Heiserkeit (Dysphonie) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung
    • Beurteilung des Allgemeinzustands sowie der Körperhaltung und des Muskeltonus
    • Inspektion von Kopf-, Hals- und Schulterhaltung sowie des Atemmusters und der Atem-Stimm-Koordination
  • Auditiv-perzeptive Stimmbeurteilung
    • Beurteilung der Sprechstimme im freien Gespräch und anhand standardisierter Sprechaufgaben hinsichtlich Stimmklang, Tonhöhe, Lautstärke, Stabilität und phonatorischer (die Stimmerzeugung betreffender) Anstrengung
    • Beurteilung des Schweregrads der Stimmstörung, vorzugsweise anhand etablierter Beurteilungssysteme wie der RBH-Klassifikation (Rauigkeit, Behauchtheit, Heiserkeit), des GRBAS-Scores (Grade, Roughness, Breathiness, Asthenia, Strain) oder des CAPE-V-Protokolls (Consensus Auditory-Perceptual Evaluation of Voice)
    • Beurteilung der stimmlichen Belastbarkeit und möglicher Veränderungen während längerer Sprechsequenzen
  • HNO-ärztliche (Hals-Nasen-Ohren-ärztliche) bzw. phoniatrische (stimmheilkundliche) Untersuchung
    • Inspektion von Mundhöhle und Oropharynx (Mundrachen)
    • Äußere Inspektion des Kehlkopfs:
      • Kehlkopfstellung in Ruhe
      • Prominentia laryngea (Kehlkopfvorsprung)
      • Haut und Halsweichteile, insbesondere Operations- oder Bestrahlungsfolgen
    • Palpation des Kehlkopfs und der Halsweichteile:
      • Beide Schildknorpelplatten einschließlich Prominentia laryngea
      • Kehlkopfelevation (Anhebung des Kehlkopfs) und kraniokaudale (von oben nach unten gerichtete) Beweglichkeit
      • Halsweichteile
      • Schilddrüse
    • Beurteilung der perilaryngealen (um den Kehlkopf gelegenen) Muskulatur sowie der Mundboden-, Hals-, Nacken- und Schultergürtelmuskulatur in Ruhe und bei Phonation (Stimmbildung)
    • Beurteilung der Körperhaltung, insbesondere auf Haltungsauffälligkeiten, vertebragene (wirbelsäulenbedingte) Veränderungen und zervikale (den Hals betreffende) Funktionseinschränkungen
    • Palpation der zervikalen Lymphknotenstationen
  • Neurologische Untersuchung bei klinischem Verdacht auf eine neurologische bzw. neuromuskuläre (Nerven und Muskeln betreffende) Ursache
    • Orientierende Hirnnervenuntersuchung, insbesondere der an Phonation, Artikulation und Schlucken beteiligten Hirnnerven
    • Beurteilung von Gaumensegelhebung, Zungenmotorik, Artikulation und Schluckfunktion
    • Untersuchung auf Tremor (Zittern), Dystonie (Störung der Muskelspannung), extrapyramidale Bewegungsstörungen (Störungen der unwillkürlichen Bewegungssteuerung), Paresen (Lähmungserscheinungen) und neuromuskuläre Ermüdbarkeit
  • Untersuchung des respiratorischen Systems bei Dyspnoe (Atemnot), Stridor (pfeifendem Atemgeräusch) oder auffälliger Atem-Stimm-Koordination
    • Inspektion von Atemarbeit und Thoraxexkursion (Bewegung des Brustkorbs beim Atmen)
    • Bestimmung von Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung bei klinischer respiratorischer Beeinträchtigung
    • Auskultation der Lunge und der oberen Atemwege

Red Flags (Warnzeichen) bei Dysphonie (Stimmstörung)

  • Stridor, ausgeprägte Dyspnoe oder andere klinische Zeichen einer relevanten Atemwegsobstruktion (Verengung der Atemwege)
  • Neu aufgetretene oder progrediente Raumforderung im Halsbereich
  • Pathologisch (krankhaft) vergrößerte, derbe oder fixierte zervikale Lymphknoten
  • Neurologische Ausfälle, insbesondere Hirnnervenausfälle oder Zeichen einer bulbären (den Hirnstamm betreffenden) Funktionsstörung
  • Klinischer Verdacht auf eine maligne (bösartige) Erkrankung des Kehlkopfs bzw. des Kopf-Hals-Bereichs

Bei Dysphonie bestehen aufgrund der ätiologischen (ursächlichen) Heterogenität keine hinreichend spezifischen pathologischen Befunde der äußeren körperlichen Untersuchung, die regelhaft in eckigen Klammern ausgewiesen werden können.