DASH-Diät

Die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) ist ein evidenzbasiertes, lebensmittelorientiertes Ernährungskonzept, das zur Senkung des Blutdrucks und zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) entwickelt wurde. Kennzeichnend ist eine pflanzenbetonte Kost mit hohem Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und fettarmen Milchprodukten bei gleichzeitiger Reduktion von Natrium (Kochsalz), gesättigten Fettsäuren, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln [1, 3].

Einzuordnen ist die DASH-Diät als leitliniengestützte therapeutische Diät mit präventiver und krankheitsbezogener Indikation. Sie ist fester Bestandteil internationaler Empfehlungen zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und zur kardiovaskulären Prävention [1-3].

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die DASH-Diät entstand aus kontrollierten Ernährungsinterventionsstudien, die gezielt den Einfluss definierter Ernährungsmuster auf den Blutdruck untersuchten. Anders als klassische Diäten basiert DASH nicht auf Einzelrestriktionen, sondern auf der Kombination mehrerer blutdruckrelevanter Ernährungsfaktoren [4].

Medizinisch liegt dem Konzept die Annahme zugrunde, dass Blutdruckregulation, Gefäßfunktion und metabolische Risikoparameter durch ein konsistentes Lebensmittelmuster beeinflusst werden können. Entscheidend sind dabei die Reduktion der Natriumzufuhr, die hohe Aufnahme kalium-, magnesium- und ballaststoffreicher Lebensmittel sowie ein günstiges Fettsäureprofil [3, 4].

Zentrale Annahme ist, dass diese Effekte additiv wirken und unabhängig von einer Gewichtsreduktion klinisch relevante Blutdrucksenkungen ermöglichen [4, 7].

Das Konzept wurde später durch Varianten mit unterschiedlichem Natriumgehalt („DASH-Sodium“) und Adaptionen für spezielle Gruppen (z. B. Typ-2-Diabetes: „DASH4D“) weiterentwickelt.

Zielsetzung der Diät

Ziel der DASH-Diät ist die Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks sowie die langfristige Reduktion des kardiovaskulären Gesamtrisikos und letztlich der Mortalität (Sterblichkeit).

Dabei ist klar zwischen präventiver Anwendung und therapeutischem Einsatz zu unterscheiden. Präventiv richtet sich DASH an Personen mit erhöhtem Risiko für Hypertonie oder kardiovaskuläre Erkrankungen (z. B. Apoplex/Schlaganfall). Therapeutisch wird sie als Basisintervention bei manifester arterieller Hypertonie eingesetzt, häufig ergänzend zur medikamentösen Therapie [1, 2]. Weitere medizinische Indikationen sind [2, 3, 6, 10]:

  • Adipositas als Begleiterkrankung
  • Chronische Nierenerkrankung (CKD, frühe Stadien)
  • Diabetes mellitus Typ 2 mit Hypertonie
  • Dyslipidämien (Fettstoffwechselstörungen)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Metabolisches Syndrom (Kombination von gestörtem Kohlenhydratstoffwechsel, Hypertonie, Dyslipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung) und Adipositas)

In diesen Zusammenhängen ergeben sich folgende Zielparameter:

  • Primäre therapeutische Zielparameter:
    • Blutdruck (Praxis-, Heim- oder 24-h-Messung)
    • Natriumzufuhr (indirekt über Ernährungsanalyse, ggf. Urin-Natrium)
    • Lipidprofil: LDL-Cholesterin bzw. Non-HDL-Cholesterin, ggf. Nüchternglucose/HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) bei diabetischer Stoffwechsellage
    • Körpergewicht und Taillenumfang (bei Adipositas)
  • Sekundäre Ziele:
    • Verbesserung von Lebensqualität, Schlaf und Leistungsfähigkeit durch stabilere Ernährung
    • Verbesserung der glykämischen Kontrolle bei Diabetes mellitus
    • Reduktion des kardiovaskulären Risikoprofils
    • Mögliche Reduktion antihypertensiver Medikation im Verlauf
  • Kurz- und langfristige Ziele [1-5]:
    • Kurzfristig (2-8 Wochen): messbare Blutdrucksenkung, bessere Lebensmittelstruktur
    • Langfristig (Monate/Jahre): stabile Umsetzbarkeit im Alltag, kardiovaskuläre Risikoreduktion

Grundprinzipien

DASH ist kein „Nährstofftrick“, sondern ein Muster, das mehrere blutdruck- und gefäßrelevante Stellschrauben gleichzeitig adressiert:

  • Natriumreduktion, hohe Kalium-/Magnesium-/Calciumzufuhr über Lebensmittel
  • Ballaststoffreiche Kohlenhydrate, wenig Zucker
  • Günstiges Fettsäureprofil
  • Geringere Energiedichte
  • Wenig stark industriell verarbeitete Lebensmittel

Zentrale Regeln sind:

  • Täglich reichlich Gemüse, Obst
  • Vollkorn als Standardkohlenhydrat
  • Regelmäßiger Verzehr von Hülsenfrüchten, Nüssen und Saaten
  • Protein überwiegend pflanzlich und aus Fisch, Geflügel; weniger rotes/verarbeitetes Fleisch
  • Fettarme Milchprodukte als Calcium-/Proteinquelle
  • Bevorzugt ungesättigte Fette (pflanzliche Öle, Nüsse/Saaten), wenig gesättigte Fette
  • Begrenzung gesättigter Fettsäuren
  • Natrium/Salz bewusst senken (Kochen, Etiketten, weniger Fertigprodukte)

Mahlzeitenstruktur:

  • Keine Pflichtstruktur; praktisch bewährt: 3 Hauptmahlzeiten + optional 1-2 geplante Snacks, um „zufälliges“ Snacking zu reduzieren

Die Diät ist flexibel gestaltbar und langfristig angelegt.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die blutdrucksenkende Wirkung der DASH-Diät beruht auf mehreren pathophysiologisch plausiblen Mechanismen. Die reduzierte Natriumzufuhr senkt die Volumenbelastung und beeinflusst die renale (über die Nieren stattfindende) Blutdruckregulation günstig [4]. Parallel führt die hohe Aufnahme kaliumreicher pflanzlicher Lebensmittel zu einer verbesserten Gefäßfunktion und Vasodilatation (Weitstellung der Blutgefäße) [3].

Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate führen zu einer besseren Sättigung und reduzieren postprandiale Glucosespitzen (starke Blutzuckeranstiege nach dem Essen), während das günstige Fettsäureprofil zur Reduktion atherogener Lipidfraktionen (ungünstige Blutfette, die die Gefäße schädigen können) beiträgt [3].

Bemerkenswert ist, dass die Blutdruckeffekte auch bei isokalorischer Ernährung (Ernährung mit gleichbleibender Kalorienmenge) auftreten und nicht zwingend an eine Gewichtsabnahme gekoppelt sind [4, 7]. Hypothetische weitergehende antiinflammatorische (antientzündliche) Effekte sind plausibel, jedoch nicht primär belegt.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die DASH-Diät ist grundsätzlich breit einsetzbar. Entscheidend sind Komorbiditäten (Begleiterkrankungen, v. a. Nierenfunktion, Elektrolytstörungen) und die konkrete Natrium-/Kaliumgestaltung. Bei bestimmten Erkrankungen sind Anpassungen erforderlich.

Geeignete Zielgruppen

  • Personen mit arterieller Hypertonie oder Prä-Hypertonie (erhöhtes Blutdruckrisiko)
  • Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Adipositas, Rauchen als Kontextfaktor, familiäre Belastung)
  • Patienten mit Typ-2-Diabetes und begleitender Hypertonie
  • Erwachsene im Rahmen der Primärprävention

Eingeschränkte Eignung

  • Fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung (CKD)
  • Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumspiegel im Blut) oder relevantes Kaliumretentionsrisiko (erhöhtes Risiko, dass sich Kalium im Körper anreichert)
  • komplexe Herzinsuffizienz mit spezifischer Natrium- oder Flüssigkeitsrestriktion

Indikationsbezogene Eignung

  • Hypertonie: sehr gut geeignet
  • Diabetes mellitus Typ 2: geeignet, ggf. DASH4D/Carb-Feinsteuerung (gezielte Kohlenhydratsteuerung)
  • Chronische Nierenerkrankung (CKD): potentiell vorteilhaft, aber nur angepasst (Kalium/Phosphat/Protein/Natrium je Stadium)

Bei medizinischer Anwendung gilt: Je höher das Komorbiditäts- und Medikationsniveau, desto stärker muss DASH individualisiert und überwacht werden [10].

Durchführung und Ablauf der Diät

Vorbereitung
Ziel ist es, die Küche so auszustatten, dass die zentralen Lebensmittel des DASH-Musters jederzeit verfügbar sind und spontane, natriumreiche Ausweichentscheidungen vermieden werden.

  • Eine „DASH-fähige“ Küche umfasst insbesondere Vollkornprodukte (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis), Hülsenfrüchte, Tiefkühlgemüse, ungesalzene Nüsse, Naturjoghurt oder Skyr (bzw. geeignete Alternativen) sowie pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl.
  • Parallel sollte frühzeitig Etikettenkompetenz aufgebaut werden. Dabei liegt der Fokus auf dem Erkennen von Natrium- bzw. Salzgehalt, zugesetztem Zucker, gesättigten Fettsäuren und typischen Merkmalen stark verarbeiteter (ultra-processed) Produkte.

Typische Fehler zu Beginn

  • Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die DASH-Diät automatisch zu einer Gewichtsabnahme führt. Ohne ein zusätzliches Energiedefizit bleibt das Körpergewicht häufig stabil.
  • Ebenfalls typisch ist die sogenannte Natriumfalle: Obwohl frisch gekocht wird, bleibt die Salzaufnahme hoch, wenn größere Mengen Brot, Käse, Fertigsoßen oder Wurstprodukte verzehrt werden.
  • Eine zu schnelle und radikale Umstellung kann zudem zu Überforderung und Adhärenzverlust führen. Ein stufenweises Vorgehen ist in der Praxis deutlich erfolgreicher.

Sinnvolle Übergangsphase (2-4 Wochen)
Eine strukturierte Übergangsphase erleichtert die Anpassung und erhöht die langfristige Umsetzbarkeit.

  • In der ersten Woche wird der Fokus auf eine Erhöhung der pflanzlichen Lebensmittel gelegt, etwa durch zwei Portionen Gemüse und eine Portion Obst pro Tag, während zuckerhaltige Getränke durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzt werden.
  • In der zweiten Woche werden Vollkornprodukte bei mindestens zwei Mahlzeiten pro Tag integriert und Hülsenfrüchte etwa zweimal pro Woche eingeplant.
  • In der dritten Woche erfolgt eine deutliche Reduktion von Fleisch- und Wurstwaren, während Nüsse und Saaten täglich in kleinen Portionen ergänzt werden.
  • In der vierten Woche wird das Natriumziel aktiv gesteuert, indem Kochgewohnheiten angepasst, Brot- und Käseauswahl überprüft und Strategien für Restaurantbesuche eingeübt werden.

Schritt-für-Schritt-Ablauf

  • Zu Beginn werden die Ausgangslage und relevante Zielparameter erhoben, einschließlich Blutdruckprofil, Ernährungsprotokoll, Hauptsalzquellen, Körpergewicht sowie – je nach Risiko – Laborparameter.
  • Anschließend werden individuelle Ziele definiert, etwa ein konkretes Blutdruckziel, ein realistisches Natriumziel und gegebenenfalls ein Energie- oder Gewichtsziel.
  • Danach wird das DASH-Kernmuster implementiert, bestehend aus einer erhöhten Zufuhr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, geeigneten Proteinquellen und hochwertigen Fetten.
  • Die Natriumzufuhr wird schrittweise und alltagstauglich reduziert.
  • Nach zwei bis vier Wochen erfolgt ein erstes Monitoring mit Fokus auf Blutdruck, Umsetzbarkeit, Nebenwirkungen sowie – bei Risikokonstellationen – Elektrolytstatus.
  • Langfristig steht die Stabilisierung im Vordergrund, etwa durch feste Lieblingsrezepte, wiederkehrende Routinen sowie eine Planung für Restaurantbesuche und Reisen.

Dauer und empfohlene Zeiträume

  • In der Prävention ist die DASH-Diät als dauerhafte Ernährungsform konzipiert.
  • Als therapeutischer Baustein sollte sie über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen konsequent umgesetzt werden, um Effekte zuverlässig beurteilen zu können, und anschließend langfristig fortgeführt werden.
  • Die DASH-Diät ist nicht als zeitlich begrenzte Kur gedacht. Ein „Übergang“ bedeutet in der Regel lediglich eine weniger strikte Zielverfolgung, etwa beim Natriumziel, bei gleichzeitig erhaltener Lebensmittelqualität.

Therapeutisches Setting

  • In der Mehrzahl der Fälle erfolgt die Umsetzung ambulant, idealerweise in Kombination mit ernährungsmedizinischer Beratung und ärztlichem Monitoring.

Empfohlene Lebensmittel

  • Gemüse (reichlich, vielfältig; auch TK)
  • Obst (täglich, ganze Früchte bevorzugt)
  • Vollkornprodukte (Hafer, Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln)
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
  • Nüsse/Saaten (ungesalzen)
  • Fettarme Milchprodukte oder geeignete Alternativen (Calcium/Protein)
  • Fisch/Meeresfrüchte regelmäßig; Geflügel/lean Protein in Maßen
  • Pflanzliche Öle (z. B. Oliven-/Rapsöl)
  • Kräuter/Gewürze statt Salz, Essig/Zitrone für Geschmack

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Stark verarbeitete Produkte (Fertiggerichte, Instantprodukte, salzige Snacks)
  • Wurstwaren, verarbeitetes Fleisch, häufiges rotes Fleisch
  • Stark gesalzene Käse-/Brotwaren in großen Mengen (Natrium-Hauptquellen)
  • Zuckerreiche Getränke, Süßwaren, Backwaren mit viel Zucker/Transfetten
  • Tropische/harte Fette (z. B. Kokosfett) und stark fettreiche Milchprodukte (je nach Gesamtkonzept)
  • Alkohol in größeren Mengen

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Allgemeine Tipps

  • Einkauf anhand einer festen DASH-Basisliste
  • Vorratshaltung mit TK-Gemüse und Hülsenfrüchten
  • Bevorzugt selbst kochen, Soßen und Dressings kontrollieren
  • Salz schrittweise reduzieren, Geschmack über Kräuter und Säure steuern
  • In Kantinen und Restaurants gezielt Beilagenwahl und Portionskontrolle nutzen

Mentale und organisatorische Aspekte

  • Realistische Standardmahlzeiten sollten definiert werden, etwa ein festes Frühstücksmuster wie Haferflocken mit Skyr oder Joghurt und Obst.
  • Zusätzlich sind „Notfall“-Optionen sinnvoll, etwa DASH-taugliche Snacks für unterwegs.
  • In sozialen Situationen empfiehlt es sich, den Fokus auf Beilagen wie Gemüse oder Salat zu legen, Soßen separat zu bestellen und Brot- oder Käseportionen bewusst zu planen.

Typischer Tagesablauf (Beispiel)

  • Frühstück: Haferflocken mit Naturjoghurt oder Skyr, Beeren und Nüssen.
  • Mittagessen: Bowl oder Salat mit Vollkornkomponente, Hülsenfrüchten sowie pflanzlichem Öl.
  • Snack: Obst oder eine kleine Portion ungesalzener Nüsse.
  • Abendessen: Gemüsepfanne mit Fisch, Geflügel oder Tofu und einer Vollkornbeilage.
  • Getränke: Wasser, ungesüßter Tee oder Kaffee; Alkohol, wenn überhaupt, nur in begrenzter Menge.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die DASH-Diät ist aus ernährungsphysiologischer Sicht als ausgewogenes, vollwertiges Ernährungsmuster zu bewerten, das eine hohe Nährstoffdichte mit einer im Alltag gut realisierbaren Lebensmittelstruktur verbindet. Sie ist weder extrem kohlenhydrat- noch fettreduziert, sondern orientiert sich an einer qualitativ hochwertigen Auswahl der Makronährstoffe (Hauptnährstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)).

Makronährstoffseitig ergibt sich in der Regel eine moderat kohlenhydratbetonte Ernährung mit Schwerpunkt auf komplexen Kohlenhydraten aus Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten. Der Fettanteil stammt überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren pflanzlicher Herkunft, während gesättigte Fettsäuren deutlich reduziert werden. Die Proteinzufuhr ist in der Regel bedarfsdeckend und verteilt sich auf pflanzliche Proteinquellen, Fisch, Geflügel sowie fettarme Milchprodukte.

Die Ballaststoffzufuhr liegt bei konsequenter Umsetzung der DASH-Diät deutlich über der durchschnittlichen westlichen Ernährung. Dies wirkt sich günstig auf Sättigung, Darmfunktion, glykämische Kontrolle und Lipidstoffwechsel aus und ist ein wesentlicher Bestandteil der kardiometabolischen Wirksamkeit des Ernährungsmusters.

Mikronährstoffseitig zeichnet sich die DASH-Diät durch eine hohe Zufuhr von Kalium, Magnesium, Calcium, Folsäure, Vitamin C sowie sekundären Pflanzenstoffen aus. Diese Nährstoffe sind eng mit der Blutdruckregulation, der Gefäßfunktion und antioxidativen Schutzmechanismen verknüpft. Die Calciumzufuhr ist durch den regelmäßigen Verzehr fettarmer Milchprodukte oder angereicherter Alternativen in der Regel ausreichend, was insbesondere bei gleichzeitiger Natriumreduktion günstig zu bewerten ist.

Kritische Mikronährstoffe treten bei klassischer DASH-Umsetzung nur selten auf. Einschränkungen können jedoch entstehen, wenn bestimmte Lebensmittelgruppen stark reduziert oder ausgeschlossen werden. Bei überwiegend pflanzlicher Ausprägung ohne tierische Produkte können Vitamin B12, Jod und langkettige Omega-3-Fettsäuren relevant werden und sollten gegebenenfalls gezielt berücksichtigt werden.

Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ist die hohe Kaliumzufuhr der DASH-Diät ernährungsphysiologisch ambivalent zu bewerten. Während sie bei normaler Nierenfunktion vorteilhaft ist, kann sie bei eingeschränkter Kaliumausscheidung eine Anpassung der Lebensmittelauswahl erforderlich machen.

Die Energiezufuhr ist im DASH-Konzept nicht automatisch reduziert. Eine Gewichtsabnahme tritt nur dann ein, wenn zusätzlich zur qualitativen Umstellung ein Energiedefizit erreicht wird. Dies ist für die klinische Beratung relevant, da DASH primär als blutdruck- und risikomodifizierende Ernährungsform zu verstehen ist und nicht als primäres Gewichtsreduktionsprogramm.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die DASH-Diät gilt insgesamt als sichere Ernährungsform mit günstigem Nutzen-Risiko-Profil. Medizinisch relevante Risiken ergeben sich vor allem aus der Wechselwirkung zwischen Ernährung, bestehender Grunderkrankung und medikamentöser Therapie.

Ein zentrales Risiko betrifft Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die hohe Kaliumzufuhr, die bei gesunden Personen als klarer Vorteil zu bewerten ist, kann bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung oder bei bestehender Hyperkaliämie problematisch sein. Gleiches gilt für Patienten unter kaliumretinierender Medikation, insbesondere RAAS-Blockern oder kaliumsparenden Diuretika (entwässernde Medikamente). In diesen Fällen sind eine Anpassung der Lebensmittelauswahl sowie eine regelmäßige Kontrolle der Elektrolytwerte erforderlich.

Eine weitere relevante Komplikation ergibt sich aus der effektiven Blutdrucksenkung selbst. Bei Patienten unter antihypertensiver Therapie kann die konsequente Umsetzung der DASH-Diät zu einer zusätzlichen Blutdruckreduktion führen, sodass Dosisanpassungen oder eine Reduktion der Medikation notwendig werden können [1, 4]. Ohne entsprechendes Monitoring besteht insbesondere zu Beginn der Umstellung ein Risiko für orthostatische Beschwerden (Kreislaufprobleme beim Aufstehen), Schwindel oder hypotone Episoden (Phasen mit zu niedrigem Blutdruck).

Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) treten vor allem in der Anfangsphase auf und sind in der Regel auf die erhöhte Ballaststoffzufuhr zurückzuführen. Typisch sind Blähungen oder ein veränderter Stuhlgang. Diese Effekte sind meist vorübergehend und lassen sich durch eine schrittweise Steigerung der ballaststoffreichen Lebensmittel sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr minimieren.

Bei stark ausgeprägter Natriumreduktion kann es bei bestimmten Patientengruppen – etwa unter Diuretikatherapie oder bei Neigung zu Hyponatriämie (zu niedriger Natriumspiegel im Blut) – erforderlich sein, die Salzrestriktion individuell anzupassen. Auch hier ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll.

Zusammenfassend entstehen medizinische Risiken weniger aus dem DASH-Konzept selbst als aus einer fehlenden Anpassung an individuelle Krankheitsbilder. Bei indikationsgerechter Anwendung und adäquatem Monitoring ist die DASH-Diät als sehr sichere und gut verträgliche Ernährungsform zu bewerten.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen

  • Fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung (CKD)
  • Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss)
  • Essstörungen mit restriktivem Ernährungsverhalten

In diesen Fällen ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.

Vorteile

  • Evidenzbasierte Blutdrucksenkung
  • Leitlinienempfohlene Basisintervention
  • Gute Nährstoffdichte und Alltagstauglichkeit
  • Positive Assoziation mit reduzierter Mortalität
  • Kombinierbar mit medikamentöser Therapie

Nachteile

  • Hoher Aufwand für konsequentes Salzmanagement
  • Adhärenzprobleme im stark verarbeiteten Ernährungsumfeld
  • Anpassungsbedarf bei bestimmten Erkrankungen
  • Kein garantierter Gewichtsverlust ohne Energiedefizit

Wissenschaftliche Einordnung

Die DASH-Diät zählt zu den am besten untersuchten Ernährungsmustern in der Prävention und Therapie der arteriellen Hypertonie. Ihre Evidenzbasis stützt sich auf randomisierte kontrollierte Studien, kontrollierte Ernährungsinterventionen, systematische Reviews sowie Metaanalysen, die konsistent eine signifikante Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks zeigen [1-6]. Die Effekte sind besonders ausgeprägt bei Personen mit erhöhtem Ausgangsblutdruck, treten jedoch auch bei normotensiven Personen in abgeschwächter Form auf.

Internationale Fachgesellschaften empfehlen die DASH-Diät oder DASH-ähnliche Ernährungsmuster explizit als Basismaßnahme der nichtmedikamentösen Therapie. Sowohl die europäischen Hypertonie-Leitlinien (ESH/ESC) als auch internationale Empfehlungen (z. B. ISH, AHA) ordnen DASH als zentrale Säule der Lebensstilintervention ein, häufig noch vor oder parallel zur medikamentösen Behandlung [1-3]. Dabei wird die DASH-Diät nicht als isolierte Maßnahme verstanden, sondern als strukturierter Bestandteil eines multimodalen Behandlungskonzepts.

Die Wirksamkeit der DASH-Diät beruht auf einer hohen biologischen und pathophysiologischen Plausibilität. Mehrere ernährungsabhängige Mechanismen greifen gleichzeitig und verstärken einander, darunter Natriumreduktion, erhöhte Kalium- und Magnesiumzufuhr, günstige Effekte auf die Gefäßfunktion, verbesserte metabolische Parameter sowie eine insgesamt geringere inflammatorische (entzündliche) Belastung. Im Gegensatz zu vielen populären Diätformen ist die Wirkung nicht an extreme Restriktionen oder metabolische Sonderzustände gekoppelt, sondern an ein dauerhaft umsetzbares Lebensmittelmuster.

Die Studienlage zeigt zudem, dass die blutdrucksenkende Wirkung der DASH-Diät nicht zwingend an eine Gewichtsreduktion gebunden ist. Dies unterscheidet sie von vielen anderen Ernährungsansätzen, bei denen positive Effekte primär über eine negative Energiebilanz vermittelt werden. Gleichzeitig kann eine zusätzliche Gewichtsabnahme die Effekte weiter verstärken, was DASH besonders flexibel in der klinischen Anwendung macht.

Limitationen bestehen vor allem im Hinblick auf harte Endpunkte auf Individualebene. Wie bei den meisten Ernährungskonzepten lassen sich randomisierte Langzeitstudien mit kardiovaskulärer Mortalität oder Ereignisraten nur eingeschränkt realisieren. Die Evidenz zu harten Endpunkten basiert daher überwiegend auf prospektiven Kohortenstudien und Modellierungen, die jedoch konsistent eine günstigere Prognose bei höherer DASH-Adhärenz zeigen [5].

In der Gesamtschau ergibt sich ein hohes Evidenzniveau für surrogate Endpunkte (insbesondere Blutdruck), eine starke Leitlinienverankerung und eine hohe externe Validität durch gute Alltagstauglichkeit.

Fazit

Im Unterschied zu vielen populären Diätformen ist die DASH-Diät klar leitliniengestützt und krankheitsbezogen einsetzbar. Sie eignet sich sowohl für die Primärprävention bei Personen mit erhöhtem Risiko als auch als therapeutische Basisintervention bei manifester arterieller Hypertonie. Besonders hervorzuheben ist, dass sie unabhängig von einer Gewichtsreduktion wirksam ist und gleichzeitig problemlos mit medikamentösen Therapien kombiniert werden kann.

Ihre Grenzen liegen weniger im Konzept selbst als in der individuellen Anwendung. Bei bestimmten Patientengruppen, insbesondere bei chronischer Nierenerkrankung, Elektrolytstörungen oder komplexer Medikation, ist eine Anpassung und ärztliche Überwachung erforderlich. Erfolgt diese indikationsgerecht, weist die DASH-Diät ein sehr günstiges Nutzen-Risiko-Profil auf.

Zusammenfassend ist die DASH-Diät keine Lifestyle-Empfehlung, sondern eine zentrale ernährungstherapeutische Maßnahme mit hohem Evidenzgrad. Sie gehört – vergleichbar mit Bewegung und Rauchstopp – zu den tragenden Säulen der modernen kardiovaskulären Prävention und Therapie.

Literatur

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