Hodenhochstand (Maldeszensus testis) – Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch sind bei einem vermuteten Maldescensus testis (Hodenhochstand) die unterschiedlichen Formen und Lokalisationen des Hodenhochstands insbesondere von einem Pendelhoden, einem sekundär aszendierten Hoden sowie einem fehlenden, hypoplastischen, atrophischen oder rudimentären Hoden abzugrenzen:
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Anorchie/Hodenagenesie (angeborenes Fehlen eines oder beider Hoden) – angeborenes Fehlen von Hodengewebe infolge einer fehlenden Hodenanlage; ein- oder beidseitig möglich
- Gleithoden (Hoden, der sich nur vorübergehend in den Hodensack verlagern lässt) (Retentio testis präscrotalis; gliding testis) – lässt sich nur unter Spannung in das Skrotum (Hodensack) verlagern und gleitet unmittelbar wieder in die präskrotale (vor dem Hodensack gelegene) oder inguinale (in der Leiste gelegene) Position zurück; Form des echten Maldescensus testis
- Hodenektopie (Fehllage des Hodens) – Lage des Hodens außerhalb des physiologischen Deszensuswegs (normalen Abstiegswegs des Hodens), z. B. superfiziell inguinal, femoral, perineal, pubisch, penil oder kontralateral; Form des echten Maldescensus testis
- Hodenhypoplasie/rudimentärer Hoden (unterentwickelter bzw. nur unvollständig ausgebildeter Hoden) – angeboren stark volumenreduzierter Hoden, der klinisch gegebenenfalls nicht tastbar ist
- Pendelhoden (beweglicher Hoden) (retractile testis) – lässt sich ohne relevante Spannung in das Skrotum verlagern und verbleibt dort zumindest vorübergehend; kein echter Maldescensus testis, jedoch mit erhöhtem Risiko eines sekundären Aszensus (nachträglichen Hochsteigens)
- Retentio testis abdominalis (Bauchhoden) – intraabdominal (im Bauchraum) gelegener, in der Regel nicht tastbarer Hoden auf dem physiologischen Deszensusweg; Form des echten Maldescensus testis
- Retentio testis inguinalis (Leistenhoden) – im Leistenkanal oder am inneren Leistenring gelegener Hoden auf dem physiologischen Deszensusweg; Form des echten Maldescensus testis
- Testikuläres Regressionssyndrom (Schwund eines ursprünglich angelegten Hodens) (Vanishing testis) – intrauteriner Untergang eines ursprünglich angelegten Hodens, meist infolge einer pränatalen Hodentorsion (Hodendrehung vor der Geburt)
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Hodenatrophie (Hodenschwund) – erworben stark volumenreduzierter Hoden, z. B. nach postnataler Hodentorsion (Hodendrehung nach der Geburt), Entzündung, Trauma (Verletzung), Gefäßschädigung oder Voroperation; insbesondere bei einem nicht tastbaren Hoden zu berücksichtigen
- Sekundärer Hodenhochstand/aszendierender Hoden (nachträglich hochgestiegener Hoden) – zuvor sicher skrotal gelegener Hoden, der im weiteren Verlauf dauerhaft in eine supraskrotale Position (Position oberhalb des Hodensacks) aszendiert; spontan oder infolge einer Fixierung nach inguinaler Voroperation möglich