Verstopfte Nase – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine verstopfte Nase (Nasenatmungsbehinderung, nasale Obstruktion (verstopfte Nase)) mitbedingt sein können:

Die verstopfte Nase ist ein Symptom unterschiedlicher entzündlicher, struktureller oder funktioneller Ursachen. Die Evidenz zu Folgeproblemen bezieht sich insbesondere auf eine persistierende bzw. chronische Nasenatmungsbehinderung, z. B. bei allergischer Rhinitis (allergischer Schnupfen), chronischer Rhinosinusitis (chronische Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen) oder struktureller nasaler Obstruktion. Bei mehreren Endpunkten ist die nasale Obstruktion ein mitwirkender bzw. verstärkender Faktor und nicht die alleinige Ursache [1-4, LL1, LL2].

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Malokklusionen (Fehlstellungen des Zusammenbisses) und dentofaziale Wachstumsveränderungen (Wachstumsveränderungen von Gesicht und Kiefer) im Kindesalter persistierende Mundatmung, wie sie bei chronischer Nasenatmungsbehinderung auftreten kann, ist bei Kindern mit Veränderungen des kraniofazialen Wachstums (Wachstum von Schädel und Gesicht) und der Okklusion (Zusammenbiss der Zähne) assoziiert. Beschrieben sind insbesondere eine posteriore und kaudale Rotation von Mandibula (Unterkiefer) und Maxilla (Oberkiefer) sowie eine Zunahme vertikaler Gesichtsdimensionen. Die zugrunde liegende Evidenz ist überwiegend beobachtend, sodass eine eigenständige Kausalwirkung der Mundatmung nicht abschließend gesichert ist [6].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Insomnische Beschwerden (Schlafstörungen) bzw. nicht erholsamer Schlaf eine persistierende nasale Obstruktion ist mit verminderter subjektiver Schlafqualität, nächtlichen Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit assoziiert. Die Behandlung einer Nasenatmungsbehinderung bei allergischer Rhinitis oder Septumdeviation (Verkrümmung der Nasenscheidewand) verbessert in einer Metaanalyse die subjektive Schlafqualität; für eine konsistente Verbesserung objektiver schlafmedizinischer Parameter ist die Evidenz dagegen unzureichend [1].
  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA) (nächtliche Atemaussetzer durch Verengung der oberen Atemwege) eine erhöhte nasale Atemwegsresistenz (erhöhter Widerstand bei der Nasenatmung) kann bei prädisponierten Patienten schlafbezogene Atmungsstörungen (Atemstörungen im Schlaf) verstärken, gilt jedoch im Regelfall nicht als alleinige Ursache einer OSA. Eine alleinige Behandlung der nasalen Obstruktion führt deshalb nicht zuverlässig zu einer klinisch relevanten Normalisierung des Apnoe-Hypopnoe-Index (Anzahl vollständiger und teilweiser Atemaussetzer pro Stunde Schlaf) [2, 3, 12].
    • Bei gleichzeitig bestehender OSA kann die Beseitigung einer nasalen Obstruktion die subjektiven schlafbezogenen Beschwerden verbessern [2, 3].
    • Bei Patienten unter positivem Atemwegsdruck (positive airway pressure, PAP) (Überdruckbehandlung der Atemwege) kann eine relevante nasale Obstruktion die Masken- bzw. Therapietoleranz beeinträchtigen. Nach operativer Verbesserung der Nasenatmung wurden niedrigere erforderliche kontinuierliche positive Atemwegsdrücke (continuous positive airway pressure, CPAP) (kontinuierliche Überdruckbehandlung der Atemwege) und eine bessere CPAP-Anwendung beschrieben [4].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dysosmie (Riechstörung) eine eingeschränkte Luftströmung zur Riechspalte (Riechbereich im oberen Nasenraum) kann eine konduktive Riechstörung (durch behinderten Luftstrom bedingte Riechstörung) mit Hyposmie (vermindertes Riechvermögen) bis hin zur Anosmie (Verlust des Riechvermögens) verursachen bzw. verstärken. Die systematische Evidenz zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Luftstrom in der Riechspalte und insbesondere Riechschwelle sowie Diskriminationsvermögen. Bei entzündlichen Erkrankungen der Nase und Nasennebenhöhlen können zusätzlich nichtmechanische, entzündlich bedingte Störungen des Riechepithels (Riechschleimhaut) beteiligt sein [5].
  • Mundatmung bei relevanter Nasenatmungsbehinderung erfolgt kompensatorisch eine vermehrte orale Atmung, insbesondere während des Schlafs. Nasale Obstruktion wird als eine wesentliche Ursache der Mundatmung beschrieben; diese kann ihrerseits zur Xerostomie (Mundtrockenheit) beitragen und ist bei längerem Bestehen im Kindesalter mit dentofazialen Veränderungen assoziiert [6, 7, 11, 12].
  • Rhonchopathie (Schnarchen) eine erhöhte nasale Atemwegsresistenz kann bei entsprechender Prädisposition Schnarchen hervorrufen oder eine bestehende Rhonchopathie verstärken. Die alleinige Behandlung der nasalen Obstruktion führt allerdings nur bei einem Teil der Patienten zu einer relevanten Besserung des Schnarchens [3, 12].
  • Tagesmüdigkeit bzw. Tagesschläfrigkeit kann infolge einer beeinträchtigten Schlafqualität auftreten. Eine Besserung subjektiver schlafbezogener Parameter wurde nach Behandlung einer Nasenatmungsbehinderung bei allergischer Rhinitis und struktureller nasaler Obstruktion nachgewiesen [1].
  • Xerostomie kompensatorische, insbesondere nächtliche Mundatmung erhöht die Verdunstung des Speichelfilms und kann dadurch Mundtrockenheit verursachen bzw. verstärken [7].

Weiteres

  • Arbeits- und Schulleistungsfähigkeit vermindert nasale Kongestion (verstopfte Nase) ist mit verminderter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie Einschränkungen bei Arbeit, Schule und Alltagsaktivitäten assoziiert. Besonders gut dokumentiert ist dieser Zusammenhang bei rhinitisbedingten nasalen Beschwerden; ein systematischer Review zeigte eine relevante Beeinträchtigung der Produktivität insbesondere während der Anwesenheit am Arbeitsplatz [9, 10].
  • Sportliche Leistungsfähigkeit und Regeneration beeinträchtigt insbesondere bei Athleten kann eine relevante Nasenatmungsbehinderung mit vermehrter Mundatmung, beeinträchtigtem Schlaf bzw. verminderter Erholung und subjektiver Leistungsminderung einhergehen. Die Evidenz hierzu beruht überwiegend auf Beobachtungsdaten und Expertenkonsens [11].
  • Lebensqualität vermindert eine chronische Nasenatmungsbehinderung kann die krankheitsspezifische und allgemeine gesundheitsbezogene Lebensqualität durch Schlafstörungen, Riechstörungen, Tagesmüdigkeit und funktionelle Einschränkungen erheblich beeinträchtigen. Eine Metaanalyse zeigt eine ausgeprägte Verbesserung validierter nasaler Symptom- und Lebensqualitätsscores nach Septumchirurgie (Operation an der Nasenscheidewand); zusätzlich belegt eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie bei Patienten mit Septumdeviation und mindestens moderater Nasenatmungsbehinderung eine stärkere Verbesserung krankheitsspezifischer und allgemeiner gesundheitsbezogener Lebensqualitätsparameter durch Septoplastik (operative Begradigung der Nasenscheidewand) gegenüber standardisierter medikamentöser Behandlung [8, 13].

Prognosefaktoren

  • Schweregrad der Nasenatmungsbehinderung eine höhere Symptomschwere ist mit einer stärkeren Beeinträchtigung von Schlaf, Alltagsfunktion und Arbeitsproduktivität assoziiert. Bei struktureller Nasenobstruktion durch Septumdeviation sagt eine höhere Ausgangssymptomatik zugleich einen größeren therapeutischen Nutzen einer Septoplastik voraus [9, 10, 13].
  • Ursache und Reversibilität der nasalen Obstruktion entzündliche und strukturelle Ursachen unterscheiden sich hinsichtlich Persistenz und therapeutischer Beeinflussbarkeit. Eine erfolgreiche kausale Behandlung kann Nasenatmung, subjektive Schlafqualität und Lebensqualität deutlich verbessern [1, 8, 13, LL1, LL2].
  • Ausmaß der Mundatmung insbesondere persistierende nächtliche Mundatmung begünstigt orale Trockenheit; im Kindesalter ist längerfristige Mundatmung mit dentofazialen Wachstumsveränderungen assoziiert [6, 7].
  • Vorliegen einer schlafbezogenen Atmungsstörung bei bestehender OSA gewinnt eine zusätzliche nasale Obstruktion klinisch an Bedeutung, insbesondere hinsichtlich subjektiver Schlafqualität und PAP-/CPAP-Toleranz. Eine nasale Therapie ist bei OSA in der Regel eine adjuvante und keine alleinige kausale Therapie [2-4, 12].
  • Beeinträchtigung der Riechspalte eine ausgeprägte Einschränkung des Luftstroms zur Riechspalte erhöht die Wahrscheinlichkeit einer konduktiven Riechstörung [5].
  • Kindliches Wachstumsalter persistierende Mundatmung während der kraniofazialen Entwicklung ist mit Malokklusionen und charakteristischen skelettalen Veränderungen assoziiert; aufgrund überwiegend nicht randomisierter Daten ist die Kausalität jedoch nur eingeschränkt gesichert [6].

Literatur

  1. Fried J, Yuen E, Zhang K et al.: Impact of Treatment for Nasal Cavity Disorders on Sleep Quality: Systematic Review and Meta-analysis. Otolaryngol Head Neck Surg. 2022;166(4):633-642. doi: 10.1177/01945998211029527.
  2. Ang LF, Chua NYM, Loh SBJ et al.: Impact of Functional Rhinoplasty on Sleep-Disordered Breathing: A Systematic Review and Meta-Analysis. Facial Plast Surg. 2026 Jun 18. Online ahead of print. doi: 10.1055/a-2891-4516.
  3. Migueis DP, Thuler LCS, Lemes LNA et al.: Systematic review: the influence of nasal obstruction on sleep apnea. Braz J Otorhinolaryngol. 2016;82(2):223-231. doi: 10.1016/j.bjorl.2015.05.018.
  4. Camacho M, Riaz M, Capasso R et al.: The effect of nasal surgery on continuous positive airway pressure device use and therapeutic treatment pressures: a systematic review and meta-analysis. Sleep. 2015;38(2):279-286. doi: 10.5665/sleep.4414.
  5. Wei Y, Jiang X, Li Y et al.: Association Between Limited Airflow in Olfactory Cleft and Impaired Olfactory Function: A Systematic Review. Am J Rhinol Allergy. 2025;39(6):431-443. doi: 10.1177/19458924251360408.
  6. Zhao Z, Zheng L, Huang X et al.: Effects of mouth breathing on facial skeletal development in children: a systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health. 2021;21:108. doi: 10.1186/s12903-021-01458-7.
  7. Dawes C: How Much Saliva Is Enough for Avoidance of Xerostomia? Caries Res. 2004;38(3):236-240. doi: 10.1159/000077760.
  8. Alessandri-Bonetti M, Costantino A, Cottone G et al.: Efficacy of Septoplasty in Patients with Nasal Obstruction: A Systematic Review and Meta-analysis. Laryngoscope. 2023;133(12):3237-3246. doi: 10.1002/lary.30684.
  9. Stull DE, Roberts L, Frank L et al.: Relationship of nasal congestion with sleep, mood, and productivity. Curr Med Res Opin. 2007;23(4):811-819. doi: 10.1185/030079907X178793.
  10. Vandenplas O, Vinnikov D, Blanc PD et al.: Impact of Rhinitis on Work Productivity: A Systematic Review. J Allergy Clin Immunol Pract. 2018;6(4):1274-1286.e9. doi: 10.1016/j.jaip.2017.09.002.
  11. McIntosh C, Clemm HH, Sewry N et al.: Diagnosis and management of nasal obstruction in the athlete. A narrative review by subgroup B of the IOC Consensus Group on "Acute Respiratory Illness in the Athlete". J Sports Med Phys Fitness. 2021;61(8):1144-1158. doi: 10.23736/S0022-4707.21.12821-X.
  12. Kohler M, Bloch KE, Stradling JR: The role of the nose in the pathogenesis of obstructive sleep apnoea and snoring. Eur Respir J. 2007;30(6):1208-1215. doi: 10.1183/09031936.00032007.
  13. Carrie S, O'Hara J, Fouweather T et al.: Clinical effectiveness of septoplasty versus medical management for nasal airways obstruction: multicentre, open label, randomised controlled trial. BMJ. 2023;383:e075445. doi: 10.1136/bmj-2023-075445.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Sousa-Pinto B, Bousquet J, Vieira RJ et al.: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines—2024-2025 Revision: Part I—Guidelines on Intranasal Treatments. Allergy. 2026;81(4):954-976. doi: 10.1111/all.70131. [LL1]
  2. Fokkens WJ, Lund VJ, Hopkins C et al.: European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020. Rhinology. 2020;58(Suppl S29):1-464. doi: 10.4193/Rhin20.600. [LL2]