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Piercing

Als Piercing (engl. to pierce: "durchstechen", "durchbohren") wird eine Durchstechung der Haut mit anschließender Anbringung eines Schmuckstückes aus Metall (Titan oder Stahl) bezeichnet. Das Piercen ist eine Art der Körpermodifikation und ist in zahlreichen Kulturen seit Jahrtausenden Bestandteil unterschiedlicher Völkerpraktiken auf fast allen Kontinenten. In der heutigen westlichen Gesellschaft tritt das Piercing als modisches Phänomen vor allem bei jungen Menschen in Erscheinung. Das Piercen ist kontrovers zu diskutieren, da die medizinischen Konsequenzen teilweise erheblich sind und gegen den kosmetischen Nutzen abgewogen werden sollten.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Das Piercing stellt eine Körpermodifikation ohne medizinische Indikation dar.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Allergie auf Piercing-Schmuck
  • Alkohol- und Drogeneinfluss
  • Akute Infektion mit Fieber
  • Erhöhte Blutungsneigung – z. B. Einnahme von Antikoagulantien (gerinnungshemmende Medikamente) oder erblich bedingte Blutungsneigung
  • Hauterkrankungen – z. B. Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Herzklappenfehler – Gefahr der Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
  • lokale Infektionen
  • Wundheilungsstörungen – z. B. bei Diabetes mellitus

Vor dem Eingriff

Vor dem Eingriff sollte ein ausführliches Aufklärungsgespräch erfolgen. Da es sich bei dem Piercen um eine invasive Maßnahme bzw. rechtlich um Körperverletzung handelt, ist die schriftliche Einverständniserklärung der betreffenden Person einzuholen. Handelt es sich bei der Person um einen Minderjährigen, ist das schriftliche Einverständnis der Eltern einzuholen.

Das Verfahren

Während des Eingriffs sollte sich der Patient in einer bequemen Haltung befinden. Bei Bedarf ist störende Körperbehaarung zu entfernen. Des Weiteren ist vor Durchführung des Piercings auf eine gründliche Händedesinfektion sowie auf eine sorgfältige Desinfektion des zu behandelnden Körperareals zu achten. Die behandelnde Person sollte sterile Handschuhe tragen und sterile Materialien verwenden. Die Einstichstelle wird markiert und das Gewebe mit einer Klemme fixiert. Anschließend erfolgt die Punktion in dem von der Anatomie vorgegebenen Winkel mithilfe einer sterilen Venenverweilkanüle (peripherer Venenkatheter). Die Nadel wird entfernt und der Schmuck durch den verbleibenden Plastikanteil der Kanüle eingebracht. Anschließend erfolgen eine sorgfältige Wunddesinfektion sowie die Versorgung mit einer sterilen Kompresse und einem Pflaster.

Nach dem Eingriff

Es sollten regelmäßige Wundkontrollen erfolgen, um das Auftreten von Infektionen oder anderen Folgeerkrankungen zu erkennen. Bei Auftreten von Folgeerkrankungen durch das Piercen besteht eine Anzeigepflicht durch den behandelnden Arzt, da es sich um die Folge einer medizinisch nicht notwendigen Behandlung handelt. Daher müssen gesetzlich versicherte Patienten an den Kosten einer entstandenen Komplikation in angemessenem Rahmen beteiligt werden. Zudem besteht bei Arbeitsunfähigkeit kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Mögliche Komplikationen

Allgemeine Komplikationen sind:

  • Allergie – z. B. Kontaktdermatitis
  • Blutung
  • Erfrierungen der umgebenden Haut bei sehr niedrigen Temperaturen
  • Eingewachsene Schmuckteile
  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
  • Herausriss eines Piercings mit Verletzung und Narbenbildung
  • Keloide (überschüssiges Narbenwachstum)
  • Rötung
  • Schwellung
  • Infektion – Lokale Infektionen wie Erysipel (Wundrose) oder Phlegmone (eitrige, sich diffus ausbreitende Infektionserkrankung der Weichteile), die meist durch Staphylococcus aureus oder Streptokokken (Bakterien) verursacht werden.
  • Migration bzw. Verlagerung des Piercings
  • Nervenverletzung
  • Post-Streptokokken Glomerulonephritis (Nierenentzündung als Folge einer überschießenden Immunreaktion auf eine Streptokokkeninfektion)
  • Sepsis (Blutvergiftung) – Systemische, schwere Infektion, die zum Tod führen kann.
  • Tetanus (Wundstarrkrampf) – bei fehlender Impfung
  • Nicht-menstruelles toxisches Schocksyndrom – Schwere Sepsis (Blutvergiftung) mit systemischer Entzündung, die durch Endotoxine (Giftstoffe) von Staphylococcus aureus verursacht wird. Dieses Krankheitsbild kann auch durch die unsachgemäße Verwendung von Tampons entstehen.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit spezifischer Komplikationen im Bereich der jeweiligen Körperregionen, die gepierct werden.

Gesichtspiercing:

  • Angina Ludovici – Mundbodenphlegmone (schwere Entzündung des Mundbodens) bei Zungenpiercing
  • Chondritis (Knorpelentzündung) sowie periaurikuläre Abszesse beim Percing der Ohrmuscheln
  • Granulomatöse Perichondritis der Nasenflügel
  • Nasenseptumhämatom (Bluterguss der Nasenscheidewand)
  • Schäden der Zähne und des Zahnhalteapparates (z. B. bei Lippenpiercing)
  • Verletzung von Teilen des N. trigeminus (Gesichtsnerv) bei Piercings im Gesichtsbereich (z. B. Augenbrauen)
  • Zungenabszess bei Zungenpiercing
  • Zungenschwellung mit Einengung der oberen Atemwege bei Zungenpiercing
  • Zerebrale Abszesse (Hirnabszess)

Brustwarzenpiercing, Nabelpiercing:

  • Granulomatöse Mastitis (Brustentzündung)
  • Galaktorrhoe – Pathologische (krankhafte) Milchsekretion außerhalb von Gravidität (Schwangerschaft) und Stillzeit
  • Infektion von Brustimplantaten
  • Omphalitis (Bauchnabelentzündung)
  • Die geschätzte kumulative Komplikationsrate von Intim- und Brustwarzenpiercings liegt bei bis zu 10-15 %.

Genitalpiercing (genitales Piercing; Intimpiercing):

  • Infektionen, Blutungen, allergischen Reaktionen und Nervenverletzungen
  • Condylomata acuminata (Feigwarzen)
  • Narbenbildungen (z. B. Urethrastrikturen/Harnröhrenverengung)
  • Fournier-Gangrän (Synonym: Morbus Fournier) – seltene Sonderform der nekrotisierenden Fasziitis (entzündliche Erkrankung der Faszien) im genito-perinealen Bereich und des Peritoneums (Bauchfell) mit hoher Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten: 7-75 %); ursächlich ist eine bakterielle Mischinfektion; Kofaktoren sind häufig Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch), Diabetes mellitus, Immunsuppression (Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems) oder andere konsumierende Erkrankungen; Männer sind überwiegend betroffen.
  • Erhöhtes Risiko für die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Erkrankungen (Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV) bei nicht ausgeheiltem Piercing.
  • Infertilität (Unfruchtbarkeit)
  • Paraphimose (Synonym: spanischer Kragen) verengte Vorhaut (Phimose), die die Eichel des Penis einklemmt (medizinischen Notfall!)
  • Prostatitis (Prostataentzündung)
  • Priapismus (Dauererektion)
  • Sexuelle Missempfindungen
  • Strikturen und Verwachsungen
  • Ausreißen des Piercings
  • Die geschätzte kumulative Komplikationsrate von Intim- und Brustwarzenpiercings liegt bei bis zu 10-15 %.

Weitere Informationen siehe auch unter "Intimpiercing bei der Frau"/"Intimpiercing beim Mann".

Literatur

  1. Reiß M: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie. Springer 2009
  2. European Association For Professional Piercing (EAPP): Anforderungskatalog des Europäischen Berufsverbandes für professionelles Piercing. Richtlinienkatalog
  3. Stirn A.: Body piercing: medical consequences and psychological motivations. Lancet. 2003 Apr 5;361(9364):1205-15.
  4. Armstrong ML, Koch JR, Saunders JC, Roberts AE, Owen DC: The hole picture: risks, decision making, purpose, regulations, and the future of body piercing. Clin Dermatol. 2007 Jul-Aug;25(4):398-406.

     
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