Liposomales Augenspray

Beim liposomalen Augenspray handelt es sich um ein Medikament aus dem Bereich der Ophthalmologie (Augenheilkunde) zur Behandlung eines trockenen Auges. Die Wirkungsweise des Sprays beruht auf der Erkenntnis, dass mehr als 80 % der Personen, die über das Symptom "Trockene Augen" klagen, keinen Mangel an Tränenflüssigkeit haben, sondern vielmehr eine Störung der Lipidschicht als auslösender Faktor zu nennen ist. Durch die Anwendung des liposomalen Augensprays kann sowohl eine Stabilisation des Tränenfilms als auch eine Regulation der Befeuchtung der Korneaoberfläche (Hornhautoberfläche) erreicht werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Keratoconjunctivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges; Benetzungsstörung der Bindehaut und Kornea auf Grund einer Störung eines oder mehrerer Anteile des Tränenfilms)
  • Sjögren-Syndrom (Gruppe der Sicca-Syndrome) – Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch entzündlichen Erkrankung der exokrinen Drüsen, am häufigsten der Speichel- und Tränendrüsen, führt; typische Folgeerkrankung ist u. a. Keratokonjunktivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) aufgrund fehlender Benetzung von Horn- und Bindehaut mit Tränenflüssigkeit
  • Office-Eye-Syndrom (eine Beschäftigung am PC kann mit einer Austrocknung des Tränenfilms einhergehen, da die Lidschlagfrequenz im Vergleich zu bildschirmunabhängigen Tätigkeiten um bis zu 90 % gesenkt ist)
  • Umweltbelastungen (Abgase, Düngemittel aus der Landwirtschaft etc.)
  • niedriger Luftfeuchtigkeit (Klimaanlagen im Auto, Büro und Flugzeug (10-15 % relative Luftfeuchtigkeit); Fußbodenheizung, Nachtspeicherofen (circa 20 % relative Luftfeuchtigkeit); die normale Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40-60 %.
  • hormonellen Umstellungen in der Menopause (Zeitpunkt der letzten spontanen Menstruation der Frau)
  • Medikamente (Betablocker, Psychopharmaka, Schlafmittel etc.)

Kontraindikationen

  • Keine

Das Verfahren

Das Prinzip des liposomalen Augensprays beruht auf der Erkenntnis, dass auf Grund einer Störung im Aufbau des Liposomen enthaltenden Tränenfilms zum Auftreten des Symptomes "Trockenes Auge" kommen kann.

Die Liposomen selbst bestehen aus mikroskopisch kleinen Fettmolekülen, die in ihrem inneren Wasservakuolen (Wassereinlagerungen) enthalten. Diese Phospholipide (oberflächenaktive Fettmoleküle) werden als therapeutisch wirksames Medikament genutzt, um eine Korrektur der Lipidschicht des Auges vorzunehmen. Die Lipidschicht selbst ist eine hauchdünne Schicht, die dem Schutz des darunter liegenden wässrigen Anteils des Tränenfilms dient. Entfällt dieser Schutz als Resultat beispielsweise einer genetischen Disposition, so ist eine Austrocknung des Tränenfilms möglich, da die Verdunstung der Flüssigkeit nicht verhindert werden kann.

Zur Applikation (Verwendung) des liposomalen Augensprays:

  • der Patient schließt die Augen, sodass die Lipidschicht zwischen den Augenlidern komprimiert wird
  • im Anschluss sprüht der Patient das Augenspray im Abstand von 10 bis 20 cm auf das geschlossene Auge, was einen direkten Kontakt der Substanz mit dem Tränenfilm zunächst verhindert
  • Nach Applikation des Sprays können nun die Liposomen an den Lidrand gelangen und von dort die Lipidschicht des Tränenfilms für wenige Stunden (in der Regel bis zu vier Stunden) korrigieren

Der Effekt dieser Medikation beruht auf der Bereitstellung des Lipidanteils des Tränenfilms, welcher physiologisch von den Meibom-Drüsen produziert wird. Neben der Verhinderung des Verdunstungseffektes wird durch den Lipidfilm die Oberflächenspannung erhöht. Die Kombination aus der hydrophoben Eigenschaft (wasserabweisend) der Lipidschicht und der erhöhten Oberflächenspannung kann so effektiv auch eine Tröpfcheninfektion verhindern. Auf Grund dessen wird durch Verwendung des liposomalen Augensprays nicht nur eine Verdunstung des wässrigen Anteils des Tränenfilms erreicht, sondern gleichzeitig auch effektiv das Risiko für eine Infektion an der Kornea vermindert. Als weitere Eigenschaften des wässrigen Anteils des Tränenfilms sind außerdem auch die Ernährungsfunktion der Kornea und die Sauerstoffversorgung des Gewebes zu nennen. Der bereits genannte Effekt der Infektionsverhinderung wird noch durch Proteine (Eiweiß) im Tränenfilm verstärkt, da diese antibakteriell und immunmodulierend (die Abwehrantwort des Körpers fördernd) wirken. Hervorzuheben wären hier das Enzym (aktives Protein) Lysozym und die Substanz NLAF (nicht-lysozymaler antibakterieller Faktor).

Mögliche Komplikationen

  • Keine

Ihr Nutzen

Durch die zugeführten Phospholipide in Form des Sprays besteht für den Patienten die Möglichkeit, über einen normalen Verdunstungs- und Infektionsschutz für das Auge zu verfügen. Eine Mehrheit der Patienten gibt nach Applikation des Sprays ein deutlich besseres subjektives Befinden an. Des Weiteren beeinträchtigt die Verwendung des Medikamentes nicht die Sehleistung.

Literatur

  1. Grehn A: Augenheilkunde. Springer Verlag 2008
  2. Marx K: Komplementäre Augenheilkunde: Ein Handbuch für die Praxis. Hippokrates Verlag 2005
  3. Heiligenhaus A, Koch JM, Kruse FE, Schwarz C, Wabke TN: Diagnostik und Differenzierung von Benetzungsstörungen. Augenabteilung St. Granziskus Hospital Münster
  4. Lee S, Dausch S, Maierhofer G, Dausch D: Ein neues Therapiekonzept zur Behandlung des Trockenen Auges – die Verwendung von Phospholipid-Liposomen. Klin Monatsbl Augenheilkd. 2004. 221: 825-836

     
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