Hyperinsulinismus – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Puls und Körpergewicht; bei Neugeborenen und Kindern zusätzlich Körperlänge bzw. Körpergröße mit altersbezogener Perzentileneinordnung (Einordnung in altersbezogene Wachstumskurven); des Weiteren:
    • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage (Wachheitszustand) [Unruhe, auffällige Verhaltensänderung, Verwirrtheit, Somnolenz (Schläfrigkeit) bis Bewusstlosigkeit/Koma (tiefe Bewusstlosigkeit) bei neuroglykopenischer (durch Zuckermangel im Gehirn bedingter) Hypoglykämie (Unterzuckerung)]
    • Haut [Blässe, ausgeprägtes Schwitzen/Diaphorese (starkes Schwitzen) als autonome (durch das unwillkürliche Nervensystem ausgelöste) Hypoglykämiezeichen]
    • Ernährungszustand [Gewichtszunahme bzw. Übergewicht bei rezidivierenden (wiederkehrenden) Hypoglykämien infolge kompensatorisch (ausgleichend) vermehrter Nahrungsaufnahme]
    • Bei Neugeborenen [Makrosomie (ungewöhnlich hohes Geburtsgewicht bzw. starke Körpergröße) bzw. Large-for-gestational-age-Status bei kongenitalem (angeborenem) Hyperinsulinismus (krankhaft erhöhter Insulinausschüttung)]
  • Kardiovaskuläre (Herz und Kreislauf betreffende) Untersuchung
    • Puls/Herzfrequenz [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) während einer hypoglykämischen Episode]
  • Neurologische (das Nervensystem betreffende) Untersuchung – mit besonderem Augenmerk auf Zeichen der Neuroglykopenie (Zuckermangel im Gehirn):
    • Vigilanz (Wachheitsgrad), Orientierung, Aufmerksamkeit und Verhalten [kognitive (geistige) Verlangsamung, Desorientierung (Orientierungslosigkeit), Verwirrtheit, inadäquates (unangemessenes) oder aggressives Verhalten, Somnolenz]
    • Sprache [Dysarthrie (Sprechstörung) oder Aphasie (Sprachstörung)]
    • Motorik (Bewegungsfähigkeit) und Koordination [Tremor (Zittern), psychomotorische (Bewegung und geistige Abläufe betreffende) Verlangsamung, fokale (örtlich begrenzte) neurologische Defizite (Ausfälle des Nervensystems), z. B. passagere (vorübergehende) Hemiparese (unvollständige Halbseitenlähmung)]
    • Krampfaktivität [fokaler oder generalisierter (den ganzen Körper betreffender) Krampfanfall]
    • Bewusstseinslage [Stupor (Zustand stark verminderter Reaktionsfähigkeit), Bewusstlosigkeit, Koma]

Bei rezidivierenden Hypoglykämien können autonome Warnzeichen abgeschwächt sein oder vollständig fehlen. Ein unauffälliger körperlicher Untersuchungsbefund außerhalb einer hypoglykämischen Episode schließt einen Hyperinsulinismus nicht aus.

Red Flags (Warnzeichen) bei Hyperinsulinismus

  • Akute Bewusstseinsstörung, Stupor oder Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfall
  • Akut aufgetretenes fokal-neurologisches Defizit
  • Ausgeprägte Verhaltensänderung oder Desorientierung als Hinweis auf schwere Neuroglykopenie
  • Rezidivierende oder prolongierte (lang anhaltende) Hypoglykämien, insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen, wegen des Risikos einer hypoglykämischen Hirnschädigung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.