Nahrungsmittelallergie – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Nahrungsmittelallergien mitbedingt sein können:
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Nährstoffunterversorgung (unzureichende Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen) bis hin zur Mangelernährung (unzureichende Versorgung des Körpers mit Energie und Nährstoffen) infolge umfangreicher oder langfristiger Eliminationsdiäten (Ernährungsformen mit gezieltem Weglassen bestimmter Lebensmittel), insbesondere bei multiplen Nahrungsmittelallergien und unzureichendem ernährungsmedizinischem Ausgleich. Bei Kindern mit multiplen Nahrungsmittelallergien wurden insbesondere eine unzureichende Zufuhr von Protein, Calcium, Eisen, Zink, Iod, Folat, Vitamin B12 und Vitamin D beschrieben [1, LL1].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Nahrungsmittelallergiebezogene Angst und psychische Belastung – insbesondere Angst vor unbeabsichtigter Allergenexposition (Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff) und anaphylaktischen Reaktionen (schweren allergischen Sofortreaktionen); betroffen sein können sowohl Patienten als auch Eltern bzw. Betreuungspersonen allergischer Kinder [2, 3, LL1].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Gedeihstörung (unzureichende körperliche Entwicklung) bzw. Wachstumsbeeinträchtigung – insbesondere bei Kindern mit multiplen Nahrungsmittelallergien oder umfangreichen Eliminationsdiäten ohne adäquaten ernährungsmedizinischen Ausgleich; beschrieben sind niedrigere altersbezogene Werte für Körpergröße und Körpergewicht [1].
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Anaphylaxie (schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Sofortreaktion) bis zum anaphylaktischen Schock (lebensbedrohlichen allergischen Kreislaufschock) – wichtigste potenziell lebensbedrohliche Akutkomplikation insbesondere IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien (durch einen bestimmten Antikörpertyp vermittelte Nahrungsmittelallergien); tödliche Verläufe sind insgesamt sehr selten [4, 6, 7, LL1, LL2].
- Das Risiko und das Auslöserprofil sind alters- und regionsabhängig. Mit schweren Reaktionen werden unter anderem persistierende Kuhmilchallergie (dauerhaft fortbestehende Allergie gegen Kuhmilch), Erdnussallergie, Weizenallergie sowie Allergien gegen Fisch, Krusten- und Schalentiere in Verbindung gebracht; die Evidenz für einzelne Nahrungsmittel als unabhängige Prädiktoren (Vorhersagefaktoren) der Reaktionsschwere ist jedoch begrenzt [4, 7].
- Die Schwere einer zukünftigen allergischen Reaktion lässt sich beim einzelnen Patienten nur eingeschränkt vorhersagen. Insbesondere schließt eine bisher ausschließlich milde Reaktionsanamnese (Vorgeschichte allergischer Reaktionen) eine spätere Anaphylaxie nicht aus [4].
Weiteres
- Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – insbesondere durch notwendige Allergenkarenz (Meidung des allergieauslösenden Stoffes), Sorge vor unbeabsichtigter Exposition bzw. Anaphylaxie sowie Einschränkungen beim Essen außer Haus, bei sozialen Aktivitäten, Schule, Reisen und Freizeit [2, 3, LL1].
Prognosefaktoren
- Adoleszenz (Jugendalter) und junges Erwachsenenalter – das Risiko schwerer nahrungsmittelinduzierter allergischer Reaktionen ist in dieser Altersgruppe erhöht [4].
- Asthma bronchiale (Asthma der Atemwege) – die Datenlage zur Bedeutung als unabhängiger Prädiktor ist nicht vollständig einheitlich. Eine Metaanalyse von 2025 zeigte bei gleichzeitig bestehendem Asthma eine moderate Risikoerhöhung für schwere nahrungsmittelinduzierte allergische Reaktionen (Odds-Ratio 1,28; 95-%-Konfidenzintervall 1,03-1,59), während eine frühere umfangreiche Evidenzanalyse keine konsistente Assoziation für die Asthmadiagnose allein nachweisen konnte. Eine gute Asthmakontrolle ist daher insbesondere bei Nahrungsmittelallergikern von Bedeutung [4, 5].
- Frühere Anaphylaxie – die Anamnese (Krankengeschichte) einer früheren Anaphylaxie ist kein zuverlässiger Prädiktor der Schwere einer zukünftigen Reaktion; umgekehrt schließt das Fehlen einer vorausgegangenen Anaphylaxie eine zukünftige schwere Reaktion nicht aus [4].
- Multiple Nahrungsmittelallergien bzw. umfangreiche Eliminationsdiät – erhöhen insbesondere bei Kindern das Risiko einer unzureichenden Nährstoffzufuhr und Wachstumsbeeinträchtigung [1].
- Verzögerte Erkennung bzw. Behandlung einer Anaphylaxie – ist mit schwereren bzw. fatalen Verläufen assoziiert; intramuskuläres Adrenalin ist die Therapie der ersten Wahl [4, 7, LL2].
Literatur
- Di Cesare G, Carciofi A, Borgiani F et al.: Are We Meeting the Needs? A Systematic Review of Nutritional Gaps and Growth Outcomes in Children with Multiple Food Allergies. Nutrients 2025;17(9):1590. doi: 10.3390/nu17091590.
- Golding MA, Batac ALR, Gunnarsson NV et al.: The burden of food allergy on children and teens: A systematic review. Pediatr Allergy Immunol 2022;33(3):e13743. doi: 10.1111/pai.13743.
- Knibb RC, Herbert LJ, Jones CJ et al.: Global availability and uptake of psychological services for adults, caregivers and children with food allergy. Allergy 2024;79(10):2787-2797. doi: 10.1111/all.16204.
- Turner PJ, Arasi S, Ballmer-Weber B et al.: Risk factors for severe reactions in food allergy: Rapid evidence review with meta-analysis. Allergy 2022;77(9):2634-2652. doi: 10.1111/all.15318.
- Cilona MB, Ramirez GA, Asperti C et al.: Impact of asthma on severe food-induced allergic reactions: a systematic review and meta-analysis. Eur Ann Allergy Clin Immunol 2025;57(1):4-11. doi: 10.23822/EurAnnACI.1764-1489.351.
- Umasunthar T, Leonardi-Bee J, Hodes M et al.: Incidence of fatal food anaphylaxis in people with food allergy: a systematic review and meta-analysis. Clin Exp Allergy 2013;43(12):1333-1341. doi: 10.1111/cea.12211.
- Chowdhury R, Khalaf R, Chan ES et al.: Predictors of Fatal Anaphylaxis: A Systematic Review. Int Arch Allergy Immunol 2026; online ahead of print. doi: 10.1159/000550989.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Santos AF, Riggioni C, Agache I et al.: EAACI guidelines on the management of IgE-mediated food allergy. Allergy 2025;80(1):14-36. doi: 10.1111/all.16345. [LL1]
- Muraro A, Worm M, Alviani C et al.: EAACI guidelines: Anaphylaxis (2021 update). Allergy 2022;77(2):357-377. doi: 10.1111/all.15032. [LL2]