Einleitung
Lipoprotein (a)-Erhöhung (Hyperlipoproteinämie)

Hyperlipoproteinämien bezeichnen Krankheiten, bei denen die Lipide in der Nüchtern-Serumuntersuchung erhöht sind.
Dyslipoproteinämien bezeichnen Krankheiten, bei denen die Lipoproteinfraktionen im Blutserum in der Nüchtern-Serumuntersuchung in einem gestörten Verhältnis (besonders das Missverhältnis von HDL zu LDL) vorliegen.

Die Lipide sind immer an Lipoproteine (Komplex aus Proteinen (Apolipoproteine) und Lipiden) gebunden, da sie im Blut nicht löslich sind. 

Das Lipoprotein (a) (Lp(a)) besteht aus einem cholesterinreichen LDL-Cholesterin-Partikel verbunden mit einem zusätzlichen Glykoprotein, dem Apolipoprotein(a), das an das Apolipoprotein B100 gebunden ist [1].

Zu den Hyperlipoproteinämien bzw. Dyslipoproteinämien zählen:

  • reine LDL-Erhöhung
  • isolierte HDL-Erniedrigung
  • Hypertriglyzeridämie
  • Lipoprotein (a)-Erhöhung (Synonyme: Hyperlipoproteinämie – Lipoprotein(a)-Erhöhung; Lipoprotein (a); Lipoprotein (a)-Erhöhung; Lipoproteinämie – Lipoprotein (a); ICD-10 #LD24: Hyperlipoproteinämie – Lipoprotein (a)), d. h. Lipoprotein (a) > 30 mg/dl, die nachfolgend beschrieben wird

Die Lipoproteine sind für die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung und den Transport zwischen den Geweben und der Leber verantwortlich und werden wie folgt unterteilt:

Lipoprotein-Hauptklassen Aufgabe Bestandteile
Chylomikronen Transport der Triglyceride vom Darm zum Muskel Triglyceride ↑
Cholesterin ↓
VLDL Transport der Triglyceride und Cholesterin von der Leber zu anderen Geweben Triglyceride ↑
Cholesterin ↓
IDL Abbauprodukt der VLDL, weiterer Umbau zum LDL Triglyceride ↑
Cholesterin ↓
LDL Transport von im Körper gebildetem Cholesterin zu den Geweben Triglyceride ↓
Cholesterin ↑
HDL Transport des Cholesterins von den Geweben zur Leber (reverser Cholesterintransport, RCT) mit dem Ziel der Exkretion des Cholesterins; diese geschieht entweder direkt oder nach Umbau zu Gallensäuren Triglyceride ↓
Cholesterin ↑
Lp(a) Besteht unter anderem aus einer LDL-Komponente; hat Einfluss auf mehrere Systeme wie beispielsweise die Blutgerinnung Triglyceride ↓
Cholesterin ↑

Legende

  • VLDL: very low density lipoproteins (Lipoprotein mit sehr geringer Dichte)
  • IDL: intermediate density lipoproteins (Lipoprotein mit mittlerer Dichte)
  • LDL: low density lipoproteins (Lipoprotein mit geringer Dichte) – wird im Volksmund auch "schlechtes Cholesterin" genannt
  • HDL: high density lipoproteins (Lipoprotein mit hoher Dichte) – wird im Volksmund auch "gutes Cholesterin" genannt
  • Lp(a): Lipoprotein (a)

Lipoprotein (a) ist ein Komplex aus Proteinen/Eiweiß (Apolipoproteine) und Lipiden/Fetten, das mit dem LDL (Low Density Lipoprotein), das heißt dem "schlechten Cholesterin" verwandt ist und zu einem großen Teil Bestandteil des LDL-Cholesterins ist. Es besitzt zudem eine große Ähnlichkeit mit der Struktur des Plasminogens.
Lipoprotein (a) wird in der Leber hergestellt. Wie viel Lipoprotein (a) die Leber produziert, ist genetisch bedingt und die Menge bleibt ein Leben lang relativ konstant:
Da der Lipoprotein (a) Wert beim Mann mit zunehmendem Lebensalter nur unwesentlich ansteigt, ist eine Laboruntersuchung dieses Wertes nur einmal im Leben erforderlich. Bei der Frau hingegen sollte die Untersuchung sowohl vor als auch nach der Menopause durchgeführt werden, da der Lipoprotein (a)-Spiegel in der Menopause bedeutend ansteigt.

In der Blutgerinnung übernimmt das Lipoprotein (a) die Rolle eines Gegenspielers von Plasminogen – die inaktive Enzymvorstufe des Plasmin –, welches Fibringerinnsel (Blutgerinnsel) auflöst. Lipoprotein (a) verdrängt das Plasminogen von seinen Bindungsstellen an den Endothelzellen (Gefäßwänden) und dem Fibrin, sodass die Fibrinolyse (Fibrinspaltung) gehemmt wird und das Cholesterin-haltige Lipoprotein(a) sich an den Gefäßwänden ablagern kann. Lipoprotein (a) hat somit sowohl eine thrombogene (Thrombus-fördernde) als auch eine arteriogene (Atherosklerose-fördernde) Wirkung.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei Schwarzen deutlich höher als bei Weißen.
Ca. 18 % der Europäer haben eine genetische Belastung des LPA-Gens (s. u. "Ursachen"). Südeuropäer sind häufiger betroffen als Nordeuropäer (Lp(a)-Spiegel: Median10,9 mg/dl; 4,9 mg/dl) [2].

Verlauf und Prognose: Erhöhte Lipoprotein(a)-Spiegel sind mit einem steigenden Risiko für einen Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und einen Apoplex (Schlaganfall) assoziiert. Lipoprotein (a) wirkt sowohl atherogen (eine Atherosklerose (Arteriosklerose/Arterienverkalkung fördernd) als auch thrombogen (Bildung eines Thrombus (Blutgerinnsels) fördernd). Besonders in Kombination mit erhöhtem LDL-Cholesterin und erniedrigtem HDL-Cholesterin ist ein erhöhtes Lipoprotein (a) als atherogener Risikofaktor einzuschätzen.

Literatur

  1. Koschinsky ML Marcovina SM: Structure-function relationships in apolipoprotein(a): insights into lipoprotein(a) assembly and pathogenicity. Curr Opin Lipidol 2004(15):167-74.
  2. Waldeyer C, Makarova N, Zeller T: Lipoprotein(a) and the risk of cardiovascular disease in the European population: results from the BiomarCaRE consortium. European Heart Journal (2017) 00, 1-9. doi:10.1093/eurheartj/ehx166

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Hyperlipidämien bei Kindern und Jugendlichen, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 027 - 068), September 2015 Langfassung
  2. Task Force Members: Piepoli FM, Hoes AW, Agewall S et al. 2016 European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice: The Sixth Joint Task Force of the European Society of Cardiology and Other Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice (constituted by representatives of 10 societies and by invited experts) Developed with the special contribution of the European Association for Cardiovascular Prevention & Rehabilitation (EACPR). Eur Heart J. 2016 Aug 1,37(29):2315-81. doi: 10.1093/eurheartj/ehw106. Epub 2016 May 23.

     
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