Ernährungstherapie bei Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Die Ernährungstherapie bei Herzinsuffizienz umfasst ernährungsmedizinische Maßnahmen, die darauf abzielen, die Symptome der Herzschwäche zu reduzieren, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerungen im Körper) zu kontrollieren, den Ernährungszustand zu stabilisieren und Komplikationen zu vermeiden. Sie stellt eine wichtige Ergänzung zur medikamentösen Therapie sowie zu weiteren Maßnahmen wie Bewegungstherapie und Gewichtsmanagement dar.
Zentrale Ziele sind die Reduktion der Volumenbelastung des Herzens, die Vermeidung von Mangelernährung und kardialer Kachexie (krankheitsbedingter Gewichts- und Muskelabbau) sowie die Stabilisierung kardiovaskulärer Risikofaktoren (Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
Wissenschaftliche Grundlagen
Die Ernährung spielt bei Herzinsuffizienz eine wichtige Rolle, da die Erkrankung den Stoffwechsel sowie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers beeinflusst. Bei Herzschwäche werden bestimmte hormonelle Regulationssysteme aktiviert, die normalerweise dazu dienen, den Blutdruck und die Durchblutung aufrechtzuerhalten. Dazu gehören unter anderem das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und das sympathische Nervensystem. Diese Aktivierung führt dazu, dass der Körper vermehrt Natrium (Salz) und Wasser zurückhält. Dadurch kann es zu Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe) sowie zu einer pulmonalen Stauung (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) kommen, was typische Beschwerden wie Atemnot verstärken kann.
Lange Zeit wurde daher eine strikte salzarme Ernährung als zentrale therapeutische Maßnahme empfohlen. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass der Zusammenhang komplexer ist. Während eine hohe Natriumzufuhr die Flüssigkeitsretention fördern kann, ist eine sehr starke Natriumrestriktion möglicherweise ebenfalls ungünstig, da sie neurohormonelle Gegenregulationen auslösen kann und mit einer Verschlechterung des klinischen Zustands assoziiert sein kann [3, 5].
Aktuelle Studien und Metaanalysen zeigen, dass eine strikte Natriumrestriktion keine eindeutige Reduktion von Mortalität (Sterblichkeit) oder Hospitalisierungen bei Herzinsuffizienz bewirkt. In randomisierten Studien konnte jedoch eine Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität beobachtet werden [2].
Neben Natrium und Flüssigkeit spielen auch andere ernährungsmedizinische Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören die Energie- und Proteinzufuhr, die Qualität der Fettzufuhr sowie eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen (Vitalstoffen). Pflanzenbetonte Ernährungsmuster mit hohem Anteil an Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren und antioxidativen Nährstoffen können sich positiv auf Entzündungsprozesse, Gefäßfunktion und metabolische Faktoren auswirken [1].
Zielsetzung der Ernährungstherapie
Die Ernährungstherapie verfolgt mehrere therapeutische Ziele, die sowohl kurzfristige Symptomkontrolle als auch langfristige Prognoseverbesserung betreffen.
Primäre therapeutische Zielparameter sind vor allem Körpergewicht, Flüssigkeitsretention, Ödembildung und Blutdruck. Eine stabile Gewichtsentwicklung ist dabei ein wichtiger Marker für die Volumenbalance und den Ernährungszustand. Auch die funktionelle Belastbarkeit, beispielsweise gemessen anhand der NYHA-Klassifikation (Einteilung der Herzinsuffizienz in vier Stadien je nach Belastbarkeit und Atemnot), gehört zu den zentralen klinischen Zielparametern.
Sekundäre Ziele betreffen vor allem die Verbesserung der Lebensqualität sowie die Reduktion von Symptomen wie Dyspnoe (Atemnot), Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Ferner kann eine optimierte Ernährung helfen, Begleiterkrankungen wie Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus oder Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) günstig zu beeinflussen.
Die therapeutische Logik entspricht dem typischen Leitlinienprinzip:
- Indikation: Herzinsuffizienz
- Intervention: angepasste Natriumzufuhr, ausgewogene, herzgesunde Ernährung, ggf. Flüssigkeitskontrolle sowie individuelles Gewichtsmanagement
- Monitoring: erfolgt über Gewichtskontrollen, Elektrolytwerte, Ödembildung und Ernährungsstatus
- Risiken: Elektrolytstörungen, Hyponatriämie (zu niedriger Natriumgehalt im Blut) oder Mangelernährung
Kurzfristig steht die Symptomkontrolle im Vordergrund. Langfristig soll die Ernährungstherapie dazu beitragen, Hospitalisierungen zu reduzieren, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) zu kontrollieren und die Lebensqualität zu stabilisieren.
Grundprinzipien
Reduktion der Natriumzufuhr: Stark verarbeitete Lebensmittel, die häufig große Mengen Salz enthalten, sollten möglichst eingeschränkt werden. Gleichzeitig wird empfohlen, die Ernährung auf frische und möglichst unverarbeitete Lebensmittel umzustellen [1, 3].
Ein weiteres wichtiges Prinzip ist eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung. Viele Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz entwickeln im Verlauf einen katabolen Stoffwechselzustand, der zu Muskelabbau und Gewichtsverlust führen kann. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist daher wichtig, um den Verlust von Muskelmasse zu begrenzen.
Darüber hinaus wird eine überwiegend pflanzenbetonte Ernährungsweise empfohlen. Ernährungsmuster wie die mediterrane Ernährung oder die DASH-Diät liefern reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige pflanzliche Öle. Diese Lebensmittel enthalten Ballaststoffe, antioxidative Mikronährstoffe und ungesättigte Fettsäuren, die sich positiv auf kardiovaskuläre Risikofaktoren auswirken können [1].
Auch eine angepasste Mahlzeitenstruktur kann hilfreich sein. Viele Patienten mit Herzinsuffizienz profitieren von kleineren, regelmäßig verteilten Mahlzeiten, da große Mahlzeiten die Atemnot verstärken können.
Angestrebte Wirkmechanismen
Eine moderate Reduktion der Natriumzufuhr kann dazu beitragen, die Flüssigkeitsretention zu reduzieren. Da Natrium im Körper Wasser bindet, kann eine geringere Natriumaufnahme die Bildung von Ödemen und die pulmonale Stauung verringern [1, 3].
Ein weiterer Wirkmechanismus betrifft die kardiovaskuläre Entlastung. Ernährungsformen mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel können Blutdruck, Lipidstoffwechsel und Gefäßfunktion positiv beeinflussen. Dadurch wird die Gesamtbelastung des Herz-Kreislauf-Systems reduziert [1].
Ferner spielt die entzündungsmodulierende Wirkung bestimmter Nährstoffe eine Rolle. Ballaststoffe, antioxidative Vitamine sowie Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) können systemische Entzündungsprozesse reduzieren und die Funktion des Endothels (Gefäßinnenwand) verbessern.
Auch metabolische Faktoren sind relevant. Eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung kann Muskelabbau verhindern und die körperliche Leistungsfähigkeit stabilisieren. Dies ist besonders wichtig, da viele Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz eine sogenannte kardiale Kachexie entwickeln können.
Neben diesen gut plausiblen Mechanismen werden auch weitere Zusammenhänge diskutiert, etwa der Einfluss der Ernährung auf das Darmmikrobiom und dessen mögliche Auswirkungen auf Entzündungsprozesse und Stoffwechselregulation.
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz
- Patienten nach kardialer Dekompensation (akute Verschlechterung einer Herzinsuffizienz mit zunehmender Flüssigkeitsansammlung und Atemnot)
- Patienten mit Herzinsuffizienz und Hypertonie
- Ältere Patienten mit Herzinsuffizienz
Eingeschränkte Eignung
- Patienten mit schwerer Mangelernährung
- Patienten mit kardialer Kachexie
- Patienten mit ausgeprägten Elektrolytstörungen
Indikationsbezogene Eignung
- Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF; EF < 40 %) – Pumpleistung des Herzens ist vermindert; der Herzmuskel kann sich nicht mehr ausreichend kräftig zusammenziehen
- Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF; EF ≥ 50 %) – Pumpleistung ist relativ normal, aber der Herzmuskel ist steif und füllt sich schlecht; das Problem liegt nicht beim Auswerfen des Blutes, sondern beim Füllen der Herzkammer
- Herzinsuffizienz bei Adipositas oder metabolischem Syndrom
Diese Ernährungstherapie sollte individuell an Krankheitsstadium, Begleiterkrankungen und Ernährungszustand angepasst werden.
Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie
Zu Beginn der Ernährungstherapie steht eine strukturierte Analyse der bisherigen Ernährungsgewohnheiten. Dabei werden insbesondere der Salzgehalt der Ernährung, der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel, die Flüssigkeitsaufnahme, die Energiezufuhr sowie der Anteil verschiedener Nährstoffgruppen erfasst. Zusätzlich werden Körpergewicht, Ernährungszustand und mögliche Mangelzustände beurteilt.
Ein häufiger Fehler zu Beginn der Ernährungsumstellung besteht darin, Salz oder Energiezufuhr zu stark und abrupt zu reduzieren. Sehr strenge Diäten sind langfristig meist schwer umzusetzen und können sogar zu einer Verschlechterung des Ernährungszustandes führen. Deshalb wird in der Praxis eine schrittweise Umstellung der Ernährung empfohlen.
Ein erster wichtiger Schritt besteht häufig darin, stark verarbeitete Lebensmittel zu reduzieren. Diese enthalten oft große Mengen an Kochsalz und tragen wesentlich zur täglichen Natriumaufnahme bei. Parallel wird der Anteil frischer Lebensmittel erhöht, insbesondere von Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Proteinquellen.
Die Empfehlungen sollten immer an das Stadium der Herzinsuffizienz angepasst werden:
- Bei NYHA I-II steht vor allem eine herzgesunde Ernährung und die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren im Vordergrund.
- Bei NYHA III-IV gewinnen zusätzlich die Sicherstellung einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr sowie die Vermeidung von Mangelernährung und kardialer Kachexie an Bedeutung.
Energiezufuhr
Die Energiezufuhr sollte in der Regel etwa 25-30 kcal pro kg Körpergewicht pro Tag betragen. Bei Untergewicht oder Zeichen einer Mangelernährung kann eine höhere Energiezufuhr erforderlich sein. Bei Übergewicht steht dagegen eine moderate Gewichtsreduktion im Vordergrund.
Proteinzufuhr
Eine ausreichende Proteinzufuhr ist besonders wichtig, da Patienten mit Herzinsuffizienz häufig Muskelmasse verlieren können. Evidenzbasierte Orientierung:
- 0,8-1,0 g/kg KG/Tag
→ stabile Herzinsuffizienz ohne Mangelernährung - 1,1-1,4 g/kg KG/Tag
→ ältere Patienten oder Risiko für Muskelabbau - 1,2-1,5 g/kg KG/Tag
→ bei kardialer Kachexie oder Sarkopenie (alters- oder krankheitsbedingter Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit) - < 0,8-1,0 g/kg KG/Tag
→ ggf. bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
Natrium- bzw. Kochsalzzufuhr
Die Natriumzufuhr sollte moderat reduziert werden. In der Praxis wird meist eine maximale Kochsalzaufnahme von etwa 5-6 g Kochsalz pro Tag empfohlen. Eine sehr strenge Salzrestriktion wird heute meist nicht mehr generell empfohlen, da sie möglicherweise ungünstige metabolische Effekte haben kann [1, 3, 5].
Flüssigkeitszufuhr
Die tägliche Flüssigkeitsaufnahme bei Herzinsuffizienz sollte individuell angepasst werden. Entscheidend sind vor allem:
- der klinische Zustand,
- das Körpergewicht im Verlauf (tägliche Gewichtskontrolle) und
- die Nierenfunktion (z. B. Serumkreatinin, eGFR (estimated Glomerular Filtration Rate/geschätzte glomeruläre Filtrationsrate → beschreibt, wie gut die Nieren das Blut filtern))
Grundsätzlich gelten folgende Orientierungswerte [1, 4]:
- Allgemeine Empfehlung bei stabiler Herzinsuffizienz
- Tägliche Flüssigkeitszufuhr: etwa 1,5-2,0 Liter pro Tag
- Umfasst alle aufgenommenen Flüssigkeiten (Getränke, Suppen, wasserreiche Lebensmittel)
- Bei Hypervolämie (erhöhtes Blut- bzw. Flüssigkeitsvolumen im Körper) oder Hyponatriämie (verminderte Natriumkonzentration im Blut)
- Einschränkung der Trinkmenge auf etwa 1,0-1,5 Liter pro Tag
- Ziel: Reduktion der Flüssigkeitsretention und Stabilisierung des Natriumhaushalts
- Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III-IV)
- Ggf. weitere Begrenzung der Flüssigkeitszufuhr erforderlich
- Besonders bei wiederholten kardialen Dekompensationen oder ausgeprägter Ödembildung
- Zu vermeidende Flüssigkeitsmengen
- > 3 Liter pro Tag sollten grundsätzlich vermieden werden, da sie die Volumenbelastung des Herzens erhöhen können.
Körpergewicht
- Übergewicht
- Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer Herzinsuffizienz. Besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) kann eine Gewichtsreduktion sinnvoll sein, da sie die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität verbessern kann. Bei adipösen Patienten (BMI ≥ 30) kann daher die Teilnahme an einem strukturierten Gewichtsreduktionsprogramm sinnvoll sein, insbesondere in frühen Krankheitsstadien [6].
- Bei moderater oder schwerer Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) wird jedoch meist keine aggressive Gewichtsreduktion empfohlen, da ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust häufig mit einer ungünstigen Prognose verbunden ist.
- Untergewicht – kardiale Kachexie
- Untergewicht oder ein ungewollter Gewichtsverlust sind bei Herzinsuffizienz prognostisch ungünstig. Besonders problematisch ist die sogenannte kardiale Kachexie, ein krankheitsbedingter Gewichts- und Muskelverlust infolge eines katabolen Stoffwechsels. Bei Patienten mit niedrigem BMI, ungeklärtem Gewichtsverlust und/oder deutlichem Muskelabbau sollten mögliche Ursachen abgeklärt werden. In solchen Fällen kann eine hochkalorische Ernährung oder der Einsatz spezieller diätetischer Lebensmittel für katabole Stoffwechsellagen erforderlich sein.
- Gewichtskontrolle
- Eine tägliche Gewichtskontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstüberwachung bei Herzinsuffizienz. Patienten sollten ihr Gewicht möglichst täglich zur gleichen Zeit, idealerweise morgens nach dem Aufstehen, messen. Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei einem schnellen Gewichtsanstieg:
- > 1 kg innerhalb einer Nacht
- > 2 kg innerhalb von drei Tagen
- > 2,5 kg innerhalb einer Woche
- Ein solcher Gewichtsanstieg kann auf Flüssigkeitseinlagerungen hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden [1, 4].
- Eine tägliche Gewichtskontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstüberwachung bei Herzinsuffizienz. Patienten sollten ihr Gewicht möglichst täglich zur gleichen Zeit, idealerweise morgens nach dem Aufstehen, messen. Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei einem schnellen Gewichtsanstieg:
Empfohlene Lebensmittel
Eine herzgesunde Ernährung bei Herzinsuffizienz orientiert sich meist an pflanzenbetonten Ernährungsmustern.
- Gemüse
- Obst
- Vollkornprodukte
- Hülsenfrüchte
- Fisch
- Nüsse und Samen
- Hochwertige pflanzliche Öle
Typische Beispiele
- Gemüsegerichte mit Vollkornbeilage
- Salate mit Hülsenfrüchten
- Fisch mit Gemüse
- Joghurt mit Nüssen und Beeren
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Ausgeschlossene Lebensmittel
- Stark gesalzene Fertigprodukte
- Stark gesalzene Wurstwaren
- Salzige Snacks
Eingeschränkt erlaubte Lebensmittel
- Fettreiches rotes Fleisch
- Stark zuckerhaltige Lebensmittel
- Alkoholische Getränke
Genussmittelkonsum
Tabak (Rauchen)
- Rauchen verschlechtert die Prognose bei Herzinsuffizienz.
- Erhöht das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen
- Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.
Alkohol
- Kann Herzrhythmusstörungen fördern
- Bei alkoholbedingter Kardiomyopathie: vollständige Abstinenz.
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Ein zentraler Schritt besteht darin, den Salzgehalt der Ernährung bewusst zu reduzieren. Der größte Anteil der täglichen Salzaufnahme stammt nicht aus dem Nachsalzen am Tisch, sondern aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Besonders salzreich sind Fertiggerichte, Wurstwaren, Käse, Brotaufstriche, Snacks und viele Restaurantgerichte. Eine wichtige Strategie besteht daher darin, möglichst häufig frisch zu kochen [1, 3].
Beim Einkaufen lohnt sich ein genauer Blick auf die Nährwertangaben. Produkte mit weniger als 0,3 g Salz pro 100 g gelten als salzarm. Lebensmittel mit mehr als 1,5 g Salz pro 100 g sollten nur gelegentlich konsumiert werden.
Beim Kochen kann Salz durch Kräuter, Gewürze, Zitronensaft, Knoblauch oder Essig teilweise ersetzt werden. Viele Patienten berichten, dass sich der Geschmackssinn bereits nach wenigen Wochen an eine salzärmere Ernährung anpasst.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmäßige Gewichtskontrolle. Eine tägliche Gewichtsmessung zur gleichen Zeit – idealerweise morgens nach dem Aufstehen – kann helfen, Flüssigkeitseinlagerungen frühzeitig zu erkennen. Eine Gewichtszunahme von mehr als etwa 2 kg innerhalb weniger Tage sollte ärztlich abgeklärt werden [1, 4].
Auch die Mahlzeitenstruktur spielt eine Rolle. Große Mahlzeiten können die Atemarbeit erhöhen und zu Unwohlsein führen. Kleinere, über den Tag verteilte Mahlzeiten werden häufig besser vertragen.
Bei eingeschränkter Belastbarkeit kann es sinnvoll sein, einfache und schnell zuzubereitende Mahlzeiten zu planen. Beispiele sind Gemüsepfannen, Salate mit Hülsenfrüchten, Vollkornbrot mit pflanzlichen Aufstrichen oder Joghurt mit Nüssen und Beeren.
Nicht zuletzt spielt auch das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Gemeinsame Mahlzeiten, Unterstützung durch Angehörige und eine gute Aufklärung über die Erkrankung können helfen, die Ernährung dauerhaft anzupassen.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) orientiert sich meist an einer moderaten Kohlenhydratzufuhr aus komplexen Quellen wie Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten. Diese Lebensmittel liefern gleichzeitig Ballaststoffe, die eine wichtige Rolle für das Darmmikrobiom spielen und metabolische Prozesse positiv beeinflussen können.
Die Fettzufuhr besteht überwiegend aus einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Besonders relevant sind pflanzliche Öle, Nüsse, Samen und fettreicher Fisch. Diese Fettsäuren können entzündungshemmende Effekte haben und den Lipidstoffwechsel günstig beeinflussen.
Ein zentraler Punkt ist die ausreichende Proteinversorgung. Patienten mit Herzinsuffizienz haben häufig einen erhöhten katabolen Stoffwechsel und können Muskelmasse verlieren. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist daher wichtig, um Muskelabbau und funktionelle Einschränkungen zu vermeiden.
Auch die Versorgung mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe) ist relevant. Besonders wichtig sind Kalium, Magnesium, B-Vitamine und antioxidative Nährstoffe. Bei Patienten unter Diuretikatherapie (Einnahme von entwässernden Medikamenten) können Elektrolytverluste auftreten, die ernährungsmedizinisch berücksichtigt werden sollten.
Ein potentielles Risiko besteht darin, dass sehr strenge Diäten zu einer zu niedrigen Energiezufuhr führen können. Besonders bei älteren Patienten oder bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz kann dies eine Mangelernährung begünstigen.
Insgesamt gilt eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung als langfristig ernährungsphysiologisch sinnvoll und entspricht weitgehend den Empfehlungen zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen [1].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Ein wichtiges Risiko ist eine zu starke Natriumrestriktion. Neuere Studien zeigen, dass eine extreme Salzreduktion nicht zwingend zu besseren klinischen Ergebnissen führt und möglicherweise sogar nachteilige Effekte haben kann, etwa durch eine verstärkte Aktivierung neurohormoneller Systeme oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion [3, 5].
Auch eine zu geringe Energiezufuhr kann problematisch sein. Viele Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz entwickeln eine sogenannte kardiale Kachexie. Dabei handelt es sich um einen komplexen Stoffwechselzustand mit Gewichtsverlust, Muskelabbau und erhöhter Mortalität. Eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung ist daher von großer Bedeutung.
Ein weiteres Risiko betrifft Elektrolytstörungen. Patienten mit Herzinsuffizienz werden häufig mit Diuretika behandelt, die zu Verlusten von Kalium, Magnesium oder Natrium führen können. Eine unzureichende Ernährungsanpassung kann diese Störungen verstärken.
Auch Hyponatriämie kann eine Rolle spielen. Diese tritt insbesondere bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder bei aggressiver Diuretikatherapie auf und kann durch zusätzliche Flüssigkeitsrestriktionen verstärkt werden [1, 4].
Schließlich müssen mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten berücksichtigt werden. Besonders relevant sind Diuretika, ACE-Hemmer und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten, die den Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen
- Schwere Mangelernährung
- Ausgeprägte kardiale Kachexie
Relative Kontraindikationen
- Schwere Hyponatriämie
- Schwere Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
- Ausgeprägte Elektrolytstörungen
Eine ärztliche Überwachung wird empfohlen.
Vorteile
- Verbesserung der Lebensqualität
- Reduktion von Ödemen
- Unterstützung der medikamentösen Therapie
- Verbesserung kardiovaskulärer Risikofaktoren
Grenzen
- Begrenzte Evidenz für harte Endpunkte
- Individuelle Unterschiede im Ansprechen
- Langfristige Umsetzung kann schwierig sein
- Ersetzt keine medikamentöse Behandlung
Wissenschaftliche Einordnung
Die wissenschaftliche Evidenz zur Ernährung bei Herzinsuffizienz hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Während früher eine strikte Salzrestriktion als Standardmaßnahme galt, zeigen neuere Studien ein differenzierteres Bild.
Randomisierte Studien und Metaanalysen konnten bislang keinen klaren Vorteil einer starken Natriumrestriktion hinsichtlich Mortalität oder Hospitalisierungsrate zeigen. In einer Metaanalyse randomisierter Studien zeigte sich zwar eine Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität, jedoch keine signifikante Reduktion harter klinischer Endpunkte [2].
Auch andere Analysen deuten darauf hin, dass sehr niedrige Natriumaufnahmen möglicherweise sogar mit ungünstigen Ergebnissen verbunden sein können [3].
Vor diesem Hintergrund empfehlen aktuelle Expertenkonsens-Dokumente eine individuell angepasste Natriumzufuhr statt einer generellen strikten Salzrestriktion. Gleichzeitig wird betont, dass eine ausgewogene Ernährung mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel einen wichtigen Beitrag zur kardiovaskulären Gesundheit leisten kann [1].
Fazit
Die Ernährungstherapie sollte immer individuell angepasst und in das gesamte Behandlungskonzept der Herzinsuffizienz integriert werden. In Kombination mit medikamentöser Therapie, Bewegung und Lebensstilmaßnahmen kann sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Stabilisierung des Krankheitsverlaufs leisten [1, 2].
Literatur
- Mullens W et al.: Dietary sodium and fluid intake in heart failure: A clinical consensus statement of the Heart Failure Association of the ESC. Eur J Heart Fail. 2024 Apr;26(4):730-741. doi: 10.1002/ejhf.3244.
- Colin-Ramirez E et al.: Sodium Restriction in Patients With Heart Failure: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Circ Heart Fail. 2023 Jan;16(1):e009879. doi: 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.122.009879.
- Urban S et al.: Role of dietary sodium restriction in chronic heart failure: systematic review and meta-analysis. Clin Res Cardiol. 2024 Sep;113(9):1331-1342. doi: 10.1007/s00392-023-02256-7.
- Kato NP et al.: Fluid Restriction for Patients with Heart Failure: Current Evidence and Future Perspectives. J Pers Med. 2024 Jul 11;14(7):741. doi: 10.3390/jpm14070741.
- Stachteas P et al.: Safety and Efficacy of Salt Restriction Across the Spectrum of Heart Failure. J Cardiovasc Dev Dis. 2025 Nov 2;12(11):432. doi: 10.3390/jcdd12110432.
- Kitzman DW et al.: Effect of Caloric Restriction or Aerobic Exercise Training on PeakOxygen Consumption and Quality of Life in Obese Older Patients With Heart Failure With Preserved Ejection Fraction: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2016 Jan 5;315(1):36-46. doi: 10.1001/jama.2015.17346.