Differentialdiagnosen
Zöliakie

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  • Nahrungsmittelallergie bzw. Nahrungsmittelintoleranzen
    • FOODMAP-Intoleranz: Abkürzung für "fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols" (dt. "Fermentierbare Oligosaccharide (Fruktane und Galaktane), Disaccharide (Lactose) und Monosaccharide (Fructose) (AND) sowie Polyole" (= Zuckeralkohole, wie Maltit, Sorbit etc.)); FODMAP's sind z. B. Weizen, Roggen, Knoblauch, Zwiebel, Milch, Honig, Apfel, Birne, Pilze, Salicylat; beim Fermentieren entstehen Gase und die Bindung von Wasser kann eine abführende Wirkung haben.
      Beachte: Gemäß einer Studie sorgt eine langsamere Brotbereitung im traditionellen Bäckerhandwerk dafür, dass die Beschwerden verursachenden Bestandteile im Brot bis zum Backen bereits abgebaut sind [3].

    • Fructoseintoleranz
    • Glutensensitivität (Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Nicht-Weizensensitivität) [2]  nicht-allergischer und nicht-autoimmuner Zustand, bei welchem der Verzehr von Gluten zu Zöliakie-ähnlichen Symptomen führen kann
      • Zeitraum bis zum Beginn von Symptomen: variable, Stunden bis Tage
      • Klinisches Bild: Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen), Meteorismus (Blähungen), Diarrhoe (Durchfall)/Nausea(Übelkeit), ggf. auch Kopfschmerzen, vernebelte Sinne (foggy mind), Müdigkeit, Myalgie (Muskelschmerzen), Exanthem (Hautausschläge) und neurologische Symptome
        Diagnosestellung; mind.sechs Wochen glutenhaltige Normalkost, dann weitere sechs Wochen glutenfreie Diät; 
        • Keine Besserung der Symptome: eine Glutensensitivität kann ausgeschlossen werden
        • Rückgang der Beschwerden: zur Bestätigung der Diagnose ist ein doppelblind-placebo-kontrollierter Provokationstest erforderlich: 
          • glutenfreie Kost und für eine Woche täglich 8 mg Gluten in einer Kapsel oder Placebo; nach einwöchiger Auswaschphase für eine weitere Woche im Crossover-Design (dieselben Probanden erhalten das Prüfpräparat und das Kontrollpräparat nacheinander verabreicht) wiederum Placebo oder Gluten.
            Positiver Test: Reduktion der Symptome um mindestens 30 Prozent unter Placebo- im Vergleich zur Gluten-Provokation
      • Labordiagnostik: Bestimmung von Gliadin-Antikörper; Hauttest: nein
    • Histaminintoleranz
    • Lactoseintoleranz
    • Proteinintoleranz (z. B. Kuhmilch, Soja)
    • Weizensensitivität (Synonym: Non-Celiac-Gluten Sensitivity, NCGS) – Ursache sind Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs), die in Weizen, Gerste und Roggen vorkommen; eine glutenfreie Ernährung führt zugleich zu einer Vermeidung von ATIs und damit in ca. 90 % der Fälle zu einem Verschwinden der Symptome
    • Weizenallergie

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Pseudomembranöse Enterokolitis/Pseudomembranöse Kolitis − Dickdarmschleimhautentzündung, die meist nach Einnahme von Antibiotika auftritt; Ursache ist eine Überwucherung des Darmes mit dem Bakterium Clostridium difficile

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Aids-Enteropathie – Darmerkrankung auf Grundlage von AIDS
  • Appendicitis (Blinddarmentzündung)
  • Autoimmune Enteropathie – autoimmune Darmerkrankung
  • Colitis indeterminata − Erkrankung, die eine Kombination von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn darstellt
  • Colitis ulcerosa − chronisch entzündliche Darmerkrankung
  • Diversionscolitis − nach operativer Stilllegung von Darmabschnitten auftretende Erkrankung
  • Divertikulitis − Entzündung von Divertikeln (Ausstülpungen von Schleimhaut durch Muskellücken in der Darmwand)
  • Infektiöse Colitis − Darmentzündung, ausgelöst durch Bakterien (wie beispielsweise Salmonellen), Viren oder Parasiten
  • Ischämische Colitis − Darmentzündung durch Minderversorgung des Darms mit Nährstoffen und Sauerstoff
  • Mikroskopische Kolitis oder mikroskopische Colitis (Synonyme: kollagene Kolitis; Kollagenkolitis, Kollagencolitis) – chronische, etwas atypisch ablaufende Entzündung der Schleimhaut des Kolons (Dickdarm), deren Ursache unklar ist und die klinisch mit heftiger wässriger Diarrhoe (Durchfall) einhergeht/4-5-mal täglich, auch nachts; einige Patienten leiden dazu unter Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen); 75-80 % sind Frauen/ Frauen > 50 Jahre; die korrekte Diagnose ist nur mit Koloskopie (Darmspiegelung) und Stufenbiopsien (Entnahme von Gewebeproben in den einzelnen Dickdarmabschnitten), d. h. durch eine histologische (feingewebliche) Untersuchung zu stellen
  • Morbus Crohn − chronisch entzündliche Darmerkrankung
  • Morbus Whipple (Synonyme: Whipple-Krankheit, intestinale Lipodystrophie; engl.: Whipplés disease) – seltene systemische Infektionskrankheit; ausgelöst durch das grampositive Stäbchenbakterium Tropheryma whippelii (aus der Gruppe der Aktinomyzeten), das neben dem obligat betroffenen Darmsystem verschiedene andere Organsysteme befallen kann und eine chronisch-rezidivierende Erkrankung ist; Symptome: Fieber, Arthralgie (Gelenkschmerzen), Störungen der Gehirnfunktion, Gewichtsverlust, Diarrhoe (Durchfall), Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen) u.v.m.
  • Reizdarmsyndrom (Colon irritable) – hohe Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von fast 40 % (95 %-Konfidenzintervall: 27-50 %) für das gleichzeitige Vorliegen eines Reizdarmsyndroms bei Patienten mit einer Zöliakie [1]
  • Rektumulkus (Mastdarmgeschwür)
  • Strahlencolitis − Dickdarmentzündung, die nach Bestrahlungen, vor allem im Rahmen einer Krebstherapie, auftreten kann
  • Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)
  • Ulcus ventriculi (Magengeschwür)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Morbus Behçet (Synonym: Morbus Adamantiades-Behçet; Behçet-Krankheit; Behçet-Aphthen) – Multisystemerkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, die mit einer rezidivierenden, chronischen Vaskulitis (Gefäßentzündung) der kleinen und großen Arterien sowie mit Schleimhautentzündungen einhergeht; als typisch für die Erkrankung wird in der Literatur die Trias (das Auftreten von drei Symptomen) aus Aphthen (schmerzhafte, erosive Schleimhautveränderungen) im Mund und aphthösen Genitalulzera (Geschwüre in der Genitalregion) sowie einer Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut, die aus der Aderhaut (Choroidea), dem Strahlenkörper (Corpus ciliare) und der Regenbogenhaut (Iris) besteht) angegeben; man vermutet einen Defekt der zellulären Immunität

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP; Synonym: Familiäre Polyposis) – ist eine autosomal-dominant vererbbare Erkrankung. Diese führt zum Auftreten einer Vielzahl (> 100 bis tausende) kolorektaler Adenome (Polypen). Die Wahrscheinlichkeit der malignen (bösartigen) Entartung liegt bei nahezu 100 % (durchschnittlich ab dem 40. Lebensjahr).
  • Kolonkarzinom (Darmkrebs)
  • Lymphom − bösartige Erkrankung, die ihren Ursprung im lymphatischen System hat 

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Extrauteringravidität – Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter; bei ca. 1 bis 2 % aller Schwangerschaften liegt eine Extrauteringravidität vor: Tubargravidität (Eileiterschwangerschaft), Ovarialgravidität (Schwangerschaft im Eierstock), Peritonealgravidität oder Abdominalgravidität (Bauchhöhlenschwangerschaft), Cervixgravidität (Schwangerschaft im Gebärmutterhals)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adnexitis – Entzündung der sogenannten Adnexe (dt.: Anhangsgebilde)
  • Uretersteine (Harnleitersteine)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Mechanische Verletzungen, nicht näher bezeichnet
  • Strahlenenteritis – Entzündung des Darmes, die durch Bestrahlung (Radiotherapie) am Abdomen (Bauch)oder Becken aufgrund eines Tumorleidens verursacht wurde

Medikamente

  • Olmesartan (Angiotension-II-Rezeptor-Antagonisten; zählen zu den Antihypertensiva/Blutdruck-senkende Medikamente) → Zöliakie-ähnliche Enteropathie (Darmerkrankung) mit Diarrhöen (Durchfälle) mit oder ohne Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust

Literatur

  1. Husby S et al (2012) European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition guidelines for the diagnosis of coeliac disease. J Pediatr Gastroenterol Nutr 54:136-160. doi:10.1097/MPG.0b013e31821a23d0
  2. Di Sabatino A, Volta U, Salvatore C et al.: Small amounts of gluten in subjects with suspected nonceliac gluten sensitivity: A randomized, double-blind, placebo-controlled, cross-over trial. Clin Gastroenterol Hepatol. 2015 Sep;13(9):1604-12.e3. doi: 10.1016/j.cgh.2015.01.029
  3. Ziegler JU et al.: Wheat and the irritable bowel syndrome – FODMAP levels of modern and ancient species and their retention during bread making. Journal of Functional Foods Volume 25, August 2016, Pages 257-266 http://dx.doi.org/10.1016/j.jff.2016.05.019
     
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