Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) mit bedingt sein können:
Das Ovarialkarzinom ist klinisch vor allem eine Erkrankung des Abdominalraumes (Bauchraumes) mit bevorzugter transkoelomischer Ausbreitung (Ausbreitung über Körperhöhlenflächen) entlang des Peritoneums (Bauchfells). Befallen werden insbesondere Peritoneum, Omentum (Netz), Darmserosa (äußere Darmschicht), Mesenterium (Gekröse), Zwerchfellkuppeln (obere Abschnitte des Zwerchfells) und Beckenorgane (Organe im Becken). Extraabdominelle Metastasen (Absiedlungen außerhalb des Bauchraums) sind im Vergleich dazu seltener; sie definieren bei positiver Pleuraergusszytologie (Zelluntersuchung von Brustfellflüssigkeit) bzw. bei parenchymatösen (das Organgewebe betreffenden) oder extraabdominellen Organmetastasen (Absiedlungen in Organen) ein FIGO-Stadium (Stadium nach der internationalen Stadieneinteilung der International Federation of Gynecology and Obstetrics) IV [LL1, LL2, LL3, 1, 2].
Atmungssystem (J00-J99)
- Lungenmetastasen (Absiedlungen in der Lunge) – seltenere Fernmetastasierung (Absiedlung in entfernten Körperregionen) bei fortgeschrittener Erkrankung; parenchymatöse Lungenmetastasen entsprechen einem FIGO-Stadium IVB [LL1, LL2, LL3].
- Maligner Pleuraerguss (bösartige Flüssigkeitsansammlung im Brustfellraum) – FIGO-Stadium IVA bei positiver Pleuraergusszytologie; mögliche Folgen sind Dyspnoe (Atemnot), thorakales Druckgefühl (Druckgefühl im Brustkorb) und rezidivierende punktionspflichtige Ergüsse (wiederkehrende Flüssigkeitsansammlungen, die abgelassen werden müssen) [LL1, LL2, LL3].
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Mangelernährung (unzureichende Nährstoffversorgung), Sarkopenie (Muskelschwund) und Tumorkachexie (krebsbedingte Auszehrung) – insbesondere bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom mit malignem Aszites (bösartiger Bauchwassersucht), systemischer Inflammation (Entzündung im gesamten Körper), reduzierter Nahrungsaufnahme, Darmobstruktion (Darmverschluss) oder therapiebedingter Übelkeit mitbedingt [3, 6].
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel in Venen mit möglicher Verschleppung) – tiefe Venenthrombose (Blutgerinnsel in tiefen Venen) und Lungenembolie (Verschluss von Lungengefäßen durch ein Blutgerinnsel), begünstigt durch Tumorlast (Tumormenge), fortgeschrittenes Stadium, Operation, Immobilisation (eingeschränkte Beweglichkeit), Aszites und systemische Therapie (Behandlung, die im ganzen Körper wirkt); in einer aktuellen Metaanalyse (zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien) zu Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom unter neoadjuvanter Chemotherapie (medikamentöser Krebsbehandlung vor Operation) lag die gepoolte Inzidenz (zusammengefasste Häufigkeit neuer Fälle) venöser Thromboembolien bei etwa 10 % [5].
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)
- Leberkapselmetastasen (Absiedlungen an der Leberkapsel) – peritoneale Oberflächenmetastasen (Absiedlungen an der Bauchfelloberfläche) an der Leberkapsel entsprechen bei fehlender parenchymatöser Beteiligung einem FIGO-Stadium IIIC [LL1, LL2, LL3].
- Leberparenchymmetastasen (Absiedlungen im Lebergewebe) – Fernmetastasierung mit Zuordnung zum FIGO-Stadium IVB [LL1, LL2, LL3].
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Darmobstruktion, Subileus (drohender oder unvollständiger Darmverschluss) und Ileus (Darmverschluss) – durch Peritonealkarzinose (Befall des Bauchfells mit Krebszellen), mesenteriale Tumormanifestationen (Tumorherde im Gekröse), Darmserosabefall (Befall der äußeren Darmschicht) oder kolorektale Lumeneinengung (Einengung des Dickdarm- oder Enddarmdurchmessers); klinisch relevant sind Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus (Blähbauch), Obstipation (Verstopfung), Koliken (krampfartige Schmerzen), Stuhlverhalt (ausbleibender Stuhlgang) und bei kompletter Obstruktion (vollständigem Verschluss) das akute Abdomen (plötzlich einsetzender schwerer Bauchzustand) [3, 4, LL1].
- Kolon- und Rektosigmoidbefall (Befall von Dickdarm und Übergang zwischen Sigma und Enddarm) – durch peritoneale bzw. serosale Tumormanifestationen mit Obstipation, schmerzhafter Defäkation (Stuhlentleerung), inkompletter Entleerung und im Spätstadium mechanischer Passagebehinderung (mechanischer Störung der Darmpassage) [LL1, LL2, 1, 2].
- Magen-, Dünndarm- und Mesenterialbefall (Befall von Magen, Dünndarm und Gekröse) – durch intraperitoneale Tumorausbreitung (Tumorausbreitung innerhalb des Bauchfellraums) mit frühem Sättigungsgefühl, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und eingeschränkter enteraler Ernährung (Ernährung über den Magen-Darm-Trakt) [LL1, LL2, 1, 2, 3].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Knochenmetastasen (Absiedlungen im Knochen) – seltene Fernmetastasierung; mögliche Komplikationen sind Knochenschmerzen, pathologische Frakturen (Knochenbrüche bei krankhaft verändertem Knochen), Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut) und spinale Kompression (Druck auf Rückenmark oder Nervenstrukturen der Wirbelsäule) [7].
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Extraabdominelle Fernmetastasen – vor allem Lunge, Leberparenchym, Knochen sowie inguinale (in der Leiste gelegene) oder andere extraabdominelle Lymphknoten (Filterstationen des Immunsystems); sie entsprechen einem FIGO-Stadium IVB [LL1, LL2, LL3].
- Lymphknotenmetastasen (Absiedlungen in Lymphknoten) – pelvine (das Becken betreffende), paraaortale (neben der Hauptschlagader gelegene) bzw. retroperitoneale (hinter dem Bauchfell gelegene) Lymphknotenmetastasen sind typische Ausbreitungsformen; inguinale oder andere extraabdominelle Lymphknotenmetastasen werden als FIGO IVB klassifiziert [LL1, LL2, LL3].
- Omentumbefall – typischer Bestandteil der transkoelomischen Ausbreitung; bei ausgedehntem Befall kann ein sogenannter omentaler Tumorkuchen (ausgedehnter Tumorbefall des Netzes) entstehen [LL1, LL2, LL3, 1, 2].
- Peritonealkarzinose – zentrale Manifestation (Krankheitsausprägung) des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms mit Tumorbefall des Peritoneums im kleinen Becken und im gesamten Abdomen bis unter das Diaphragma (Zwerchfell); häufig assoziiert (verbunden) mit malignem Aszites, Darmobstruktion, Schmerzen, Übelkeit, Völlegefühl und Verschlechterung des Allgemeinzustandes (körperlichen Gesamtzustandes) [LL1, LL2, LL3, 1, 2, 3, 6].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Angststörungen (krankhafte Angstzustände) und depressive Störungen (krankhafte Niedergeschlagenheit) – bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom häufig; eine aktuelle Metaanalyse fand gepoolte Prävalenzen (zusammengefasste Häufigkeiten) von 33 % für Angst und 27 % für Depression [9].
- Chemotherapieinduzierte periphere Neuropathie (durch Chemotherapie verursachte Schädigung peripherer Nerven) – insbesondere unter Taxan- und Platin-haltiger Therapie; typisch sind sensible Parästhesien (Gefühlsstörungen), Taubheit, neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen), Gangunsicherheit und funktionelle Einschränkungen. Die Häufigkeit ist abhängig von Substanz, kumulativer Dosis (Gesamtdosis), Erhebungsmethode und Nachbeobachtungszeit [8, LL4].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Akutes Abdomen – vor allem bei kompletter Darmobstruktion/Ileus, seltener bei Perforation (Durchbruch), Ischämie (Mangeldurchblutung) oder massiver Tumorprogression (Tumorfortschreiten) [3, 4, LL1].
- Aszites – häufige Manifestation fortgeschrittener peritonealer Tumorausbreitung; klinisch relevant durch Bauchumfangszunahme, Druckgefühl, frühe Sättigung, Dyspnoe und reduzierte Belastbarkeit [LL1, LL2, 1, 6].
- Tumorschmerzen (tumorbedingte Schmerzen) – Becken-, Abdominal-, Defäkations- oder Miktionsschmerzen (Schmerzen beim Wasserlassen) durch Peritonealkarzinose, Organverdrängung (Verdrängung von Organen), Organinfiltration (Einwachsen in Organe), Aszites oder Darmobstruktion [LL1, LL2, 3, 4].
- Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl – durch Aszites, Magen-Darm-Kompression (Druck auf Magen und Darm), Peritonealkarzinose, Ileus/Subileus oder systemische Therapie mitbedingt [3, 4, LL1].
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Dysurie (schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen) und erschwerte Miktion (erschwertes Wasserlassen) – durch pelvine Tumormasse (Tumormasse im Becken), Blasenkompression (Druck auf die Harnblase), Blaseninfiltration (Einwachsen in die Harnblase) oder tumorbedingte Becken- und Schmerzsymptomatik (Beschwerden durch Schmerzen und Beckenbefall) [LL1].
- Hydronephrose (Harnstauungsniere) und obstruktive Uropathie (Harnabflussstörung) – durch Harnleiterkompression (Druck auf den Harnleiter) oder Harnleiterinfiltration (Einwachsen in den Harnleiter) im kleinen Becken; relevant sind Flankenschmerz (Seitenschmerz), Harnstauungsniere, Nierenfunktionsverschlechterung (Verschlechterung der Nierenleistung) und Infektkomplikationen (infektionsbedingte Komplikationen) [LL1].
Prognosefaktoren
- Aszites und peritoneale Tumorlast – Hinweis auf fortgeschrittene intraabdominelle Erkrankung (Erkrankung innerhalb des Bauchraums); geringe bzw. fehlende Aszitesmenge ist unter anderem Bestandteil prädiktiver Scores (Vorhersagewerte) für die Operabilität (Möglichkeit einer Operation) im Rezidivsetting (Situation bei Wiederauftreten der Erkrankung) [LL1, 6].
- BRCA1/2- und HRD-Status (molekulare Merkmale der Tumorzellen) – prognostisch (für den Krankheitsverlauf bedeutsam) und prädiktiv (für das Therapieansprechen vorhersagend) relevant, insbesondere für den Nutzen PARP-Inhibitor-basierter Erhaltungstherapie (dauerhafter Behandlung mit PARP-Hemmern) [LL1, LL2, LL3].
- FIGO-Stadium – zentrale prognostische Determinante (Einflussgröße für den Krankheitsverlauf); peritoneale Ausbreitung außerhalb des Beckens und/oder retroperitoneale Lymphknotenmetastasen entsprechen FIGO III, positive Pleuraergusszytologie FIGO IVA, parenchymatöse bzw. extraabdominelle Organmetastasen FIGO IVB [LL1, LL2, LL3].
- Histologischer Subtyp (feingeweblicher Tumortyp) und Tumorbiologie (biologische Eigenschaften des Tumors) – high-grade seröses Ovarialkarzinom (hochgradig bösartiger seröser Eierstockkrebs) ist der häufigste Subtyp; histologischer Subtyp, Grading (Einteilung nach Entartungsgrad) und molekulare Alterationen (genetische Veränderungen) beeinflussen Verlauf, Therapiesensitivität (Ansprechen auf Behandlung) und Rezidivrisiko (Risiko des Wiederauftretens) [LL1, LL2, LL3, 1].
- Makroskopische Komplettresektion (sichtbare vollständige Tumorentfernung) – stärkster chirurgisch beeinflussbarer Prognosefaktor beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom; multiviszerale Resektionen (Entfernung von Tumoranteilen an mehreren Organen) können gerechtfertigt sein, wenn dadurch Tumorfreiheit (Freiheit von sichtbarem Tumor) oder die Behebung einer Obstruktion erreichbar ist [LL1, LL2, LL3].
- Therapieansprechen (Ansprechen auf Behandlung) und Rezidivmuster (Muster des Wiederauftretens) – platinfreies Intervall (Zeit ohne Platintherapie bis zum Wiederauftreten), Platinsensitivität (Empfindlichkeit gegenüber Platinmedikamenten), Tumorlast, Symptomatik (Beschwerden) und Allgemeinzustand bestimmen wesentlich Prognose und weitere Therapiestrategie (Behandlungsplanung) [LL1, LL2, LL3].
Literatur
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