Klimakterium/Wechseljahre (Menopause) – Differentialdiagnosen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – bei vasomotorischen Beschwerden (hitzewallungsartigen Beschwerden), Schlafstörungen und urogenitalen Beschwerden (Beschwerden der Harn- und Geschlechtsorgane); Hypoglykämien (Unterzuckerungen), autonome Neuropathie (Nervenschädigung des unwillkürlichen Nervensystems), Infektneigung (erhöhte Anfälligkeit für Infektionen) und metabolische Faktoren (stoffwechselbedingte Faktoren) können Schweißausbrüche, Schlafstörungen, urogenitale Beschwerden und Zyklusstörungen (Störungen des Monatszyklus) mitverursachen
  • Funktionelle hypothalamische Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung durch eine Funktionsstörung im hormonellen Steuerzentrum des Gehirns) – bei Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung)/Oligomenorrhoe (seltene Regelblutung); Zyklusstörung oder Amenorrhoe bei Energiedefizit (Energiemangel), Gewichtsverlust, Leistungssport oder erheblichem Stress
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe; kann durch hypophysär-gonadale Beteiligung (Beteiligung der Hirnanhangsdrüse und Eierstockfunktion) zu Hypogonadismus (verminderter Funktion der Geschlechtsdrüsen) und Amenorrhoe führen
  • Hyperandrogenämie (erhöhte männliche Geschlechtshormone)/Polyzystisches-Ovar-Syndrom (PCOS; Syndrom mit vielen kleinen Eibläschen in den Eierstöcken) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe; Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe mit Hyperandrogenismus (vermehrter Wirkung männlicher Geschlechtshormone), häufig prämenopausal (vor den Wechseljahren) relevant
  • Hypercortisolismus (erhöhte Cortisolwirkung)/Cushing-Syndrom (Krankheitsbild durch zu viel Cortisol) – bei Zyklusstörungen, Schlafstörungen, Stimmungssymptomen (Beschwerden der Stimmung), Gewichtszunahme und Hypertonie (Bluthochdruck) als klimakteriumsähnliche Symptomkonstellation (wechseljahresähnliche Beschwerdekombination)
  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe und Libidoverlust (Verlust des sexuellen Verlangens); Oligomenorrhoe, Amenorrhoe, Galaktorrhoe (Milchfluss außerhalb der Stillzeit) und Libidoverlust
  • Hypophyseninsuffizienz (Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse)/Sheehan-Syndrom (Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse nach schwerer Geburtsblutung) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe; sekundäre Amenorrhoe (später auftretendes Ausbleiben der Regelblutung) und Zeichen eines hypogonadotropen Hypogonadismus (verminderter Geschlechtsdrüsenfunktion durch fehlende Steuerhormone)
  • Hypophysentumoren (Tumoren der Hirnanhangsdrüse) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe; Hyperprolaktinämie, hypogonadotroper Hypogonadismus oder Kopfschmerzen/Sehstörungen mit Zyklusstörung
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen (Störungen der Schilddrüsenfunktion) – bei vasomotorischen Beschwerden, Palpitationen (Herzklopfen), Schlafstörungen und Blutungsanomalien (auffälligen Blutungen); Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) mit Schwitzen, Palpitationen, Schlafstörungen, Stimmungssymptomen und Blutungsanomalien
  • Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI; vorzeitige Eierstockschwäche) – bei Amenorrhoe/Oligomenorrhoe vor dem 40. Lebensjahr; Amenorrhoe oder Oligomenorrhoe mit Östrogenmangelsymptomen (Beschwerden durch Östrogenmangel) vor dem 40. Lebensjahr

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Kontaktdermatitis (Kontaktentzündung der Haut) – bei urogenitalen Beschwerden; vulvärer Pruritus (Juckreiz im Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane), Brennen und Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) als Differenzialdiagnose (mögliche andere Ursache) urogenitaler Menopausenbeschwerden (Beschwerden in den Wechseljahren)
  • Lichen planus (Knötchenflechte) – bei urogenitalen Beschwerden; vulvovaginale Schmerzen (Schmerzen im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane und Scheide), Brennen, Dyspareunie und gegebenenfalls erosive Schleimhautveränderungen (oberflächliche Schleimhautdefekte)
  • Lichen sclerosus (chronische entzündliche Hauterkrankung der äußeren Geschlechtsorgane) – bei urogenitalen Beschwerden; chronischer vulvärer Pruritus, Brennen, Fissuren (Einrisse) und Dyspareunie
  • Psoriasis inversa (Schuppenflechte in Hautfalten) – bei urogenitalen Beschwerden; erythematöse intertriginöse oder vulväre Läsionen (gerötete Hautveränderungen in Hautfalten oder im Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) mit Brennen und Juckreiz

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Angina pectoris (Brustenge) – bei thorakalen Beschwerden (Beschwerden im Brustkorb), Dyspnoe (Atemnot), Palpitationen oder vegetativen Symptomen (Beschwerden des unwillkürlichen Nervensystems); kann als vasomotorische Beschwerde fehlgedeutet werden
  • Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzrhythmus) – bei Palpitationen, Schwindel, Leistungsminderung, Schweißausbrüchen und Angstgefühl
  • Hypertensive Entgleisung (starke Blutdruckerhöhung) – bei Kopfschmerzen, Flush (anfallsartiger Hautrötung), Palpitationen, Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt) – bei thorakalen oder atypischen Beschwerden (ungewöhnlichen Beschwerden); insbesondere bei Frauen mögliche atypische Beschwerden mit Dyspnoe, Übelkeit, Schweißausbruch, Oberbauch-, Rücken- oder Kieferschmerz

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) – bei Nachtschweiß, Fieber, Leistungsminderung und Gewichtsverlust als Red-Flag-Differenzialdiagnose (Warnzeichen für eine wichtige andere Ursache)
  • HIV-Infektion (Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus) – bei Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Zyklusstörungen und rezidivierenden urogenitalen Infektionen (wiederkehrenden Infektionen im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane)
  • Tuberkulose (Schwindsucht) – bei Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber und chronischem Husten als Red-Flag-Differenzialdiagnose

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthrose (Gelenkverschleiß) – bei Arthralgien (Gelenkschmerzen) und Funktionsbeschwerden als Differenzialdiagnose klimakterischer Gelenkbeschwerden (wechseljahresbedingter Gelenkbeschwerden)
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen (entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparats) – bei persistierenden Arthralgien (anhaltenden Gelenkschmerzen), Arthritis (Gelenkentzündung), Morgensteifigkeit und systemischen Entzündungszeichen (Entzündungszeichen im ganzen Körper)
  • Fibromyalgiesyndrom (chronisches Schmerzsyndrom mit Muskel- und Weichteilschmerzen) – bei diffusen Schmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung und kognitiven Beschwerden (Beschwerden von Denken und Konzentration)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) – bei Blutungsanomalien; postkoitale Blutung (Blutung nach Geschlechtsverkehr), Zwischenblutung oder persistierender Fluor (anhaltender Ausfluss) als abklärungsbedürftige Differenzialdiagnose
  • Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) – bei Blutungsanomalien; postmenopausale Blutung (Blutung nach den Wechseljahren) oder perimenopausale abnorme uterine Blutung (auffällige Gebärmutterblutung um die Wechseljahre) als Leitsymptom
  • Hormonaktive Ovarialtumoren (hormonbildende Eierstocktumoren) – bei Blutungsanomalien, Zyklusstörungen oder hormonellen Symptomen (hormonbedingten Beschwerden)
  • Leukämien (Blutkrebs)/Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) – bei Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber und Leistungsminderung als B-Symptomatik (Allgemeinsymptome bei Tumorerkrankungen)
  • Neuroendokrine Tumoren (hormonbildende Tumoren aus Nervenzellen und Drüsenzellen)/Karzinoid-Syndrom (Beschwerdebild durch hormonaktive neuroendokrine Tumoren) – bei Flush, Diarrhoe (Durchfall), Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien) und vasomotorischen Beschwerden
  • Phäochromozytom (hormonbildender Tumor des Nebennierenmarks) – bei anfallsartiger Hypertonie, Kopfschmerz, Palpitationen und Schweißausbrüchen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Depressive Störung (Depression) – bei Schlafstörungen, Antriebsminderung, Konzentrationsstörungen, Libidoverlust und somatischen Beschwerden (körperlichen Beschwerden)
  • Generalisierte Angststörung (anhaltende Angsterkrankung) – bei innerer Unruhe, Schlafstörungen, Palpitationen, Schwitzen und Konzentrationsstörungen
  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA; Atemaussetzer im Schlaf) – bei nicht erholsamem Schlaf, Tagesmüdigkeit, morgendlichen Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen
  • Panikstörung (Erkrankung mit wiederkehrenden Panikattacken) – bei episodischen Palpitationen, Schweißausbrüchen, Flush, Thoraxdruck (Druckgefühl im Brustkorb), Dyspnoe und Todesangst
  • Primäre Insomnie (Schlaflosigkeit ohne andere Hauptursache) – bei Ein- und Durchschlafstörungen ohne primär hormonelle Ursache

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – bei Amenorrhoe, Blutung, Unterbauchschmerz oder Kreislaufsymptomatik (Beschwerden des Kreislaufs); Notfalldifferenzialdiagnose
  • Intrauterine Schwangerschaft (Schwangerschaft in der Gebärmutter) – bei Amenorrhoe; häufigste auszuschließende Ursache einer sekundären Amenorrhoe im reproduktiven Alter (gebärfähigen Alter)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyose (Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmuttermuskulatur) – bei Blutungsanomalien und Unterbauchschmerzen; Hypermenorrhoe (zu starke Regelblutung), Dysmenorrhoe (Regelschmerzen) und chronische Unterbauchschmerzen
  • Asherman-Syndrom (Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle) – bei Amenorrhoe/Hypomenorrhoe (zu schwacher Regelblutung); sekundäre Amenorrhoe oder Hypomenorrhoe nach intrauterinen Eingriffen (Eingriffen in der Gebärmutterhöhle), Entzündungen oder Traumata (Verletzungen)
  • Bakterielle Vaginose (Fehlbesiedlung der Scheide mit Bakterien) – bei urogenitalen Beschwerden; Fluor, Geruch, Brennen und Dyspareunie als Differenzialdiagnose vulvovaginaler Beschwerden
  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter) – bei Beckenschmerzen, Dysmenorrhoe und Dyspareunie; chronische Beckenschmerzen und zyklusabhängige Beschwerden
  • Endometriumhyperplasie (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) – bei Blutungsanomalien; abnorme uterine Blutung, insbesondere bei Risikokonstellationen wie Adipositas (Übergewicht), Anovulation (ausbleibendem Eisprung) oder unopponierter Östrogenwirkung (Östrogenwirkung ohne Gegenspieler)
  • Endometriumpolyp (Schleimhautpolyp der Gebärmutter) – bei Blutungsanomalien; Zwischenblutungen, Hypermenorrhoe oder postmenopausale Blutung
  • Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust)/überaktive Blase (Reizblase) – bei urogenitalen Beschwerden; Drang, Pollakisurie (häufiges Wasserlassen), Nykturie (nächtliches Wasserlassen) und Dranginkontinenz (Urinverlust bei starkem Harndrang)
  • Leiomyom (gutartiger Muskelknoten der Gebärmutter)/Uterus myomatosus (Gebärmutter mit Myomen) – bei Blutungsanomalien, Druckgefühl oder Schmerzen
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS; Beschwerden vor der Regelblutung) – bei zyklischen affektiven, vegetativen und somatischen Beschwerden in der Lutealphase (zweiten Zyklushälfte)
  • Vulvovaginalkandidose (Pilzinfektion der äußeren Geschlechtsorgane und Scheide) – bei urogenitalen Beschwerden; Pruritus, Brennen, Dyspareunie und weißlicher Fluor
  • Zystitis (Blasenentzündung) – bei urogenitalen Beschwerden; Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Pollakisurie, imperativer Harndrang (nicht aufschiebbarer Harndrang) und suprapubische Beschwerden (Beschwerden oberhalb des Schambeins)

Medikamente

  • Antidopaminerge Arzneimittel – bei Amenorrhoe, Libidoverlust oder Galaktorrhoe; Antipsychotika oder Metoclopramid können Hyperprolaktinämie, Amenorrhoe und Libidoverlust verursachen
  • Antidepressiva – bei Schwitzen, Schlafstörungen und sexuellen Funktionsstörungen; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) können diese Beschwerden verursachen
  • Aromatasehemmer/Antiöstrogene – bei vasomotorischen Beschwerden, urogenitalen Beschwerden und Arthralgien; insbesondere bei Mammakarzinomtherapie
  • Chemotherapie – bei Amenorrhoe und Östrogenmangelsymptomen; iatrogene Ovarialinsuffizienz
  • Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (GnRH-Analoga)/Gonadotropin-Releasing-Hormon-Antagonisten (GnRH-Antagonisten) – bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Amenorrhoe; medikamentös induzierter Hypoöstrogenismus
  • Hormonelle Kontrazeptiva/Depotgestagene – bei Amenorrhoe, Zwischenblutungen, Libidoveränderungen oder Stimmungssymptomen
  • Opioide – bei Amenorrhoe, Libidoverlust und Schwitzen; hypogonadotroper Hypogonadismus möglich
  • Tamoxifen – bei Hitzewallungen, vaginalen Beschwerden und abnormen uterinen Blutungen; Endometriumpathologie muss bei Blutungen ausgeschlossen werden

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholkonsum – bei Flush, Schlafstörungen, Nachtschweiß und Palpitationen
  • Nikotinkonsum – bei vasomotorischen Beschwerden; kann diese begünstigen und verschlechtern
  • Substanzentzug – bei Schwitzen, Schlafstörungen, Palpitationen, Tremor und Angst; kann klimakterische Beschwerden imitieren

Weiteres

  • Künstliche Menopause (künstlich ausgelöste Wechseljahre) – bei Amenorrhoe und Östrogenmangelsymptomen nach bilateraler Ovarektomie (beidseitiger Eierstockentfernung), Beckenbestrahlung oder ovarschädigender Systemtherapie (eierstockschädigender Behandlung des ganzen Körpers)
  • Post-Pill-Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung nach Absetzen der Pille) – bei Amenorrhoe nach Absetzen hormoneller Kontrazeptiva; Schwangerschaft, Hyperprolaktinämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, PCOS und POI müssen differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden