Klassifikation
Schlafstörungen (Insomnie)

Klassifikationssysteme zur Einteilung von Schlafstörungen:

  • ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems/Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme)
  • DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, American Psychiatric Association, 2000)DSM-V (2013) 
  • ICSD (International Classification of Sleep Disorders, 1990), ISCD-R (1997), ICSD-3 (2014)

ICD-10

Nach dem ICD-10 werden Schlafstörungen je nach vermuteter Ätiologie (Ursache) klassifiziert:

  • F51: nichtorganische Schlafstörungen (Kapitel Psychische und Verhaltensstörungen) oder
  • G47: (organische) Schlafstörungen (Kapitel Krankheiten des Nervensystems).

Die nichtorganische Insomnie ist ein Zustandsbild mit einer ungenügenden Dauer und Qualität des Schlafes, das über einen beträchtlichen Zeitraum (mindestens dreimal in der Woche über einen Zeitraum von mindestens einem Monat) besteht und Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und frühmorgendliches Erwachen einschließt. Insomnie ist ein häufiges Symptom vieler psychischer und somatischer Störungen und soll daher nur zusätzlich klassifiziert werden, wenn sie das klinische Bild beherrscht (F51.0). Sie verursacht einen deutlichen Leidensdruck und/oder wirkt sich störend auf die alltägliche Funktionsfähigkeit aus (Tagesmüdigkeit):

  • nichtorganische Insomnie (F51.0): Hauptmerkmal sind Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und frühmorgendliches Erwachen sowie eine ungenügende Dauer und Qualtität des Schlafes (schlechte Schlafqualität; nicht erholsamer Schlaf). [ca. 10 % aller Insomnien]
  • nichtorganische Hypersomnie: Hypersomnie ist definiert entweder als Zustand exzessiver Schläfrigkeit während des Tages und Schlafattacken (die nicht durch eine inadäquate Schlafdauer erklärbar sind) oder durch verlängerte Übergangszeiten bis zum Wachzustand nach dem Aufwachen. Bei Fehlen einer organischen Ursache für die Hypersomnie ist dieses Zustandsbild gewöhnlich mit anderen psychischen Störungen verbunden (F51.1).
  • nichtorganische Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (F51.2): das Schlaf-Wach-Muster weicht vom gewünschten Schlaf-Wach-Rhythmus ab, d. h. es besteht ein Mangel an Synchronizität zwischen dem individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus und dem erwünschten Schlaf-Wach-Rhythmus der Umgebung. Dies führt zu Klagen über Schlaflosigkeit während der Hauptschlafperiode und Hypersomnie während der Wachperiode. 

Nichtorganische Parasomnien sind abnorme Episoden, die während des Schlafs auftreten (Störungen des Erwachens (arousal), des partiellen Erwachens oder des Schlafstadienwechsels):

  • Schlafwandeln (Somnambulismus; F51.3): Schlafwandeln ist ein Zustand veränderter Bewusstseinslage, in dem Phänomene von Schlaf und Wachsein kombiniert sind. Während einer schlafwandlerischen Episode verlässt die betreffende Person das Bett, häufig während des ersten Drittels des Nachtschlafes, geht umher, zeigt ein herabgesetztes Bewusstsein, verminderte Reaktivität und Geschicklichkeit. Nach dem Erwachen besteht meist keine Erinnerung an das Schlafwandeln mehr.
  • Nachtangst (Pavor nocturnus, Nachtschreck; F51.4): Nächtliche Episoden äußerster Furcht und Panik mit heftigem Schreien, Bewegungen und starker autonomer Erregung. Die betroffene Person setzt sich oder steht mit einem Panikschrei auf, gewöhnlich während des ersten Drittels des Nachtschlafes. Häufig stürzt sie zur Tür wie um zu entfliehen, meist aber ohne den Raum zu verlassen. Nach dem Erwachen fehlt die Erinnerung an das Geschehen oder ist auf ein oder zwei bruchstückhafte bildhafte Vorstellungen begrenzt. Bemühungen anderer Personen, während der Episode auf den Betroffenen einzuwirken, bleiben ohne Erfolg bzw. haben Desorientiertheit und perseverierende (beharrende) Bewegungen zur Folge. Eine Episode dauert bis zu 10 Minuten.
  • Albträume (Alptraum; Angstträume (F51.5.): Traumerleben voller Angst oder Furcht, mit sehr detaillierter Erinnerung an den Trauminhalt. Dieses Traumerleben ist sehr lebhaft, Themen sind die Bedrohung des Lebens, der Sicherheit oder der Selbstachtung. Oft besteht eine Wiederholung gleicher oder ähnlicher erschreckender Albtraumthemen. Während einer typischen Episode besteht eine autonome Stimulation, aber kein wahrnehmbares Schreien oder Körperbewegungen. Nach dem Aufwachen wird der Patient rasch lebhaft und orientiert.

Als organisch bedingte Schlafstörungen werden bezeichnet:

  • Ein- und Durchschlafstörungen (G47.0)
    • Hyposomie
    • Insomnie
  • Krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis (G47.1)
    • Hypersomnie (idiopathisch)
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus’ (G47.2)
    • Syndrom der verzögerten Schlafphasen
    • Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Schlafapnoe (G47.3):
    • Zentrales Schlafapnoe-Syndrom (47.30): wiederholte Atemstillstände durch fehlende Aktivierung der Atemmuskeln
    • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) (G47.32): Atemaussetzer im Schlaf, die durch die Verlegung der Atemwege entstehen und häufig mehrere hundert Mal pro Nacht auftreten
    • Schlafbezogenes Hypoventilations-Syndrom (G47.32):
      • Kongenitales zentral-alveoläres Hypoventilations-Syndrom
      • Schlafbezogene idiopathische nichtobstruktive alveoläre Hypoventilation
  • Narkolepsie und Kataplexie (G47.4): Die Narkolepsie (Häufigkeit: < 0,05 %) umfasst in ihrer Symptomatik Folgendes:
    • Störungen des Wachens (Einschlafattacken und automatisches Verhalten),
    • Störungen des Non-REM-Schlafes (Schlaffragmentierung)
    • Störungen des REM-Schlafes (RBD)
    • Störungen der Motorik im Schlaf (PLM, Reden im Schlaf und auch Kataplexien)
  • Sonstige Schlafstörungen (G47.8)
    • Kleine-Levin-Syndrom: periodisch erhöhtem Schlafbedürfnis (Hypersomnie), Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen; genetische Ursache wird angenommen – Erbgang des unklar

DSM-IV

Das DSM-IV unterteilt − im Gegensatz zum ICD-10 − die Schlafstörungen nicht nach nichtorganischer (psychogener) und organischer Ursache, sondern danach, ob die Schlafstörung primär vorhanden oder die Folge eines anderen Faktors sekundär ist, beispielsweise aufgrund einer anderen psychischen Erkrankung, eines medizinischen Krankheitsfaktors oder einer Substanzeinnahme. Primäre Schlafstörungen werden dabei in Dyssomnien und Parasomnien unterteilt:

  • Zu den Dyssomnien zählen die primäre Insomnie (Schlaflosigkeit), die atmungsgebundene Schlafstörung (sofern nicht durch einen andere Erkrankung oder eine Substanzeinnahme bedingt) und die Schlafstörung aufgrund einer Störung des circadianan Rhythmus.
  • Zu den Parasomnien (Störungen des Erwachens (arousal), des partiellen Erwachens oder des Schlafstadienwechsels; Häufigkeitsgipfel: Kindheit) gehören die Schlafstörung mit:
    • Schlafwandeln (Somnambulismus)
    • Alpträumen (Angsträume) und
    • Pavor nocturnus (Nachtangst).
    Des Weiteren wird unterteilt in:
    • Schlafstörungen, die im Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung auftreten: solchen, die aufgrund eines medizinischen Krankheitsgeschehens vorkommen, und
    • Schlafstörungen, die im Zusammenhang stehen mit der Einnahme einer psychotropen Substanz wie Alkohol, Amphetamin, Koffein, Kokain, Opiat oder von Medikamenten (substanzinduzierte Schlafstörung).

Diagnostische Kriterien der insomnischen Störung („insomnia disorder“) nach DSM-5 A [1]

  A  

Eine im Vordergrund stehende Beschwerde der Unzufriedenheit mit der Schlafqualität oder -quantität, verbunden mit einem (oder mehreren) der folgenden Symptome:

  • Schwierigkeiten einzuschlafen
  • Schwierigkeiten durchzuschlafen, charakterisiert durch häufige Wachperioden oder Schwierigkeiten, nach nächtlichen Wachperioden wieder einzuschlafen
  • Frühmorgendliches Erwachen mit der Unfähigkeit, wieder einzuschlafen 
  B   Die Schlafstörung führt zu klinisch signifikantem Leiden oder Einschränkungen im sozialen, ausbildungs- und beruflichen Leben oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
  C   Die Schlafstörung tritt mindestens 3 Nächte pro Woche auf.
  D   Die Schlafstörung hält mindestens 3 Monate an.
  E   Die Schlafstörung tritt trotz ausreichender Gelegenheit für Schlaf ein.
  F   Die Insomnie wird nicht besser erklärt und tritt nicht ausschließlich im Rahmen einer anderen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung auf.
  G   Die Insomnie ist nicht zurückführbar auf die physiologischen Effekte einer Substanz (z. B. einer Droge oder einer Medikation).
  H   Die koexistierenden psychischen und körperlichen Erkrankungen erklären nicht das Auftreten der Insomnie.

Spezifiziere:

  • Mit einer nicht schlafstörungsbezogenen psychischen Komorbidität (Begleiterkrankung)
  • Mit einer anderen medizinischen Komorbidität
  • Mit einer anderen Schlafstörung

Klassifikation von Schlafstörungen in ICSD-3 und ICD-10

 Hauptgruppe nach ICDS-3  Entsprechende Bezeichnungen nach ICD-10
 Insomnien
  • Nicht-organische Insomnie (F51.0)
  • Sonstige nicht-organische Schlafstörungen (F51.8)
  • Nicht näher bezeichnete nicht-organische Schlafstörungen (F51.9)
  • Ein- und Durchschlafstörungen (G47.0 + Grunderkrankung)
 Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS)
  • Zentrales Schlafapnoe-Syndrom (G47.30)
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (G47.31)
  • Schlafbezogenes Hypoventilations-Syndrom (G47.32 + Grunderkrankung)
  • Sonstige Schlafapnoe (G47.38)
  • Periodische Atmung inkl. Cheyne-Stokes-Atmung (R06.3)
  • Primäre Schlafapnoe beim Neugeborenen (P28.3)
 Zentralnervöse Störungen mit Tagesschläfrigkeit
  • Narkolepsie und Kataplexie (G47.4)
  • Krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis inkl. Hypersomnie (idiopathisch) (G47.1/F51.1)
  • Hypersomnie (G47.1 + Grunderkrankung)
  • Sonstige Schlafstörungen inkl. Kleine-Levin-Syndrom (G47.8)
  • Nicht näher bezeichnete nicht-organische Schlafstörungen (F51.9) 
 Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus inkl. Syndrom der verzögerten Schlafphasen und unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus (G47.2 + Grunderkrankung)
  • Nicht-organische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (F51.2), [Jetlag, Schichtarbeitersyndrom, Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit und umgekehrt]
 Parasomnien (Verhaltensauffälligkeiten, die überwiegend aus dem Schlaf heraus auftreten)
  • Schlafwandeln (F51.3)
  • Pavor nocturnus (F51.4)
  • Albträume (F51.5)
  • Kinder: nichtorganische Enuresis (F98.0 [sekundär]/R33.8 [primär])
  • Sonstige nichtorganische Schlafstörungen und dissoziative Störungen (F51.8 + F44.x)
  • Sonstige Schlafstörungen (G47.8/F51.8)
  • Nicht näher bezeichnete Schlafstörung (G47.8)S
  • onstige Schlafstörungen (G47.8 + Grunderkrankung)
 Schlafbezogene Bewegungsstörungen
  • Sonstige extrapyramidale Krankheiten und Bewegungsstörungen (G25.8) [Restless-Legs-Syndrom (RLS; unruhige Beine)]
  • Sonstige Schlafstörungen (G47.8 + R25.2 [Muskelkrämpfe], G47.8/F45.8)
  • Sonstige Schlafstörungen oder stereotype Bewegungsstörung (G47.8 + R25/F98.4 [Beginn in der Kindheit]
  • Nicht näher bezeichnete Schlafstörung (G47.9/G25.9)
  • Sonstige Schlafstörungen (G47.8 + Grunderkrankung)
 Andere Schlafstörungen
  • Teilweise keine Entsprechung
  • Nicht näher bezeichnete Schlafstörung (G47.9)
  • Sonstige Schlafstörungen (G47.8)

Literatur

  1. American Psychiatric Association (Hrsg) (2013) DSM 5 (diagnostic and statistical manual ofmental disorders). American Psychiatric Association, Washington DC
     
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