Haut- und Schleimhauteinblutungen (Purpura und Petechien) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz (Anzahl der Atemzüge pro Minute) und Körpertemperatur
  • Haut und sichtbare Schleimhäute
    • Systematische Inspektion (Betrachtung) der gesamten Haut einschließlich Handflächen und Fußsohlen sowie der Mundschleimhaut
    • Beurteilung von Größe, Form, Farbe, Begrenzung, Konfluenz, Erhabenheit und Verteilung der Hautveränderungen [punktförmige, nicht wegdrückbare Petechien (kleine punktförmige Hautblutungen); größere nicht wegdrückbare Purpura (flächenhafte Hautblutungen); konfluierende Purpura]
    • Prüfung der Wegdrückbarkeit durch Glasspateldruck/Diascopie [fehlende Abblassung unter Druck]
    • Palpation (Abtasten) der Läsionen [tastbare Purpura bei entzündlicher Beteiligung kleiner Gefäße]
    • Beurteilung auf hämorrhagische Blasen, Nekrosen (Absterben von Gewebe) oder retiforme beziehungsweise flächenhafte Purpura [nekrotische bzw. retiforme Purpura bei schwerer vaskulärer oder thrombotischer Schädigung]
    • Beurteilung des Verteilungsmusters [symmetrisch betonte Purpura der abhängigen unteren Extremitäten bei kutaner Kleingefäßvaskulitis (Entzündung kleiner Hautgefäße)]
    • Inspektion der Mundschleimhaut [Schleimhautpetechien; hämorrhagische Blasen („wet purpura“) bei ausgeprägter thrombozytärer Blutungsneigung (Blutungsneigung durch Blutplättchenstörung)]
  • Kopf und Hals
    • Inspektion von Mundhöhle, Gingiva, Nase und Konjunktiven (Bindehaut der Augen) auf zusätzliche Blutungsmanifestationen (Blutungszeichen)
    • Palpation der zervikalen, supraklavikulären und axillären Lymphknoten (Lymphdrüsen)
  • Abdomen
    • Inspektion, Auskultation (Abhören), Perkussion (Abklopfen) und Palpation des Abdomens
    • Palpation von Leber und Milz zur Erfassung einer möglichen Hepato- oder Splenomegalie (Leber- oder Milzvergrößerung)
  • Bewegungsapparat
    • Inspektion und Palpation von Gelenken und Weichteilen auf begleitende Blutungs- oder Entzündungsmanifestationen
  • Neurologische Untersuchung – bei Kopfschmerzen, Vigilanzstörung (Bewusstseinsstörung) oder fokal-neurologischen Symptomen (auf einen bestimmten Bereich des Nervensystems begrenzte Beschwerden) zur Erfassung möglicher intrakranieller Blutungskomplikationen (Blutungskomplikationen im Schädelinneren)

Red Flags (Warnzeichen) bei Purpura und Petechien

  • Akut auftretende oder rasch progrediente, nicht wegdrückbare Purpura/Petechien in Verbindung mit Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Tachykardie (beschleunigtem Herzschlag) oder Bewusstseinsstörung – Verdacht auf Sepsis (Blutvergiftung), invasive Meningokokkeninfektion (schwere Infektion durch Meningokokken) beziehungsweise Purpura fulminans (schwere, rasch fortschreitende Hautblutung mit Gewebeschädigung)
  • Ausgedehnte, rasch konfluierende oder nekrotische Purpura, hämorrhagische Blasen oder retiforme Hautnekrosen (netzförmige Hautgewebsuntergänge) – Verdacht auf schwere Gerinnungsaktivierung (übermäßige Aktivierung der Blutgerinnung), thrombotische beziehungsweise vaskuläre Gefäßschädigung
  • Ausgeprägte Schleimhautblutungen („wet purpura“), spontane anhaltende Blutungen oder Zeichen gastrointestinaler bzw. urogenitaler Blutung (Blutung im Magen-Darm- bzw. Harn- und Geschlechtsbereich) – Hinweis auf eine klinisch relevante Blutungsneigung
  • Neu aufgetretene starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörung oder fokal-neurologische Ausfälle (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems) bei Purpura/Petechien – Verdacht auf intrakranielle Blutung (Blutung im Schädelinneren)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.