Labordiagnostik
Lungenentzündung (Pneumonie)

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Blutbild häufig Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen) mit Linksverschiebung, d. h. Verschiebung bei den Granulozyten zugunsten jüngerer Vorstufen (z. B. stabkernige Granulozyten; ggf. toxische Granulationen)
  • BSG (Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit) ↑↑↑ oder CRP (C-reaktives Protein) ↑↑↑ [CRP-Schwellenwert: 30 mg/l; Mittelwert: 97 [2]] oder Procalcitonin ↑↑↑ (Procalcitonin steigt innerhalb weniger Stunden (2-3 h) an und erreicht sein Maximum bereits nach 24 Stunden) [weder Leukozytenzahl noch CRP können die Diagnose einer Pneumonie sichern; Procalcitonin kann ggf. eine Antibiotikatherapie verkürzen oder vermeiden]
    Beachte: Patienten (hier: Erwachsene) ohne erhöhte PCT-Konzentration haben in der Regel auch keine bakterielle Infektion; Serum-PCT-Konzentrationen: virale Infekte im Median 0,09 ng/ml, Infekte mit atypischen Bakterien (Chlamydien, Rickettsien, Mykoplasmen, Legionellen) 0,20 ng/ml und eine typische bakterielle Pneumonie hatte im Median 2,5 ng/ml [3]. 
    Eine europäische Studie mit Kindern und ambulant erworbener Pneumonie konnte zwar bestätigen, dass ein niedriger Wert mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für eine bakteriell induzierte ambulant erworbene Pneumonie assoziiert war: Sensitivität betrug 86 % (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Verfahrens erkannt wird, d. h. ein positiver Befund auftritt) aber die Spezifität des Tests war mit 45 % (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) sehr unbefriedigend [4].
  • BNP (Brain natriuretic peptide) – Prognosemarker; dieser zeigt das 30-Tages-Mortalitätsrisiko von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie (Community-Acquired Pneumonia, CAP) [BNP-Spiegel ≥ 224,1 pg/ml; bei diesem Grenzwert: Sensitivität 58,8 % (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) und Spezifität 80,8 % (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, durch den Test auch als gesund erkannt werden) [1] ]

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung etc. – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Blutgasanalyse (BGA)
  • Nachweis des Erregers aus Sputum, Pleuraexsudat, Bronchialsekret oder Lungenbiopsie
    Indikationen für eine Sputumdiagnostik bei ambulant erworbener Pneumonien (AEP; englisch CAP = community acquired pneumonia):
    schwerer Krankheitsverlauf mit Hospitalisierung, immungeschwächte Patienten, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung), antibiotische Vorbehandlung etc.
    Hinweis: bei CAP haben Sputumuntersuchungen eine niedrige Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) und Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden)
    ; des Weiteren sind die infrage kommenden Erreger bekannt
  • Bei atypischer Pneumonie (Chlamydien (Chlamydophila pneumoniae: Ornithose), Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae), Legionellen, Pneumocystis carinii, Viren (z. B. Grippeviren; Parainfluenza, Enteroviren, Humane Coronaviren), Rickettsien)
    • Bakteriologie (kulturell): Respirationstraktsekret (Sputum, Bronchoalveoläre Lavage) auf Erreger und Resistenz (auch Legionellen, Mykoplasmen-Ag)
    • Serologie: Nachweis von AK gegen Chlamydien, Coxiella burnetti, Legionellen, Mykoplasmen, Pneumocystis carinii
    • Quantitative PCR und Immunfluoreszenz: Nachweis von Pneumocystis carinii
  • Blutkulturen (aerobe und anaerobe Blutkulturen; 2-mal 2 oder besser 3-mal 2 Blutkulturen)

Eine Pneumonie kann durch folgende Erreger entstehen:

  • Atypische Erreger – Chlamydien, Legionellen, Mykoplasmen, Rickettsien und andere führen zur atypischen Pneumonie
  • Bakterien – Branhamella catarrhalis, Chlamydia pneumoniae, Haemophilus influenzae, Klebsiella pneumoniae*, Legionella, Pneumokokken, Staphylokokken,  Pseudomonas aeruginosa
  • Viren – Adeno-Viren, Cytomegalie-Virus, Enteroviren, Hanta-Virus, Influenz-A-B-Virus, Masernvirus, Parainfluenza-Virus, Respiratory-syncytial-Virus (RSV), Varicella-Zoster-Virus
  • Pilze – Aspergillus, Blastomyces spp., Candida, Coccidioides, Histoplasma
  • Parasiten – Pneumocystis carinii, Toxoplasma gondii

*Beachte: Bei Nachweis von Klebsiella pneumoniae auch an das in Europa seltene "Klebsiella pneumoniae assoziierte invasive Leberabszess Syndrom" denken, was bisher nur in Asien vorkommt.

Literatur

  1. Usuda D et al.: Validation of a B-type natriuretic peptide as a prognostic marker in pneumonia patients: a prospective cohort study. BMJ Open 2016; 6: e010440
  2. Teepe J et al.: Predicting the presence of bacterial pathogens in the airways of primary care patients with acute cough. CMAJ 2016, online 24. Oktober; doi: 10.1503/cmaj.151364
  3. Self W. H. et al.: Procalcitonin as a Marker of Etiology in Adults Hospitalized With Community-Acquired Pneumonia. Clin Infect Dis 2017;65(2): 183-190; doi: 10.1093/cid/cix317
  4. Stockmann C et al.: Procalcitonin Accurately Identifies Hospitalized Children With Low Risk of Bacterial Community-Acquired Pneumonia. Journal of the Pediatric Infectious Diseases Society, Volume 7, Issue 1, March 2018, Pages 46-53, https://doi.org/10.1093/jpids/piw091

     
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