Divertikelkrankheit – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verbesserung der Symptomatik (Beschwerden), insbesondere Schmerzlinderung
- Ausheilung der akuten Entzündung und Infektion
- Vermeidung von Abszess (Eiteransammlung), Perforation (Durchbruch der Darmwand), Peritonitis (Bauchfellentzündung), Sepsis (lebensbedrohliche Fehlreaktion des Körpers auf eine Infektion) und weiteren Komplikationen
- Vermeidung nicht indizierter Antibiotikatherapien und Operationen
Therapieempfehlungen
Die Therapie richtet sich nach der Classification of Diverticular Disease (CDD), dem klinischen Schweregrad, der Bildgebung, den Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), einer möglichen Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und der zuverlässigen Möglichkeit zur Verlaufskontrolle [LL1-LL3].
Allgemeine Grundsätze
- Ernährung: Eine routinemäßige Nahrungskarenz (vorübergehender Verzicht auf Nahrung) ist nicht erforderlich. Die orale Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr soll situationsadaptiert erfolgen. Bei unzureichender oraler Flüssigkeitsaufnahme ist eine parenterale Flüssigkeitssubstitution angezeigt [LL1].
- Analgesie (Schmerzbehandlung): Zur symptomatischen Therapie können Paracetamol und bei stärkeren Schmerzen Metamizol eingesetzt werden. Metamizol ist wegen des Risikos einer Agranulozytose (starker Mangel bestimmter weißer Blutkörperchen) nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie erforderlich anzuwenden [B2, FI1, FI2].
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Insbesondere eine regelmäßige Anwendung sollte möglichst vermieden werden. NSAR sind mit einem erhöhten Risiko für Divertikelblutung (Blutung aus Ausstülpungen der Darmwand), Abszess und Perforation assoziiert [9, 10, LL1-LL3]. Medizinisch indizierte Acetylsalicylsäure zur kardiovaskulären Sekundärprävention (Vorbeugung weiterer Herz-Kreislauf-Ereignisse) darf nicht ohne individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung abgesetzt werden.
- Opioide: Wegen Obstipation (Verstopfung), Motilitätshemmung (Hemmung der Darmbewegung) und der beobachteten Assoziation mit Divertikelperforationen sollen Opioide nur bei zwingender Indikation, möglichst kurzzeitig und unter klinischer Überwachung eingesetzt werden [10, LL1].
- Anticholinergika: Für Parasympatholytika wie Butylscopolamin besteht keine belastbare Evidenz für einen krankheitsmodifizierenden Nutzen. Eine routinemäßige Anwendung wird nicht empfohlen; bei Ileusverdacht (Verdacht auf Darmverschluss) sind motilitätshemmende Arzneimittel zu vermeiden.
- Verlaufskontrolle: Bei ambulanter Behandlung ist eine engmaschige klinische Kontrolle erforderlich. Eine klinische und laborchemische Reevaluation sollte spätestens nach 48 Stunden erfolgen; bei Verschlechterung unverzüglich früher [LL1, LL2].
Akute unkomplizierte Divertikelkrankheit (Erkrankung durch Ausstülpungen der Darmwand) bzw. Divertikulitis (Entzündung dieser Ausstülpungen) (CDD Typ 1a und Typ 1b)
- Primär konservatives Vorgehen: Die akute unkomplizierte Divertikelkrankheit bzw. Divertikulitis wird primär konservativ behandelt [LL1-LL3].
- Ambulante Behandlung: Sie ist bei gesicherter unkomplizierter Erkrankung möglich, wenn der Patient hämodynamisch stabil (mit stabilem Kreislauf) und immunkompetent (mit normal funktionierendem Immunsystem) ist, keine Zeichen einer schweren systemischen Erkrankung (schwere Erkrankung des gesamten Körpers) aufweist, oral Flüssigkeit und Medikamente aufnehmen kann und eine zuverlässige engmaschige Nachbeobachtung gewährleistet ist [LL1, LL2].
- Keine routinemäßige Antibiotikatherapie: Bei akuter unkomplizierter linksseitiger Divertikulitis ohne Risikoindikatoren kann unter engmaschiger klinischer Kontrolle auf Antibiotika verzichtet werden. Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigten bei sorgfältig ausgewählten Patienten keinen klinisch relevanten Vorteil einer routinemäßigen Antibiotikagabe [1-4, LL1-LL3].
- Rechtsseitige Divertikulitis: Sie wird nach denselben Therapieprinzipien behandelt wie die linksseitige Divertikulitis [LL1].
- Indikation zur Antibiotikatherapie: Antibiotika sollen bei komplizierter Divertikulitis und sollen bzw. sollten bei unkomplizierter Divertikulitis mit relevanten Risikoindikatoren eingesetzt werden. Hierzu zählen insbesondere Immunsuppression, ausgeprägte Gebrechlichkeit, erhebliche Komorbidität, schlechter Allgemeinzustand, Sepsis oder hohes Fieber, Peritonismus (Zeichen einer Bauchfellreizung), deutlich erhöhtes C-reaktives Protein (CRP), ausgeprägte Leukozytose, fehlende orale Aufnahmefähigkeit, klinische Verschlechterung, risikoreiche Bildgebungsbefunde sowie eine nicht gesicherte Nachbetreuung [LL1, LL2]. Eine isolierte Fiebergrenze von 39 °C ist für die Entscheidung nicht ausreichend.
- Applikationsweg und Dauer: Bei stabilen ambulanten Patienten ist eine orale Therapie möglich. Bei systemischer Erkrankung, fehlender oraler Aufnahmefähigkeit oder kompliziertem Verlauf ist initial eine intravenöse Therapie angezeigt. Bei klinischem Ansprechen beträgt die Behandlungsdauer in der Regel 4-7 Tage; längere Therapien bedürfen einer individuellen Begründung [LL1, LL2].
- Mesalazin: Bei CDD Typ 1a kann ein zeitlich begrenzter Therapieversuch zur Symptomlinderung erwogen werden; die Anwendung ist in Deutschland nicht zugelassen. Bei bildgebend gesicherter akuter unkomplizierter Divertikulitis mit Umgebungsreaktion (CDD Typ 1b) soll Mesalazin nicht eingesetzt werden [7, LL1].
- Rifaximin und Probiotika: Eine Therapie der akuten unkomplizierten Divertikelkrankheit bzw. Divertikulitis mit Rifaximin oder Probiotika wird nicht empfohlen [LL1].
Akute komplizierte Divertikulitis (CDD Typ 2a bis Typ 2c)
- Stationäre Behandlung: Patienten mit komplizierter Divertikulitis sollen stationär behandelt, engmaschig überwacht und frühzeitig interdisziplinär chirurgisch mitbeurteilt werden [LL1].
- Antibiotikatherapie: Es ist eine empirische Antibiotikatherapie mit Wirksamkeit gegen gramnegative Enterobakterien (bestimmte Darmbakterien) und obligate Anaerobier (Bakterien, die nur ohne Sauerstoff wachsen) erforderlich. Auswahl und Applikationsweg richten sich nach Schweregrad, Organfunktion, Allergien, vorausgegangener Antibiotikatherapie, Besiedlung mit multiresistenten Erregern (gegen viele Antibiotika widerstandsfähige Krankheitserreger) und lokaler Resistenzlage. Bei Sepsis oder Verdacht auf Bakteriämie (Bakterien im Blut) sollen Blutkulturen vor Beginn der Antibiotikatherapie abgenommen werden, sofern dadurch der Therapiebeginn nicht relevant verzögert wird [LL1].
- Mikroabszess (kleine Eiteransammlung) (CDD Typ 2a): Bei einem Abszess bis etwa 3 cm erfolgt eine stationäre antibiotische Behandlung. Nach erfolgreicher konservativer Therapie besteht allein aufgrund des Mikroabszesses keine Indikation zur elektiven Operation [LL1].
- Makroabszess (größere Eiteransammlung) (CDD Typ 2b): Bei einem Abszess über etwa 3 cm sind eine stationäre antibiotische Therapie, chirurgische Mitbeurteilung und bei geeigneter Lage eine sonographisch oder computertomographisch gesteuerte Drainage zu erwägen [LL1].
- Freie Perforation mit Peritonitis (CDD Typ 2c): Es besteht eine Indikation zur Notfalloperation, nach deutscher S3-Leitlinie innerhalb von 6 Stunden nach Diagnosestellung, mit sofortiger Breitspektrumantibiotikatherapie und hämodynamischer Stabilisierung [LL1].
- Therapiedauer: Bei klinischem Ansprechen werden im Allgemeinen 4-7 Tage empfohlen. Nach adäquater Herdsanierung (Beseitigung des Infektionsherdes) ist eine feste Kurzzeittherapie von etwa 4 Tagen einer längeren Therapie nicht unterlegen. Persistierende Entzündungs- oder Sepsiszeichen erfordern primär die Suche nach einer unzureichenden Herdkontrolle oder einer anderen Komplikation statt einer unkritischen Verlängerung der Antibiotikatherapie [12, LL1].
Chronische unkomplizierte Divertikelkrankheit und Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines Wiederauftretens)
- Chronische unkomplizierte Divertikelkrankheit bzw. symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (CDD Typ 3a): Eine intermittierende Mesalazintherapie kann im Einzelfall zur symptomatischen Verbesserung und zur Verminderung symptomatischer Episoden erwogen werden. Die Evidenz ist heterogen und von niedriger bis moderater Sicherheit; die Anwendung ist in Deutschland nicht zugelassen [7, LL1].
- Rifaximin: Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt Rifaximin weder zur Behandlung der chronischen unkomplizierten Divertikelkrankheit noch zur Sekundärprophylaxe (Vorbeugung eines erneuten Auftretens) der rezidivierenden Divertikulitis. Der internationale Fiesole-Konsens 2026 bewertet eine mögliche Symptomlinderung bei ausgewählten Patienten mit symptomatischer unkomplizierter Divertikelkrankheit zurückhaltend positiv. Wegen begrenzter Evidenz, fehlender Zulassung in Deutschland und Antibiotic-Stewardship-Aspekten ist eine routinemäßige Therapie nicht gerechtfertigt [LL1, LL3].
- Rezidivierende unkomplizierte Divertikulitis (CDD Typ 3b): Mesalazin soll und Rifaximin sollte nicht zur medikamentösen Sekundärprophylaxe eingesetzt werden. Eine ältere vergleichende Untersuchung berichtete zwar günstige Ergebnisse für einzelne medikamentöse Strategien [8]; große randomisierte Studien zeigen für Mesalazin jedoch keinen Schutz vor Divertikulitisrezidiven [5, 6, LL1, LL2].
- Probiotika: Probiotika werden zur Remissionserhaltung (Erhaltung der Beschwerdefreiheit) bei chronischer unkomplizierter Divertikelkrankheit und zur medikamentösen Sekundärprophylaxe nicht routinemäßig empfohlen [LL1, LL2].
- Segmentale Colitis bei Divertikulose: Eine segmentale Colitis bei Divertikulose (abschnittsweise Dickdarmentzündung bei Divertikeln) (SCAD) kann mit Mesalazin behandelt werden; belastbare kontrollierte Therapiestudien und ein validiertes krankheitsspezifisches Dosierungsschema fehlen [LL1].
Konservative versus operative Therapie
- CDD Typ 1: Nach erfolgreich behandelter akuter unkomplizierter Divertikulitis soll bei Beschwerdefreiheit keine elektive Sigmaresektion erfolgen. Bei persistierenden Beschwerden im Sinne einer „smoldering diverticulitis“ (anhaltende Entzündung trotz Behandlung) kann eine elektive Resektion nach erneuter diagnostischer Sicherung und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung die Lebensqualität verbessern [LL1, LL2].
- CDD Typ 2a: Nach erfolgreicher konservativer Therapie eines Mikroabszesses besteht keine regelhafte elektive Operationsindikation [LL1].
- CDD Typ 2b: Nach erfolgreich konservativ oder interventionell behandeltem Makroabszess kann eine Operation im entzündungsfreien Intervall angeboten werden; die Entscheidung ist anhand von Operationsrisiko, Rezidivrisiko, persistierenden Beschwerden und Patientenpräferenz zu individualisieren [LL1].
- CDD Typ 2c: Freie Perforation mit eitriger oder fäkaler Peritonitis erfordert die Notfalloperation [LL1].
- CDD Typ 3b: Die Operationsindikation darf nicht von der Zahl vorausgegangener Schübe abhängig gemacht werden. Maßgeblich sind insbesondere die Beeinträchtigung der Lebensqualität, persistierende Beschwerden, Komplikationsrisiko und Patientenpräferenz [LL1-LL3].
- CDD Typ 3c: Symptomatische Fisteln (krankhafte Verbindungsgänge) und klinisch relevante postdivertikulitische Stenosen (Verengungen nach einer Divertikulitis) sollen operativ behandelt werden [LL1].
Divertikelblutung und antithrombotische Therapie
- Thrombozytenaggregationshemmer: In einer großen retrospektiven Kohortenstudie waren Thrombozytenaggregationshemmer nach einer ersten Divertikelblutung mit einem erhöhten Risiko für eine Rezidivblutung (erneute Blutung) assoziiert (Hazard Ratio [HR]: 1,47; 95 %-Konfidenzintervall: 1,15-1,88) [11].
- Antikoagulanzien: In derselben Studie war eine bestehende Antikoagulation nicht mit einem erhöhten Risiko für eine zweite Divertikelblutung assoziiert (HR: 0,98; 95 %-Konfidenzintervall: 0,89-1,22). Das Absetzen einer zur Schlaganfallprophylaxe indizierten Antikoagulation nach der Blutung war dagegen mit einem erhöhten Risiko für einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt durch Gefäßverschluss) verbunden (HR: 1,93; 95 %-Konfidenzintervall: 1,17-3,19) [11].
- Konsequenz: Pausierung, Wiederaufnahme oder dauerhafte Änderung einer antithrombotischen Therapie müssen nach Blutstillung anhand der Blutungs- und Thromboembolierisiken (Risiken von Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel) individuell sowie interdisziplinär entschieden werden. Ein automatisches, dauerhaftes Absetzen ist nicht gerechtfertigt.
Beachte
- Bei zunehmenden Schmerzen, Abwehrspannung (harte Bauchdecke durch Muskelanspannung), Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf), anhaltendem Erbrechen, Sepsiszeichen, Ileusverdacht oder fehlender Besserung ist unverzüglich eine erneute klinische und bildgebende Beurteilung erforderlich.
- Immunsupprimierte Patienten können trotz geringer klinischer Entzündungszeichen komplizierte Verläufe entwickeln und sollen mit niedriger Schwelle stationär sowie antibiotisch behandelt werden [LL1, LL2].
- Notwendige Dauermedikationen mit Glucocorticoiden, Immunsuppressiva, Acetylsalicylsäure oder Antikoagulanzien dürfen nicht pauschal abgesetzt werden; erforderlich ist eine indikationsbezogene individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Nichtopioide Analgetika und Antipyretika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Paracetamol | Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen; Dosisreduktion bzw. Intervallverlängerung bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung (eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion), niedrigem Körpergewicht, Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Nährstoffen) oder chronischem Alkoholkonsum [FI1] |
| Metamizol | Nur bei starken Schmerzen bzw. wenn andere Maßnahmen nicht angezeigt sind; niedrigste wirksame Dosis und kürzestmögliche Dauer; Aufklärung über Frühsymptome einer Agranulozytose [B2, FI2] |
- Wirkweise: Paracetamol wirkt analgetisch (schmerzlindernd) und antipyretisch (fiebersenkend), jedoch kaum antiphlogistisch (entzündungshemmend). Metamizol wirkt analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch (krampflösend).
- Indikationen: Symptomatische Behandlung von Schmerzen; Metamizol nur bei starken Schmerzen oder hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht.
- Kontraindikationen: Paracetamol bei schwerer Leberfunktionsstörung; Metamizol insbesondere bei früherer Metamizol- oder Pyrazolon-induzierter Agranulozytose, Störungen der Knochenmarkfunktion oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems (blutbildendes System) sowie Überempfindlichkeit gegen Pyrazolone.
- Nebenwirkungen: Paracetamol bei Überdosierung schwere Hepatotoxizität (Leberschädigung); Metamizol insbesondere Agranulozytose, Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion), Hypotonie (niedriger Blutdruck) und schwere Hautreaktionen. Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen unter Metamizol muss das Arzneimittel sofort abgesetzt und unverzüglich ein Differentialblutbild veranlasst werden [B2, FI1, FI2].
Antibiotika mit gramnegativer und anaerober Wirksamkeit
Die folgenden Angaben sind Regimebeispiele für Erwachsene mit normaler Nieren- und Leberfunktion. Präparatewahl, Dosis, Applikationsweg und Dauer müssen an Schweregrad, Organfunktion, Allergien, Erregernachweis und lokale Resistenzlage angepasst werden [LL1, LL2, FI3-FI7].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Amoxicillin/Clavulansäure | Orale Monotherapie bei ausgewählten stabilen Patienten, sofern eine Antibiotikatherapie indiziert ist; in der Regel 4-7 d; Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung [LL2, FI3] |
| Ceftriaxon + Metronidazol | Stationäre Therapie; Metronidazol ergänzt die erforderliche Anaerobierwirksamkeit; bei schwerer Leberinsuffizienz (schwer eingeschränkte Leberfunktion) Metronidazoldosis reduzieren [FI4, FI5] |
| Piperacillin/Tazobactam | Monotherapie der komplizierten intraabdominellen Infektion (Infektion im Bauchraum); Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion) [FI6] |
| Meropenem | Reserveoption bei septischem Verlauf (Verlauf mit schwerer Infektionsreaktion) oder hohem Risiko für Erreger mit erweitertem β-Laktamase-Spektrum bzw. fehlender geeigneter Alternative; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz [FI7] |
| Ciprofloxacin + Metronidazol | Nur bei schwerer β-Laktam-Allergie oder wenn geeignetere Antibiotika nicht angewendet werden können; Fluorchinolon-Warnhinweise und lokale Resistenzlage beachten [B1, LL1, LL2] |
- Wirkweise: β-Laktam-Antibiotika hemmen die bakterielle Zellwandsynthese; Clavulansäure und Tazobactam hemmen zahlreiche β-Laktamasen. Ceftriaxon hemmt die Zellwandsynthese, Metronidazol schädigt nach intrazellulärer Aktivierung die Desoxyribonukleinsäure (Erbsubstanz) anaerober Erreger, Ciprofloxacin hemmt bakterielle Topoisomerasen (Enzyme zur Verarbeitung der bakteriellen Erbsubstanz) und Meropenem die bakterielle Zellwandsynthese.
- Indikationen: Komplizierte Divertikulitis sowie akute unkomplizierte Divertikulitis mit relevanten Risikoindikatoren; empirische Erfassung gramnegativer Enterobakterien und obligater Anaerobier.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder die Wirkstoffklasse; substanzspezifische Gegenanzeigen und Interaktionen sind zu beachten. Ceftriaxon darf nicht mit calciumhaltigen Lösungen gemischt oder gleichzeitig über denselben Zugang verabreicht werden. Metronidazol ist bei Überempfindlichkeit gegen Nitroimidazole kontraindiziert. Fluorchinolone sind bei früheren schwerwiegenden Nebenwirkungen unter Chinolonen oder Fluorchinolonen zu vermeiden [B1, FI3-FI7].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, gastrointestinale Beschwerden, Clostridioides-difficile-Infektion (bestimmte antibiotikabedingte Darminfektion) und Selektion resistenter Erreger; bei β-Laktamen zusätzlich Exanthem (Hautausschlag) und selten schwere Anaphylaxie, bei Metronidazol Metallgeschmack und Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems), bei Carbapenemen insbesondere bei Prädisposition Krampfanfälle. Fluorchinolone können selten lang anhaltende, behindernde und potenziell irreversible Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken sowie am peripheren und zentralen Nervensystem verursachen [B1, FI3-FI7].
Wirkstoffe (Nebenindikation)
Aminosalicylate
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Mesalazin | Keine zugelassene oder einheitlich validierte Dosierung für die Divertikelkrankheit; Off-Label-Use in Deutschland; nicht bei CDD Typ 1b und nicht zur Sekundärprophylaxe der Divertikulitis [5-8, LL1, FI8] |
- Wirkweise: Lokal antiphlogistische Wirkung in der Darmschleimhaut durch Modulation von Arachidonsäuremetaboliten (Stoffwechselprodukte einer körpereigenen Fettsäure) und entzündlichen Signalwegen.
- Indikationen: Nach deutscher S3-Leitlinie als mögliche Einzelfalltherapie zur Symptomlinderung bei akuter unkomplizierter Divertikelkrankheit CDD Typ 1a und intermittierend bei chronischer unkomplizierter Divertikelkrankheit CDD Typ 3a; außerdem mögliche Therapie der segmentalen Colitis bei Divertikulose [LL1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Mesalazin oder Salicylate, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung; bei vorbestehender Nierenfunktionsstörung nicht anwenden. Blutbild, Leberwerte, Serumkreatinin und Urinstatus sind vor und während der Therapie nach Fachinformation zu kontrollieren [FI8].
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, abdominale Beschwerden, Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen; selten Nephritis (Nierenentzündung), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung), Hepatitis (Leberentzündung), Blutbildveränderungen und schwere Hautreaktionen [FI8].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Darmgesundheit sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, E, D3)
- Mineralstoffe (Calcium)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- B – behördliche und regulatorische Quelle
- CDD – Classification of Diverticular Disease
- CRP – C-reaktives Protein
- CT – Computertomographie
- d – Tag
- FI – Fachinformation
- g – Gramm
- h – Stunde
- HR – Hazard Ratio
- i.v. – intravenös
- KBE – koloniebildende Einheiten
- LL – Leitlinie
- mg – Milligramm
- NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
- p.o. – per os
- SCAD – segmental colitis associated with diverticulosis (segmentale Colitis bei Divertikulose)
- SUDD – symptomatic uncomplicated diverticular disease (symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit)
Literatur
- Daniels L, Ünlü Ç, de Korte N et al.: Randomized clinical trial of observational versus antibiotic treatment for a first episode of CT-proven uncomplicated acute diverticulitis. Br J Surg. 2017;104(1):52-61. doi: 10.1002/bjs.10309 [1]
- van Dijk ST, Chabok A, Dijkgraaf MG et al.: Observational versus antibiotic treatment for uncomplicated diverticulitis: an individual-patient data meta-analysis. Br J Surg. 2020;107(8):1062-1069. doi: 10.1002/bjs.11465 [2]
- Dichman ML, Rosenstock SJ, Shabanzadeh DM: Antibiotics for uncomplicated diverticulitis. Cochrane Database Syst Rev. 2022;6(6):CD009092. doi: 10.1002/14651858.CD009092.pub3 [3]
- Correa Bonito A, Cerdán Santacruz C, Di Martino M et al.: Treatment for acute uncomplicated diverticulitis without antibiotherapy: systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Int J Surg. 2023;109(5):1412-1419. doi: 10.1097/JS9.0000000000000307 [4]
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- Kruis W, Kardalinos V, Eisenbach T et al.: Randomised clinical trial: mesalazine versus placebo in the prevention of diverticulitis recurrence. Aliment Pharmacol Ther. 2017;46(3):282-291. doi: 10.1111/apt.14152 [6]
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Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Divertikelkrankheit/Divertikulitis. (AWMF-Registernummer 021-020) Oktober 2021. Langfassung. [LL1]
- Peery AF, Strate LL, Stollman N et al.: ACG Clinical Guideline: Colonic Diverticulitis. Am J Gastroenterol. 2026;121(7):1549-1561. doi: 10.14309/ajg.0000000000004047 [LL2]
- Tursi A, Brandimarte G, Di Mario F et al.: Global guidelines on diverticular disease of the colon: the Fiesole Consensus report. Gut. 2026;75(9):1654-1681. doi: 10.1136/gutjnl-2025-336902 [LL3]
Behördliche und regulatorische Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Fluorchinolone – schwerwiegende und potenziell irreversible Nebenwirkungen; Anwendungsbeschränkungen und Risikominimierungsmaßnahmen. BfArM-Themendossier. [B1]
- European Medicines Agency (EMA): Metamizole-containing medicinal products – measures to minimise serious outcomes of agranulocytosis. Dezember 2024. EMA-Verfahren. [B2]
Fachinformationen
- Paracetamol-ratiopharm 1000 mg Tabletten. Fachinformation. Stand April 2025. Fachinformation. [FI1]
- Metamizol AbZ 500 mg Tabletten. Fachinformation. Stand November 2024. Fachinformation. [FI2]
- Amoxicillin/Clavulansäure AAA-Pharma 875 mg/125 mg Filmtabletten. Fachinformation. Stand Mai 2025. Fachinformation. [FI3]
- Ceftriaxon-saar zur Infusion 1 g/2 g. Fachinformation. Stand April 2024. Fachinformation. [FI4]
- Metronidazol Fresenius 500 mg/100 ml Infusionslösung. Fachinformation. Stand Oktober 2025. Fachinformation. [FI5]
- Piperacillin-Tazobactam-Teva 4 g/0,5 g. Fachinformation. Stand Juli 2025. Fachinformation. [FI6]
- Meropenem Kabi 500 mg/1 g. Fachinformation. Stand März 2026. Fachinformation. [FI7]
- Salofalk Granu-Stix 500 mg/1.000 mg/1,5 g/3 g. Fachinformation. Stand Mai 2025. Fachinformation. [FI8]