Mund-Antrum-Verbindung (MAV) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Mund-Antrum-Verbindung (Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle) (MAV) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Odontogene Sinusitis maxillaris (durch Zähne verursachte Kieferhöhlenentzündung) – wichtigste infektiöse Folge einer persistierenden Mund-Antrum-Verbindung; sowohl akute als auch chronisch-persistierende Verläufe sind möglich [1, 2, 4, LL1]

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Orbitale Komplikationen (Komplikationen der Augenhöhle) – seltene, potenziell visusbedrohliche Folgen einer über die odontogene Sinusitis fortgeleiteten Infektion [3]
    • Präseptale Cellulitis (Entzündung des Gewebes vor der Augenhöhlenscheidewand)
    • Orbitale Cellulitis (Entzündung des Gewebes der Augenhöhle) (Orbitaphlegmone)
    • Subperiostealer Abszess (Eiteransammlung unter der Knochenhaut)
    • Orbitaabszess (Eiteransammlung in der Augenhöhle)
    • Visusminderung (Verschlechterung der Sehfähigkeit) bis zum Visusverlust (Verlust der Sehfähigkeit)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Aspergillose des Sinus maxillaris (Pilzinfektion der Kieferhöhle), insbesondere nichtinvasiver Fungus ball (Aspergillom) – selten; bei odontogener Genese kann die Besiedlung der Kieferhöhle über eine Mund-Kieferhöhlen-Verbindung erfolgen; zusätzlich kann überstopftes Wurzelkanalfüllmaterial die Entstehung begünstigen [LL1]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Persistierende oroantrale Fistel (krankhafte Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle) (OAF) – Folge der fehlenden Ausheilung und Epithelialisierung (Überwachsen mit Schleimhaut) einer persistierenden Mund-Antrum-Verbindung; sie begünstigt ihrerseits eine persistierende bzw. rezidivierende odontogene Sinusitis maxillaris [1, 2, 4]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Intrakranielle infektiöse Komplikationen (infektiöse Komplikationen im Schädelinneren) – sehr seltene, potenziell lebensbedrohliche Folgen einer fortgeleiteten odontogenen Sinusitis [3]
    • Epiduraler Abszess (Eiteransammlung zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut)
    • Subduralempyem (Eiteransammlung unter der harten Hirnhaut)
    • Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn)
    • Meningitis (Hirnhautentzündung)
    • Septische Thrombose des Sinus cavernosus (infektiös bedingter Blutgerinnselverschluss eines venösen Blutleiters an der Schädelbasis)

Prognosefaktoren (Faktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen)

  • Defektgröße und Zeitpunkt der Versorgung – kleine Mund-Antrum-Verbindungen besitzen eine höhere Wahrscheinlichkeit der spontanen bzw. unkomplizierten Ausheilung; insbesondere bei Defekten unter etwa 3 mm ist eine spontane Heilung möglich. Eine frühzeitige Versorgung innerhalb von 24-48 Stunden ist mit höheren Verschlussraten assoziiert [2].
  • Dauer der Mund-Antrum-Verbindung – eine persistierende Kommunikation begünstigt die Epithelialisierung und damit den Übergang in eine oroantrale Fistel sowie die Entwicklung bzw. Unterhaltung einer odontogenen Sinusitis maxillaris [1, 2, 4].
  • Begleitende bzw. persistierende Sinusitis maxillaris – wesentlicher ungünstiger Prognosefaktor für den erfolgreichen Verschluss der Mund-Antrum-Verbindung; in einer retrospektiven Kohortenstudie war eine Sinusitis maxillaris bei der Nachuntersuchung mit einem etwa 15-fach erhöhten Rezidivrisiko assoziiert [5].
  • Ausmaß der sinonasalen Erkrankung und ostiomeatale Drainage (Abfluss über den gemeinsamen Abflussbereich der Nasennebenhöhlen) – eine hohe Krankheitslast und/oder eine insuffiziente Drainage über den ostiomeatalen Komplex (gemeinsamer Abflussbereich der Nasennebenhöhlen) erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzlich zur Beseitigung der odontogenen Ursache und zum Verschluss der Mund-Antrum-Verbindung ein endoskopischer Kieferhöhleneingriff erforderlich wird [LL1].
  • Persistenz der odontogenen Infektionsursache (Fortbestehen der von den Zähnen ausgehenden Infektionsursache) – eine unvollständige Sanierung der odontogenen Ursache begünstigt eine fortbestehende odontogene Sinusitis und damit ein Therapieversagen; die aktuelle S2k-Leitlinie fordert deshalb die konsequente Beseitigung der Infektionsursache durch geeignete zahnärztliche, oralchirurgische und/oder mund-kiefer-gesichtschirurgische Maßnahmen [LL1].
  • Rezidiv (Wiederauftreten) nach operativem Verschluss – nach chirurgischer Versorgung sind erneute Mund-Antrum-Verbindungen möglich; in einer retrospektiven Kohorte betrug die Rezidivrate 10,4 % und erforderte erneute operative Interventionen [5].

Literatur

  1. Alharbi RR, Alnajar OF, Almahdi RE et al.: Treatment of Odontogenic Sinusitis With Oroantral Communication and Fistula: A Systematic Review and Meta-Analysis. Saudi Med J. 2026;47(5):769-779. doi: 10.15537/1658-3175.8760.
  2. Oliva S, Lorusso F, Scarano A et al.: The Treatment and Management of Oroantral Communications and Fistulas: A Systematic Review and Network Metanalysis. Dent J (Basel). 2024;12(5):147. doi: 10.3390/dj12050147.
  3. Craig JR, Cheema AJ, Dunn RT et al.: Extrasinus Complications From Odontogenic Sinusitis: A Systematic Review. Otolaryngol Head Neck Surg. 2022;166(4):623-632. doi: 10.1177/01945998211026268.
  4. Shahrour R, Shah P, Withana T et al.: Oroantral communication, its causes, complications, treatments and radiographic features: A pictorial review. Imaging Sci Dent. 2021;51(3):307-311. doi: 10.5624/isd.20210035.
  5. Visscher SH, van Roon MRF, Sluiter WJ et al.: Retrospective Study on the Treatment Outcome of Surgical Closure of Oroantral Communications. J Oral Maxillofac Surg. 2011;69(12):2956-2961. doi: 10.1016/j.joms.2011.02.102.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Odontogene Sinusitis maxillaris. (Registernummer 007-086) März 2026 Langfassung [LL1].