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Trommelfellschnitt (Parazentese)

Die Parazentese (Trommelfellschnitt) gehört zu den häufigsten Operationen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Es handelt sich dabei um einen chirurgischen Eingriff, der einen Trommelfellschnitt (das Trommelfell ist eine schwingende Membran, die im Ohr Schallschwingungen erfasst und weiterleitet) zur Druck- und Ergussentlastung beinhaltet, der zur Wiederherstellung der Mittelohrbelüftung meist bei verstopfter Ohrtrompete (Eustachi-Röhre) dient.

Zudem kann ein Drainageröhrchen (Synonyme: Paukenröhrchen; Paukendrainage) aus Kunststoff, Titan oder Gold eingesetzt werden. Dieser Eingriff kann zum Beispiel bei einer rezidivierenden (wiederkehrenden) Otitis media (Mittelohrentzündung) nötig sein. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Akute Otitis media (Mittelohrentzündung)
  • Chronische Trommelfellretraktion (Trommelfelleinziehung)
  • Klaffende Ohrtrompete – Die Verbindung von Nasenrachenraum und Mittelohr ist zu weit geöffnet, sodass Luft ins Mittelohr einströmen kann
  • Mastoiditis – Warzenfortsatzentzündung; Entzündung der belüfteten Knochenzellen des Processus mastoideus (Warzenfortsatz)
  • Persistierender Paukenerguss (Synonym: Seromukotympanon) – Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr (Tympanon); > 3 Monate; je nach Grad der Schwerhörigkeit auch früher)
  • Transtympanale Gentamicin-Behandlung – Antibiotika-Behandlung bei Morbus Menière (Erkrankung des Innenohres, die durch Anfälle von Drehschwindel, einseitigem Hörverlust und Ohrensausen gekennzeichnet ist)
  • Tubenbelüftungsstörungen bei Morbus Menière

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Bulbushochstand – venöse Gefäßanomalie im Bereich des Mittelohrs
  • Glomustumor im Mittelohr
  • Karotisanomalie (veränderter Verlauf der Halsschlagader)

Vor der Operation

Vor der Operation erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch und der Patient wird über die Risiken der Operation aufgeklärt. Der Patient sollte gerinnungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) sieben bis zehn Tage vor der Operation absetzen.

Das Operationsverfahren

Der Eingriff erfolgt unter Lokal- oder Allgemeinanästhesie. Bei der Lokalanästhesie befindet sich der Patient in sitzender Position, wobei der Oberkörper zurückgeneigt ist und der Kopf durch einen Assistenten fixiert wird. Befindet sich der Patient in einer Narkose, wird er liegend gelagert und der Kopf in eine seitliche Position gebracht und fixiert. Der Chirurg erhält transmeatal (über den äußeren Gehörgang) Zugang zum Trommelfell. Um eine optimale Einsicht zu gewährleisten wird ein möglichst großer Ohrtrichter eingesetzt. Der Operateur führt den Eingriff mithilfe eines Mikroskops durch, das eine gründliche Sichtkontrolle ermöglicht. Der Trommelfellschnitt wird im vorderen unteren Quadranten des Trommelfells gesetzt und führt radiär von zentral nach peripher (von der Mitte nach außen dem Radius folgend). Im Anschluss daran wird eventuell vorhandenes Sekret im Mittelohr abgesaugt. Um einen längerfristigen Abfluss von Sekreten zu ermöglichen kann eine Paukendrainage mithilfe eines kleinen Drainageröhrchens, das durch das Trommelfell gelegt, wird durchgeführt werden. Alternativ kann die Parazentese mittels Laser oder monopolarer Kaustik (Schneiden mithilfe von Elektrizität) durchgeführt werden.

Nach der Operation

Der Patient sollte nach dem Eingriff nicht Auto fahren. Falls eine Paukendrainage gelegt wurde, sollte der Patient für die Dauer der Paukendrainage nicht Tauchen, da Keime und Erreger in das Mittelohr gelangen können. Das tägliche Waschen (auch Haare waschen) ist in der Regel mit Vorsicht möglich.

Mögliche Komplikationen

  • Akute Otorrhö* (Austritt von Sekreten aus dem äußeren Gehörgang; häufigste Komplikation)
  • Abrutschen des Drainageröhrchens in die Paukenhöhle
  • Abstoßung des Röhrchens
  • Dauerperforation des Trommelfells
  • Otitis media (Mittelohrentzündung)
  • Verletzung der Gehörknöchelchenkette

*Eine lokale Therapie mit Hydrokortison-Bacitracin-Colistin-Ohrentropfen war gegenüber einer oralen Amoxicillin/Clavulansäure-Präparat (30 mg Amoxicillin + 7,5 mg Clavulansäure/kg/Tag) überlegen. Nach zwei Wochen litten nur noch 5 % der mit Ohrentropfen behandelten Kinder gegenüber 44 % der Kinder unter oraler Antibiotikatherapie an einer Otorrhö [3].

Weitere Hinweise

  • Bei chronischer Otitis media und Paukenerguss zeigte sich längerfristig kein nennenswerten Vorteil gegenüber einer abwartenden Strategie. Das Hörvermögen war ebenfalls langfristig (nach ein bzw. zwei Jahre) nicht verbessert worden [4].
  • Es zeigte sich eine schwache Evidenz für den Einsatz von Paukenröhrchen bei rezidivierender Otitis media (wiederkehrender Mittelohrentzündung) zur Verringerung weiterer Episoden [4].
  • Choosing-Wisely-Empfehlung: Keine Paukenröhrchen bei ansonsten gesunden Kindern mit einer einmaligen Episode eines Paukenergusses über weniger als drei Monate.

Literatur

  1. Theissing J: HNO-Operationslehre. Georg Thieme Verlag 2006
  2. Reia M: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie. Springer Verlag 2009
  3. Van Dongen TMA et al.: A Trial of Treatment for Acute Otorrhea in Children with Tympanostomy Tubes. N Engl J Med 2014; 370: 723-33
  4. Steele DW et al.: Effectiveness of Tympanostomy Tubes for Otitis Media: A Meta-analysis. Pediatrics 2017, e20170125; online 16. Mai; doi: 10.1542/peds.2017-0125

     
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