Influenza-Impfung (Grippeimpfung)

Für die Influenza-Impfung wird jährlich ein inaktivierter Impfstoff (Totimpfstoff) produziert, der aus den Influenzaviren des vergangenen Winters hergestellt wird. Dieser Impfstoff bietet einen Schutz von 50-80 %. 

Für Kinder und Jugendlichen zwischen zwei und 17 Jahren stehen inaktivierte Impfstoffe zur Injektion ("Einspritzung") oder ein attenuierter Influenza-Lebend-Impfstoff (LAIV) zur nasalen Applikation ("Zufügung über die Nase", d. h. per Nasenspray) zur Verfügung. 

Seit dem 14. November 2017 empfiehlt die Ständige Impf­kommission (Stiko) für die Impfung gegen saisonale Influenza einen quadri­valenten Influenza­Impfstoff mit aktueller, von der WHO (Welt­gesundheits­organi­sation) empfoh­lener Antigen­kombination (Begründung im Epi­demio­logischen Bulletin 02/2018).

Bei der Influenza (Grippe) handelt es sich um eine akute Entzündung der Atemwege mit dem Influenzavirus.

Nachfolgend die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zur Influenza-Impfung: 

Jährliche Impfung im Herbst mit einem quadrivalenten Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination (gilt für alle Altersgruppen).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • S: Personen ≥ 60 Jahre
  • I: Alle Schwangere ab dem 2. Trimenon; bei Begleiterkrankungen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung ab dem 1. Trimenon
    Personen jeden Alters mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, wie z. B.:
    • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und COPD)
    • chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten
    • Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten
    • chronische neurologische Krankheiten, z. B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben
    • Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion bzw. Immunsuppression
    • HIV-Infektion
    Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • B: Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z. B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression.
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können. Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln*
  • R/I: Für Reisende ab 60 Jahren und die unter I (Indikationsimpfung) genannten Personengruppen, die nicht über einen aktuellen Impfschutz verfügen, ist die Impfung generell empfehlenswert, für andere Reisende ist eine Influenza-Impfung nach Risikoabwägung entsprechend Exposition und Impfstoffverfügbarkeit sinnvoll.
  • I: Wenn eine schwere Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern droht oder nach deutlicher Antigendrift bzw. einer Antigenshift zu erwarten ist und der Impfstoff die neue Variante enthält.

* Eine Impfung mit saisonalen humanen InfluenzaImpfstoffen bietet keinen direkten Schutz vor Infektionen durch den Erreger der aviären Influenza, sie kann jedoch Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern.

Legende

  • S: Standardimpfungen mit allgemeiner Anwendung 
  • A: Auffrischimpfungen
  • I: Indikationsimpfungen für Risikogruppen bei individuell (nicht beruflich) erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter
  • B: Impfungen auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, z. B. nach Gefährdungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz/Biostoffverordnung/ Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) und/oder zum Schutz Dritter im Rahmen der beruflichen Tätigkeit
  • R: Impfungen auf Grund von Reisen

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Personen mit akuten, behandlungsbedürftigen Krankheiten
  • Allergie gegen Impfstoffbestandteile (z. B. Hühnereiweiß, siehe Zusätze des Herstellers)

Durchführung

Der Impfung – mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination – sollte möglichst vor Beginn der Grippesaison erfolgen:

  • Nördliche Hemisphäre: November bis April
  • Südliche Hemisphäre: Mai bis Oktober
  • Zeitabstand zu anderen Impfungen ist nicht erforderlich.

Weitere Hinweise

  • Neben den trivalenten (IIV3) und quadrivalenten inaktivierten Vakzinen (IIV4) zur Injektion ist für die Altersgruppe 2 bis einschl. 17 Jahre auch eine quadrivalente attenuierte Lebendvakzine (LAIV4) zugelassen. In dieser Altersgruppe können die inaktivierten Impfstoffe oder die Lebendvakzine verwendet werden. Bei Hindernissen für eine Injektion (z. B. Spritzenphobie, Gerinnungsstörungen) sollte präferenziell LAIV verwendet werden. [2]
  • Um einen ausreichenden Impfschutz zu erreichen, sollte bei Patienten mit Methotrexat-Behandlung eine zweiwöchige Medikamentenpause nach einer Grippeimpfung eingehalten werden, um die Schutzwirkung zu verbessern.

Wirksamkeit

  • Gute bis befriedigende Wirksamkeit (Ausnahme: Personen mit Immundefekten oder Behandlung mit Immunsuppressiva)
  • Impfschutz nach circa 1-2 Wochen nach der Impfung
  • Dauer des Impfschutzes je nach Impfstoff mindestens 1 Jahre
  • Attenuierte Lebendvakzine: Schutzeffekt von bis zu 70 % (mehr als bei der Erwachsenenimpfung)

Weitere Hinweise

  • Bei Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren, bei denen wegen einer Grundkrankheit eine Impfung empfohlen ist, sollte bevorzugt ein Impfstoff verwendet werden, der nicht mehr mit einer Spritze verabreicht, sondern in die Nase gesprüht wird (wg. Erhöhung der Akzeptanz der jährlich zu wiederholenden Impfung und aufgrund der besseren Wirkung)
  • Für Personen über 60 Jahre gibt es inzwischen Impfstoffe mit verbesserter Immunogenität durch besondere Adjuvantien.
  • Gegen die Vogelgrippe (aviäre Influenza) ist der übliche Influenza-Impfstoff unwirksam; hier muss der bereits verfügbare Impfstoff gegen H5N1 verwendet werden

Nebenwirkungen/ Impfreaktionen

  • 8-24 Stunden nach der Impfung kann es zu leichtem Fieber (bei bis zu 5 %) und lokalen Reaktionen wie Rötung und Schwellung (bei bis zu 30 %) an der Einstichstelle kommen.

Impfstatus – Kontrolle von Impftitern

Impfung Laborparameter Wert Bewertung
Influenza
Influenza A/B-IgG-IFT ≤ 1 : 10 Kein ausreichender Impfschutz anzunehmen
1 : > 10 Ausreichender Impfschutz anzunehmen

Postexpositionsprophylaxe

Unter einer Postexpositionsprophylaxe versteht man die Versorgung mit Medikamenten zur Vermeidung einer Erkrankung bei Personen, die gegen eine bestimmte Krankheit nicht durch Impfung geschützt sind, dieser aber ausgesetzt waren. Siehe dazu unter Grippe (Influenza)/Medikamentöse Therapie.

Literatur

  1. Park JK et al.: Effect of methotrexate discontinuation on efficacy of seasonal influenza vaccination in patients with rheumatoid arthritis: a randomised clinical trial. Annals of the Rheumatic Diseases 2017;76:1559-1565.
  2. Robert Koch Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. 22. August 2019 / Nr. 34

     
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