INR (International Normalized)

Beim INR-Wert (International Normalized Ratio) handelt es sich um einen Laborparameter, der die Blutgerinnung beschreibt.

Um den INR-Wert zu bestimmen, wird bei der Blutuntersuchung die Zeit gemessen, die das Blut benötigt, um zu gerinnen (sogenannte Thromboplastinzeit oder TPZ).

Der INR ist neben der Bestimmung des Quick-Wertes die zweite Möglichkeit, die TPZ auszudrücken. Hierbei handelt es sich im Gegensatz zum Quick-Wert um einen normierten Wert (d. h. der Wert ist methoden- und laborunabhängig). Er ist somit sicherer im Gebrauch und international vergleichbar.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Citrat-Blut

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht bekannt

Störfaktoren

  • lange venöse Stauung
  • starke Aspiration bei Blutentnahme
  • nicht ausreichende Füllung des Röhrchens (= falsche Citrat-Plasma-Relation)
  • zu geringe Zentrifugation
  • Medikamente:
    • Antibiotika:
      • Cephalosporine
      • Penicillin
      • Sulfonamide
    • Antikonvulsiva
    • Acetylsalicylsäure (ASS)
    • Barbiturate
    • Heparin

INR

Wert Bedeutung
0,9-1,15 Normale Blutgerinnung
2,0-4,5 Therapeutischer Bereich in der Behandlung mit Antikoagulantien (gerinnungshemmende Medikamente)

Indikationen

  • Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA; Marcumar®, Warfarin®)
  • Differentialdiagnostik hämorrhagischer Diathesen (Gerinnungsstörungen mit erhöhter Blutungsneigung)
  • Präoperative Screening-Untersuchung auf Koagulopathie (Blutgerinnungsstörung)
  • Verlaufsbeurteilung von Hepatopathien (Lebererkrankungen)/Leberzellfunktionsleistung (Syntheseleistung der Leber) bei schweren Leberparenchymerkrankungen (Erkrankung des Teils der Leber, der die Leberzellen (Hepatozyten) enthält)
  • Verdacht auf Vitamin K-Mangel

Interpretation

Der therapeutische Bereich wird bei folgenden Erkrankungen angestrebt:

  • Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern, VHF)
  • Bei mechanischem Herzklappenersatz (hier wird der INR bis auf Werte von 3,0 - 4,5 am weitesten angehoben); bei biologischem Herzklappenersatz (INR: 2,0 - 3,0)
  • Rezidivierende tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien
  • Zust. n. Beinvenenthrombose (Bildung eines Blutpfropfes mit Verschluss eines Gefäßes)
  • Zust. n. Lungenembolie (Loslösung eines Blutpfropfes aus dem Bein mit Verschluss von Lungengefäßen)
  • Zust. n. Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Zust. n. transitorischer ischämischer Attacke (TIA)
  • Postoperative Prophylaxe tiefer venöser Thrombosen
  • Längere Immobilisation nach Hüftchirurgie und Operationen von Femurfrakturen (Knochenbruch des Oberschenkelknochen)

Ursachen für einen erhöhten INR:

  • Antikoagulantien-Therapie (Therapie zur Hemmung der Blutgerinnung)
  • Direkte orale Antikoagulantien (NOAK bzw. DOAK)*
  • Dysfibrinogenämie (Verminderung des gerinnungsaktiven Fibrinogens)
  • Hepatopathien/Lebererkrankungen (siehe Leberparameter)
  • Lupus-Antikoagulans (Antiphospholipid-Antikörper)
  • Neugeborene (unreifes Hämostase-System)
  • Prothrombin-Komplex-Mangel
  • Verbrauchskoagulopathie (Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten/Blutplättchen, die zu einer Blutungsneigung führen kann)
  • Vitamin K-Mangel

*Beachte: Die Messung des INR ist unter neuen oder auch direkten oralen Antikoagulantien (NOAK bzw. DOAK) nicht geeignet, um eine Aussage über die Antikoagulation zu treffen. Bei Patienten mit NNOAK ist auf den INR-Routinetest zu verzichten.

Weitere Hinweise

  • Erhöhte INR-Werte unter Therapie mit DOAKs gehen mit einer gesteigerten Mortalität (Sterberate: +57 %) einher [1].

Literatur

  1. Efros O et al.: Elevated International Normalized Ratio and Mortality in Hospitalized Patients Treated with Direct Oral Anticoagulants. Am J Med 2023; https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2023.10.023