Einleitung
Divertikelkrankheit

Eine Divertikelkrankheit/Divertikulitis (Synonyme: Ausstülpungen der Darmwand; Colondivertikulose; Darmdivertikel; Darmdivertikulitis; Darmdivertikulose; Diverticulitis; Divertikelkrankheit; Divertikulose; Kolondivertikulose; ICD-10 K57.-: Divertikulose des Darmes) ist eine Entzündung der Wand des Divertikels. Ist auch die Umgebung des Divertikels mit in die Entzündung einbezogen, so spricht man von einer Peridivertikulitis. Bei einem Divertikel handelt es sich um eine Ausstülpung von Wandteilen eines Hohlorgans, welche pilz-, birnen- oder sackförmig auftreten kann.

Divertikel sind entweder angeboren oder erworben und treten insbesondere im Verdauungstrakt und dort überwiegend im linksseitigen Kolon (Dickdarm), speziell im Colon sigmoideum (Sigmadarm) auf. Kolondivertikel sind erworbene Ausstülpungen der Mukosa (Schleimhaut) und Submukosa (Bindegewebsschicht unterhalb der Schleimhaut) durch muskelschwache Lücken der Kolonwand. Eine "Divertikelkrankheit" des Kolons liegt vor, wenn eine Divertikulose zu Symptomen und/oder Komplikationen führt.

Bei einer akuten Divertikulitis kommt es einem Entzündungsprozess, der von den Kolondivertikeln (Peridivertikulitis) ausgeht, auf die Darmwand übergreift (fokale Perikolitis) und schwere Komplikationen (Abszess- und/oder Fistelbildung, gedeckte Perforation, offene Perforation mit Peritonitis, Stenosierung, divertikulitischer Tumor) zur Folge haben kann. Weitere mögliche Komplikationen der Divertikelkrankheit sind Kolondivertikelblutungen.

Eine chronische Divertikulitis ist gekennzeichnet durch rezidivierende (wiederkehrende) oder persistierende (andauernde) Entzündungsschübe, die zu Komplikationen (Stenose, Fisteln) führen können.

Als symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit werden persistierende oder rezidivierende, einer Divertikulose zuzuschreibenden Symptome – ohne Vorliegen einer apparenten ("in Erscheinung tretend") Divertikulitis – bezeichnet.

In 95 % der Fälle liegt eine Sigmadivertikulitis vor; auch "Linksseiten-Appendicitis" genannt. In einem Prozent kann eine Divertikulitis im Colon transversum (Querdickdarm) und in je zwei Prozent im Colon ascendens (aufsteigender Dickdarm) und Caecum (Blinddarm; der am weitesten vorne gelegene Abschnitt des Dickdarmes; wird dann häufig als Appendicitis/Blinddarmentzündung fehldiagnostiziert) auftreten.
Sind alle Wandschichten inklusive der Muskelschicht in die Ausstülpung einbezogen, nennt man dies ein echtes Divertikel. Im Gegensatz dazu stülpt sich bei einem Pseudodivertikel (Graser-Divertikel) nur die Schleimhaut durch die Muskellücken der Darmwand.
Von einer Divertikulose (Divertikelkrankheit) wird gesprochen, wenn multiple entzündungsfreie Divertikel vorliegen.

Häufigkeitsgipfel: Das Maximum des Auftretens der Divertikulose liegt bei über 70 Jahren. Bei den unter 40-Jährigen ist eine Divertikelbildung selten.
Das Durchschnittsalter von stationären Patienten, die wegen einer Divertikelkrankheit behandelt wurden, liegt bei ca. 62 Jahren.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt zwischen 28-45 % in der Gesamtbevölkerung – ca. 13 % für Personen unter 50 Jahren, ca. 30 % für Personen zwischen 50 und 70 Jahren, ca. 50 % für Personen zwischen 70 und 85 Jahren sowie ca. 66 % für Personen älter als 85 Jahre in den westlichen Ländern. Bei 10-20 % dieser Menschen tritt dann irgendwann eine Divertikulitis auf. Die Prävalenz der Divertikulose ist in Afrika und Asien gering (ca. 10 %).

Verlauf und Prognose: Eine Divertikulitis geht meist mit Fieber und kolikartigen Schmerzen im Unterbauch einher. Im Rahmen der Divertikulitis können sich Bakterien in den Divertikeln ansammeln und Abszesse (abgekapselte Eiterherde) bilden. Eine gefürchtete Komplikation der Divertikulitis ist eine gedeckte oder offene Perforation (Durchbruch) von Darmdivertikeln, wobei der bakterienhaltige Inhalt des entzündeten Divertikels in die Bauchhöhle gelangt. Diese kann zu einer lebensbedrohlichen infektiösen Peritonitis (Entzündung des Bauchfells) führen. Des Weiteren können mittel- bis langfristig rezidivierende (wiederkehrende) schmerzhafte Schübe, Stenosen (Darmverengungen), Fisteln und untere gastrointestinale Blutungen (UGIB; Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt) auftreten. Eine weitere mögliche Komplikation ist ein Ileus (Darmverschluss).
Die Rezidivrate liegt bei 2-35 %; sie hängt vom Schweregrad der akuten Divertikulitis ab.

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) beträgt bei phlegmonöser ("sich diffus ausbreitend") Divertikulitis unter einem Prozent, bei abszedierender ("Bildung von Abszessen/Eiterherden") Divertikulitis ein bis drei Prozent und bei einer freien Perforation (d. h. die Bruchstelle wird von einem benachbarten Organ abgedichtet) 12 bis 24 Prozent. Ein besonderes Risiko besteht für Patienten unter immunsuppressiver Therapie.

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Die Divertikulose ist vermehrt mit einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion; 2,4-faches Risiko) und einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) vergesellschaftet [1].
Eine Divertikulose kann selten mit einer segmentalen Colitis (Darmentzündung mit Segmentbefall) assoziiert sein (SCAD).

Literatur

  1. Kopylov U, Ben-Horin S, Lahat A et al. Obesity, metabolic syndrome and the risk of development of colonic diverticulosis. Digestion 2012; 86: 201-205

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Divertikelkrankheit/Divertikulitis. (AWMF-Registernummer: 021-020), Dezember 2013 Langfassung

     
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