Störungen der Vestibularfunktion – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Verbesserung von Schwindel, Nausea (Übelkeit), Erbrechen, Gangunsicherheit und krankheitsspezifischer Beeinträchtigung
  • Förderung der zentralen vestibulären Kompensation (Anpassung des Gehirns an eine Störung des Gleichgewichtsorgans)
  • Verhinderung von Rezidiven (Wiederauftreten), Stürzen, Hörverlust und arzneimittelbedingten Schäden

Therapieempfehlungen

Eine einheitliche kausale Pharmakotherapie (ursächliche medikamentöse Behandlung) für vestibuläre Funktionsstörungen (Störungen des Gleichgewichtssystems) existiert nicht. Die Behandlung richtet sich nach dem gesicherten vestibulären Syndrom (Krankheitsbild des Gleichgewichtssystems). Sedierende Antivertiginosa dürfen nur zur kurzfristigen symptomatischen Behandlung ausgeprägter Nausea oder ausgeprägten Erbrechens eingesetzt werden, in der Regel nicht länger als drei Tage, da sie die zentrale vestibuläre Kompensation verzögern können [LL1, LL2].

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger anfallsartiger Lagerungsschwindel; BPLS; engl. BPPV): Therapie der ersten Wahl sind bogengangspezifische Repositionsmanöver. Eine routinemäßige Behandlung mit Antivertiginosa ist nicht indiziert. Dimenhydrinat oder Ondansetron kann nur bei ausgeprägter Nausea bzw. ausgeprägtem Erbrechen oder zur Ermöglichung des Repositionsmanövers kurzfristig eingesetzt werden [LL1, LL3].
  • Bilaterale Vestibulopathie (beidseitige Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans; BVP): Es gibt keine etablierte kausale Pharmakotherapie. Prednisolon ist bei chronischer bilateraler Vestibulopathie nicht indiziert. Vorrangig sind das Absetzen oder Vermeiden vestibulotoxischer (das Gleichgewichtsorgan schädigender) Arzneimittel, insbesondere Aminoglykoside, soweit medizinisch vertretbar, die Behandlung einer identifizierten Grunderkrankung sowie vestibuläre Rehabilitation und Sturzprävention. Sedierende Antivertiginosa sollen vermieden werden [12, LL1, LL2].
  • Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit anfallsartigem Schwindel, Hörminderung und Ohrgeräuschen): Im akuten Anfall kann ein Antivertiginosum bzw. Antiemetikum kurzzeitig eingesetzt werden. Zur Erhaltungstherapie können nach Aufklärung über die unsichere Evidenz Betahistin oder ein Diuretikum erwogen werden. Hoch dosiertes Betahistin bis 144 mg/d war in der BEMED-Studie Placebo nicht überlegen; Dosierungen von 288-1.440 mg/d sind nicht evidenzbasiert und werden nicht empfohlen. Bei trotz konservativer Therapie fortbestehend aktiver Erkrankung können intratympanale Glucocorticoide erwogen werden; intratympanales Gentamicin ist eine ablative Eskalation bei therapierefraktärem aktivem Morbus Menière und erfordert wegen des Risikos weiterer vestibulärer und cochleärer Schäden (Schäden am Hörorgan) eine strenge fachärztliche Indikationsstellung [5-8, LL2, LL4].
  • Akute unilaterale Vestibulopathie (akute einseitige Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans)/Neuritis vestibularis (Entzündung des Gleichgewichtsnervs): Antivertiginosa bzw. Antiemetika nur bei starker Nausea oder starkem Erbrechen und höchstens drei Tage. Frühzeitige Mobilisation und vestibuläre Rehabilitation sind zentral. Für systemische Glucocorticoide ist die Evidenz widersprüchlich: Ältere Studien und Metaanalysen zeigten eine bessere Erholung vestibulärer Messparameter, eine neuere randomisierte placebokontrollierte Studie jedoch weder einen objektiven noch einen subjektiven Nutzen. Eine routinemäßige Glucocorticoidtherapie ist daher nicht gesichert; sie kann nach Ausschluss zentraler Ursachen innerhalb von 72 Stunden individuell und Off-Label erwogen werden. Valaciclovir ist ohne Herpes-zoster-Nachweis nicht indiziert [9-11, LL1, LL2].
  • Vestibuläre Migräne (Migräne mit Schwindelsymptomen): Die Behandlung orientiert sich an der Migränetherapie, die spezifische Evidenz für vestibuläre Symptome ist jedoch begrenzt. Triptane zeigen keinen gesicherten Akutnutzen gegen Vertigo (Dreh- oder Schwankschwindel); insbesondere war Rizatriptan 10 mg in einer randomisierten Studie nach einer Stunde nicht wirksamer als Placebo. Kopfschmerz und migränetypische Begleitsymptome können entsprechend der allgemeinen Migräneindikation behandelt werden. Eine Prophylaxe kann bei häufigen oder beeinträchtigenden Attacken individuell mit einem bei Migräne etablierten Wirkstoff erfolgen; eine kleine placebokontrollierte Studie spricht zusätzlich für Galcanezumab, dessen Anwendung spezifisch gegen vestibuläre Migräne Off-Label ist [1-4, LL1].
  • Vestibularisparoxysmie (kurze wiederkehrende Schwindelattacken durch Reizung des Gleichgewichtsnervs): Mittel der Wahl ist ein mindestens vierwöchiger Therapieversuch mit Oxcarbazepin oder Carbamazepin. Die Wirksamkeit von Oxcarbazepin wird durch eine kleine randomisierte Cross-over-Studie gestützt, allerdings bei hoher Abbruchrate. Lacosamid ist lediglich durch eine Fallserie mit sieben Patienten belegt und nur eine Off-Label-Alternative bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung der Mittel der Wahl. Für Lamotrigin, Gabapentin und Phenytoin fehlen kontrollierte Wirksamkeitsdaten bei Vestibularisparoxysmie [13-16, LL1, LL2].

Allgemeine symptomatische Pharmakotherapie bei akutem vestibulärem Schwindel

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Antihistaminika/Antivertiginosa Dimenhydrinat Nur bei ausgeprägter Nausea oder ausgeprägtem Erbrechen; in der Regel höchstens drei Tage; Sedierung, anticholinerge Effekte (Beschwerden wie Mundtrockenheit, Verstopfung und Sehstörungen durch Hemmung bestimmter Nervensignale), Sturz- und Abhängigkeitspotential
5-HT3-Rezeptorantagonisten Ondansetron Nur symptomatisch gegen Nausea und Erbrechen; QT-Verlängerung, Obstipation (Verstopfung); Dosis- und Anwendungsbeschränkungen der Fachinformation beachten
  • Beachte: Die gleichzeitige Verordnung mehrerer sedierender Antivertiginosa ist zu vermeiden. Benzodiazepine sind wegen Sedierung, Sturzrisiko, Toleranz- und Abhängigkeitspotential keine Routinetherapie.
  • Fahrtüchtigkeit: Dimenhydrinat und andere zentral dämpfende Wirkstoffe können Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen.

Wirkstoffe in der Therapie des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels

Für den BPLS gibt es keine krankheitsmodifizierende Pharmakotherapie. Repositionsmanöver sind die definitive Behandlung. Arzneimittel sind allenfalls als kurzzeitige Antiemese bei ausgeprägter vegetativer Symptomatik (Begleitbeschwerden wie Übelkeit, Schwitzen und Kreislaufreaktionen) angezeigt [LL1, LL3].

Wirkstoffe in der Therapie der bilateralen Vestibulopathie

Für die chronische bilaterale Vestibulopathie ist keine wirksame kausale Pharmakotherapie etabliert. Eine Behandlung mit Prednisolon über vier Wochen ist nicht evidenzbasiert und entfällt. Vestibulotoxische Arzneimittel sollen, sofern medizinisch möglich, vermieden bzw. beendet werden. Bei Aminoglykosiden sind Indikation, Dosis, Therapiedauer sowie Nierenfunktion und gegebenenfalls Wirkstoffspiegel besonders sorgfältig zu überwachen [12, LL1, LL2].

Wirkstoffe in der Therapie des Morbus Menière – akuter Anfall

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Antihistaminika/Antivertiginosa Dimenhydrinat Nur kurzzeitig, in der Regel höchstens drei Tage; Sedierung und anticholinerge Effekte
5-HT3-Rezeptorantagonisten Ondansetron Bei ausgeprägtem Erbrechen; QT-Verlängerung und Obstipation beachten

Wirkstoffe in der prophylaktischen Therapie des Morbus Menière

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Antivertiginosa Betahistindihydrochlorid Zugelassen zur Behandlung des Menière-Symptomenkomplexes; Nutzen für die Attackenprophylaxe unsicher; kontraindiziert bei Phäochromozytom (hormonproduzierender Tumor der Nebenniere), Vorsicht bei Asthma bronchiale und peptischem Ulkus (Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür)
Diuretika Hydrochlorothiazid plus Triamteren Off-label je nach Präparat und Indikation; Evidenz sehr unsicher; Kontrolle von Natrium, Kalium, Kreatinin und Harnsäure; kontraindiziert bei schwerer Niereninsuffizienz (schwerer Einschränkung der Nierenfunktion) und Hyperkaliämie
  • Evidenzlage: Für Betahistin und Diuretika ist der Wirksamkeitsnachweis aus randomisierten Studien niedrig bzw. sehr unsicher. Eine hoch dosierte Betahistintherapie über die zugelassene Tagesdosis hinaus wird nicht empfohlen [5, 6].
  • Hydrochlorothiazid: Auf das dosis- und kumulationsabhängige Risiko nichtmelanozytärer Hauttumoren (Formen des weißen Hautkrebses) sowie konsequenten Lichtschutz und Hautkontrollen achten [F4].

Eskalationstherapie bei Morbus Menière

Therapie Stellenwert Besonderheiten
Intratympanales Dexamethason oder Methylprednisolon Kann bei fortbestehender aktiver Erkrankung nach nichtinvasiver Therapie erwogen werden Regime nicht einheitlich; Nutzen nach Cochrane sehr unsicher; Durchführung durch den HNO-Arzt [7, LL4]
Intratympanales Gentamicin Bei aktiver, konservativ therapierefraktärer (auf die Behandlung nicht ausreichend ansprechender) Erkrankung: ablative Eskalation Niedrig dosiertes, individuell titriertes Vorgehen; Risiko dauerhafter Vestibularishypofunktion (Unterfunktion des Gleichgewichtsorgans) und möglicher Hörverschlechterung; strenge fachärztliche Indikation [8, LL4]

Für Sulpirid, Mannitol und Glycerol besteht kein hinreichender Wirksamkeitsnachweis für eine routinemäßige Behandlung des Morbus Menière; sie werden nicht empfohlen [6].

Wirkstoffe in der Therapie der akuten unilateralen Vestibulopathie/Neuritis vestibularis

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Stellenwert und Besonderheiten
Antivertiginosa Dimenhydrinat Nur bei starker Nausea oder starkem Erbrechen und in der Regel höchstens drei Tage; frühe Mobilisation nicht verzögern
Glucocorticoide Methylprednisolon Off-label; keine gesicherte routinemäßige Empfehlung; wenn nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt, möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn; Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Infektionen, Ulkus-, Osteoporose- (Knochenschwund), Glaukom- (Grüner Star) und Thromboserisiko (Risiko eines Gefäßverschlusses durch ein Blutgerinnsel) beachten
  • Evidenz: Der ältere objektive Nutzen für die kalorische Erholung wurde durch eine Metaanalyse gestützt, eine randomisierte placebokontrollierte Studie von 2025 zeigte aber keinen Vorteil hinsichtlich kalorischer Erholung, Video-Kopfimpulstest oder subjektivem Befinden [9-11].
  • Antivirale Therapie: Valaciclovir zeigte bei idiopathischer (ohne erkennbare Ursache entstandener) Neuritis vestibularis keinen Nutzen und ist ohne spezifische virologische Indikation nicht angezeigt [9].

Wirkstoffe in der Akuttherapie der vestibulären Migräne

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Stellenwert und Besonderheiten
Analgetika/NSAR Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol Zur Behandlung der Kopfschmerzkomponente entsprechend der allgemeinen Migräneindikation; kein spezifischer Wirksamkeitsnachweis gegen vestibuläre Symptome.
5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten Rizatriptan; Zolmitriptan Nicht als gesicherte Therapie der vestibulären Symptome zu empfehlen; Rizatriptan war im größten RCT nach einer Stunde Placebo nicht überlegen. Triptan-Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Tageshöchstdosen beachten [1, 2]
Antiemetika Dimenhydrinat oder Ondansetron Nur kurzfristig gegen Nausea und Erbrechen; keine spezifische Wirkung auf die vestibuläre Migräne belegt
  • Wirkweise der Triptane: Agonismus an 5-HT1B/1D-Rezeptoren mit Hemmung trigeminovaskulärer Signalwege (an der Migräne beteiligte Nerven- und Gefäßsignale) und kranieller Vasokonstriktion (Verengung von Blutgefäßen im Schädel).
  • Kontraindikationen der Triptane: Insbesondere koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzmuskels), zerebrovaskuläre Erkrankung (Erkrankung der Blutgefäße des Gehirns), periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Gliedmaßenarterien) und unkontrollierte Hypertonie (Bluthochdruck); die jeweilige Fachinformation ist maßgeblich.

Wirkstoffe in der Prophylaxe der vestibulären Migräne

Die Auswahl erfolgt anhand von Begleiterkrankungen, Kontraindikationen, Nebenwirkungsprofil, Patientenpräferenz und gegebenenfalls einer zugleich behandlungsbedürftigen Kopfschmerzmigräne. Für die meisten Wirkstoffe beruht die Anwendung bei vestibulärer Migräne auf Extrapolation aus der Migräneprophylaxe und ist spezifisch für vestibuläre Symptome off-label [3, LL1].

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Betablocker Metoprolol Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck), AV-Block (Störung der elektrischen Erregungsleitung zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern) und Bronchospasmus (Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur) beachten; spezifische VM-Evidenz unzureichend
Betablocker Propranolol Netzwerkmetaanalyse mit möglichem Nutzen, Evidenzqualität begrenzt; gleiche Klassenvorsicht wie bei Metoprolol
Antiepileptika Topiramat Langsam auftitrieren; kognitive Störungen (Beeinträchtigungen von Denken und Gedächtnis), Parästhesien (Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl), Gewichtsabnahme, Nephrolithiasis (Nierensteine) und metabolische Azidose (Übersäuerung des Blutes); in der Schwangerschaft kontraindiziert, bei Frauen im gebärfähigen Alter strenge regulatorische Vorgaben beachten
Antidepressiva Venlafaxin Kann bei komorbider Depression oder Angststörung (gleichzeitig bestehender Depression oder Angststörung) günstig sein; Blutdruckanstieg und Absetzsymptome (Beschwerden nach Verringerung oder Beendigung der Einnahme) beachten; begrenzte spezifische Evidenz
Trizyklische Antidepressiva Amitriptylin Kann bei Schlafstörung oder Spannungskopfschmerz günstig sein; anticholinerge Effekte, Sedierung, Gewichtszunahme und QT-Verlängerung beachten; keine belastbare spezifische VM-Evidenz
Calciumkanalblocker Flunarizin Gewichtszunahme, Depression und extrapyramidale Störungen (Störungen von Bewegung und Muskelspannung); kontraindiziert bei bestehender Depression oder Parkinson-Syndrom (Krankheitsbild mit Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit und gegebenenfalls Zittern); spezifische Evidenz: niedrig bis sehr niedrig
CGRP-Antikörper Galcanezumab Kleine placebokontrollierte Pilotstudie mit Verbesserung vestibulärer Endpunkte; spezifische Behandlung der vestibulären Migräne off-label; Zulassungs- und Erstattungsvoraussetzungen der Migräneprophylaxe beachten [4]
Mineralstoffe Magnesium Supplementangabe unverändert

Valproinsäure wird wegen ihres erheblichen teratogenen (Fehlbildungen verursachenden) und entwicklungsneurologischen Risikos (Risikos für die Entwicklung des Nervensystems) sowie verfügbarer Alternativen nicht routinemäßig zur Prophylaxe der vestibulären Migräne empfohlen. Bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter ist sie zur Migräneprophylaxe kontraindiziert, sofern die Bedingungen des behördlich vorgeschriebenen Schwangerschaftsverhütungsprogramms nicht erfüllt sind [B1].

Wirkstoffe in der Therapie der Vestibularisparoxysmie

Wirkstoff Stellenwert und Besonderheiten
Oxcarbazepin Mittel der Wahl; RCT-Evidenz vorhanden, aber hohe Abbruchrate; Hyponatriämie, Schwindel, Müdigkeit, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und Hautreaktionen; Natriumkontrollen, Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz [13]
Carbamazepin Mittel der Wahl; off-label; Müdigkeit, Diplopie (Doppeltsehen), Ataxie, Hyponatriämie, Blutbild- und Leberwertveränderungen, schwere Hautreaktionen und zahlreiche Interaktionen; Blutbild, Natrium und Leberwerte kontrollieren [14, 15]
Lacosamid Nur off-label Alternative bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung von Carbamazepin/Oxcarbazepin; Evidenz ausschließlich aus einer Fallserie mit sieben Patienten, keine kontrollierten Daten; Schwindel, Diplopie, PR-Verlängerung und kardiale Überleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsleitung im Herzen) beachten [14, 16]
  • Therapiekontrolle: Schwindelkalender führen und Wirksamkeit nach mindestens vier Wochen beurteilen; wegen möglicher Spontanremission (spontanem Nachlassen oder Verschwinden der Beschwerden) im Verlauf einen ärztlich kontrollierten Auslassversuch erwägen.
  • Alternativen: Für Lamotrigin, Gabapentin und Phenytoin liegen keine kontrollierten Wirksamkeitsdaten zur Vestibularisparoxysmie vor. Ihr Einsatz ist keine gleichwertig evidenzbasierte Alternative.

Abkürzungen

  • 5-HT – 5-Hydroxytryptamin (Serotonin)
  • AV – atrioventrikulär
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • BEMED – Medical Treatment of Menière's Disease With Betahistine
  • BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • BPLS – benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
  • BPPV – benign paroxysmal positional vertigo
  • BVP – bilaterale Vestibulopathie
  • CGRP – Calcitonin Gene-Related Peptide
  • HNO – Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
  • LL – Leitlinie
  • NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
  • PR – Überleitungszeit vom Herzvorhof zur Herzkammer im Elektrokardiogramm
  • QT – Zeitspanne der elektrischen Kammererregung im Elektrokardiogramm
  • RCT – randomisierte kontrollierte Studie
  • S2k – konsensbasierte Leitlinie der Entwicklungsstufe S2k
  • VM – vestibuläre Migräne

Literatur

  1. Webster KE, Dor A, Galbraith K et al.: Pharmacological interventions for acute attacks of vestibular migraine. Cochrane Database Syst Rev. 2023;4(4):CD015322. doi: 10.1002/14651858.CD015322.pub2
  2. Staab JP, Eggers SDZ, Jen JC et al.: Rizatriptan vs Placebo for Attacks of Vestibular Migraine: A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2025;82(7):676-686. doi: 10.1001/jamaneurol.2025.1006
  3. Webster KE, Dor A, Galbraith K et al.: Pharmacological interventions for prophylaxis of vestibular migraine. Cochrane Database Syst Rev. 2023;2023(4):CD015187. doi: 10.1002/14651858.CD015187.pub2
  4. Sharon JD, Krauter R, Chae R et al.: A placebo controlled, randomized clinical trial of galcanezumab for vestibular migraine: The INVESTMENT study. Headache. 2024;64(10):1264-1272. doi: 10.1111/head.14835
  5. Adrion C, Fischer CS, Wagner J et al.: Efficacy and safety of betahistine treatment in patients with Meniere's disease: primary results of a long term, multicentre, double blind, randomised, placebo controlled, dose defining trial (BEMED trial). BMJ. 2016;352:h6816. doi: 10.1136/bmj.h6816
  6. Webster KE, Galbraith K, Harrington-Benton NA et al.: Systemic pharmacological interventions for Ménière's disease. Cochrane Database Syst Rev. 2023;2(2):CD015171. doi: 10.1002/14651858.CD015171.pub2
  7. Webster KE, Lee A, Galbraith K et al.: Intratympanic corticosteroids for Ménière's disease. Cochrane Database Syst Rev. 2023;2(2):CD015245. doi: 10.1002/14651858.CD015245.pub2
  8. Patel M, Agarwal K, Arshad Q et al.: Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Ménière's disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial. Lancet. 2016;388(10061):2753-2762. doi: 10.1016/S0140-6736(16)31461-1
  9. Strupp M, Zingler VC, Arbusow V et al.: Methylprednisolone, valacyclovir, or the combination for vestibular neuritis. N Engl J Med. 2004;351(4):354-361. doi: 10.1056/NEJMoa033280
  10. Bogdanova A, Dlugaiczyk J, Heckmann JG et al.: Corticosteroids in patients with vestibular neuritis: An updated meta-analysis. Acta Neurol Scand. 2022;146(5):429-439. doi: 10.1111/ane.13676
  11. Sjögren J, Fransson PA, Magnusson M et al.: Acute unilateral vestibulopathy and corticosteroid treatment - A randomized placebo-controlled double-blind trial. J Vestib Res. 2025;35(2):91-101. doi: 10.1177/09574271241307649
  12. van Stiphout L, Szmulewicz DJ, Guinand N et al.: Bilateral vestibulopathy: a clinical update and proposed diagnostic algorithm. Front Neurol. 2023;14:1308485. doi: 10.3389/fneur.2023.1308485
  13. Bayer O, Brémová T, Strupp M et al.: A randomized double-blind, placebo-controlled, cross-over trial (Vestparoxy) of the treatment of vestibular paroxysmia with oxcarbazepine. J Neurol. 2018;265(2):291-298. doi: 10.1007/s00415-017-8682-x
  14. Dieterich M, Brandt T: Vestibular paroxysmia: a systematic review. J Neurol. 2025;272:188. doi: 10.1007/s00415-025-12913-8
  15. Strupp M, Lopez-Escamez JA, Kim JS et al.: Vestibular paroxysmia: Diagnostic criteria. J Vestib Res. 2016;26(5-6):409-415. doi: 10.3233/VES-160589
  16. Strupp M, Elger C, Goldschagg N: Treatment of vestibular paroxysmia with lacosamide. Neurol Clin Pract. 2019;9(6):539-541. doi: 10.1212/CPJ.0000000000000610

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Schwindel in der Hausarztpraxis. (AWMF-Registernummer 053-018) Februar 2025 Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Vestibuläre Funktionsstörungen. (AWMF-Registernummer 017-078) März 2021, seit 27.03.2026 abgelaufen und in Überarbeitung Langfassung [LL2]
  3. Bhattacharyya N, Gubbels SP, Schwartz SR et al.: Clinical Practice Guideline: Benign Paroxysmal Positional Vertigo (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2017;156(3 Suppl):S1-S47. Offizielle Guideline-Seite. doi: 10.1177/0194599816689667 [LL3]
  4. Basura GJ, Adams ME, Monfared A et al.: Clinical Practice Guideline: Ménière's Disease. Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;162(2 Suppl):S1-S55. doi: 10.1177/0194599820909438 [LL4]

Behördliche und regulatorische Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Valproat: Risiko angeborener Missbildungen und Entwicklungsstörungen; Anwendungseinschränkungen und Schwangerschaftsverhütungsprogramm, aktuelle Fassung. [B1]

Fachinformationen

  1. Fachinformation des jeweils verordneten Dimenhydrinat-Präparats, aktuelle Fassung. [F1]
  2. Fachinformation des jeweils verordneten Ondansetron-Präparats, aktuelle Fassung. [F2]
  3. Fachinformation des jeweils verordneten Betahistindihydrochlorid-Präparats, aktuelle Fassung. [F3]
  4. Fachinformation des jeweils verordneten Hydrochlorothiazid/Triamteren-Präparats, aktuelle Fassung. [F4]
  5. Fachinformationen der jeweils verordneten Arzneimittel zur Migräneakuttherapie und Migräneprophylaxe, aktuelle Fassungen. [F5]
  6. Fachinformationen von Carbamazepin, Oxcarbazepin und Lacosamid, aktuelle Fassungen. [F6]