Schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz (Anzahl der Atemzüge pro Minute), Sauerstoffsättigung (Sauerstoffversorgung des Blutes), Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Inspektion (Betrachtung)
- Allgemeinzustand und Bewusstseinslage [reduzierter Allgemeinzustand; Vigilanzminderung (verminderte Wachheit)]
- Haut und Schleimhäute [petechiales Exanthem (punktförmiger Hautausschlag); Purpura (Hautblutungen) bzw. Purpura fulminans (schwere, rasch fortschreitende Hautblutungen) bei Meningokokkenerkrankung (Infektion durch Meningokokken)]
- Bei Säuglingen: Inspektion und Palpation (Abtasten) der Fontanelle (Schädellücke) [vorgewölbte bzw. gespannte Fontanelle]
- Orientierende Untersuchung der Halswirbelsäule zur Abgrenzung eines Pseudomeningismus (scheinbare Nackensteifigkeit ohne Hirnhautentzündung), insbesondere Beurteilung von Flexion (Beugung), Extension (Streckung) und Rotation (Drehung) [schmerzhafte Bewegungseinschränkung auch bei Rotation bzw. Extension als Hinweis auf eine muskuloskelettale (Muskeln und Skelett betreffende) Ursache]
- Untersuchung von Ohren, Nasennebenhöhlen und Mastoidregion (Bereich hinter dem Ohr) zum Nachweis eines möglichen Infektionsfokus (Infektionsherds) [Otitis media (Mittelohrentzündung); Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes); Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)]
- Auskultation (Abhören) des Herzens
- Auskultation der Lunge
- Palpation des Abdomens (Bauches)
- Inspektion (Betrachtung)
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – inklusive:
- Beurteilung von Bewusstseinslage, Orientierung und Kognition (geistiger Leistungsfähigkeit) [Vigilanzminderung; Verwirrtheit; Delir (akuter Verwirrtheitszustand)]
- Prüfung der Hirnnerven (Gehirnnerven) [Hirnnervenparesen (Lähmungen der Gehirnnerven)]
- Prüfung von Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Muskeleigenreflexen (Muskelreflexen) und Koordination [fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems)]
- Prüfung auf Nackensteifigkeit [Nuchalrigidität (Nackensteifigkeit)]
- Prüfung der meningealen Dehnungszeichen (Hirnhautdehnungszeichen) [positives Brudzinski-Zeichen; positives Kernig-Zeichen; positives Lasègue-Zeichen]
- Beurteilung auf epileptische Anfallszeichen [fokale bzw. generalisierte epileptische Anfälle (Krampfanfälle)]
- Funduskopie (Untersuchung des Augenhintergrunds) bei entsprechender klinischer Fragestellung [Stauungspapille (Schwellung des Sehnervenkopfs) als Hinweis auf einen erhöhten intrakraniellen Druck (Druck im Schädelinneren)]
Folgende klinische Zeichen können bei einem Meningismus (Zeichen einer Hirnhautreizung) auffällig sein:
Nackensteifigkeit (Nuchalrigidität)
- Bei passiver Anteflexion (Vorbeugung) des Kopfes des entspannt in Rückenlage liegenden Patienten besteht ein schmerzhafter bzw. reflektorischer Widerstand gegen die Annäherung des Kinns an die Brust [Nackensteifigkeit]. Bei ausgeprägtem Meningismus kann bereits eine geringe Anteflexion deutlich eingeschränkt sein.
Brudzinski-Zeichen
- Das Zeichen ist positiv, wenn bei passiver Anteflexion des Kopfes in Rückenlage eine unwillkürliche Flexion der Hüft- und Kniegelenke auftritt [positives Brudzinski-Zeichen].
Kernig-Zeichen
- Das Zeichen ist positiv, wenn bei in Hüft- und Kniegelenk gebeugtem Bein die passive Streckung im Kniegelenk durch Schmerzen bzw. reflektorischen Widerstand eingeschränkt ist [positives Kernig-Zeichen].
Lasègue-Zeichen
- Bei passivem Anheben des im Kniegelenk gestreckten Beines in Rückenlage treten durch Dehnung der Meningen (Hirnhäute) bzw. lumbosakralen Nervenwurzeln (Nervenwurzeln im Lenden-Kreuzbein-Bereich) Schmerzen auf, sodass die Hüftflexion (Hüftbeugung) eingeschränkt ist [positives Lasègue-Zeichen]. Das Zeichen ist unspezifisch und kann insbesondere auch bei einer lumbosakralen Radikulopathie (Nervenwurzelerkrankung im Lenden-Kreuzbein-Bereich) positiv sein.
Dreifuß-Zeichen (Amoss-Zeichen)
- Insbesondere bei Kindern kann sich der Patient beim Sitzen mit beiden Armen hinter dem Körper abstützen, um die schmerzhafte Dehnung der Meningen zu vermindern [positives Dreifuß-Zeichen].
Kniekuss-Zeichen
- Insbesondere bei Kindern ist bei gestreckten Beinen die Beugung des Oberkörpers bzw. des Kopfes in Richtung der Knie aufgrund der schmerzhaften meningealen Dehnung eingeschränkt [positives Kniekuss-Zeichen].
Opisthotonus (starke Rückwärtsüberstreckung des Körpers)
- Bei schwer ausgeprägter meningealer Reizung kann selten eine tonische Überstreckung von Kopf und Rumpf infolge ausgeprägter Kontraktion (Anspannung) der Nacken- und Rückenmuskulatur auftreten [Opisthotonus].
Bewertung der Meningismuszeichen
- Die klassischen Meningismuszeichen besitzen nur eine begrenzte Sensitivität (Empfindlichkeit des Untersuchungszeichens). Insbesondere Kernig- und Brudzinski-Zeichen sind bei bakterieller Meningitis (Hirnhautentzündung) wenig sensitiv, bei positivem Befund jedoch relativ spezifisch (kennzeichnend für die Erkrankung).
- Ein fehlender Meningismus bzw. negative meningeale Dehnungszeichen schließen eine Meningitis nicht aus. Meningismuszeichen können insbesondere bei Säuglingen, älteren Menschen, immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächter Immunabwehr) bzw. bei eingeschränkter Bewusstseinslage fehlen oder nur gering ausgeprägt sein.
- Bei klinischem Verdacht auf eine Meningitis darf die weitere Akutdiagnostik und Therapie nicht vom Nachweis klassischer Meningismuszeichen abhängig gemacht werden.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.