Einleitung
Riesenzelltumor (Osteoklastom)

Unter einem Riesenzelltumor (RZT) (Synonyme: Osteoklastom; ICD-10 D48.0: Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen: Knochen und Gelenkknorpel) versteht man eine benigne Neoplasie (Neubildung) des Knochens, die vom Knochenmark ausgeht. Er ist ein seltener Tumor, der früher aufgrund seiner osteoklastisch aktiven Riesenzellen auch als Osteoklastom bezeichnet wurde.

Der Riesenzelltumor ist ein primärer Tumor. Typisch für primäre Tumoren ist ihr jeweiliger Verlauf und dass sie sich einem bestimmten Altersbereich (siehe "Häufigkeitsgipfel") sowie einer charakteristischen Lokalisation (s. u. "Symptome – Beschwerden") zuordnen lassen. Sie entstehen gehäuft an den Orten des intensivsten Längenwachstums (metaepiphysärer/gelenknaher Bereich). Das erklärt, warum Knochentumoren vermehrt in der Pubertät auftreten. Sie wachsen infiltrativ (eindringend/verdrängend) und überschreiten dabei anatomische Grenzschichten. Sekundäre Knochentumoren wachsen ebenfalls infiltrativ, aber in der Regel nicht grenzüberschreitend.

Der Riesenzelltumor kann multifokal auftreten (Tumorausbreitung über mehrere Tumornester), wobei dies selten zu beobachten ist (ca. 0,04-1 % der Knochentumoren). Häufig ist er dann mit einem Morbus Paget (Erkrankung des Skelettsystems mit Knochenumbau) vergesellschaftet. In diesem Fall ist der Riesenzelltumor in der Regel im Schädel oder Sitzbein (lat. Os ischii oder kurz Ischium) lokalisiert. Ein multifokaler Riesenzelltumor ohne Morbus Paget ist vor allem in den Handknochen zu finden.

Geschlechterverhältnis: Frauen sind geringfügig häufiger betroffen als Männer.

Häufigkeitsgipfel: Der Riesenzelltumor tritt nach Schluss der Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) auf, vorwiegend zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Der Riesenzelltumor macht 5 % alle primären Knochentumoren aus.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 9 Erkrankungen pro 1.000.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland).

Verlauf und Prognose sind abhängig von der Lage und Ausdehnung des Riesenzelltumors. Er wächst langsam, kann sich aber lokal aggressiv verhalten, das heißt sich verdrängend und destruktiv (Zerstörung der Knochenstruktur) ausbreiten. Er führt selten zu Schmerzen.
In wenigen Fällen (1-2 %) metastasiert (Bildung von Tochtergeschwülsten) der Riesenzelltumor (insb. in die Lunge). Die Metastasierungsrate beträgt für einen Riesenzelltumor in den Extremitäten 2-10 % und für einen Tumor an der Wirbelsäule sowie am Kreuzbein (lat. Os sacrum, Sakrum) 14 %. Die Lungenmetastasen können sich spontan zurückbilden. 
Der Riesenzelltumor kann in ein Sarkom entarten (< 1 %). Dieses tritt aber meist erst nach mehrfachen Lokalrezidiven (Wiederauftreten einer Erkrankung (Rezidiv) am gleichen Ort) auf.
Der Riesenzelltumor ist mit einem hohen Rezidivrisiko assoziiert (15 % an den Extremitäten). Die Lokalrezidivrate eines Riesenzelltumors an der Wirbelsäule und des Sakrums (Kreuzbein) liegt bei 20-40 %. Tritt ein Riesenzelltumor rezidivierend auf, ist das Risiko für pulmonale Metastasen (Lungenmetastasen) 6-fach erhöht.

Aufgrund der in seltenen Fällen vorkommenden Metastasierung und des Entartungsrisikos wurde der Riesenzelltumor früher als semimaligne (= destruktives, invasives Wachstum, aber selten Metastasierung) bezeichnet.


     
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