Folgeerkrankungen
Asthma bronchiale

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Asthma bronchiale mit bedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Bronchiektasen (Synonym: Bronchiektasie) – dauerhaft bestehende irreversible sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der Bronchien (mittelgroße Atemwege), die angeboren oder erworben sein kann; Symptome: chronischer Husten mit "maulvoller Expektoration" (großvolumiger dreigeschichteter Auswurf: Schaum, Schleim und Eiter), Müdigkeit, Gewichtsverlust und eine verringerte Leistungsfähigkeit
  • Chronische Bronchitis – chronische Entzündung der Bronchien
  • Chronische Obstruktion – chronische Atemwegsverengung
  • Chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD)
  • Cor pulmonale mit pulmonaler Hypertonie (lungenbedingte Drucksteigerung des rechten Herzens mit Lungengefäßhochdruck
  • Exazerbation (anfallsartige Verschlimmerung des Asthmas) mit möglicher Entwicklung eines Status asthmaticus und/oder respiratorischer Insuffizienz (Ateminsuffizienz))
  • Lungenemphysem krankhafte Überblähung der Lunge
  • Pneumonie (Lungenentzündung; 2,4-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Kontrollpersonen ohne atopische Erkrankung, unabhängig davon ob sie Raucher oder Nicht-Raucher waren) [9]
  • Pneumothorax – Kollaps der Lunge, der durch eine Luftansammlung zwischen der Pleura viszeralis (Lungenfell) und der Pleura parietalis (Brustfell) bedingt ist

Herzkreislaufsystem (I00-I99) 

  • Apoplex (Schlaganfall)
  • Herzinsuffizienz (Herschwäche)
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Rhythmusstörungen – Vorhofflimmern (VHF) (38 % erhöhtes Risiko); aktives Asthma (76 % erhöhtes Risiko); kontrolliertes Asthma (61 % erhöhtes Risiko); unkontrolliertes Asthma (93 %  erhöhtes Risiko) [10]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteoporose (Knochenschwund) wegen systemischer Glucocorticoid-Therapie

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Demenz – bei Asthma im mittleren und hohen Lebensalter [1]
  • Insomnie (Schlafstörungen)
  • Morbus Alzheimer – bei Asthma im mittleren und hohen Lebensalter [1]
  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA) – gekennzeichnet durch die Obstruktion (Einengung) oder komplettem Verschluss der oberen Atemwege während des Schlafes; häufigste Form der Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) [2]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Intrauterine Wachstumsretardierung – pathologische (krankhafte) Verzögerung des Wachstums eines Fetus in der Gebärmutter (Uterus) 
  • Frühgeburtlichkeit

Prognosefaktoren

  • Alter:
    • Bei Patienten im Alter von mindestens 30 Jahren kommt es signifikant mehr zu einem Therapieversagen als bei jüngeren (17,3 % versus 10,3 % bzw. 64/621 versus 100/579 Patienten). Die Wahrscheinlichkeit dafür war um 82 % erhöht (Odds Ratio [OR]: 1,82; 95 %-Konfidenzintervall zwischen 1,30 und 2,54; p < 0,001).
      Jede zusätzlichen fünf Jahren Lebensalter erhöhte die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr auf die Asthmabehandlung anzusprechen um 13 % [3].
    • Bei Patienten, die nach dem 18. Lebensjahr an Asthma bronchiale erkrankten, ergab sich ein um rund 60 % Im Vergleich zu den Nichtasthmatikern erhöhtes Risiko für kardiale und vaskuläre Komplikationen/herz- und gefäßbedingte Komplikationen (Apoplex (Schlaganfall), Angina pectoris ("Brustenge"; plötzlich auftretender Schmerz in der Herzgegend), Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Koronarrevaskularisation, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Tod aus kardiovaskulärer Ursache) [5].
  • Ernährung: Der Verzehr von Schinken, Wurst oder Salami war bei Asthma-Patienten mit einer Verschlechterung der Symptomatik verbun­den. Ursächlich dafür ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Nitratgehalte der Dauerwurstwaren.
    Nitritsalze werden im Körper in Stickoxide (NOx) umgewandelt, die in geringer Konzentration eine relaxierende Wirkung auf Blutgefäße und glatte Muskulatur haben. Dieses an sich wäre für Asthmapatienten eher günstig. Es kommt aber auch gleichzeitig zur Bildung von reaktiven Stickstoffspezies (engl. reactive nitrogen species, RNS), die Entzündungsreaktionen im Körper fördern und damit auch in den Atemwegen. Dieses erklärt, warum eine langfristige Zufuhr hoher Konzentration von Nitratssalzen zur Verschlechterung der Asthmasymptomatik führen kann [7].
  • Luftverschmutzung (Feinstaub, Ozon): ca. 3-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Asthma-COPD-Overlap-Syndroms (ACOS) [8]
  • Risikofaktoren für die Persistenz (Fortbestehen) der Asthmaprobleme von Kindern und Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter [4]:
    • Familienanamnese für Allergie
    • weibliches Geschlecht
    • allergische Sensibilisierung vor dem 2. Lebensjahr
    • schwere des Asthmas und der Lungenfunktionseinschränkung im Schulalter
    • nachgewiesene ausgeprägte bronchiale Hyperreagibilität
  • Risikofaktoren für den Asthma-bedingten Tod [6]:
    • Anamnese eines fast tödlich verlaufenden Asthmaanfalls (d. h. akutes Asthma mit Atemstillstand oder einem arteriellen Kohlendioxid-Partialdruck > 50 mmHg), der eine Intubation und mechanische Beatmung, Krankenhausaufenthalt oder Notfallversorgung im vergangenen Jahr notwendig machte
    • aktuelle Einnahme oder kürzlich unterbrochene Einnahme oraler Corticosteroide (Marker für die Schwere der Erkrankung)
    • kein aktuelle Einnahme bzw. Verzicht inhalativer Corticosteroide
    • eine Anamnese psychiatrischer Erkrankungen oder psychosozialer Probleme
    • schlechte Therapie-Compliance für die Asthmamedikation bzw. schlechtes Einhalten oder Fehlen eines Asthma-Aktionsplans
    • Nahrungsmittelallergien
    • Schimmelpilz-Allergien (> 50 % der Patienten, die wegen ihres Asthma-Anfalls intensivmedizinisch behandelt werden mussten, zeigten positive Hauttests auf Pilze)
    • zu viele kurz wirksame Bronchodilatatoren

Literatur

  1. Chen MH, Li CT, Tsai CF, Lin WC, Chang WH, Chen TJ, Pan TL, Su TP, Bai YM: Risk of Dementia Among Patients With Asthma: A Nationwide Longitudinal Study. J Am Med Dir Assoc. 2014 Jul 15. pii: S1525-8610(14)00344-2. doi: 10.1016/j.jamda.2014.06.003.
  2. Teodorescu M, Barnet JH, Hagen EW, Palta M, Young TB, Peppard PE: Association between asthma and risk of developing obstructive sleep apnea. JAMA. 2015 Jan 13;313(2):156-64. doi: 10.1001/jama.2014.17822.
  3. Dunn RM et al.: Impact of Age and Gender on Response to Asthma Therapy. Am J Respir Crit Care Med 2015: online 11. Juni. doi: 10.1164/rccm.201503-0426OC
  4. Spahn JD et al.: Clinical assessment of asthma progression in children and adults. J Allergy Clin Immunol 2008; 121(3):548-557
  5. Tattersall MC et al.: Late‐Onset Asthma Predicts Cardiovascular Disease Events: The Wisconsin Sleep Cohort. J Am Heart Assoc. 2016 Aug 24;5(9). doi: 10.1161/JAHA.116.003448
  6. D'Amato G et al.: Asthma-related deaths. Multidisciplinary Respiratory Medicine 201611:37 doi: 10.1186/s40248-016-0073-0
  7. Li Z et al.: Cured meat intake is associated with worsening asthma symptoms. Thorax doi:10.1136/thoraxjnl-2016-208375
  8. To T et al.: Progression from Asthma to Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Is Air Pollution a Risk Factor? Am J Respir Crit Care Med. 2016 Aug 15;194(4):429-38. doi: 10.1164/rccm.201510-1932OC.
  9. Helby J et al.: Asthma, other atopic conditions and risk of infections in 105 519 general population never and ever smokers.J Intern Med. 2017 Sep;282(3):254-267. doi: 10.1111/joim.12635. Epub 2017 Jul 26.
  10. Cepelis A et al.: Associations of Asthma and Asthma Control With Atrial Fibrillation Risk Results From the Nord-Trøndelag Health Study (HUNT) JAMA Cardiol. Published online July 11, 2018. doi:10.1001/jamacardio.2018.1901
     
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