Weitere Therapie
Stuhlinkontinenz

Allgemeine Maßnahmen

  • Führen eines Stuhltagebuches zur Aufdeckung auslösender Faktoren (Lactose-/Fructose-/Sorbiteintoleranz)
  • Toilettentraining: 
    • Die zur Verfügung stehende Vorwarnzeit einschätzen können, um rechtzeitig zur Toilette zu gehen.
    • "Toilette nach der Uhr": Ausnutzen des "gastrokolischen Reflexes", ausgelöst durch die Aufnahme einer Mahlzeit oder eines warmen Getränks, der einen Defäkationsreiz bewirkt.
  • Analhygiene nach Toilettengang in folgenden Schritten:
    • grobe Säuberung mit unbehandeltem Toilettenpapier (gefärbtes Toilettenpapier enthält Farbstoffe, die möglicherweise zu einer Allergie führen können)
    • sorgfältige Reinigung mit angenehm temperiertem Wasser ohne Verwendung von Seife (über einem Bidet bzw. unter der Dusche; für unterwegs Verwendung von Einmalwaschlappen für Babys)
    • Abtrocknen
    Achtung! Keine Verwendung von Feuchttüchern (enthälten Konservierungsstoffe und oft auch Duftstoffe). Diese können, trotz dermatologischer Testung, Substanzen enthalten, die bei längerem Gebrauch zu einem Kontaktekzem führen können.
  • Bei Störungen der Entleerung:
    • Inkomplette Entleerung: Klysmen sowie Bisacody und/oder Lecicarbon-CO2-Zäpfchen zu definierten Zeiten
    • Überlaufinkontinenz (ungewollter Abgang von Stuhl bei Überfüllung der Mastdarms): Vollständige Darmentleerung erforderlich, bevor andere Maßnahmen helfen
  • Bei unvollständiger Entleerung, Prolaps (Vorfall) oder Überlaufinkontinenz sollte vorrangig ein Toilettentraining eingesetzt werden.

Medikamentöse Maßnahmen

  • Kausale medikamentöse Therapie bei ursächlicher Grunderkrankung (z. B. chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen)
  • Flohsamen (Psyllium)/Flohsamenschalen: Quellmittel und Stuhlweichmacher (Quellzahl > 40; bindet mehr als das 40-fache ihres eigenen Volumens an Wasser):
    • dickt durchfallartigen, wässrigen Stuhl an → Stuhlkonsistenz wird fester
    • macht harten Stuhl voluminöser und weicher → Anregung der Darmperistaltik, Stuhl wird weicher/erleichterte Defäkation (Stuhlentleerung)
    Flohsamenschalen wirken somit bei Diarrhoe (Durchfall) und Obstipation (Verstopfung) kontinenzfördernd.
  • Unspezifische medikamentöse Maßnahmen, die im Wesentlichen der Verlangsamung der Darmpassage und der vermehrten Flüssigkeitsresorption dienen:
    • Opioid Loperamid (3 bis 4 x 2-4 mg/Tag)
    • Kombination aus Diphenoxylat/Atropin

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Darmschrittmacher oder das sakrale Nervenstimulationssystem (SNS): Dabei werden über eine oder mehrere Stimulationssonden, über elektrische Impulse die Nerven des Beckenbodens aktiviert. Das Verfahren kann die Kontinenzleistung ganz oder teilweise wiederhergestellen.
    Vor einer definitiven Implantation des Systems muss der Effekt vorab im Rahmen einer Testsimulation (Dauer: 2 - 4 Wochen) verifiziert werden. Dazu wird in dieser Zeit ein Stuhlprotokoll geführt.
    Indikationen: idiopathische und therapieresistente Stuhlinkontinenzen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • ausgewogene Zufuhr von Flüssigkeit und Ballaststoffen; ergänzend können folgende Ballaststoffe eingenommen werden:
      • Weizenkleie
      • Plantogosamen
      • Psyllium (Flohsamenschalen)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)"Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns.

Sportmedizin

  • Leichtes Ausdauertraining (Cardiotraining)
  • Körperliche Aktivität beugt Bewegungsmangel vor und dient damit u. a. der Prävention einer Obstipation, die wiederum den intraluminaler Druck (Darminnendruck) erhöhen würde.
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Gezieltes Muskeltraining zur Stabilisierung des Beckenboden- und Sphinkterapparates. Folgende Phasen werden dabei unterschieden:
    • Aufbau der gezielten Wahrnehmung
    • isoliertes Muskelanspannen und -entspannen
    Üben unter modulierter Belastung sowie allmähliche Integration in den alltäglichen Ablauf.

Komplementäre Behandlungsmethoden

Die Kombination der beiden nachfolgenden Verfahren ist empfehlenswert:

  • Biofeedbacktraining – Messung der Aktivität des M. shincter ani externus mittels eines analen EMG-Sensors und optischer bzw. akustischer Signalrückmeldung (Elektromyographie-getriggertes Biofeedback (EMG-BF)-Training). Dieses soll die Wahrnehmung rektaler Dehnungsreise verbessern und zur Steigerung der Kontraktionskraft des Analsphinkters (Schließmuskels) beitragen.
  • Elektrostimulation* (mittelfrequente anale Elektrostimulation, LFS) – der Patient spürt darunter die passive Muskelkontraktion. Dieses führt zu einer bewussten Wahrnehmung derselben und verbessert das Verständnis für eine gezielte Muskelarbeit; die Methode sollte des Weiteren kombiniert werden mit einem gezielten Muskeltraining

*Die LFS ist als alleinige Therapie unzureichend!

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300, E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V.
    Friedrich-Ebert-Straße 124, 34119 Kassel
    Telefon: (05 61) 78 06 04, Telefax: (05 61) 77 67 70, E-Mail: info@kontinenz-gesellschaft.de, Internet: www.kontinenz-gesellschaft.de

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