Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson

Die Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson ist ein integraler Bestandteil der multimodalen Behandlung und umfasst gezielte diätetische Maßnahmen zur Unterstützung der motorischen und nicht-motorischen Symptomatik, zur Optimierung der Pharmakotherapie sowie zur Prävention von Mangelernährung und Sarkopenie (fortschreitenden Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit).

Im Mittelpunkt steht die enge Wechselwirkung zwischen Ernährung, Krankheitsverlauf und medikamentöser Therapie – insbesondere der Einfluss der Proteinaufnahme auf die Resorption (Aufnahme) und Wirksamkeit von L-Dopa (Levodopa: Medikament zur Behandlung von Morbus Parkinson; Vorstufe des Botenstoffs Dopamin, der im Gehirn für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist). Ferner adressiert die Ernährungstherapie typische Begleitprobleme wie Obstipation (Verstopfung), Gewichtsverlust, Dysphagie (Schluckstörung) und reduzierte Nahrungsaufnahme.

Zunehmend rückt auch die Bedeutung der Darm-Hirn-Achse in den Fokus. Veränderungen der Darmmikrobiota (Darmflora), eine gestörte Darmmotilität (Bewegung des Darms) sowie entzündliche Prozesse im Gastrointestinaltrakt (Verdauungstrakt) werden als relevante Faktoren in der Pathophysiologie des Morbus Parkinson diskutiert.

Ziel ist eine individualisierte, alltagstaugliche Ernährungsstrategie, die sowohl die Lebensqualität verbessert als auch die Krankheitsprogression indirekt günstig beeinflussen kann.

Wissenschaftliche Grundlagen

Die Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer rein unterstützenden Maßnahme zur Vermeidung von Mangelernährung hin zu einem evidenzbasierten Therapiebaustein entwickelt. Früh lag der Fokus auf der Sicherstellung einer ausreichenden Energie- und Nährstoffzufuhr, da viele Patienten im Krankheitsverlauf unter Gewichtsverlust leiden.

Mit zunehmendem Verständnis der Erkrankung wurde deutlich, dass Ernährung nicht nur den Ernährungszustand, sondern auch die Pharmakokinetik der medikamentösen Therapie beeinflusst. Bestimmte Aminosäuren (v. a. Leucin, Isoleucin, Valin, Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan) aus der Nahrung konkurrieren mit L-Dopa um Transportmechanismen im Darm und an der Blut-Hirn-Schranke, wodurch die Wirksamkeit der Therapie moduliert werden kann [1].

Parallel dazu wurden pathophysiologische Mechanismen wie oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktion (gestörte Energieproduktion der Zellen) und Neuroinflammation (Entzündungsreaktion im Nervensystem) als zentrale Treiber der Neurodegeneration identifiziert. Ernährungsmuster mit hohem Anteil antioxidativer und antiinflammatorischer (entzündungshemmender) Komponenten (z. B. mediterrane Ernährung) werden daher als potentiell neuroprotektiv diskutiert [2, 3].

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Darm-Hirn-Achse. Veränderungen der Darmmikrobiota sowie gastrointestinale Dysfunktionen (z. B. Obstipation) treten häufig bereits in frühen Krankheitsstadien auf und stehen möglicherweise in direktem Zusammenhang mit der Krankheitsentstehung und -progression [4].

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Ziel der Ernährungstherapie ist eine ganzheitliche Unterstützung des Patienten unter Berücksichtigung der komplexen Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Stoffwechsel, gastrointestinaler Funktion und medikamentöser Therapie.

Im Vordergrund stehen primäre therapeutische Zielparameter wie die Verbesserung der motorischen Symptomkontrolle, die Stabilisierung des Körpergewichts, der Erhalt der Muskelmasse sowie die Regulation der Darmfunktion. Besonders relevant ist die Optimierung der L-Dopa-Wirkung durch eine angepasste Proteinverteilung.

Sekundäre Ziele umfassen die Verbesserung der Lebensqualität, die Reduktion gastrointestinaler Beschwerden (insbesondere Obstipation und Dysphagie) sowie die Minimierung von therapiebedingten Schwankungen.

Im Sinne der Leitlinienlogik erfolgt die Therapie strukturiert: Bei Patienten mit motorischen Fluktuationen oder Ernährungsproblemen wird eine individualisierte Ernährungsstrategie implementiert, deren Wirkung anhand klinischer Parameter (Gewicht, Symptomverlauf, Stuhlfrequenz, Medikamentenwirkung) überwacht wird. Risiken wie Mangelernährung oder Proteinunterversorgung müssen dabei kontinuierlich berücksichtigt werden.

Kurzfristig steht die Verbesserung der Medikamentenwirkung im Vordergrund, langfristig der Erhalt der funktionellen Selbstständigkeit und der Lebensqualität.

Grundprinzipien

Die Ernährungstherapie basiert auf wenigen, aber zentralen Prinzipien, die individuell angepasst werden müssen. Ein wesentliches Element ist die gezielte Steuerung der Proteinaufnahme. Da Proteine bzw. Aminosäuren die L-Dopa-Wirkung beeinträchtigen können, wird häufig eine sogenannte „Protein-Redistribution-Diät“ eingesetzt, bei der proteinreiche Mahlzeiten in die Abendstunden verlagert werden.

Gleichzeitig ist eine ausreichende Energiezufuhr essentiell, da Parkinson-Patienten häufig einen erhöhten Energiebedarf haben und gleichzeitig weniger Nahrung aufnehmen. Eine unzureichende Energiezufuhr führt rasch zu Gewichtsverlust und Muskelabbau.

Die Mahlzeitenstruktur sollte regelmäßig und gut planbar sein. Kleine, häufige Mahlzeiten sind insbesondere bei Appetitmangel oder Schluckstörungen sinnvoll.

Ein weiterer Grundpfeiler ist eine ballaststoffreiche Ernährung zur Unterstützung der Darmfunktion. Obstipation ist eines der häufigsten nicht-motorischen Symptome und beeinflusst sowohl das Wohlbefinden als auch die Medikamentenresorption erheblich.

Die Ernährung sollte insgesamt ausgewogen, vorzugsweise mediterran geprägt und reich an pflanzlichen Lebensmitteln sein.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die positiven Effekte der Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson beruhen auf mehreren miteinander verknüpften Mechanismen.

Ein zentraler Mechanismus ist die verbesserte Bioverfügbarkeit von L-Dopa durch eine gezielte Proteinsteuerung. Da Aminosäuren und L-Dopa dieselben Transportwege nutzen, kann eine Reduktion der konkurrierenden Aminosäuren im Tagesverlauf die Wirkung des Medikaments verbessern [1].

Ferner spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Modulation von oxidativem Stress und Entzündungsprozessen. Antioxidativ wirksame Substanzen (z. B. Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe), Vitamin E, Vitamin C) können potentiell neuroprotektiv wirken, auch wenn der klinische Effekt bislang nicht eindeutig belegt ist [2].

Die Darmmikrobiota stellt einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt dar. Eine ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Ernährung kann die Zusammensetzung der Darmflora positiv beeinflussen, die Darmbarriere stärken und entzündliche Prozesse reduzieren.

Zusätzlich beeinflusst die Ernährung den Energiestoffwechsel und die Muskelmasse, wodurch funktionelle Einschränkungen reduziert werden können.

Einige postulierte Mechanismen, wie ein direkter Einfluss auf die Neurodegeneration, sind derzeit noch nicht abschließend belegt und Gegenstand aktueller Forschung.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Morbus Parkinson
  • Geriatrische (ältere) Patienten mit Risiko für Mangelernährung
  • Patienten mit motorischen Fluktuationen unter L-Dopa
  • Patienten mit Obstipation oder Gewichtsverlust

Eingeschränkte Eignung

  • Fortgeschrittene Dysphagie (Schluckstörung)
  • Schwere Kachexie (krankheitsbedingter Gewichts- und Muskelverlust)

Indikationsbezogene Eignung

  • L-Dopa-Wirkungsschwankungen
  • Gastrointestinale Beschwerden
  • Sarkopenie

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)

  • Diabetes mellitus
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Die Durchführung der Ernährungstherapie beginnt mit einer strukturierten Ernährungsanamnese unter Berücksichtigung des Krankheitsstadiums, der motorischen und nicht-motorischen Symptomatik (z. B. Fluktuationen, Dysphagie, Obstipation), des Gewichtsverlaufs sowie der aktuellen Medikation.

Zentral ist die Abstimmung zwischen Ernährung und L-Dopa-Einnahme, da dessen Wirksamkeit maßgeblich durch die gleichzeitige Aufnahme bestimmter Aminosäuren (v. a. Leucin, Isoleucin, Valin, Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan) beeinflusst wird: L-Dopa wird im Dünndarm resorbiert und über spezifische Transportmechanismen ins Gehirn aufgenommen. Dabei nutzt es dieselben Transportwege wie bestimmte Aminosäuren aus der Nahrung. Wenn gleichzeitig größere Mengen dieser Aminosäuren im Darm oder Blut vorhanden sind, kommt es zu einer Konkurrenz um die Transportmechanismen. Dies kann dazu führen, dass:

  • weniger L-Dopa aufgenommen wird,
  • die Wirkung verzögert eintritt,
  • stärkere Wirkungsschwankungen auftreten (On-/Off-Phänomene).

Diese Interaktion ist besonders relevant bei eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Eiern und Hülsenfrüchten.

Das Ziel der Ernährungstherapie ist folglich nicht eine Reduktion der Eiweißmenge, sondern eine gezielte zeitliche Verteilung:

  • Tagsüber:
    • eher eiweißarme bis eiweißreduzierte Mahlzeiten
    • Fokus auf Kohlenhydrate und pflanzliche Lebensmittel
  • Abends:
    • gezielte Zufuhr eiweißreicher Lebensmittel
    • Deckung des täglichen Eiweißbedarfs nicht außer Acht lassen

Dieses Konzept wird als Protein-Redistribution bezeichnet und stellt einen zentralen Bestandteil der Ernährungstherapie dar.

Für eine optimale Wirkung sollte L-Dopa:

  • möglichst 30-60 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen werden oder
  • alternativ 1-2 Stunden nach eiweißreichen Mahlzeiten

Ein häufiger Fehler ist eine zu starke oder unsystematische Eiweißreduktion, die zu Mangelernährung und Muskelabbau führen kann. Entscheidend ist daher die klare Unterscheidung:

  • Eiweißmenge reduzieren → nicht sinnvoll
  • Eiweiß zeitlich steuern → therapeutisch wirksam

Regelmäßige Kontrollen von Körpergewicht, Muskelmasse, Symptomverlauf und Medikamentenwirkung sind erforderlich.

Beispiel für einen Tagesablauf

  • Frühstück (eiweißarm):
    • Brot oder Haferbrei mit Obst
    • Marmelade oder Honig
    • Tee oder Kaffee
  • Mittagessen (eiweißarm bis moderat):
    • Kartoffeln, Reis oder Nudeln
    • Gemüse (z. B. Brokkoli, Karotten, Zucchini)
    • Ggf. kleine Mengen Eiweiß (z. B. wenig Käse oder Hülsenfrüchte)
  • Zwischenmahlzeit:
    • Obst, Saft oder Zwieback
  • Abendessen (eiweißreich):
    • Fisch, Eier, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte
    • Kombiniert mit Gemüse und ggf. Beilage

Empfohlene Lebensmittel

Die Lebensmittelauswahl zielt auf eine hohe Nährstoffdichte, gute Verträglichkeit und Unterstützung der Darmfunktion ab.

Vollkornprodukte

  • Liefern komplexe Kohlenhydrate für eine gleichmäßige Energieversorgung
  • Reich an Ballaststoffen, die die Darmmotilität fördern und Obstipation entgegenwirken
  • Enthalten wichtige Mikronährstoffe wie B-Vitamine, Magnesium und Eisen
  • Beispiele: Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis, Vollkornnudeln

Obst und Gemüse

  • Enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin
  • Wirken antioxidativ und können oxidativen Stress reduzieren
  • Unterstützen die Darmgesundheit durch Ballaststoffe
  • Ziel: mindestens 5 Portionen täglich, möglichst vielfältig und farbenreich

Pflanzliche Fette (z. B. Olivenöl)

  • Liefern überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können
  • Tragen zur Energiezufuhr bei, besonders wichtig bei Gewichtsverlust
  • Olivenöl ist zentraler Bestandteil der mediterranen Ernährung
  • Weitere Quellen: Rapsöl, Nüsse, Avocado

Omega-3-fettsäurereiche Lebensmittel

  • Enthalten Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) (bei Fisch) sowie Alpha-Linolensäure (ALA) (bei pflanzlichen Quellen)
  • können entzündungsmodulierend wirken und sind für Zellmembranen wichtig
  • Beispiele:
    • Fettreicher Seefisch: Hering, Makrele, Lachs (1-2 x pro Woche empfohlen)
    • Pflanzliche Quellen: Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse, Leinöl

Flüssigkeitszufuhr

  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend, um einer Dehydrierung und einer Verschlechterung der motorischen Symptome vorzubeugen.

Eine mediterrane Ernährungsweise (pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, gesunden Fetten wie Olivenöl und wenig rotem Fleisch) kann das Auftreten von Parkinson verzögern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen [6].

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Bestimmte Lebensmittel können die Symptomatik oder Medikamentenwirkung negativ beeinflussen.

Stark eiweißreiche Mahlzeiten tagsüber

  • Große Mengen Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Quark, proteinreiche Shakes

Hochverarbeitete Lebensmittel

  • Oft reich an Zusatzstoffen, Zucker, Salz und ungünstigen Fetten
  • Meist nährstoffarm, aber energiedicht („leere Kalorien“)
  • Können Entzündungsprozesse fördern und die Darmgesundheit negativ beeinflussen
  • Beispiele: Fertiggerichte, Fast Food, stark verarbeitete Snacks

Zuckerreiche Produkte

  • Führen zu raschen Blutzuckerschwankungen und kurzfristigen Energieanstiegen mit anschließendem Abfall
  • Können Heißhunger und instabile Energieverläufe begünstigen
  • Langfristig ungünstig für den Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit
  • Beispiele: Süßigkeiten, gesüßte Getränke, Gebäck

Gesättigte Fettsäuren in hoher Menge

  • Eine Ernährung reich an gesättigten Fetten kann das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson erhöhen [5].
  • Stehen im Zusammenhang mit proinflammatorischen (entzündungsfördernden) Prozessen
  • Können sich negativ auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirken
  • Kommen vor allem in tierischen Produkten vor
  • Beispiele: fettes Fleisch, Wurstwaren, Butter, Sahne
  • Empfehlung: durch ungesättigte Fettsäuren (z. B. Olivenöl, Nüsse) ersetzen

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen)

  • Erhöht oxidativen Stress
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.

Alkohol

  • Evidenzlage uneinheitlich
  • Empfehlung: moderater Konsum bis Niedrigrisikokonsum (Erwachsene, ohne relevante Vorerkrankungen/Interaktionen):
    • Frauen: maximal 10-12 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche
    • Männer: maximal 20-24 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche

Koffein

  • Kann kurzfristig motorische Symptome verbessern
  • Individuelle Verträglichkeit beachten

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

  • Struktur schaffen:
    Ein fester Mahlzeitenrhythmus erleichtert die Abstimmung mit der Medikation. L-Dopa sollte möglichst nüchtern oder mit proteinarmen Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Protein gezielt steuern:
    Tagsüber eher proteinarme Mahlzeiten (z. B. Gemüsegerichte, Kartoffeln, Reis), abends proteinreiche Komponenten (z. B. Fisch, Ei, Hülsenfrüchte).
  • Energiezufuhr sichern:
    Bei Gewichtsverlust energiereiche, aber gut verträgliche Lebensmittel integrieren (z. B. pflanzliche Öle, Nüsse, Avocado).
  • Obstipation (Verstopfung) aktiv behandeln:
    Ballaststoffzufuhr langsam steigern (z. B. Hafer, Leinsamen), kombiniert mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr (≥ 1,5-2 l/Tag).
  • Dysphagie (Schluckstörung) berücksichtigen:
    Speisen ggf. pürieren oder anpassen (weiche Konsistenz, keine trockenen oder krümeligen Lebensmittel).
  • Alltagstauglichkeit erhöhen:
    Vorkochen, einfache Rezepte nutzen, Unterstützung durch Angehörige einbinden.
  • Medikament und Ernährung abstimmen:
    Abstände zwischen L-Dopa und eiweißreichen Mahlzeiten (ca. 1-2 Stunden) einhalten.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson stellt hohe Anforderungen an die Balance zwischen ausreichender Nährstoffzufuhr und therapeutischer Steuerung der Makronährstoffe.

Die Proteinzufuhr sollte grundsätzlich im Bereich von etwa 0,8-1,0 g/kg Körpergewicht liegen, darf jedoch nicht zu stark reduziert werden, da sonst das Risiko für Sarkopenie steigt.

Die Energiezufuhr ist häufig kritisch, da Patienten durch Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifigkeit) und Dyskinesien (unwillkürliche, überschießende Bewegungen) einen erhöhten Energieverbrauch haben, gleichzeitig aber weniger Nahrung aufnehmen. Eine negative Energiebilanz führt rasch zu Gewichtsverlust und funktionellen Einschränkungen.

Mikronährstoffdefizite (Vitalstoffmängel) sind häufig, insbesondere bei Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure und Eisen. Diese können durch reduzierte Nahrungsaufnahme, Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm) oder altersbedingte Veränderungen entstehen.

Ballaststoffe spielen eine zentrale Rolle zur Behandlung der Obstipation, müssen jedoch immer mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr kombiniert werden, um eine Verschlechterung zu vermeiden.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Eine zu starke Proteinrestriktion kann zu Muskelabbau, Schwäche und erhöhter Sturzgefahr führen. Gleichzeitig kann eine unzureichende Energiezufuhr eine Mangelernährung mit Gewichtsverlust und erhöhter Morbidität (Krankheitslast) begünstigen.

Gastrointestinale Probleme wie Obstipation sind häufig, können sich jedoch durch falsche Ernährung (z. B. ballaststoffarm oder zu wenig Flüssigkeit) weiter verschlechtern.

Ein zentraler Aspekt sind Wechselwirkungen mit der medikamentösen Therapie (s. o.).

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen

  • Schwere Dysphagie
  • Fortgeschrittene Mangelernährung
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Vorteile

  • Verbesserung der L-Dopa-Wirkung
  • Stabilisierung des Körpergewichts
  • Reduktion von Obstipation
  • Verbesserung der Lebensqualität

Grenzen

  • Keine kausale Therapie
  • Evidenz teilweise begrenzt
  • Hoher Individualisierungsbedarf

Wissenschaftliche Einordnung

Die aktuelle Studienlage zur Ernährung bei Morbus Parkinson ist insgesamt moderat, mit einem Schwerpunkt auf Beobachtungsstudien und wenigen randomisierten Interventionsstudien. Es besteht konsistente Evidenz dafür, dass die Proteinverteilung einen relevanten Einfluss auf die L-Dopa-Wirkung hat und dass eine angepasste Ernährung zur Verbesserung der Symptomkontrolle beitragen kann [1].

Darüber hinaus zeigen epidemiologische Studien, dass mediterrane und pflanzenbasierte Ernährungsmuster mit einem geringeren Risiko für neurodegenerative Erkrankungen sowie einer langsameren Progression (Fortschreiten) assoziiert sind [2, 3].

Fachgesellschaften empfehlen daher eine individualisierte Ernährungstherapie mit Fokus auf Mangelprävention, gastrointestinaler Funktion und medikamentöser Optimierung.

Die Plausibilität der zugrunde liegenden Mechanismen ist hoch, jedoch besteht weiterhin Bedarf an hochwertigen Langzeitstudien, insbesondere zur krankheitsmodifizierenden Wirkung der Ernährung.

Fazit

Die Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson ist ein zentraler, evidenzbasierter Bestandteil der Behandlung. Besonders bedeutsam ist die gezielte Steuerung der Proteinaufnahme zur Optimierung der L-Dopa-Wirkung sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Energie- und Nährstoffzufuhr.

Kurzfristig kann sie die Symptomkontrolle deutlich verbessern, langfristig trägt sie zur Stabilisierung des Ernährungszustands, zur Erhaltung der Muskelmasse und zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

Eine krankheitsmodifizierende Wirkung ist derzeit nicht gesichert, jedoch erscheint die Ernährung als wichtiger unterstützender Faktor im Gesamttherapiekonzept. Entscheidend ist eine individuell angepasste, praxisnahe und ärztlich begleitete Umsetzung.

Literatur

  1. Cereda E, Barichella M, Pedrolli C et al.: Low-protein and protein-redistribution diets for Parkinson's disease patients with motor fluctuations: a systematic review. Mov Disord. 2010 Oct 15;25(13):2021-34. doi: 10.1002/mds.23226.
  2. Bianchi VE, Rizzi L, Somaa F: The role of nutrition on Parkinson's disease: a systematic review. Nutr Neurosci. 2023 Jul;26(7):605-628. doi: 10.1080/1028415X.2022.2073107.
  3. Maraki MI, Yannakoulia M, Stamelou M et al.: Mediterranean diet adherence is related to reduced probability of prodromal Parkinson’s disease. Mov Disord. 2019 Jan;34(1):48-57. doi: 10.1002/mds.27489
  4. Tan AH, Lim SY, Lang AE: The microbiome-gut-brain axis in Parkinson disease - from basic research to the clinic. Nat Rev Neurol. 2022 Aug;18(8):476-495. doi: 10.1038/s41582-022-00681-2.
  5. Wang A, Lin Y, Wu Y, Zhang D: Macronutrients intake and risk of Parkinson's disease: A meta-analysis. Geriatr Gerontol Int. 2014 Aug 28. doi: 10.1111/ggi.12321.
  6. Bisaglia M: Mediterranean Diet and Parkinson’s Disease Int J Mol Sci. 2022 Dec 20;24(1):42. doi: 10.3390/ijms2401004.