Meningeome – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Kontrolle tumorbedingter neurologischer Symptome (Beschwerden durch Störungen des Nervensystems) und Schmerzen
- Rasche Behandlung eines symptomatischen peritumoralen vasogenen Hirnödems (Flüssigkeitsansammlung im Gehirngewebe um den Tumor durch durchlässige Blutgefäße) und eines erhöhten intrakraniellen Drucks (Druck innerhalb des Schädels)
- Behandlung epileptischer Anfälle (Krampfanfälle) und Vermeidung weiterer Anfälle
- Vermeidung unnötiger Arzneimittelexposition und arzneimittelbedingter Komplikationen
- Bei progredientem oder rezidiviertem Meningeom (fortschreitendem oder wiederaufgetretenem Tumor der Hirnhäute): Verzögerung der Tumorprogression (des Fortschreitens des Tumors) nach Ausschöpfung lokaler Therapieoptionen, vorzugsweise im Rahmen klinischer Studien
Grundsätze der Pharmakotherapie
- Die definitive Therapie eines behandlungsbedürftigen Meningeoms besteht primär in Operation und/oder Strahlentherapie. Eine zugelassene medikamentöse antineoplastische Standardtherapie (Standardbehandlung gegen Tumorzellen) existiert nicht. Systemische Behandlungen und somatostatinrezeptorgerichtete Radionuklidtherapien (Behandlungen mit radioaktiv markierten, gezielt an Tumorzellen bindenden Substanzen) gelten weiterhin als experimentell [LL1, LL4].
- Eine systemische Therapie kommt nur bei radiologisch gesicherter Progression oder einem nicht anderweitig kontrollierbaren Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) infrage, wenn weitere Operation und Strahlentherapie nicht möglich, nicht sinnvoll oder ausgeschöpft sind. Die Entscheidung soll in einem interdisziplinären neuroonkologischen Tumorboard (fachübergreifenden Beratungsgremium für Tumorerkrankungen des Nervensystems) und bevorzugt im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen [LL1, LL4].
- Kein molekulares Therapieziel beim Meningeom erreicht derzeit die Evidenzstufe „für die Routineanwendung geeignet“. Molekulare Testung zur Therapiewahl ist daher vor allem im Rezidiv und zur Studienzuordnung sinnvoll; mTOR-Signalwegaktivierung und NF2-Alterationen sind weiterhin lediglich investigativ [LL4].
Symptomatisches Hirnödem und erhöhter intrakranieller Druck
Dexamethason ist das Mittel der Wahl beim klinisch symptomatischen tumorassoziierten Hirnödem. Bei rein radiologischem Ödem ohne klinische Symptome soll keine routinemäßige Glucocorticoidtherapie erfolgen. Es ist die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Dauer anzuwenden und nach klinischer Stabilisierung individuell auszuschleichen [LL2, FI1].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Dexamethason | Nach klinischem Ansprechen zügige Dosisreduktion bis zur niedrigsten wirksamen Dosis und möglichst vollständiges Ausschleichen. Verlaufskontrollen von Blutzucker, Blutdruck, Elektrolyten, Infektionszeichen, psychischen und neuromuskulären Nebenwirkungen. Bei länger dauernder Therapie Osteoporoseprävention (Vorbeugung gegen Knochenschwund) und je nach Dosis, Dauer und zusätzlicher Immunsuppression Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie-Prophylaxe (Vorbeugung einer durch Pneumocystis jirovecii verursachten Lungenentzündung) prüfen [LL2, FI1]. |
| Mannitol 20 % | Nur zur Akutbehandlung einer intrakraniellen Druckkrise beziehungsweise drohenden Herniation (Einklemmung von Hirngewebe), nicht als regelmäßige Dauertherapie. Kontrolle von Volumenstatus, Diurese, Natrium, Serumosmolalität beziehungsweise osmotischer Lücke und Nierenfunktion [LL5, LL6]. |
| Hypertonische Natriumchloridlösung | Alternative zur Osmotherapie mit Mannitol bei akuter intrakranieller Drucksteigerung. Engmaschige Kontrolle von Natrium, Osmolalität, Säure-Basen-Status und Volumenstatus; Applikationsweg und Infusionsgeschwindigkeit konzentrationsabhängig [LL5, LL6]. |
- Wirkweise: Dexamethason reduziert die Permeabilität der gestörten Blut-Hirn-Schranke (Schutzbarriere zwischen Blutkreislauf und Gehirn) und damit das vasogene Ödem. Mannitol und hypertonische Natriumchloridlösung erzeugen einen osmotischen Gradienten und senken vorübergehend Hirnvolumen und intrakraniellen Druck.
- Indikationen: Dexamethason bei symptomatischem tumorassoziiertem Hirnödem; hyperosmolare Therapie nur bei akuter intrakranieller Drucksteigerung oder drohender Herniation.
- Kontraindikationen: Bei lebensbedrohlicher intrakranieller Druckkrise bestehen für die Akuttherapie nur relative Kontraindikationen. Mannitol ist insbesondere bei Anurie (fehlender Urinausscheidung), schwerer Hypovolämie (Mangel an zirkulierendem Blutvolumen) oder Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) problematisch; hypertonische Natriumchloridlösung bei ausgeprägter Hypernatriämie (zu hohem Natriumspiegel im Blut) oder relevanter Volumenüberlastung. Individuelle Fachinformation beachten.
- Nebenwirkungen: Dexamethason: Hyperglykämie (zu hoher Blutzuckerspiegel), Infektionen, Myopathie (Muskelerkrankung), psychische Störungen, Schlafstörungen, gastrointestinale Komplikationen, Osteoporose (Knochenschwund) und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der körpereigenen Hormonbildung in der Nebennierenrinde). Mannitol beziehungsweise hypertonische Natriumchloridlösung: Volumen- und Elektrolytstörungen, akute Nierenschädigung, kardiale Dekompensation (akute Verschlechterung der Herzleistung) und osmotische Entgleisung.
Tumorassoziierte epileptische Anfälle
- Keine Primärprophylaxe (vorbeugende Behandlung vor dem ersten Anfall): Bei anfallsfreien Patienten mit neu diagnostiziertem Hirntumor sollen Antiepileptika nicht routinemäßig zur Verhinderung eines ersten Anfalls eingesetzt werden. Auch perioperativ ist ein Nutzen einer routinemäßigen Prophylaxe nicht ausreichend belegt [LL3].
- Therapiebeginn nach Anfall: Nach einem tumorassoziierten unprovozierten Anfall ist wegen des hohen Rezidivrisikos in der Regel eine antikonvulsive Dauertherapie (dauerhafte Behandlung gegen Krampfanfälle) indiziert. Bevorzugt werden nicht enzyminduzierende Wirkstoffe mit geringem Interaktionspotenzial [4, LL2].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Levetiracetam | Häufig bevorzugte Erstlinientherapie wegen rascher Aufdosierbarkeit und geringer pharmakokinetischer Interaktionen. Dosisanpassung an die Nierenfunktion; auf Reizbarkeit, Aggressivität, Depression und Suizidgedanken achten [4, LL2, FI2]. |
| Lamotrigin | Geeignete Erstlinienalternative mit günstigem kognitivem Profil, jedoch wegen langsamer Aufdosierung nicht zur alleinigen raschen Anfallskontrolle geeignet. Dosisregime bei gleichzeitiger Gabe von Valproat oder enzyminduzierenden Arzneimitteln zwingend anpassen; bei Hautausschlag sofortige ärztliche Bewertung [LL2]. |
| Lacosamid | Geeignete Alternative oder Zusatztherapie bei fokalen Anfällen (von einem umschriebenen Bereich des Gehirns ausgehenden Krampfanfällen). Dosisanpassung bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung; Vorsicht bei kardialen Erregungsleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Reizleitung im Herzen) und gleichzeitiger Gabe weiterer PR-verlängernder Arzneimittel [4, FI3]. |
- Wirkweise: Levetiracetam bindet an das synaptische Vesikelprotein SV2A; Lamotrigin hemmt vorwiegend spannungsabhängige Natriumkanäle; Lacosamid verstärkt die langsame Inaktivierung spannungsabhängiger Natriumkanäle.
- Indikationen: Behandlung tumorassoziierter fokaler Anfälle mit oder ohne bilaterale tonisch-klonische Ausbreitung (Ausbreitung auf beide Gehirnhälften mit Versteifung und rhythmischen Zuckungen); Auswahl nach Anfallsform, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Begleitmedikation, Organfunktion und Nebenwirkungsprofil.
- Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Überempfindlichkeit; für Lacosamid zusätzlich atrioventrikulärer Block zweiten oder dritten Grades (höhergradige Störung der Erregungsüberleitung zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern). Schwangerschaft, Fertilitätsplanung und Stillzeit erfordern eine individuelle antikonvulsive Therapieplanung.
- Nebenwirkungen: Levetiracetam: Somnolenz (ausgeprägte Schläfrigkeit), Schwindel und Verhaltensänderungen; Lamotrigin: Schwindel, Doppelbilder und potenziell schwere Hautreaktionen; Lacosamid: Schwindel, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Doppelbilder und PR-Zeit-Verlängerung.
Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Primidon sind wegen Enzyminduktion, Interaktionen und ungünstiger Langzeittoxizität in der Neuroonkologie in der Regel nicht Mittel der ersten Wahl. Ethosuximid ist für die typischerweise fokalen tumorassoziierten Anfälle nicht geeignet. Clonazepam ist wegen Sedierung, Toleranz- und Abhängigkeitspotenzial keine reguläre Dauertherapie erster Wahl. Valproat darf nicht mit dem Ziel einer Verlängerung von progressionsfreiem oder Gesamtüberleben eingesetzt werden; seine Anwendung ist wegen teratogener (das ungeborene Kind schädigender), hämatologischer (das Blut und die Blutbildung betreffender), metabolischer (den Stoffwechsel betreffender) und hepatischer Risiken (die Leber betreffender Risiken) sowie aktueller Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll [7, LL3, FI9].
Schmerztherapie
- Leichte bis mäßige Schmerzen: Paracetamol oder, sofern keine renalen, gastrointestinalen, kardiovaskulären oder hämostaseologischen Kontraindikationen (Gegenanzeigen aufgrund von Nieren-, Magen-Darm-, Herz-Kreislauf- oder Blutgerinnungsstörungen) bestehen, ein nichtsteroidales Antirheumatikum (entzündungshemmendes Schmerzmittel).
- Stärkere Schmerzen: Zeitlich begrenzte, symptomorientierte Eskalation bis zu einem Opioid; Begleittherapie gegen Obstipation (Verstopfung) und gegebenenfalls Übelkeit einplanen.
- Ursachenbezogene Behandlung: Neu aufgetretene, progrediente oder lageabhängige Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen und fokal-neurologische Symptome erfordern vorrangig die Abklärung von Tumorprogression, Hirnödem, Hydrozephalus (krankhafter Erweiterung der Hirnkammern durch Flüssigkeitsstau), venöser Thrombose (Blutgerinnsel in einer Vene) oder Blutung.
- Indometacin: Indometacin ist keine etablierte Behandlung des tumorassoziierten Hirnödems oder erhöhten intrakraniellen Drucks. Die ältere Literatur betrifft die experimentelle Anwendung bei traumatischer Hirnverletzung und rechtfertigt keine routinemäßige Anwendung beim Meningeom [6].
Systemische Therapie bei progredientem oder rezidiviertem Meningeom
Nach Ausschöpfung lokaler Verfahren ist die Teilnahme an einer klinischen Studie zu bevorzugen. Außerhalb von Studien können einzelne Off-Label-Use-Therapien nur nach interdisziplinärer Einzelfallentscheidung erwogen werden. Die publizierten Daten beruhen überwiegend auf kleinen, nicht randomisierten Studien; objektive Remissionen (messbare Rückbildungen des Tumors) sind selten, eine Krankheitsstabilisierung ist möglich [1, 2, LL1].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Bevacizumab | Off-Label-Use. Unter den systemischen Ansätzen liegt eines der stärkeren, jedoch weiterhin nicht randomisierten Wirksamkeitssignale vor; überwiegend Krankheitsstabilisierung. Nur nach Ausschöpfung lokaler Optionen erwägen. Blutdruck, Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin), Blutbild, Nierenfunktion, Blutungs- und Thromboserisiko sowie Operationsabstände beachten [1, LL1, FI4]. |
| Pembrolizumab | Off-Label-Use und weiterhin experimentell. Bei rezidivierten WHO-Grad-2- und WHO-Grad-3-Meningeomen wurden heterogene Ergebnisse und nur bei einem Teil der Patienten eine längere Stabilisierung beobachtet; keine Routineempfehlung [3, LL4]. |
| Weitere zielgerichtete Therapien, Multikinaseinhibitoren, mTOR-basierte Kombinationen und somatostatinrezeptorgerichtete Verfahren | Beispiele sind Sunitinib, Everolimus plus Octreotid, FAK- oder AKT-Inhibitoren sowie die somatostatinrezeptorgerichtete Radionuklidtherapie. Sie sind nicht als Routinetherapie etabliert. Die randomisierte Phase-II-Studie LUMEN-1 untersucht aktuell [177Lu]Lu-DOTATATE bei SSTR2-positiven rezidivierten Meningeomen [5, LL4]. |
| Hydroxyharnstoff | Keine zugelassene Therapie. Objektive Remissionen sind selten; ein belastbarer Überlebensvorteil ist nicht belegt, während eine relevante Myelotoxizität (Schädigung des Knochenmarks) möglich ist. Daher keine Routinetherapie; allenfalls im Studienkontext oder in seltenen, besonders begründeten Einzelfällen nach Ausschöpfung besser belegter Optionen [2, LL1]. |
- Wirkweise: Bevacizumab hemmt VEGF; Pembrolizumab blockiert PD-1; weitere Ansätze adressieren unter anderem VEGFR, mTOR, FAK, AKT oder SSTR2. Hydroxyharnstoff hemmt die Ribonukleotidreduktase.
- Indikationen: Ausschließlich progrediente oder rezidivierte, operationell und strahlentherapeutisch nicht mehr kontrollierbare Meningeome nach interdisziplinärer Bewertung; klinische Studie bevorzugen.
- Kontraindikationen: Wirkstoffspezifisch. Bei Bevacizumab insbesondere unkontrollierte Hypertonie (Bluthochdruck), relevantes Blutungsrisiko, frische größere Operationen, Wundheilungsstörungen und arterielle thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel) beachten; bei Immuncheckpoint-Inhibitoren aktive schwere Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen durch Angriffe des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe) und erforderliche systemische Immunsuppression berücksichtigen.
- Nebenwirkungen: Bevacizumab: Hypertonie, Proteinurie, Blutungen, Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel), Wundheilungsstörungen und selten gastrointestinale Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand); Pembrolizumab: immunvermittelte Organentzündungen; Multikinase- und mTOR-Inhibitoren: je nach Wirkstoff kardiovaskuläre, dermatologische, metabolische, hämatologische und gastrointestinale Toxizität; Hydroxyharnstoff: vor allem Myelosuppression (Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark) und Schleimhauttoxizität (Schädigung der Schleimhäute).
Medikamentenanamnese bei progestinassoziiertem Meningeomrisiko
- Konsequente Arzneimittelprüfung: Bei aktuellem oder anamnestischem Meningeom ist die Einnahme beziehungsweise frühere Langzeitanwendung progestiner Arzneimittel gezielt zu erheben. Die weitere Anwendung ist anhand der jeweils aktuellen Fach- und Risikoinformation unverzüglich zu prüfen.
- Cyproteronacetat: Bei diagnostiziertem Meningeom muss eine cyproteronacetathaltige Behandlung dauerhaft beendet werden; die Anwendung ist bei aktuellem oder anamnestischem Meningeom kontraindiziert [FI6].
- Nomegestrolacetat und Chlormadinonacetat: Die Anwendung ist bei aktuellem oder anamnestischem Meningeom kontraindiziert; bei Diagnose eines Meningeoms ist die Behandlung dauerhaft zu beenden [FI7].
- Medroxyprogesteronacetat in hoher Dosierung: Bei diagnostiziertem Meningeom ist die Behandlung grundsätzlich zu beenden; bei onkologischer Indikation ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Die Anwendung hoch dosierter Präparate ist bei aktuellem oder anamnestischem Meningeom außerhalb onkologischer Indikationen kontraindiziert [FI5].
- Desogestrel und Etonogestrel: Nach der aktuellen europäischen Risikobewertung sind desogestrel- oder etonogestrelhaltige Arzneimittel bei aktuellem oder anamnestischem Meningeom kontraindiziert. Bei neu diagnostiziertem Meningeom ist die Therapie nach Sicherung einer geeigneten Alternative zu beenden [FI8].
- Eine notwendige Kontrazeption oder endokrine Therapie darf nicht ohne unmittelbar wirksame Alternative unterbrochen werden. Die Umstellung soll gemeinsam mit der verordnenden Fachdisziplin erfolgen.
Red Flags
- Bewusstseinsminderung, neue Anisokorie (unterschiedlich große Pupillen), rasch progrediente fokal-neurologische Defizite (zunehmende umschriebene Ausfälle des Nervensystems), wiederholtes Erbrechen oder Zeichen einer Herniation: sofortige neurochirurgische und neurointensivmedizinische Notfallbehandlung
- Anhaltender epileptischer Anfall über 5 Minuten oder Anfallsserie ohne vollständige Erholung: Behandlung als Status epilepticus (anhaltender oder wiederkehrender epileptischer Anfall ohne ausreichende Erholung)
- Fieber, Meningismus (schmerzhafte Nackensteifigkeit) oder neue pulmonale beziehungsweise systemische Infektzeichen unter Glucocorticoiden: dringliche Infektionsdiagnostik
- Hypertensive Krise (lebensbedrohliche Blutdruckentgleisung), relevante Blutung, Thromboembolie, Wundheilungsstörung oder nephrotische Proteinurie (sehr starke Eiweißausscheidung im Urin) unter antiangiogener Therapie: Therapieunterbrechung und sofortige fachärztliche Bewertung
- Schwerer Hautausschlag unter Lamotrigin oder ausgeprägte Verhaltensänderung beziehungsweise Suizidalität (akute Selbsttötungsgefährdung) unter Levetiracetam: sofortige ärztliche Beurteilung
Abkürzungsverzeichnis
- AKT: Proteinkinase B
- BfArM: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- BTG: Brain Tumor Group
- EANO: European Association of Neuro-Oncology
- EMA: European Medicines Agency
- EORTC: European Organisation for Research and Treatment of Cancer
- ESMO: European Society for Medical Oncology
- FAK: Focal Adhesion Kinase
- FI: Fachinformation
- i. v.: intravenös
- kg: Kilogramm
- LL: Leitlinie
- Lu: Lutetium
- mg: Milligramm
- ml: Milliliter
- mTOR: mechanistic Target of Rapamycin
- NaCl: Natriumchlorid
- NEAD: Neurodevelopmental Effects of Antiepileptic Drugs
- NF2: Neurofibromin 2
- PD-1: Programmed Cell Death Protein 1
- p. o.: peroral
- PR: PQ-Strecke im Elektrokardiogramm
- PRAC: Pharmacovigilance Risk Assessment Committee
- SNO: Society for Neuro-Oncology
- SSTR2: Somatostatinrezeptor 2
- SV2A: synaptisches Vesikelprotein 2A
- VEGF: Vascular Endothelial Growth Factor
- VEGFR: Vascular Endothelial Growth Factor Receptor
- WHO: World Health Organization
Literatur
- Kumthekar P, Grimm SA, Aleman RT et al.: A multi-institutional phase II trial of bevacizumab for recurrent and refractory meningioma. Neurooncol Adv. 2022;4(1):vdac123. doi: 10.1093/noajnl/vdac123 [1]
- Mensah EO, Ghosh A, Rane A et al.: Systemic therapy in the treatment of recurrent or refractory intracranial meningiomas: A systematic review and individual patient data meta-analysis. Neurosurg Rev. 2026;49:353. doi: 10.1007/s10143-026-04233-w [2]
- Brastianos PK, Kim AE, Giobbie-Hurder A et al.: Phase 2 study of pembrolizumab in patients with recurrent and residual high-grade meningiomas. Nat Commun. 2022;13:1325. doi: 10.1038/s41467-022-29052-7 [3]
- Avila EK, Tobochnik S, Inati SK et al.: Brain tumor-related epilepsy management: A Society for Neuro-Oncology consensus review on current management. Neuro Oncol. 2024;26(1):7 bis 24. doi: 10.1093/neuonc/noad154 [4]
- Albert NL, Baguet T, Bailly C et al.: [177Lu]Lu-DOTATATE for Recurrent Meningioma (LUMEN-1, EORTC-2334-BTG): Study Protocol for a Randomized Phase II Trial. J Nucl Med. 2026. doi: 10.2967/jnumed.125.269633 [5]
- Roberts RG, Redman JW: Indomethacin: A Review of its Role in the Management of Traumatic Brain Injury. Crit Care Resusc. 2002;4(4):271 bis 280. doi: 10.1016/S1441-2772(23)01190-0 [6]
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Leitlinien
- Goldbrunner R, Stavrinou P, Jenkinson MD et al.: EANO guideline on the diagnosis and management of meningiomas. Neuro Oncol. 2021;23(11):1821 bis 1834. doi: 10.1093/neuonc/noab150 [LL1]
- Roth P, Pace A, Le Rhun E et al.: Neurological and vascular complications of primary and secondary brain tumours: EANO-ESMO Clinical Practice Guidelines for prophylaxis, diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2021;32(2):171 bis 182. doi: 10.1016/j.annonc.2020.11.003 [LL2]
- Walbert T, Harrison RA, Schiff D et al.: SNO and EANO practice guideline update: Anticonvulsant prophylaxis in patients with newly diagnosed brain tumors. Neuro Oncol. 2021;23(11):1835 bis 1844. doi: 10.1093/neuonc/noab152 [LL3]
- Preusser M, Brastianos PK, Mawrin C et al.: European Association of Neuro-Oncology guideline on molecular testing of meningiomas for targeted therapy selection. Neuro Oncol. 2025;27(4):869 bis 883. doi: 10.1093/neuonc/noae253 [LL4]
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- Neurocritical Care Society: Emergency Neurological Life Support. Intracranial Hypertension and Herniation Protocol, Version 6.0. Protokoll [LL6]
Fachinformationen
- Dexamethason-ratiopharm 4 mg/8 mg Tabletten: Fachinformation [FI1]
- Keppra (Levetiracetam): EMA-Produktinformation, aktualisiert April 2026 [FI2]
- Vimpat (Lacosamid): EMA-Produktinformation, aktualisiert August 2026 [FI3]
- Avastin (Bevacizumab): EMA-Produktinformation, aktualisiert Januar 2026 [FI4]
- Rote-Hand-Brief zu Medroxyprogesteronacetat: Meningeomrisiko und Maßnahmen zur Minimierung dieses Risikos. BfArM, 9. Oktober 2024. Risikoinformation [FI5]
- Cyproterone-containing medicinal products: restrictions in use due to risk of meningioma. EMA, 2020. Risikoinformation [FI6]
- Nomegestrol and chlormadinone: measures to minimise the risk of meningioma. EMA, 2022. Risikoinformation [FI7]
- Desogestrel- und etonogestrelhaltige Arzneimittel: Risiko eines Meningeoms. EMA/PRAC, Juli 2026. Risikoinformation [FI8]
- Rote-Hand-Brief zu Valproat: Mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter in den 3 Monaten vor der Zeugung mit Valproat behandelt wurden. BfArM, 19. Februar 2024. Risikoinformation [FI9]