Ursachen
Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Die häufigste Ursache der akuten Pyelonephritis ist die aszendierende (aufsteigende) Infektion, daneben kommt es bei vesikouretralem Reflux (unphysiologischer Rückfluss von Harn aus der Blase über die Harnleiter in das Nierenbecken) gehäuft zu Pyelonephritiden. Auch eine hämatogen-deszendierende (über den Blutweg aufsteigend) Entstehung ist möglich.
Häufige Erreger sind E. coli, P. mirabilis oder Klebsiellen.
Es handelt sich um eine granulozytäre Entzündung (eitrige Entzündung) mit Gewebsnekrosen (Absterben von Gewebe). Es sind hauptsächlich die Tubuli (Nierenkanälchen) betroffen.

Bei der chronischen Pyelonephritis kommt es zu entzündlich bedingten Veränderungen (Narbenbildung, Deformierung) der Niere, die die Entwicklung einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) fördern.

Weitere – jedoch seltenere – Infektionswege sind:

  • Hämatogen – z. B. bei einer Sepsis (Blutvergiftung)
  • Lymphogen

Mögliche Erreger einer Pyelonephritis sind:

  • Uropathogene Escherichia coli (UPEC) (E. coli) – in 75-80 % der Fälle (ambulant erworbene Harnwegsinfektion (HWI))
  • Staphylokokken (Staphylococcus saprophyticus)
  • Klebsiellen (Klebsiella pneumoniae)
  • Proteus mirabilis
  • Enterokokken (am häufigsten bei Mischinfektion)
  • Enterobacter
  • Pseudomonas
  • Salmonellen (0,5 % aller HWI– Patient hat in solchen Fällen im Regelfall vorher eine Darminfektion gehabt
  • Weitere atypische Erreger, z. B. Ureaplasmen, Mykoplasmen

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung
    • Genetische Erkrankungen
      • Sichelzellenanämie (med.: Drepanozytose; auch Sichelzellanämie, engl.: sickle cell anemia) – genetische Erkrankung mit autosomal-rezessivem Erbgang, die die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) betrifft; sie gehört zur Gruppe der Hämoglobinopathien (Störungen des Hämoglobins; Bildung eines irregulären Hämoglobins, dem sogenannten Sichelzellhämoglobin, HbS)
  • Anatomische Besonderheiten – beispielsweise Hufeisenniere, doppelte Harnleiteranlage, Zystennieren
  • Jugendliches Alter bei der ersten Harnwegsinfektion
  • Hormonelle Faktoren – Gravidität (Schwangerschaft)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Prävention mit Mikronährstoffen
  • Benutzung von Scheidendiaphragmen und Spermiziden – hierdurch wird die normale bakterielle vaginale Flora (Mikrobiota) verändert, sodass es zu einem Anstieg des Bakteriums E. coli – Escherichia coli – in der Vagina (Scheide) kommen kann, was mit einem erhöhten Risiko für eine Zystitis* (Blasenentzündung) verbunden ist
  • Sexuelle Aktivität – durch Koitus können Bakterien in die Blase gelangen und eine Zystitis* verursachen (= zeitnaher Geschlechtsverkehr). Eine Miktion postkoital (Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr) kann das Risiko vermindern, da hierdurch eventuell vorhandene Bakterien wieder ausgespült werden. Weiterhin sollte der männliche Partner auf eine ausreichende Hygiene achten.

*Jede Zystitis (Blasenentzündung) erhöhtes Risiko für eine Pyelonephritis

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED; engl.: inflammatory bowel disease, IBD) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn – können über den Blutweg (hämatogen) zu einer Pyelonephritis führen
  • Diabetes mellitus
  • Harnabflussstörungen, z. B.:
    • Obstruktion (Verschluss) bzw. anatomische Abnormität der ableitenden Harnwege
    • Benigne Prostatahyperplasie (BPH) – gutartige Vergrößerung der Prostata
    • Harnröhrenstriktur (Verengung der Harnröhre) – z. B. aufgrund von venerischen Krankheiten (Geschlechtskrankheiten) wie Syphilis (Lues) oder Gonorrhoe (Tripper) – oder auch kongenital (angeboren)
    • Nephrolithiasis (Nierensteine), Urolithiasis (Harnsteine)
    • Neurogene Blasenentleerungsstörungen – z. B. bei Diabetes mellitus, Multipler Sklerose (MS), Tabes dorsalis
    • Vesikoureteraler Reflux (VUR; unphysiologischer Rückfluss von Harn aus der Blase über die Ureteren (Harnleiter) in das Nierenbecken) (Harnwegsinfektionen (HWI) im Kindesalter)
    • Schwangerschaft
  • Gicht
  • HIV-Erkrankung
  • Immundefekt mit einhergehender Abwehrschwäche
  • Plasmozytom (multiples Myelom) bösartige Tumorerkrankung aus der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Sein Ursprung liegt wie bei allen Lymphomen im lymphatischen Gewebe; viele (multiple) vom Knochenmark ausgehende Tumoren (Myelome)
  • Tumorerkrankungen des Urogenitalsystems
  • Zystitis (Harnblasenentzündung)

Medikamente

  • Analgetika (Schmerzmittel), welche bei Dauertherapie nephrotoxisch sind, wie z. B. Phenacetin
  • Corticosteroide – führen bei längerer Anwendung zu einer Unterdrückung des Immunsystems
  • Immunsuppressiva (Medikamente, welche die Funktionen des Immunsystems vermindern)
  • Schmerzmittel, welche die Nieren schädigen können, wie z. B. Phenacetin
  • Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)

Operationen

  • Eingriff im Bereich der Harnwege (v. a. nach transurethraler Resektion der Prostata)
  • Instrumentelle urologische Eingriffe (z.B. Zystoskopie), welche mit einer Keimverschleppung verbunden sein können
  • Nierentransplantation

Strahlentherapie

  • Radiatio (Strahlentherapie) →  Schwächung des Immunsystems

Weitere Ursachen

  • Dauerkatheter (Harnblasenkatheter)
  • Gravidität (Schwangerschaft)
     
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