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Spaltlampenuntersuchung

Die Untersuchung mit der Spaltlampe bzw. dem Spaltlampenmikroskop (Synonyme: Spaltlampenmikroskopie; Spaltlampenuntersuchung) ist eines der wichtigsten diagnostischen Verfahren in der Augenheilkunde. Es ist nicht-invasiv (nicht in den Körper eindringend), einfach durchführbar und verfügt über einen hohen Informationsgewinn.

Da das menschliche Auge zu einem Großteil aus transparentem Gewebe besteht, ist es möglich mit Hilfe eines Lichtstrahls durch die verschiedenen Gewebeschichten hindurch zu leuchten und dabei Trübungen oder andere Defekte festzustellen. Die Feinstrukturen sind mit diffusem Licht eher schwer zu erkennen, sodass zur besseren Darstellung ein spaltförmiges Lichtbündel (daher Spaltlampe) verwendet wird, das einen optischen Schnitt durch das transparente Augengewebe legt. Dabei können sowohl der Einfallswinkel als auch die Breite des Lichtspalts variiert werden, um eine optimale Darstellung der relevanten Strukturen zu erhalten. Des Weiteren kann die Spaltlampenuntersuchung je nach Fragestellung in Kombination mit anderen Hilfsmitteln/Geräten (z. B. Kontaktglas) durchgeführt werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Mit dem Spaltlampenmikroskop wird der Augapfel unter geeigneter Beleuchtung und hohen Vergrößerung genau inspiziert (betrachtet). Das Verfahren wird sowohl präventiv (vorbeugend) bei einer Routineuntersuchung verwendet als auch bei bestehenden Beschwerden zur Diagnosefindung. Es können verschiedene Defekte in den unterschiedlichen Gewebeschichten des Auges diagnostiziert werden.

  • Conjunctiva (Bindehaut): Unter optimaler Beleuchtung, Vergrößerung und Stabilisierung des Kopfes können Defekte auf der Bindehaut oder den Augenlidern erkannt werden. Ein spaltförmiger Lichtstrahl ist hierbei noch nicht zwingend erforderlich.
  • Kornea (Hornhaut): Die Hornhaut eignet sich hervorragend zur Untersuchung mit dem Spaltlampenmikroskop. Vergrößerungen von 10- bis 40-fach können gewählt werden, die spaltförmige Beleuchtung erlaubt einen optischen Schnitt. Die Lokalisation und Ausdehnung von zahlreichen Läsionen kann bestimmt werden:
    • Verletzungen, Verätzungen, Verbrennungen
    • Erosio corneae (Abschilferung des Hornhautepithels)
    • Keratitis (Entzündung der Hornhaut des Auges)
    • Wölbungs- und Größenanomalien der Hornhaut
    • Hornhautdegeneration (allmählicher Gewebsuntergang)
    • Hornhautdystrophie (bilaterale, progressive, erbliche Erkrankungen, die sich ausschließlich im Bereich der Hornhaut manifestieren; Hornhauttrübung durch angeborene Störung des Hornhautstoffwechsels)
  • Sklera (Lederhaut): Die Oberfläche der Lederhaut kann gut mit der Spaltlampe untersucht werden. Tiefere Schichten sind ebenfalls zum Teil der Inspektion zugänglich, indem oberflächliche Blutgefäße mit einem Glasspatel komprimiert oder vasokonstriktive (gefäßverengende) Augentropfen verabreicht werden. Mögliche Läsionen an der Sklera sind: 
    • Verletzungen
    • Verfärbungen
    • Skleraatrophie (Sklerarückbildung; Ausdünnung durch Gewebeschwund, häufig als Folge einer Entzündung)
    • Skleraektasie (Ausdünnung der Sklera durch Dehnung des Augapfels, z. B. bei hochgradiger Kurzsichtigkeit)
    • Degenerations- und Verkalkungszonen (häufig bei älteren Menschen im Lidspaltenbereich)
    • Episkleritis (Entzündung des Stromas (Stützgerüst) zwischen Leder- und Bindehaut kann diffus, sektorenförmig oder nodulär sein)
    • Skleritis (tiefe Entzündung der Lederhaut; meist liegt eine Allgemeinerkrankung ursächlich vor, z. B. rheumatoide Arthritis)
  • Lens (Linse): Die Linse kann bei weitgestellter Pupille gut mit der Spaltlampe untersucht werden. 
    • Katarakt (Linsentrübung): Linsentrübungen können altersbedingt sowie durch zahlreiche Krankheiten bedingt sein (Entzündungen, Verletzungen, Medikamente etc.). Mit Hilfe der Spaltlampe können Trübungen erkannt werden und insbesondere kann bestimmt werden, in welcher Linsenschicht sich diese befinden. Je nach Lokalisation unterscheidet man zwischen Cataracta corticalis (Rindenstar), Cataracta subcapsularis posterior (hinterer Schalentrübung), Cataracta nuclearis (Kernstar), Catarakta zonularis (Schichtstar) oder Cataracta coronaria (Kranzstar).
    • Formveränderungen der Linse
    • Ectopia lentis (Lageveränderungen der Linse)
  • Iris (Regenbogenhaut) und Corpus ciliare (Strahlenkörper): Mit der Spaltlampe betrachtet man die Form, Farbe und Zeichnung der Iris sowie die Irisgefäße. Außerdem achtet man auf die Transparenz der Vorderkammer, die bei Entzündungen der Iris oftmals aufgehoben ist. Verschiedene Defekte der Iris können erkannt werden:
    • Verletzungen
    • Iridozyklitis (Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers, oft in Assoziation mit Autoimmunerkrankungen)
    • Rubeosis iridis (Gefäßneubildung an der Iris durch Ischämie (Minderdurchblutung) der Netzhaut, z. B. bei Diabetes mellitus)
    • Tumoren: Irismelanom, Ziliarkörpermelanom etc.
    • Fehlbildungen: Kolobome (angeborene (zum Teil genetisch bedingte) oder auch erworbene Spaltbildung von Iris (Regenbogenhaut), Linse, Augenlid oder Aderhaut), Aniridie (Fehlen der Iris), Albinismus (angeborene Störungen in der Biosynthese der Melanine; hier: fehlende Pigmentierung der Iris)
  • Corpus vitreum (Glaskörper): Der vordere Abschnitt des Glaskörpers lässt sich mit der Spaltlampe gut beurteilen.
    • Glaskörpertrübungen
    • Endophthalmitis (Entzündungen des Augeninneren, wobei der Glaskörper stets betroffen ist, Notfallsituation)

Das Spaltlampenmikroskop findet außerdem seine Verwendung in Kombination mit weiteren Hilfsmitteln, die zum Teil direkten Hornhautkontakt erfordern. Dadurch können beispielsweise tiefere Augenabschnitte beurteilt oder der Augeninnendruck gemessen werden.

  • Spaltlampenmikroskopie der Netzhaut/Aderhaut: Durch Vorhalten eines zusätzlichen Vergrößerungsglases (Kontaktglas oder Lupe) kann mit der Spaltlampe eine Untersuchung des Fundus (Augenhindergrunds) und hinteren Glaskörpers durchgeführt werden. Viele Veränderungen des Fundus müssen rechtzeitig erkannt werden, um einer gravierenden Sehminderung vorzubeugen.
    • Ablatio retinae (Netzhautablösung) und Retinoschisis (Netzhautspaltung)
    • Diabetische Retinopathie (Netzhauterkrankung infolge von Diabetes mellitus)
    • Hypertensive Retinopathie (Netzhauterkrankung infolge von Hypertonie/Bluthochdruck)
    • Retinale Gefäßverschlüsse (Gefäßverschlüsse der Netzhaut)
    • Retinitis (Netzhautentzündung)
    • Retinale Vaskulitis (Entzündung der Netzhautgefäße)
    • Makuladegeneration (Gruppe von Erkrankungen, die die Makula lutea („der Punkt des schärfsten Sehens“) – auch „Gelber Fleck“ genannt – der Netzhaut betreffen; die Krankheit geht mit einem allmählichen Funktionsverlust der dort befindlichen Gewebe einher)
    • Retinopathia pigmentosa (Synonym: Retinitis pigmentosa; Abk.: RP) beschreibt eine durch Vererbung oder spontane Mutation entstehende Netzhautdegeneration, bei der die Photorezeptoren zerstört werden)
    • Tumoren der Netzhaut: z. B. Retinoblastom, Astrozytom, Hämangiom
  • Tonometrie (Messung des Augeninnendrucks): Die Spaltlampe kann zur Platzierung des Tonometers verwendet werden, sodass anschließend der Augeninnendruck (z. B. wg. Glaukom) gemessen werden kann. 
  • Gonioskopie (Einsicht des Kammerwinkels): Die Spaltlampe kann zur Platzierung des Gonioskops verwendet werden, womit der Kammerwinkel eingesehen werden kann.
  • Lasertherapie: Eine Spaltlampe kann mit einem Laser kombiniert werden, indem der Lichtspalt parallel zum Laserstrahl verläuft und hierdurch die Laserführung erleichtert wird.
  • Anpassung von Kontaktlinsen: Der korrekte Sitz und die Verschiebbarkeit von Kontaktlinsen kann durch die Vergrößerung des Spaltlampenmikroskops kontrolliert werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Ein Mydriatikum vor einer Spaltlampenuntersuchung ist bei Vorliegen eines Glaukoms (besonders Engwinkelglaukom) kontraindiziert.

Vor der Untersuchung

Die Spaltlampenuntersuchung der vorderen Augenabschnitte kann ohne besondere Vorbereitung des Patienten erfolgen. Die Einsicht in die hinteren Augenabschnitte (z. B. Augenhintergrund) erfordert meist eine Weitstellung der Pupille, die mit einem für wenige Stunden wirkenden Mydriatikum (pupillenweitstellendes Medikament) in Form von Augentropfen erreicht wird. Vor der Anwendung von Geräten, die direkten Hornhautkontakt erfordern (z. B. Tonometer, Gonioskop), wird außerdem eine Lokalanästhesie (Betäubung) der Cornea durchgeführt.

Das Verfahren

Die Spaltlampe ist heutzutage ein medizinisches Gerät aus mehreren Bestandteilen, die zum Teil an Schwenkarmen befestigt und somit gegeneinander verschiebbar sind. Es gibt eine Beleuchtungseinrichtung (eigentliche Spaltlampe) und ein binokulares Mikroskop, das dem Arzt eine vergrößerte Darstellung des zu untersuchenden Auges erlaubt. Der Kopf des Patienten ist durch eine Kinn- und Stirnstütze stabilisiert.

Untersuchung des vorderen Augenabschnitts

Folgende Strukturen des vorderen Augenabschnittes können mit der Spaltlampe eingesehen werden:  Conjunctiva (Bindehaut), Cornea (Hornhaut), Iris (Regenbogenhaut), Lens (Linse) und Camera anterior (Vorderkammer). Dabei finden verschiedene Techniken Verwendung:

  • Direkte Beleuchtung: Der Arzt führt den Lichtstrahl über die gesamte Cornea und erstellt ihren optischen Querschnitt. Die Tiefe und Dicke von Hornhautveränderungen kann sichtbar gemacht werden.
  • Indirekte Beleuchtung / Sklerastreuung: Der Lichtstrahl wird dezentriert und so eingestellt, dass er seitlich am Limbus corneae (Hornhautrand) einfällt. Bei intakter und transparenter Cornea wird er komplett von innen reflektiert und tritt am anderen Limbus corneae wieder aus. Ist die Hornhaut jedoch geschädigt und in ihrer Transparenz gemindert, kommt es zu einer Lichtstreuung im Bereich der Läsion. 
  • Retrograde Beleuchtung: Der Lichtstrahl wird senkrecht ausgerichtet und an der Iris bzw. am Fundus reflektiert. Dieses retrograde Licht wird zur Ausleuchtung der Cornea genutzt. Hiermit können sehr feine Veränderungen wie Epithelzysten oder kleine Blutgefäße dargestellt werden.
  • Spezielle Anfärbungen: Zur Beurteilung von oberflächlichen Zellschädigungen der Cornea können Anfärbungen mit Fluoreszein (anschließend Betrachtung unter Blaulicht) oder Bengalrosa durchgeführt werden, sodass z. B. Erosionen besser sichtbar gemacht werden.
  • Kombination mit indirektem Gonioskop: Die Spaltlampe wird als Kontrollinstrument zur korrekten Platzierung des Gonioskops verwendet. Ein Gonioskop wird zur Einsicht des Kammerwinkels genutzt.

Untersuchung des hinteren Augenabschnitts

Mit der Spaltlampe können auch das Corpus vitreum (Glaskörper) und die Retina (Netzhaut) als Strukturen des hinteren Augenabschnitts eingesehen werden. Hierzu sind eine Weitstellung der Pupille und zusätzliche Hilfsmittel notwendig:

  • Dreispiegelglas nach Goldmann: Es handelt sich hierbei um die direkte Spaltlampenmikroskopie der Netzhaut mit einem Kontaktglas. Nach Lokalanästhesie der Augenoberfläche wird ein Dreispiegelglas direkt aufgesetzt, sodass die Brechkraft der Hornhaut aufgehoben und eine Inspektion des Augenhintergrunds ermöglicht wird.
  • Panfundoskop / 78- oder 90-dpt-Lupe: Das Vorhalten einer stark vergrößernden Lupe ist eine indirekte Methode der Netzhautuntersuchung ohne direkten Hornhautkontakt. Man erhält ein umgekehrtes, reelles Bild der Netzhaut, das mit dem Spaltlampenmikroskop vergrößert wird. 

Andere Verwendungen

  • Kombination mit einem Tonometer: Die Spaltlampe wird als Hilfsmittel zur Platzierung eines Tonometers verwendet. Mit einem Tonometer kann der Augeninnendruck gemessen werden (z. B. bei Glaukom – grüner Star).
  • Kombination mit einem Laser: Der Laserstrahl wird parallel zum Lichtstrahl der Spaltlampe ausgerichtet.

Mögliche Komplikationen

  • Bei der alleinigen Spaltlampenuntersuchung sind keine Komplikationen zu erwarten.

Literatur

  1. Kanski JJ: Klinische Ohpthalmologie Lehrbuch und Atlas. Elsevier, Urban & Fischer Verlag: 2008 
  2. Grehn F: Augenheilkunde. Springer-Verlag 2006
  3. Lang GK: Augenheilkunde. Georg Thieme-Verlag 2008

     
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