Symptome – Beschwerden
Asthma bronchiale

Typisch ist das Auftreten der sogenannten Asthma-Trias, bestehend aus:

  1. Bronchospasmus – Krampf der Bronchien mit einhergehender Vermehrung der Bronchialmuskulatur
  2. Schleimhautschwellung mit Infiltration sogenannter eosinophiler Granulozyten
  3. Dyskrinie Verdickung des Bronchialschleimes

Weitere Beschwerden können sein:

  • Dyspnoe  Atemnot, Luftnot, die evtl. zum Aufsitzen und Aufstützen zwingt (Orthopnoe) (Patienten sprechen hier auch von "Engegefühl in der Brust" bzw.  "Brustenge" [4])
  • Hustenanfälle 1,2, insbesondere nachts
  • Trockene Rasselgeräusche Giemen 2 (Wheezing)
  • Zäher Auswurf
  • Engegefühl in der Brust
  • Verlängertes Exspirium (verlängertes Ausatmen)
  • Hypersonorer Klopfschall
  • Abnahme der Sekundenkapazität
  • Abnahme der Vitalkapazität
  • Zunahme des Residualvolumens
  • In schweren Fällen kann sich ein Status asthmaticus einstellen, eine Folge von Asthmaanfällen, die in einem Dauerkrampf münden. Diese können Stunden, evtl. auch Tage andauern und lebensbedrohlich sein
  • Zentrale Zyanose (Blaufärbung der Haut und der Schleimhäute/Zunge)

1 Eine erhöhte Hustenfrequenz ist ein Indikator für eine schwerere und schwer zu kontrollierende Erkrankung.
Beachte: Eine Gruppe von Patienten, bei denen die Asthma-Diagnose häufig nicht oder erst spät gestellt wird, sind Patienten mit einem "Cough-variant Asthma" (Cough Type Asthma, Husten als Asthma-Äquivalent) [1, 2].


2
Ein Indikator für das Auftreten von Asthma im Schulalter bzw. unabhängiger Risikofaktor ist
Giemen ("Wheezing") und danach nächtlicher Reizhusten (d. h. unproduktiver Husten).  

Charakteristisch für Asthma bronchiale ist, dass die oben genannten Symptome intervallartig auftreten und der Patient zwischen den Attacken beschwerdefrei ist.

Eine schwere Dyspnoe führt zu folgenden klinischen Befunden:

  • Orthopnoe (stärkste Form der Atemnot, die einen Einsatz der Atemhilfsmuskulatur in aufrechter Haltung nötig macht)
  • Interkostale ("zwischen den Rippen") oder supraklavikuläre ("oberhalb des Schlüsselbeins") Einziehungen
  • Sprechdyspnoe (Atemnot beim Sprechen)
  • Tachypnoe (erhöhte Atemfrequenz) > 25/min
  • Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz) > 110/min

Differenzierung von Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) [3]

Alter
< 40 Jahre
0 Punkte
40-60 Jahre
2 Punkte
> 60 Jahre
4 Punkte
Andauernde Kurzatmigkeit   Nein: 0 Punkte
Ja: 1 Punkt
Tageszyklische Variation der Kurzatmigkeit   Ja: 0 Punkte
Nein: 1 Punkt
Veränderungen des Lungenemphysems   Nein: 0 Punkte
Ja:  1 Punkt

Beurteilung: 

  • 0-2 Punkte: Wahrscheinlichkeit von Asthma bronchiale
  • 3-4 Punkte: schwer zu differenzieren
  • 5 bis 7 Punkte: Wahrscheinlichkeit von COPD

Der schwer bedrohliche Asthmaanfall

  • Zunehmende Dyspnoe und vermehrte Atemarbeit ("Engegefühl in der Brust"): verlängerte Exspiration, ggf. mit Einsatz der Atemhilfsmuskulatur; ggf. Sprechdyspnoe (schwere Form der Atemnot (Dyspnoe), die durch die alleinige Sprachanstrengung ausgelöst wird)
  • Pfeifendes Atemgeräusch ("Giemen")
    Beachte: Pfeifende Atemgeräusche können bei schweren Exazerbationen (deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes) komplett fehlen ("silent lung").
  • Husten
  • Alarmzeichen: Zyanose (Blauverfärbung der Haut) oder psychische Symptome wie Agitation (krankhafte Unruhe), Verwirrtheit; Erschöpfung 

Warnzeichen (red flags) bei Erwachsenen 

  • Anamnese:
    • stationär aufgenommen aufgrund einer Asthmaexazerbation
    • lebensbedrohlicher („near fatal“) Asthmaanfall
    • Medikation:
      • übermäßigen Gebrauch von Beta-2-Agonisten
      • laufende oder kürzlich abgesetzte systemische Steroidtherapie 
      • unzureichende Therapietreue 
  • Bradypnoe (< 10/min) + zunehmend flache, frustrane Atmung → sofortige Intubation und maschinelle Bearbeitung
  • Bradykardie (< 60 Schläge/min) zunehmend flache, frustrane Atmung  → sofortige Intubation und maschinelle Bearbeitung
  • Respiratorische Globalinsuffizienz (hochgradig eingeschränkte Lungenfunktion) mit hyperkapnischem Koma (durch Minderbelüftung zustande kommender erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut) → sofortige Intubation und maschinelle Bearbeitung

Warnzeichen (red flags) bei Kleinkindern

  • Nasenflügeln
  • Ächzen
  • Blässe
  • Lethargie
  • Schwierigkeiten beim Reden, Füttern, Spielen

Gender-Unterschiede (Gendermedizin)

  • Jungen (bis zum Alter von 12 Jahren): leiden häufiger unter Dyspnoe (Atemnot) als Mädchen; nach der Adoleszenz kehrt sich dieser Sachverhalt um (wg. Frauen haben eine im Durchschnitt geringere Vitalkapazität oder Einsekundenkapazität)

Literatur

  1. Dicpinigaitis PV: Chronic cough due to asthma: ACCP evidence-based clinical practice guidelines. Chest 2006 Jan;129(1 Suppl):75S-79S. doi: 10.1378/chest.129.1_suppl.75S.
  2. Morice AH. Millqvist E. Belvisi MG et al.: Expert opinion on the cough hypersensitivity syndrome in respiratory medicine. Eur Respir J 2014 Nov;44(5):1132-48. doi: 10.1183/09031936.00218613. Epub 2014 Aug 19.
  3. Lee YS, Baek S, Ko Y, Kim MY, Lee HK, Kim TB, Cho YS, Moon HB, Lee SD, Oh YM: New scoring system for the differentiation of chronic obstructive pulmonary disease and asthma. Respirology. 2015 Mar 30. doi: 10.1111/resp.12511.
  4. Chang AS, Munson J, Gifford AH, Mahler DA: Prospective Use of Descriptors of Dyspnea to Diagnose Common Respiratory Diseases. Chest. 2015;148(4):895-902
     
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