A4/CYP2D6 und individuell unterschiedliche Opioidempfindlichkeit beachten [FI4].
  • Wirkweise: Aktivierung von Opioidrezeptoren und Hemmung der Schmerzübertragung.
  • Indikation: Starke Schmerzen, wenn eine angemessene Behandlung mit anderen Maßnahmen nicht ausreicht; Auswahl nach Schmerz und Nutzen, nicht automatisch nach Dekubitusgrad.
  • Kontraindikationen: Unter anderem relevante Atemdepression (gefährlich verlangsamte oder flache Atmung) und paralytischer Ileus (Darmverschluss durch fehlende Darmbewegung); weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten.
  • Nebenwirkungen: Obstipation (Verstopfung), Übelkeit, Sedierung (Dämpfung von Wachheit und Aufmerksamkeit), Delir, Atemdepression, Toleranz und Abhängigkeit. Bei Dosiserhöhung oder Kombination mit Gabapentinoiden beziehungsweise anderen sedierenden Mitteln besonders eng überwachen [FI3, FI4, FI6].

Trizyklische Antidepressiva als Koanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Amitriptylin Bei älteren Menschen am unteren Ende beginnen. Bei Frailty wegen anticholinerger Wirkungen oft ungeeignet; Herz-Kreislauf-Risiko und gegebenenfalls EKG berücksichtigen [FI5].
  • Wirkweise: Verstärkung monoaminerger schmerzhemmender Systeme; eine eigene analgetische Wirkung ist vorhanden.
  • Indikation: Klinisch begründete neuropathische Schmerzen; keine prophylaktische Gabe bei jedem Dekubitus.
  • Kontraindikationen: Insbesondere bestimmte kardiale Erkrankungen (Herzerkrankungen) und gleichzeitige MAO-Hemmer-Therapie; individuelle Fachinformation beachten.
  • Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt (Unfähigkeit, die Blase zu entleeren), Orthostase (Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen), Sedierung und Rhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags). Bei Beendigung ausschleichen [FI5].

Gabapentinoide als Koanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Gabapentin Bei Frailty langsamer und gegebenenfalls niedriger beginnen. Nierenanpassung zwingend: bei Kreatinin-Clearance 30-49 ml/min beispielsweise 300-900 mg/Tag; bei stärkerer Einschränkung weitere Reduktion nach Fachinformation [FI6].
  • Wirkweise: Bindung an die α2δ-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle.
  • Indikation: Klinisch begründete periphere neuropathische Schmerzen; keine prophylaktische Gabe bei jedem Dekubitus.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Niereninsuffizienz zwingende Dosisanpassung statt unveränderter Standarddosierung.
  • Nebenwirkungen: Schläfrigkeit, Schwindel, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und Ödeme (Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerung); Atemdepression insbesondere mit Opioiden. Bei Beendigung ausschleichen [FI6].

Beta-Lactam-Antibiotika mit Beta-Lactamasehemmern: Beispiele bei entsprechender Infektionsindikation

Wirkstoff Besonderheiten
Amoxicillin/Clavulansäure Nur bei passendem Erregerspektrum und klinischer Stabilität. Kein MRSA- oder Pseudomonas-Regime. Die 875/125-mg-Formulierung ist bei Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min ungeeignet [FI7].
Piperacillin/Tazobactam Stationäres Beispiel für schwere polymikrobielle Infektion; renal anpassen. MRSA-Abdeckung bei entsprechender Indikation zusätzlich erforderlich [FI8].
  • Wirkweise: Beta-Lactam-Antibiotika hemmen die bakterielle Zellwandsynthese; Beta-Lactamasehemmer erweitern das wirksame Spektrum.
  • Indikation: Ausbreitende Cellulitis, systemische Infektion oder geeignetes Osteomyelitisregime; keine Behandlung allein aufgrund einer Kolonisation.
  • Kontraindikationen: Relevante Beta-Lactam-Allergie; bei Amoxicillin/Clavulansäure zusätzlich frühere zugehörige cholestatische Gelbsucht (Gelbsucht durch gestörten Galleabfluss) beziehungsweise Leberfunktionsstörung.
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Diarrhoe (Durchfall) einschließlich Clostridioides-difficile-Infektion (Darminfektion durch ein bestimmtes Bakterium), Leberwertveränderungen und Zytopenien (Mangel an Blutzellen); bei Piperacillin/Tazobactam außerdem Elektrolytbelastung und bei Akkumulation Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems) [FI7, FI8].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Tetanushaltige Kombinationsimpfstoffe: aktive Immunisierung

Wirkstoff Besonderheiten
Tetanustoxoid in einem geeigneten Kombinationsimpfstoff, beispielsweise Td oder Tdap Indikation nach Wundart und dokumentiertem Impfstatus. Bei Erwachsenen Tdap bei fehlender Pertussisimpfung im Erwachsenenalter beziehungsweise aktueller Pertussisimpfindikation berücksichtigen. Eine einzelne Impfung vervollständigt eine fehlende Grundimmunisierung nicht [LL5].
  • Wirkweise: Aktive Immunisierung durch Induktion einer Immunantwort gegen Tetanustoxin.
  • Indikation: Wundbezogene Prophylaxe nach STIKO-Schema sowie Nachholen beziehungsweise Auffrischen fehlenden Impfschutzes.
  • Kontraindikationen: Insbesondere schwere Überempfindlichkeitsreaktion auf eine vorausgegangene Dosis oder einen Bestandteil; Gegenanzeigen des gewählten Kombinationsimpfstoffs beachten. Der Dekubitus allein ist keine Impfkontraindikation.
  • Nebenwirkungen: Lokale Schmerzen, Rötung und Schwellung, vorübergehende Allgemeinsymptome; selten schwere allergische Reaktionen.

Humanes Tetanus-Immunglobulin: passive Immunisierung

Wirkstoff Besonderheiten
Humanes Tetanus-Immunglobulin (TIG) Bei bestehender Indikation gleichzeitig mit der aktiven Impfung an einer anderen Körperstelle verabreichen. Keine routinemäßige Gabe bei mindestens 3 dokumentierten Impfdosen nach dem allgemeinen STIKO-Wundschema. Die prophylaktische Dosierung ist von der Behandlung eines klinisch manifesten Tetanus (Wundstarrkrampf) zu unterscheiden [LL5].
  • Wirkweise: Sofortige passive Bereitstellung von Antikörpern zur Neutralisation noch nicht an Nervengewebe gebundenen Tetanustoxins.
  • Indikation: Wundbezogene Prophylaxe entsprechend der oben dargestellten STIKO-Tabelle; insbesondere bei tetanusgefährdenden Wunden und unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus [LL5].
  • Kontraindikationen: Präparatespezifische Gegenanzeigen und bekannte schwere Überempfindlichkeit gegen Immunglobulinpräparate berücksichtigen; bei besonderem Überempfindlichkeitsrisiko fachkundige individuelle Entscheidung.
  • Nebenwirkungen: Lokale Beschwerden und Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zu seltenen anaphylaktischen Reaktionen.

Beachte

  • Lokales Morphin: Die Anwendung auf offenen Wunden ist ein Off-Label-Use. Kleine, heterogene Studien erlauben keine Empfehlung als Standardtherapie und keine allgemein standardisierte Dosis. Systemische Aufnahme ist insbesondere bei großen Wunden möglich. Allenfalls einen dokumentierten spezialisierten Therapieversuch nach Aufklärung und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erwägen [1, 2].
  • Lokalanästhetika: Lidocainhaltige Präparate nicht pauschal auf offene Dekubituswunden auftragen. Zulassung, Darreichungsform, Wundfläche, Expositionsdauer und Resorptionsrisiko prüfen. Eine Zulassung für bestimmte andere Ulzera (Geschwüre) lässt sich nicht auf Dekubitus übertragen.
  • Tetanusprophylaxe: Wundreinigung und indikationsgerechtes Debridement ergänzen die Immunprophylaxe. Antibiotika nicht allein zur Verhinderung eines Tetanus verordnen; eine behandlungsbedürftige Wundinfektion ist unabhängig davon nach ihren eigenen Kriterien zu behandeln [B2].
  • Warnzeichen: Rasch zunehmende Schmerzen, ausbreitende Rötung, Kreislaufinstabilität oder neues Delir erfordern zeitnahe ärztliche Beurteilung. Eine nekrotisierende Infektion (Infektion mit absterbendem Gewebe) beziehungsweise Sepsis verlangt sofortige Behandlung und gegebenenfalls chirurgische Herdsanierung.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika
  • EKG: Elektrokardiogramm
  • MAO: Monoaminoxidase
  • MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
  • STIKO: Ständige Impfkommission
  • TIG: Tetanus-Immunglobulin
  • Td: Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus und Diphtherie
  • Tdap: Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis
  • p.o.: per os, Einnahme über den Mund
  • i.v.: intravenös, Anwendung in eine Vene

Literatur

  1. Zeppetella G et al.: Analgesic efficacy of morphine applied topically to painful ulcers. J Pain Symptom Manage. 2003;25:555-558. doi:10.1016/S0885-3924(03)00146-5.
  2. Ribeiro MDC et al.: The bioavailability of morphine applied topically to cutaneous ulcers. J Pain Symptom Manage. 2004;27:434-439. doi:10.1016/j.jpainsymman.2003.09.011.
  3. Wong D, Holtom P, Spellberg B: Osteomyelitis Complicating Sacral Pressure Ulcers: Whether or Not to Treat With Antibiotic Therapy. Clin Infect Dis. 2019;68:338-342. doi:10.1093/cid/ciy559.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Gould LJ et al.: WHS guidelines for the treatment of pressure ulcers—2023 update. Wound Repair Regen. 2024;32:6-33. doi:10.1111/wrr.13130. Volltext [LL1]
  2. National Institute for Health and Care Excellence: Pressure ulcers: prevention and management. CG179. April 2014. Empfehlungen [LL2]
  3. NHS England, North West: Palliative Care Pain and Symptom Control Guidelines. Volltext. Abruf: 14.10.2026 [LL3]
  4. National Pressure Injury Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel, Pan Pacific Pressure Injury Alliance: Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Quick Reference Guide. The International Guideline, Fourth Edition. Emily Haesler (Hrsg.). September 2026. Quick Reference Guide [LL4]
  5. Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission 2026. Epidemiologisches Bulletin. 2026;4. Abschnitt 5.4 und Tabelle 9: Tetanus-Immunprophylaxe im Verletzungsfall. Offizielle englische Fassung [LL5]

Behördliche Sicherheitsinformationen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte; Hersteller metamizolhaltiger Arzneimittel: Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. 9. Dezember 2024. Rote-Hand-Brief [B1]
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Guidance for Wound Management to Prevent Tetanus. Wundversorgung und Tetanusprophylaxe. Abruf: 14.10.2026 [B2]

Produktinformationen

  1. ratiopharm: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Fachinformation, Stand: Dezember 2024. Fachinformation [FI1]
  2. Opella Healthcare Austria: Novalgin Filmtabletten. Fachinformation. Abruf: 14.10.2026 [FI2]
  3. Martindale Pharma: Morphine 10 mg/5 ml Oral Solution. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI3]
  4. Wockhardt UK Ltd: Oxycodone Hydrochloride 5 mg/5 ml Oral Solution. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI4]
  5. Brown & Burk UK Ltd: Amitriptyline 10 mg Film-Coated Tablets. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI5]
  6. ratiopharm: Gabapentin-ratiopharm 100/300/400 mg Hartkapseln. Fachinformation. Abruf: 14.10.2026 [FI6]
  7. Brown & Burk UK Ltd: Co-amoxiclav 875 mg/125 mg Film-coated Tablets. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI7]
  8. Sandoz Limited: Piperacillin/Tazobactam 4 g/0,5 g Powder for Solution for Infusion. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI8]
  9. Aurobindo Pharma – Milpharm Ltd: Ibuprofen 400 mg Film-coated Tablets. Summary of Product Characteristics. Abruf: 14.10.2026 [FI9]