Haysche Trennkost

Die Haysche Trennkost ist eine alternative Ernährungsform, bei der kohlenhydratreiche und proteinreiche Lebensmittel innerhalb einer Mahlzeit nicht gemeinsam verzehrt werden sollen. Ergänzend wird eine überwiegend basenbildende Lebensmittelauswahl empfohlen, häufig umgesetzt als lacto-vegetabile, wenig verarbeitete Kost mit hohem Rohkostanteil.

Einzuordnen ist die Haysche Trennkost als komplementärmedizinisches bzw. alternatives Ernährungskonzept. Sie ist nicht leitliniengestützt, nicht krankheitsspezifisch validiert und stellt keine evidenzbasierte therapeutische Diät dar.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Haysche Trennkost geht auf den US-amerikanischen Chirurgen und Allgemeinmediziner William Howard Hay (1866-1940) zurück. Hay berichtete, eine zu seiner Zeit als unheilbar geltende Nierenerkrankung durch sein Ernährungskonzept überwunden zu haben. Eine medizinische Dokumentation oder wissenschaftliche Überprüfung dieser Selbstaussage liegt nicht vor.

Im deutschsprachigen Raum wurde die Trennkost maßgeblich durch den Arzt Ludwig Walb (1907-1992) bekannt gemacht. Dessen Arbeit wird bis heute durch den Internisten Thomas Heintze fortgeführt. Walb und Heintze übernahmen die Grundannahmen Hays weitgehend, modifizierten sie jedoch in einzelnen Punkten, insbesondere hinsichtlich der praktischen Umsetzung und des empfohlenen Verhältnisses basen- zu säurebildenden Lebensmitteln [1, 2].

Zentrale theoretische Annahmen der Trennkost sind, dass Kohlenhydrate und Proteine nicht gleichzeitig optimal verdaut werden könnten, dass deren gemeinsamer Verzehr zu verlängerten Passagezeiten, Fermentation und einer sogenannten gastrointestinalen Autointoxikation (Selbstvergiftung des Körpers durch Fäulnis- und Gärungsprozesse im Darm) führe und dass daraus eine chronische Übersäuerung des Körpers resultiere, die als Hauptursache zahlreicher Erkrankungen angesehen wird. Diese Annahmen bilden das ideologische Fundament des Konzepts, sind jedoch aus heutiger ernährungswissenschaftlicher Sicht weitgehend widerlegt.

Zielsetzung der Diät

Die Zielsetzung der Hayschen Trennkost ist primär gesundheitlich orientiert und verbindet präventive, kurative und lebensstilbezogene Ansprüche, ohne diese klar voneinander abzugrenzen. Angestrebt wird eine Optimierung der Verdauung durch eine bestimmte Mahlzeitenzusammensetzung, die Vermeidung einer postulierten Überlastung des Verdauungstrakts sowie langfristig die Prävention oder Linderung chronischer Erkrankungen. Ferner wird angenommen, dass eine Reduktion säurebildender Lebensmittel bei gleichzeitig hohem Anteil basenbildender Nahrungsmittel den Säure-Basen-Haushalt stabilisiere und dadurch sowohl körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit verbessere [1, 2].

Eine Zieldefinition mit klar benannten therapeutischen Zielparametern (z. B. HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), LDL-Cholesterin, Blutdruck, Entzündungsmarker), strukturiertem Monitoring oder definierten Abbruchkriterien fehlt.

Grundprinzipien

Die Haysche Trennkost basiert auf festen Regeln zur Lebensmittelauswahl und Mahlzeitenstruktur. Kohlenhydratreiche und proteinreiche Lebensmittel sollen innerhalb einer Mahlzeit strikt getrennt werden, während sogenannte neutrale Lebensmittel mit beiden Gruppen kombiniert werden dürfen. Zusätzlich erfolgt eine Einteilung der Lebensmittel in basenbildende und säurebildende Kategorien, wobei der überwiegende Anteil der täglichen Ernährung aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen soll [1, 2].

Ergänzend werden zeitliche Vorgaben gemacht, darunter Essenspausen von drei bis vier Stunden, eine bevorzugte Einnahme der Proteinmahlzeit zur Mittagszeit und der Kohlenhydratmahlzeit am Abend sowie der Verzicht auf Mahlzeiten nach 18 Uhr. Allgemeine Empfehlungen wie langsames Essen, gründliches Kauen, maßvolle Portionsgrößen und die Bevorzugung naturbelassener, regionaler und saisonaler Lebensmittel werden integriert und überschneiden sich teilweise mit allgemeinen Empfehlungen einer gesundheitsförderlichen Ernährung [2].

Angestrebte Wirkmechanismen

Durch die Trennung von Kohlenhydraten und Proteinen sollen Verdauungsenzyme effizienter arbeiten, eine verlängerte Magen-Darm-Passage vermieden und fermentative Prozesse reduziert werden. Daraus leitet das Konzept eine geringere Belastung des Organismus und eine Vermeidung toxischer Stoffwechselprodukte ab. Zusätzlich wird eine Entlastung des Säure-Basen-Haushalts erwartet [1, 2].

Aktuelle systematische Reviews und physiologische Untersuchungen zeigen jedoch konsistent, dass der gleichzeitige Verzehr von Kohlenhydraten und Proteinen weder die Passagezeit verlängert noch pathologische Fermentation (krankhafte Gärungsprozesse im Darm) oder Fäulnisprozesse verursacht. Der menschliche Verdauungstrakt ist explizit auf Mischmahlzeiten ausgelegt, was unter anderem durch die Zusammensetzung der Muttermilch belegt ist [3].

Einzelne ältere Interventionsstudien berichten über geringfügige Verbesserungen metabolischer Parameter unter Trennkost. Diese Effekte lassen sich jedoch plausibel durch reduzierte Energiezufuhr, erhöhten Ballaststoffanteil und eine strukturiertere Mahlzeitenorganisation erklären, nicht durch das Trennprinzip selbst [3, 4].

Moderne Übersichtsarbeiten bestätigen, dass die Qualität der Ernährung und die Energiebilanz deutlich relevanter sind als die Makronährstofftrennung innerhalb einzelner Mahlzeiten [5].

Auch hinsichtlich der Säure-Basen-Hypothese zeigen aktuelle systematische Reviews, dass der gesunde Organismus über eine hohe renale und respiratorische Pufferkapazität (Ausgleichsfähigkeit von Nieren und Lunge für Säuren und Basen) verfügt. Eine klinisch relevante chronische Übersäuerung durch normale Ernährung ist nicht belegt, ebenso wenig ein kausaler Zusammenhang zwischen diätetischer Säurelast und systemischen Erkrankungen [5].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Gesunde Erwachsene ohne relevante Vorerkrankungen
  • Personen mit Interesse an pflanzenbetonter, wenig verarbeiteter Ernährung
  • Personen mit dem Ziel einer moderaten Gewichtsreduktion durch strukturierte Mahlzeiten

Eingeschränkt geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit erhöhtem Proteinbedarf (z. B. bei intensiver körperlicher Aktivität)
  • Ältere Personen mit Risiko für unzureichende Proteinzufuhr
  • Personen mit erhöhtem Mikronährstoffbedarf

Nicht geeignete Zielgruppen

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Personen mit chronischen Nieren-, Leber- oder Stoffwechselerkrankungen

Eine ärztliche Rücksprache ist bei Vorerkrankungen erforderlich.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Haysche Trennkost ist als dauerhafte Ernährungsform konzipiert und nicht zeitlich begrenzt. Eine strukturierte Vorbereitungs- oder Einführungsphase ist nicht vorgesehen, erfordert jedoch in der Praxis eine grundlegende Umstellung von Einkaufs-, Koch- und Essgewohnheiten.

Insbesondere zu Beginn treten häufig Unsicherheiten bei der Lebensmitteleinteilung auf, da viele Lebensmittel je nach Zubereitungsform unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden. Typische Einstiegsfehler sind eine zu starke Reduktion proteinreicher Lebensmittel, das Meiden ganzer Lebensmittelgruppen sowie eine insgesamt zu niedrige Energiezufuhr.

Eine schrittweise Umstellung mit bewusster Beobachtung des eigenen Essverhaltens wäre aus ernährungsmedizinischer Sicht sinnvoll, ist im Konzept jedoch nicht systematisch vorgesehen.

Mentale und soziale Aspekte spielen eine große Rolle, da gemeinsames Essen, Kantinenverpflegung oder Restaurantbesuche häufig nicht trennkostkonform sind.

Ein klar definierter Übergang in eine flexiblere Alltagskost oder ein strukturiertes Beendigungskonzept ist nicht vorgesehen.

Richtlinien der Hayschen Trennkost nach Heintze sind [2]:

  • Trennung proteinreicher Lebensmittel von kohlenhydratreichen Lebensmitteln innerhalb einer Mahlzeit
  • Einteilung der Lebensmittel in die 3 Gruppen: kohlenhydratreich, neutral und proteinreich (siehe Tabelle)
  • Alle neutralen Lebensmittel können sowohl mit kohlenhydratreichen als auch mit proteinreichen Lebensmitteln kombiniert werden
  • Verzehr von nur einer Proteinart (Fleisch oder Fisch, max. 60-100 g/Tag) pro Mahlzeit
  • Einteilung der Lebensmittel in Basenbildner und Säurebildner (siehe Tabelle)
    • Das Verhältnis basen- und säurebildender Lebensmittel sollte 75 % zu 25 % betragen
  • Die Proteinmahlzeit sollte mittags, die Kohlenhydratmahlzeit abends eingenommen werden
  • Zwischen den einzelnen Mahlzeiten sollten Pausen von drei bis vier Stunden liegen
  • Einnahme der letzten Mahlzeit nicht nach 18 Uhr
  • Verwendung von naturbelassenen und möglichst regionalen und saisonalen Lebensmitteln aus ökologischem Anbau
  • Nur so viel verzehren, wie zur Erhaltung des Lebens nötig ist
  • Langsam und in Ruhe essen, sowie gründlich kauen
  • Zwecks schneller Sättigung sollte vor jeder Hauptmahlzeit eine Portion Rohkost oder Salat verzehrt werden

Empfohlene Lebensmittel

  • Rohes Gemüse als zentrale Basis der Ernährung
  • Obst – bevorzugt frisch, teilweise roh verzehrt
  • Nüsse
  • Milch und Milchprodukte – grundsätzlich in jeder Form erlaubt; insbesondere morgens zusammen mit saurem Obst und Gemüse zur angeblichen „Ausschwemmung von Giftstoffen“
  • Käse – nur selten, da als starker Säurebildner eingestuft
  • Fette:
    • Kalt gepresste pflanzliche Öle mit hohem Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren
    • Ungebräunte Butter
    • Frische Sahne
  • Kräuter – frische Garten- und Wildkräuter in reichlicher Menge
  • Getränke (maßvoll):
    • Bier in geringer Menge (z. B. 1 Glas/Tag) zur Stärkemahlzeit
    • Wein in geringer Menge (z. B. ½ Glas/Tag) zur Proteinmahlzeit

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Raffinierte und stark verarbeitete Lebensmittel:
    • Denaturierte Produkte
    • Lebensmittel mit Konservierungs-, Farb-, Süß- oder Aromastoffen
  • Schweinefleisch
  • Hülsenfrüchte

Systematische Einteilung der Lebensmittel nach Walb und Heintze

Nach der von Walb und Heintze weiterentwickelten Hayschen Trennkost werden Lebensmittel anhand ihres überwiegenden Nährstoffschwerpunkts in vorwiegend kohlenhydrathaltige, neutrale und vorwiegend proteinhaltige Lebensmittel eingeteilt, wobei diese Klassifikation die Grundlage für die empfohlenen Lebensmittelkombinationen innerhalb einer Mahlzeit bildet [1].

Vorwiegend kohlenhydrathaltige Lebensmittel Neutrale Lebensmittel  Vorwiegend proteinhydrathaltige Lebensmittel
Alle Getreidearten
z. B. Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Naturreis
Folgende Fette
pflanzliche Öle und Fette, kalt gepresste Öle aus Samen und Keimen, wie Sonnenblumenöl oder Walnussöl, Butter
Alle gegarten Fleischsorten (außer Schwein)
z. B. Braten, Steak, Hackfleischgerichte, Rollbraten, Gulasch, Rinderkochschinken
Alle Vollkornerzeugnisse
z. B. Vollkornbrot, Vollkornbrötchen, Vollkornnudeln, Vollkorngrieß, Vollkornkuchen
Alle gesäuerten Milchprodukte
z. B. Quark, Kefir, Buttermilch, Vollmilchjoghurt, saure Sahne, süße Sahne, Doppelrahmkäse (> 60 % Fett i. Tr.), Frischkäse
Alle gegarten Geflügelsorten
z. B. Putenbrust, Grillhähnchen, Geflügelwurst
Folgende Gemüsesorten
Kartoffeln, Topinambur, Batate, Schwarzwurzel
Folgende Gemüse- und Salatsorten
Artischocke, Aubergine, Blattsalat, Blumenkohl, Brokkoli, Brunnenkresse, Chicorée, Chinakohl, Feldsalat, Fenchel, Grünkohl, Gurke, Karotte, Kohlrabi, Kürbis, Löwenzahn, Mangold, Paprika, Pastinake, Peperoni, Radieschen, Rettich, Rosenkohl, Rote Bete, Rotkohl, Weiße Rübe, Sauerkraut, Sellerie, Spargel, Spinat (roh), Steckrübe, Tomate (roh), Weißkohl, Wirsing, Zucchini, Zwiebel
Alle gegarten Fischsorten
z. B. Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Lachs, Makrele, Scholle, Seelachs, Thunfisch, Schalen- und Krustentiere
Folgende Obstsorten
Feige, Dattel, Banane, nicht geschwefelte Trockenfrüchte wie Rosine, Aprikose, Pflaume
Folgende weitere Lebensmittel
Eigelb, reife Oliven, Agar-Agar, Nüsse, Mandeln, Heidelbeeren, gekörnte Gemüsebrühe
Folgende weitere Lebensmittel
Käse bis 55 % Fett i. Tr. wie Harzer, Tilsiter oder Gouda, Milch, Eier, Tofu, Tomate (gekocht), Spinat (gekocht)
Folgende Süßungsmittel
Bienenhonig, Ahornsirup, Apfel- und Birnendicksaft, Frutilose
Folgende Gewürze
Vollmeersalz, Kräutersalz, Selleriesalz, Knoblauch, Paprika, Muskat, Pfeffer, Curry, Basilikum, Wild- und Gartenkräuter
Mit proteinreichen Lebensmitteln kombinierbares saures Obst
Beerenobst, Kernobst, Steinobst, Zitrusfrüchte, Südfrüchte

Ergänzend zur Trennung nach Kohlenhydrat- und Proteingehalt ordnen Walb und Heintze die Lebensmittel entsprechend ihrer angenommenen Wirkung auf den Säure-Basen-Haushalt in basenbildende und säurebildende Lebensmittel ein, wobei ein überwiegend basenbildender Anteil der Ernährung angestrebt wird [1].

Basenbildende Lebensmittel Säurebildende Lebensmittel 
Gemüse, Wurzelgemüse, Gemüsefrüchte, Blattgemüse, Salate tierisches Protein wie Fleisch, Fisch, Wurst, Innereien
Sojabohnen, Sojamilch, Kokosmilch pflanzliches Protein wie Mais, Reis, Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Amarant, Vollkornmehle
Milch, Schlagsahne Auszugsmehle in Weißgebäck, Brot, Teigwaren
Pellkartoffeln Milchprodukte wie Quark, Käse
Kastanien Industriekost, Fertigkost, Dosenkost, Ketchup, fertige Salatsoßen
reifes Obst, Trockenobst Getränke wie Cola, Limonade, Sirup, Säfte, Cocktails
Mandeln, Mandelmilch raffinierte Öle und Fette
Wildkräuter wie Brennnessel, Löwenzahn, Rucola, Portulak, Bärlauch Fabrikzucker, Fruchtzucker, Konditorwaren, Pralinen
Gewürzkräuter wie Kresse, Schnittlauch, Kerbel, Koriander, Minze, Majoran, Thymian Zitrusfrüchte wie Grapefruit
kalt gepresste Pflanzenöle, Oliven Genussmittel wie Kaffee, Alkohol, Nikotin

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

  • Mahlzeiten im Voraus planen: Eine Wochenplanung mit klar getrennten kohlenhydrat- und proteinbetonten Mahlzeiten erleichtert die Umsetzung und reduziert Fehlentscheidungen im Alltag.
  • Einkauf strukturiert organisieren: Der Einkauf sollte gezielt erfolgen, da nicht alle Lebensmittel flexibel kombinierbar sind. Sinnvoll ist es, Vorräte für kohlenhydrat- und proteinbetonte Mahlzeiten getrennt zu planen, um spontane Fehlkombinationen zu vermeiden.
  • Einfache Gerichte bevorzugen: Überschaubare Mahlzeiten mit wenigen Komponenten erleichtern die Einhaltung der Trennregeln und reduzieren den zeitlichen Aufwand bei der Zubereitung.
  • Neutrale Lebensmittel gezielt nutzen: Neutrale Lebensmittel dienen als „Brücke“ zwischen kohlenhydrat- und proteinreichen Speisen und erhöhen die Flexibilität bei der Mahlzeitenzusammenstellung.
  • Außer-Haus-Verpflegung pragmatisch handhaben: In Kantinen, Restaurants oder auf Reisen ist eine strikte Umsetzung oft nicht möglich. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, sich an den Grundgedanken einer pflanzenbetonten, wenig verarbeiteten Mahlzeit zu orientieren, statt auf eine exakte Trennung zu bestehen.
  • Soziale Situationen berücksichtigen: Ein gewisser Spielraum bei Einladungen oder gemeinsamen Mahlzeiten kann helfen, sozialen Anpassungsdruck zu vermeiden und die langfristige Umsetzbarkeit zu verbessern.
  • Übermäßige Restriktion vermeiden: Aus Unsicherheit sollten keine vollständigen Lebensmittelgruppen dauerhaft gemieden werden. Eine zu starke Einschränkung kann das Risiko für Nährstoffdefizite erhöhen.
  • Auf ausreichende Nährstoffzufuhr achten: Insbesondere bei längerer Anwendung sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Protein, Calcium, Eisen, Jod, Vitamin-B-Komplex und Omega-3-Fettsäuren geachtet werden.
  • Regelmäßige Selbstreflexion einplanen: Eine gelegentliche Überprüfung von Energiezufuhr, Gewichtsentwicklung und allgemeinem Wohlbefinden hilft, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Ernährungsphysiologisch kann die Haysche Trennkost bei bewusster und abwechslungsreicher Lebensmittelauswahl eine vergleichsweise hohe Ballaststoffzufuhr erreichen, insbesondere durch den hohen Anteil an Gemüse, Salaten, Obst und teilweise Vollkornprodukten. Dies kann sich positiv auf das Sättigungsgefühl, die Darmfunktion sowie auf metabolische Parameter wie Blutzucker- und Fettstoffwechsel auswirken. Auch die Bevorzugung wenig verarbeiteter Lebensmittel trägt grundsätzlich zu einer höheren Nährstoffdichte und geringeren Energiedichte der Ernährung bei.

Demgegenüber ist die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiße)) im Konzept nicht systematisch gesteuert. Insbesondere die Trennung von protein- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln innerhalb einer Mahlzeit kann dazu führen, dass die tägliche Proteinzufuhr unter dem empfohlenen Bedarf bleibt, vor allem wenn proteinreiche Lebensmittel insgesamt zurückhaltend konsumiert werden. Dies ist insbesondere bei älteren Menschen, bei körperlich aktiven Personen sowie bei Personen mit erhöhtem Proteinbedarf kritisch zu bewerten [3, 4].

Auch im Hinblick auf die Mikronährstoffversorgung bestehen potentielle Risiken. Durch die Einschränkung oder geringe Nutzung bestimmter Lebensmittelgruppen – etwa Hülsenfrüchte, Fisch, bestimmte Milchprodukte oder Vollkornprodukte – kann es langfristig zu Defiziten an Vitamin-B-Komplex (insbesondere Folsäure), Vitamin D, Calcium, Eisen, Jod, Selen sowie Omega-3-Fettsäuren kommen. Diese Nährstoffe sind für zahlreiche physiologische Funktionen essentiell, unter anderem für Blutbildung, Knochengesundheit, Schilddrüsenfunktion, Immunabwehr und neuromuskuläre Leistungsfähigkeit.

Ferner ist die langfristige Ausgewogenheit der Ernährung stark von individueller Planungskompetenz abhängig. Ohne fundierte ernährungswissenschaftliche Kenntnisse besteht die Gefahr, dass die Trennregeln wichtiger genommen werden als eine bedarfsgerechte Gesamtzufuhr von Energie und Nährstoffen. Insgesamt entspricht die Haysche Trennkost damit keiner vollumfänglich ausgewogenen Ernährungsform im ernährungsphysiologischen Sinne, sondern erfordert eine sorgfältige und bewusste Umsetzung, um Mangelzustände zu vermeiden.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Kurzfristig können bei inadäquater Umsetzung der Hayschen Trennkost unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen, Schwindel oder ein ungewollter Gewichtsverlust auftreten. Diese Beschwerden sind häufig Ausdruck einer unzureichenden Energie- oder Proteinzufuhr sowie einer unausgewogenen Mahlzeitenzusammensetzung.

Langfristig besteht insbesondere bei restriktiver oder einseitiger Anwendung das Risiko klinisch relevanter Nährstoffmängel. Vulnerable Personengruppen wie ältere Menschen, Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche oder Personen mit chronischen Erkrankungen sind hiervon besonders betroffen. Eine dauerhaft unzureichende Proteinzufuhr kann bei älteren Menschen zur Beschleunigung des altersassoziierten Muskelabbaus beitragen und damit das Risiko für funktionelle Einschränkungen, Stürze und Gebrechlichkeit erhöhen [3, 4].

Auch Defizite an Calcium und Vitamin D können langfristig negative Auswirkungen auf die Knochengesundheit haben, während eine unzureichende Versorgung mit Eisen, Jod oder B-Vitaminen zu hämatologischen, neurologischen oder endokrinologischen Störungen führen kann. Die eingeschränkte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren kann sich ungünstig auf kardiovaskuläre Risikofaktoren auswirken.

Relevante positive therapeutische Effekte der Hayschen Trennkost über die einer ausgewogenen, energieangepassten Mischkost hinaus sind nicht belegt. Die in Einzelfällen beobachteten gesundheitlichen Verbesserungen lassen sich plausibel durch eine reduzierte Energiezufuhr, den hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel sowie eine insgesamt verbesserte Lebensmittelqualität erklären, nicht jedoch durch das Trennprinzip selbst [3, 5]. Aus medizinischer Sicht ergibt sich daher kein zusätzlicher Nutzen, der die potentiellen Risiken und Einschränkungen des Konzepts rechtfertigen würde.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • Kindes- und Jugendalter

Relative Kontraindikationen (ärztliche Rücksprache empfohlen)

  • Chronische Nieren-, Leber- oder Stoffwechselerkrankungen
  • Untergewicht oder Mangelernährung
  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht) oder restriktives Essverhalten
  • Ältere Patienten mit erhöhtem Proteinbedarf
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen mit erhöhtem Energie- und Nährstoffbedarf

Vorteile

  • Hoher Anteil pflanzlicher, ballaststoffreicher Lebensmittel
  • Geringe Zufuhr gesättigter Fettsäuren und stark verarbeiteter Produkte
  • Tendentiell reduzierte Energieaufnahme
  • Strukturierte Mahlzeiten und bewussteres Essverhalten

Nachteile

  • Wissenschaftlich widerlegte theoretische Grundlagen
  • Unnötige Einschränkung sinnvoller Lebensmittelkombinationen
  • Teilweise willkürliche Lebensmitteleinteilung
  • Erschwerte langfristige Umsetzbarkeit im Alltag
  • Kein belegter Zusatznutzen gegenüber ausgewogener Mischkost

Wissenschaftliche Einordnung

Die zentrale Annahme der Hayschen Trennkost, dass Kohlenhydrate und Proteine innerhalb einer Mahlzeit nicht gemeinsam optimal verdaut oder verwertet werden könnten, findet in der physiologischen und klinischen Forschung keine Bestätigung. Der menschliche Verdauungstrakt ist auf Mischmahlzeiten ausgelegt, und die gleichzeitige Aufnahme verschiedener Makronährstoffe stellt den Normalfall der menschlichen Ernährung dar. Entsprechend wird eine Trennung von Kohlenhydraten und Proteinen von keiner relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaft empfohlen oder als therapeutisch sinnvoll erachtet.

Beobachtete positive Effekte der Hayschen Trennkost, etwa hinsichtlich Gewichtsreduktion oder subjektivem Wohlbefinden, lassen sich vollständig durch Begleitfaktoren erklären. Dazu zählen insbesondere die häufig reduzierte Energiezufuhr, der hohe Anteil pflanzlicher Lebensmittel, eine gesteigerte Ballaststoffaufnahme sowie der Verzicht auf stark verarbeitete Produkte. Diese Effekte sind nicht spezifisch für die Trennkost, sondern treten vergleichbar bei anderen ausgewogenen, energieangepassten Ernährungsformen auf [3, 5].

Ferner zeigt die wissenschaftliche Evidenz, dass restriktive oder regelbasierte Ernährungskonzepte ohne klare physiologische Grundlage langfristig keine Vorteile gegenüber flexibleren, individualisierten Ernährungsansätzen bieten. Vielmehr können starre Vorgaben – wie das Trennprinzip – die Alltagstauglichkeit einschränken, die Ernährungsvielfalt reduzieren und indirekt das Risiko für eine unausgewogene Nährstoffzufuhr erhöhen.

Fazit

Die Haysche Trennkost ist kein evidenzbasiertes Ernährungskonzept. Kurzfristig können günstige Effekte auftreten, die jedoch nicht auf das Trennprinzip, sondern auf eine reduzierte Energiezufuhr, einen hohen Gemüse- und Ballaststoffanteil sowie geringe Verarbeitung zurückzuführen sind. Die zentralen theoretischen Annahmen – Verdauungstrennung, Autointoxikation und Übersäuerung als Krankheitsursache – sind wissenschaftlich widerlegt. Für therapeutische Zwecke ist die Diät nicht geeignet; als dauerhafte Ernährungsform ist sie nur mit erheblichem Ernährungswissen vertretbar. Insgesamt überwiegen die konzeptionellen Schwächen gegenüber einem belegten Nutzen.

Literatur

  1. Walb L, Heintze T, Lehmann P: Original Haysche Trennkost, 44. Auflage. Haug, Heidelberg. 1996
  2. Heintze T: Basisbuch Trennkost. Haug, Stuttgart. 2005
  3. Golay A, Allaz AF, Ybarra J et al.: Similar weight loss with low-energy food combining or balanced diets. Int J Obes Relat Metab Disord. 2000 Apr;24(4):492-6. doi: 10.1038/sj.ijo.0801185.
  4. Slabber M, Barnard HC, Kuyl JM, Dannhauser A, Schall R: Effects of a low-insulin-response, energy-restricted diet on weight loss and plasma insulin concentrations in hyperinsulinemic obese females. Am J Clin Nutr. 1994 Jul;60(1):48-53. doi: 10.1093/ajcn/60.1.48.
  5. Schwingshackl L et al.: Food groups and risk of chronic disease: a protocol for a systematic review and network meta-analysis of cohort studies. Syst Rev. 2016 Jul 27;5(1):125. doi: 10.1186/s13643-016-0302-9.