Mukoviszidose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Mukoviszidose (erbliche Erkrankung mit zähem Schleim) – cystische Fibrose (CF) – mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Allergische bronchopulmonale Aspergillose (allergische Pilzerkrankung der Bronchien und Lunge) (ABPA) und Aspergillus-Bronchitis (Pilzbronchitis) – relevante immunologisch-infektiologische Komplikationen (Folgeerkrankungen) bei chronischer Atemwegserkrankung; Aspergillus fumigatus (Schimmelpilzart) kann bei Mukoviszidose kolonisieren und bei entsprechender Sensibilisierung (Überempfindlichkeitsreaktion) beziehungsweise bronchialer Entzündungsreaktion eine ABPA auslösen [L2]
  • Atelektasen (minderbelüftete Lungenabschnitte) – rezidivierende oder persistierende Minderbelüftung von Lungenabschnitten infolge Schleimretention (Schleimverhalt), Bronchialobstruktion (Verengung der Bronchien) und chronischer Entzündung [L2]
  • Bronchiektasen (krankhafte Erweiterungen der Bronchien) – irreversible Erweiterungen der Bronchien infolge chronischer neutrophiler Entzündung, mukoziliärer Clearance-Störung (gestörter Selbstreinigung der Atemwege), visköser Sekrete (zäher Absonderungen) und rezidivierender Infektionen; zentrale strukturelle Manifestation (Krankheitsausprägung) der CF-Lungenerkrankung [L1, L2]
  • Chronische Rhinosinusitis (dauerhafte Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen) – häufige Manifestation der oberen Atemwege mit nasaler Obstruktion (Nasenverstopfung), Sekretretention, Riechstörung, rezidivierenden Exazerbationen (Krankheitsschüben) und möglicher zusätzlicher Beeinträchtigung der Lebensqualität [L2]
  • Chronische suppurative Bronchitis (dauerhafte eitrige Bronchialentzündung) und chronische Pneumonie (dauerhafte Lungenentzündung) – durch persistierende bakterielle Atemwegsinfektion, insbesondere mit Staphylococcus aureus, Haemophilus influenzae, Pseudomonas aeruginosa, Burkholderia-cepacia-Komplex oder nichttuberkulösen Mykobakterien [L2]
  • Fortschreitende respiratorische Insuffizienz (zunehmende Atemschwäche) – Endstrecke der progredienten CF-Lungenerkrankung mit Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Hyperkapnie (erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut), Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung) und gegebenenfalls Indikation zur Sauerstofftherapie, nichtinvasiven Ventilation (Beatmung ohne Luftröhrenschlauch) oder Lungentransplantation [L2]
  • Hämoptysen (Bluthusten) bis massive Hämoptysen – Folge bronchialer Entzündung, Bronchiektasen und bronchialarterieller Hypervaskularisation (vermehrter Gefäßbildung in Bronchialarterien); massive Blutungen sind potenziell vital bedrohlich [L2]
  • Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) und Überblähung – Folge obstruktiver Ventilationsstörung (Atemwegsverengung mit gestörter Belüftung), Air trapping (Lufteinschluss) und struktureller Lungenschädigung [L2]
  • Pneumothorax (Luft im Brustfellraum) – relevante Komplikation fortgeschrittener CF-Lungenerkrankung, insbesondere bei ausgeprägter struktureller Destruktion (Gewebezerstörung), Emphysem und bullösen Veränderungen (blasenförmigen Lungenveränderungen) [L2]
  • Pulmonale Exazerbationen (akute Verschlechterungen der Lungenerkrankung) – akute klinische Verschlechterungen mit Zunahme von Husten, Sputum (Auswurf), Dyspnoe (Atemnot), Fatigue (Erschöpfung), Gewichtsverlust und/oder Abfall der Lungenfunktion; sie sind mit beschleunigtem Funktionsverlust und erhöhter Morbidität (Krankheitslast) assoziiert [1, L2]
  • Pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) und chronisches Cor pulmonale (Rechtsherzbelastung durch Lungenerkrankung) – Folge chronischer Hypoxämie, vaskulärer Remodellierung (Gefäßumbau) und fortgeschrittener Lungenerkrankung [L2]
  • Schlafbezogene Hypoventilation (verminderte Atmung im Schlaf) – insbesondere bei fortgeschrittener respiratorischer Insuffizienz mit nächtlicher Hypoxämie und Hyperkapnie [L2]

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)

  • Mekoniumileus (Darmverschluss durch Kindspech) – klassische neonatale Erstmanifestation der Mukoviszidose durch hochviskösen Darminhalt mit Obstruktion (Verschluss) des terminalen Ileums (letzter Dünndarmabschnitt); möglich sind Volvulus (Darmverdrehung), Perforation (Durchbruch), Peritonitis (Bauchfellentzündung) und Ileusatresie (angeborener Darmverschluss) [L1, L2]
  • Neugeborenenikterus (Gelbsucht des Neugeborenen) beziehungsweise prolongierter Ikterus (verlängerte Gelbsucht) – möglich bei neonataler cholestatischer Beteiligung oder hepatobiliärer Manifestation der Mukoviszidose [L3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • CF-assoziierter Diabetes mellitus (mukoviszidosebedingte Zuckerkrankheit) – häufige extrapulmonale Komplikation infolge progredienter Störung der endokrinen Pankreasfunktion (hormonbildende Funktion der Bauchspeicheldrüse); assoziiert mit schlechterem Ernährungszustand, erhöhter pulmonaler Morbidität und ungünstigerem Verlauf [L2]
  • Exokrine Pankreasinsuffizienz (Verdauungsschwäche der Bauchspeicheldrüse) – häufige Komplikation mit Maldigestion (gestörter Verdauung), Steatorrhoe (Fettstuhl), Gewichtsverlust, Mangel an fettlöslichen Vitaminen und erhöhtem Risiko für Gedeihstörung [L1, L2]
  • Gedeihstörung (gestörte körperliche Entwicklung) und Wachstumsstörung – Folge erhöhter metabolischer Belastung, chronischer Entzündung, Maldigestion, Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme), Appetitminderung und rezidivierender Infektionen [L1, L2]
  • Mangel an fettlöslichen Vitaminen – insbesondere Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K infolge exokriner Pankreasinsuffizienz, Fettmaldigestion (gestörter Fettverdauung) und Cholestase (Gallenstau); Vitamin-D-Mangel ist zusätzlich mit pulmonalen Exazerbationen assoziiert [1, L1, L2]
  • Mangelernährung und Sarkopenie (Muskelschwund) – prognostisch relevante Folge von Maldigestion, chronischer Inflammation (Entzündung), erhöhtem Energiebedarf und pulmonaler Krankheitslast [L1, L2]
  • Pubertas tarda (verzögerte Pubertät) – verzögerte Pubertätsentwicklung infolge chronischer Erkrankung, Mangelernährung, niedriger Körperfettmasse und endokriner Begleitstörungen [L1, L2]
  • Salzverlustsyndrom (krankhafter Salzverlust) und hypochlorämische metabolische Alkalose (Störung des Säure-Basen-Haushalts mit niedrigem Chlorid) – insbesondere bei Säuglingen, Hitzeexposition, Fieber oder unzureichender Salzsubstitution durch erhöhten Elektrolytverlust im Schweiß [L1]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chronische Atemwegsinfektion mit Pseudomonas aeruginosa – klinisch bedeutsam durch beschleunigten Lungenfunktionsverlust, erhöhte Exazerbationsfrequenz und erschwerte antimikrobielle Therapie [L2]
  • Infektionen mit Burkholderia-cepacia-Komplex – potenziell schwerwiegende Komplikation mit Risiko eines raschen klinischen Abfalls, erhöhter Transplantationsrelevanz und besonderen Hygienemaßnahmen [L2]
  • Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien – relevante chronische Atemwegsinfektion bei Mukoviszidose mit diagnostischer und therapeutischer Komplexität [L2]
  • Rezidivierende bakterielle Atemwegsinfektionen – insbesondere durch Staphylococcus aureus, Haemophilus influenzae und Pseudomonas aeruginosa; sie tragen wesentlich zur Progression (Fortschreiten) der strukturellen Lungenerkrankung bei [L2]
  • Sepsis (Blutvergiftung) – seltene, aber potenziell vital bedrohliche Komplikation schwerer bakterieller Infektionen oder postoperativer beziehungsweise transplantationsassoziierter Verläufe [L2]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • CF-assoziierte hepatobiliäre Erkrankung (mukoviszidosebedingte Leber- und Gallenerkrankung) – Spektrum aus fokaler biliärer Fibrose (örtlich begrenzter narbiger Umbau an den Gallenwegen), Cholestase, Steatose (Fettleber), multilobulärer Zirrhose (mehrlappiger narbiger Leberumbau), portaler Hypertension (Pfortaderhochdruck) und fortgeschrittener Lebererkrankung [L3]
  • Cholezystolithiasis (Gallenblasensteine) – gehäuft bei Mukoviszidose infolge veränderter Gallenzusammensetzung, Gallengangsbeteiligung und hepatobiliärer Dysfunktion (Leber-Gallen-Funktionsstörung) [L3]
  • Fokale biliäre Fibrose und biliäre Zirrhose (narbiger Leberumbau durch Gallenwegsbeteiligung) – charakteristische Lebermanifestation durch zähes Gallensekret, Gallengangsobstruktion (Gallenwegsverschluss) und periportale Fibrose (narbiger Umbau um Pfortaderfelder) [L3]
  • Leberzirrhose (narbiger Leberumbau) – mögliche fortgeschrittene Manifestation der CF-assoziierten Lebererkrankung mit Risiko für portale Hypertension, Splenomegalie (Milzvergrößerung), Ösophagusvarizen (Krampfadern der Speiseröhre) und hepatische Dekompensation (Leberversagen) [L3]
  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), akut oder rezidivierend – insbesondere bei pankreassuffizienten Patienten und bestimmten CFTR-Genotypen (Erbanlagenmustern) [L2]
  • Portale Hypertension – relevante Komplikation der fortgeschrittenen CF-assoziierten Lebererkrankung mit Risiko für Varizenblutung (Blutung aus Krampfadern), Hypersplenismus (Überfunktion der Milz) und Thrombozytopenie [L3]
  • Steatosis hepatis – häufige hepatobiliäre Begleitmanifestation, beeinflusst durch Ernährung, Inflammation, Diabetes mellitus und Leberbeteiligung [L3]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Distales intestinales Obstruktionssyndrom (Darmverschluss im unteren Dünndarm-/Blinddarmbereich) – Obstruktion vor allem im terminalen Ileum und Zökum (Blinddarm) durch viskösen Darminhalt; klinisch mit abdominellen Schmerzen (Bauchschmerzen), Obstipation (Verstopfung), Meteorismus (Blähbauch), Erbrechen und Subileus-/Ileusbild (drohender oder vollständiger Darmverschluss) [L2]
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit der Speiseröhre) – häufige gastrointestinale Komorbidität bei Mukoviszidose; kann Husten, Aspirationsereignisse (Einatmen von Mageninhalt), thorakale Beschwerden (Brustkorbbeschwerden) und Ernährungsprobleme verstärken [L2]
  • Intestinale Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme im Darm) – Folge exokriner Pankreasinsuffizienz, Maldigestion und gestörter Nährstoffaufnahme mit Steatorrhoe, Gewichtsverlust und Mikronährstoffmangel [L1, L2]
  • Obstipation – häufige gastrointestinale Komplikation durch veränderte intestinale Sekretion, verlangsamte Passage, Dehydratation (Austrocknung), Pankreasinsuffizienz und medikamentöse Einflüsse [L2]
  • Rektumprolaps (Enddarmvorfall) – mögliche Komplikation im Kindesalter bei chronischem Husten, Malnutrition (Unterernährung), Steatorrhoe und erhöhtem intraabdominellem Druck (Druck im Bauchraum) [L2]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • CF-Arthropathie (mukoviszidosebedingte Gelenkerkrankung) – episodische oder chronische Gelenkbeschwerden bis Arthritis (Gelenkentzündung); Risikofaktoren sind unter anderem höheres Alter, weibliches Geschlecht, chronische Pseudomonas-aeruginosa-Infektion, Pankreasinsuffizienz, Diabetes mellitus und häufigere stationäre Behandlungen [2, 3]
  • Kyphose (Rundrücken) und Thoraxdeformität (Brustkorbverformung) – mögliche Folge chronischer Lungenerkrankung, Wirbelkörperfrakturen, Osteoporose und eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit [L2]
  • Osteopenie (verminderte Knochendichte) und Osteoporose (Knochenschwund) – CF-assoziierte Knochenerkrankung durch chronische Entzündung, Malnutrition, Vitamin-D-Mangel, Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen), Glukokortikoidexposition (Behandlung mit Cortisonpräparaten), reduzierte körperliche Aktivität und fortgeschrittene Lungenerkrankung [L1, L2]
  • Pathologische Frakturen (Knochenbrüche bei geschwächtem Knochen) und Wirbelkörperfrakturen – klinisch relevante Komplikationen der CF-assoziierten Knochenerkrankung mit Schmerz, Mobilitätseinschränkung und zusätzlicher Einschränkung der Atemmechanik [L2]
  • Reduzierte Muskelmasse und körperliche Leistungsfähigkeit – Folge chronischer Entzündung, pulmonaler Limitation (Einschränkung durch die Lunge), Malnutrition und Inaktivität [L1, L2]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Gastrointestinale Tumorerkrankungen (Tumoren des Magen-Darm-Trakts) – bei erwachsenen Patienten mit Mukoviszidose besteht ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Neoplasien (Neubildungen), insbesondere mit zunehmendem Alter und nach Organtransplantation unter Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) [L2, L4]
  • Kolorektales Karzinom (Dickdarm- und Enddarmkrebs) – erhöhtes Risiko bei Mukoviszidose, besonders nach Lungentransplantation; Screening- und Vorsorgestrategien sind daher bei erwachsenen Patienten relevant [L2, L4]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen – häufige psychosoziale Folge chronischer Erkrankung, wiederholter Exazerbationen, Therapiebelastung, Transplantationsperspektive und krankheitsbezogener Zukunftsunsicherheit [L2, L4]
  • Depressive Störungen (Depressionen) – bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Mukoviszidose klinisch relevant; sie können Adhärenz (Therapietreue), Lebensqualität, Ernährung, körperliche Aktivität und Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen [L2, L4]
  • Schlafstörungen und Fatigue – häufig bei fortgeschrittener Lungenerkrankung, nächtlicher Hypoxämie, chronischer Entzündung, Schmerzen, Husten und psychischer Belastung [L2, L4]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Erhöhtes maternales Risiko (Risiko der Mutter) bei fortgeschrittener Lungenerkrankung – insbesondere bei stark eingeschränkter Lungenfunktion, pulmonaler Hypertonie, schwerer Malnutrition oder CF-assoziiertem Diabetes mellitus [L4]
  • Erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) und metabolische Dekompensation (Stoffwechselentgleisung) – vor allem bei vorbestehender gestörter Glukosetoleranz oder CF-assoziiertem Diabetes mellitus [L4]
  • Erhöhtes Risiko für Frühgeburtlichkeit (zu frühe Geburt) und fetale Wachstumsrestriktion (Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes) – vor allem bei schwerer maternaler Erkrankung, Mangelernährung und eingeschränkter Lungenfunktion [L4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Abdominelle Schmerzen – häufig durch Obstipation, distales intestinales Obstruktionssyndrom, Pankreatitis, gastroösophageale Refluxkrankheit, Gallensteine oder hepatobiliäre Komplikationen [L2, L3]
  • Chronischer Husten – Leitsymptom der CF-Lungenerkrankung infolge chronischer Bronchitis, Bronchiektasen, Schleimretention und rezidivierender Infektionen [L2]
  • Chronische Schmerzen – möglich durch pulmonale Exazerbationen, Hämoptysen, Pneumothorax, Pankreatitis, gastrointestinale Obstruktion, Arthropathie, Osteoporose und Wirbelkörperfrakturen [L2]
  • Fatigue – häufige krankheitsassoziierte Belastung bei chronischer Entzündung, Schlafstörung, respiratorischer Insuffizienz, Mangelernährung und psychischer Komorbidität (Begleiterkrankung) [L2, L4]
  • Hämoptyse – klinisches Warnsymptom bei Bronchiektasen, chronischer Infektion und bronchialarterieller Gefäßproliferation (Gefäßvermehrung) [L2]
  • Kachexie (krankhafte Auszehrung) – Spätfolge schwerer chronischer Entzündung, Malnutrition, respiratorischer Insuffizienz, Maldigestion und hoher metabolischer Krankheitslast [L1, L2]
  • Steatorrhoe – Folge exokriner Pankreasinsuffizienz mit Fettmaldigestion und unzureichender Pankreasenzymwirkung [L1, L2]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Kongenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (angeborenes beidseitiges Fehlen des Samenleiters) – Hauptursache der männlichen Infertilität (Unfruchtbarkeit) bei Mukoviszidose; führt typischerweise zu obstruktiver Azoospermie (Fehlen von Spermien durch Verschluss) bei erhaltener Spermatogenese (Spermienbildung) [4, L4]
  • Infertilität bei Frauen – möglich durch zähes Zervixsekret (Gebärmutterhalsschleim), gestörte Ovulation (Eisprung) bei Mangelernährung, verzögerte Pubertät, chronische Entzündung und reduzierte allgemeine Belastbarkeit; Fertilität (Fruchtbarkeit) ist im Vergleich zu Männern weniger regelhaft eingeschränkt [L4]
  • Infertilität bei Männern – betrifft die große Mehrzahl der männlichen Patienten mit Mukoviszidose; assistierte Reproduktion (künstliche Befruchtung) ist bei vorhandener Spermatogenese grundsätzlich möglich [4, L4]
  • Nephrolithiasis/Urolithiasis (Nierensteine/Harnsteine) – erhöhtes Risiko unter anderem durch intestinale Malabsorption, Hyperoxalurie (erhöhte Oxalsäureausscheidung im Urin), Dehydratation, Antibiotikaexposition (Antibiotikabehandlung) und metabolische Begleitfaktoren [L2]

Prognosefaktoren

  • Genotyp und CFTR-Modulator-Ansprechen
    • CFTR-Genotyp, Verfügbarkeit und Wirksamkeit einer CFTR-Modulatortherapie (Behandlung zur Verbesserung der CFTR-Funktion) beeinflussen Lungenfunktion, Exazerbationsrate, Ernährungszustand, Progression extrapulmonaler Manifestationen und Langzeitprognose [L1, L2, L4]
  • Lungenfunktion und strukturelle Lungenschädigung
    • Niedrige Einsekundenkapazität, ausgeprägte Bronchiektasen, chronische Hypoxämie, pulmonale Hypertonie, Pneumothorax, massive Hämoptysen und häufige pulmonale Exazerbationen sind ungünstige Prognosemarker (Vorhersagefaktoren) [L2]
  • Chronische Atemwegsinfektion
    • Persistierende Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa, Burkholderia-cepacia-Komplex oder nichttuberkulösen Mykobakterien erhöhen Morbidität, Therapiekomplexität und Risiko einer progredienten Lungenschädigung [L2]
  • Ernährungszustand und Pankreasfunktion
    • Niedriger Body-Mass-Index, Gedeihstörung, exokrine Pankreasinsuffizienz, Vitaminmangel und Sarkopenie sind mit ungünstigerem Verlauf und eingeschränkter pulmonaler Reserve assoziiert [L1, L2]
  • CF-assoziierter Diabetes mellitus
    • CF-assoziierter Diabetes mellitus verschlechtert Ernährungsstatus und pulmonale Prognose und erfordert strukturierte Früherkennung und Therapie [L2]
  • Hepatobiliäre Beteiligung
    • Portale Hypertension, multilobuläre Zirrhose, Ösophagusvarizen, Splenomegalie und fortgeschrittene Lebererkrankung sind relevante Morbiditäts- und Prognosefaktoren [L3]
  • Knochengesundheit und körperliche Aktivität
    • Osteoporose, Frakturen, reduzierte Muskelmasse und Inaktivität verschlechtern Mobilität, Atemmechanik, Lebensqualität und Belastbarkeit [L1, L2]
  • Psychische Komorbidität und Adhärenz
    • Depression, Angststörungen, hohe Therapielast und reduzierte Adhärenz können Exazerbationen, Ernährungsstatus, Lebensqualität und Langzeitverlauf ungünstig beeinflussen [L2, L4]
  • Transplantationsstatus
    • Nach Lungentransplantation bestehen zusätzliche Risiken durch Immunsuppression, Infektionen, Malignome (bösartige Tumoren), Diabetes mellitus, Osteoporose und chronische Transplantatdysfunktion (Funktionsstörung des übertragenen Organs) [L2, L4]

Literatur

  1. Vanstone MB, Egan ME, Zhang JH, Carpenter TO: Association between serum 25-hydroxyvitamin D level and pulmonary exacerbations in cystic fibrosis. Pediatr Pulmonol. 2015;50(5):441-446. https://doi.org/10.1002/ppul.23161 
  2. Grehn C, Dittrich AM, Wosniok J et al.: Risk factors for cystic fibrosis arthropathy: Data from the German cystic fibrosis registry. J Cyst Fibros. 2021;20(6):e87-e92. https://doi.org/10.1016/j.jcf.2021.05.003 
  3. Holz F, Can E, Grehn C et al.: Manifestation and staging of arthropathy in cystic fibrosis. Defining different stages of cystic fibrosis arthropathy using ultrasound imaging and clinical scoring. J Cyst Fibros. 2023;22(6):980-988. https://doi.org/10.1016/j.jcf.2023.04.011 
  4. Taussig LM, Lobeck CC, di Sant’Agnese PA et al.: Fertility in males with cystic fibrosis. N Engl J Med. 1972;287(12):586-589. https://doi.org/10.1056/NEJM197209212871204 

Leitlinien

  1. Southern KW, Addy C, Bell SC et al.: Standards for the care of people with cystic fibrosis; establishing and maintaining health. J Cyst Fibros. 2024;23(1):12-28. https://doi.org/10.1016/j.jcf.2023.12.002 
  2. Burgel PR, Southern KW, Addy C et al.: Standards for the care of people with cystic fibrosis (CF); recognising and addressing CF health issues. J Cyst Fibros. 2024;23 Suppl 1:S1-S15. https://doi.org/10.1016/j.jcf.2024.01.005 
  3. Sellers ZM, Assis DN, Paranjape SM et al.: Cystic fibrosis screening, evaluation, and management of hepatobiliary disease consensus recommendations. Hepatology. 2024;79(5):1220-1238. https://doi.org/10.1097/HEP.0000000000000646 
  4. Gramegna A, Addy C, Allen L et al.: Standards for the care of people with cystic fibrosis (CF); Planning for a longer life. J Cyst Fibros. 2024;23(3):375-387. https://doi.org/10.1016/j.jcf.2024.05.007