Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Reduktion des Rezidiv- und Progressionsrisikos (Risiko eines Rückfalls und Fortschreitens) beim nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom (NMIBC) (Harnblasenkrebs ohne Einwachsen in die Blasenmuskulatur)
  • Kurative Tumorkontrolle beim muskelinvasiven Harnblasenkarzinom (MIBC) (Harnblasenkrebs mit Einwachsen in die Blasenmuskulatur)
  • Blasenerhalt, sofern onkologisch vertretbar
  • Verlängerung des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens bei lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung (Krebserkrankung mit Tochtergeschwülsten)
  • Erhalt der Lebensqualität und Begrenzung therapiebedingter Toxizitäten (Schädigungen durch die Behandlung)

Therapiegrundsätze

Die Therapie richtet sich nach Tumorstadium (Ausbreitungsstadium), Grading (Beurteilung der Bösartigkeit), Vorliegen eines Carcinoma in situ (CIS) (auf die Schleimhaut begrenzte Krebsform), Rezidivfrequenz, BCG-Vorbehandlung, Lymphknoten- und Fernmetastasenstatus, Nierenfunktion, Allgemeinzustand, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und Patientenpräferenz. Patienten mit MIBC oder metastasierter Erkrankung sollen in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt werden [LL1] [LL3].

  • NMIBC: Vollständige transurethrale Resektion der Harnblase (TUR-B), risikoadaptierte intravesikale Chemotherapie oder BCG-Immuntherapie und gegebenenfalls frühzeitige radikale Zystektomie [LL1] [LL2].
  • MIBC: Radikale Zystektomie mit pelviner Lymphadenektomie und perioperativer Systemtherapie; bei geeigneten Patienten trimodale blasenerhaltende Therapie [LL1] [LL3].
  • Lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom: Systemische Kombinationstherapie, gegebenenfalls Erhaltungstherapie und biomarkerbasierte Sequenztherapie [LL1] [LL3].
  • Therapieentscheidung: Das chronologische Alter allein ist kein Ausschlusskriterium. Entscheidend sind Organfunktion, Gebrechlichkeit, Komorbidität und Therapieziel.

Nicht-muskelinvasives Harnblasenkarzinom (NMIBC)

Postoperative Frühinstillation: Nach vollständiger TUR-B eines mutmaßlichen Low-risk-NMIBC beziehungsweise ausgewählter Tumoren mit intermediärem Risiko soll möglichst innerhalb von 6 Stunden, spätestens innerhalb von 24 Stunden, eine einmalige intravesikale Chemotherapie erfolgen [LL1] [LL2]. Dadurch lässt sich das Rezidivrisiko um etwa 35-40 % reduzieren [1]. Eine Frühinstillation unterbleibt bei vermuteter Blasenperforation (Durchbruch der Blasenwand), ausgedehnter Resektion, relevanter postoperativer Blutung oder erforderlicher Blasenspülung [LL1] [LL2].

Wirkstoff Besonderheiten
Mitomycin C Bevorzugter Wirkstoff für die postoperative Frühinstillation und eine mögliche intravesikale Chemotherapie bei intermediärem Risiko. Urinalkalisierung und Flüssigkeitsrestriktion vor der Instillation können die Wirkstoffexposition erhöhen.
Gemcitabin Randomisierte Evidenz für die Frühinstillation [2]; intravesikale Anwendung in Deutschland in der Regel Off-Label-Use.
BCG Bei High-risk-NMIBC wirksamer als intravesikale Chemotherapie, sofern eine Erhaltungstherapie durchgeführt wird [3, 4]. BCG ist keine Chemotherapie, sondern eine intravesikale Immuntherapie mit lebenden attenuierten Mykobakterien.
  • Wirkweise: Mitomycin C und Gemcitabin hemmen die DNA-Synthese beziehungsweise Zellteilung lokal im Urothel (innere Auskleidung der Harnwege). BCG löst eine lokale zelluläre Immunantwort gegen Tumorzellen aus.
  • Indikationen: Frühinstillation bei Low-risk- und ausgewählten Intermediate-risk-Tumoren; Serienchemotherapie bei intermediärem Risiko; BCG-Induktions- und Erhaltungstherapie bei High-risk-NMIBC und CIS.
  • Kontraindikationen: Intravesikale Chemotherapie bei Blasenperforation oder erheblicher Blutung; BCG innerhalb der ersten 2 Wochen nach TUR-B, bei sichtbarer Hämaturie (Blut im Urin), traumatischer Katheterisierung, symptomatischem Harnwegsinfekt (Infektion der Harnwege), aktiver Tuberkulose oder relevanter Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems).
  • Nebenwirkungen: Chemische Zystitis (Blasenentzündung), Dysurie (schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen), Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen) und selten allergische Hautreaktionen unter Mitomycin C; lokale Beschwerden und vorübergehende grippeähnliche Symptome unter BCG. Eine systemische BCG-Infektion (Ausbreitung der BCG-Erreger im Körper) ist selten, aber potenziell lebensbedrohlich [21].

Risikoadaptierte Therapie:

  • Low-risk: Vollständige TUR-B und einmalige Frühinstillation; keine weitere adjuvante Instillationstherapie [LL1] [LL2].
  • Intermediäres Risiko: Intravesikale Chemotherapie bis höchstens 1 Jahr oder BCG-Induktion mit Erhaltung bis 1 Jahr. Auswahl und Dauer richten sich nach Rezidiv- und Progressionsrisiko sowie Verträglichkeit [LL1] [LL2].
  • High-risk: BCG in voller Dosis mit Erhaltung über 1-3 Jahre. Eine frühzeitige radikale Zystektomie soll anhand der individuellen Risikofaktoren besprochen werden [LL1] [LL2].
  • Sehr hohes Risiko: Frühzeitige radikale Zystektomie ist die bevorzugte kurative Behandlung. BCG über 1-3 Jahre kommt infrage, wenn die Zystektomie abgelehnt wird oder nicht durchführbar ist [LL1] [LL2].
  • Carcinoma in situ: BCG-Induktion mit Erhaltungstherapie. Bei BCG-unresponsive CIS ist die radikale Zystektomie der onkologische Standard [LL1] [LL2].
  • pT1-High-grade: Nach vollständiger TUR-B ist grundsätzlich eine Nachresektion erforderlich. Bei ungünstigen Faktoren wie begleitendem CIS, lymphovaskulärer Invasion (Einwachsen in Lymph- oder Blutgefäße), Variantenhistologie (besondere feingewebliche Tumorform), multifokalem (an mehreren Stellen auftretendem) oder großem Tumor soll eine frühe radikale Zystektomie angeboten werden [LL1] [LL2].

BCG-unresponsive Erkrankung: Hierzu zählen insbesondere ein High-grade-Ta/T1-Rezidiv innerhalb von 6 Monaten oder ein CIS-Rezidiv innerhalb von 12 Monaten nach adäquater BCG-Therapie. Eine adäquate Therapie umfasst mindestens 5 von 6 Induktionsinstillationen und mindestens 2 von 3 Erhaltungsinstillationen beziehungsweise mindestens 2 von 6 Instillationen eines zweiten Induktionszyklus [LL2]. Weitere BCG-Gaben sind bei BCG-unresponsive Erkrankung nicht erfolgversprechend.

  • Bevorzugte Therapie: Radikale Zystektomie [LL1] [LL2]; eine Verzögerung kann die tumorspezifische Prognose verschlechtern [5].
  • Bei fehlender Operabilität oder Ablehnung: Klinische Studie oder blasenerhaltende Therapie, beispielsweise sequenzielles intravesikales Gemcitabin/Docetaxel oder geräteassistierte Mitomycin-C-Therapie. Diese Verfahren sind teilweise Off-Label-Use und der radikalen Zystektomie onkologisch nicht gleichwertig [LL2].
  • Niedriggradiges Rezidiv: Ein ausschließliches Low-grade-Rezidiv gilt nicht als BCG-Versagen und kann erneut lokal behandelt werden [LL2].

Muskelinvasives Harnblasenkarzinom (MIBC)

Kurative Standardverfahren sind die radikale Zystektomie mit pelviner Lymphadenektomie oder bei geeigneter Selektion eine trimodale blasenerhaltende Therapie aus maximaler TUR-B, Radiotherapie und simultaner radiosensibilisierender Chemotherapie [LL1] [LL3].

Wirkstoff Besonderheiten
Durvalumab plus Gemcitabin/Cisplatin Perioperativer, in der EU zugelassener Standard für geeignete cisplatinfähige Patienten mit resezierbarem MIBC. In NIAGARA wurden ereignisfreies und Gesamtüberleben verbessert [7].
ddMVAC Neoadjuvante Alternative für sehr fitte cisplatinfähige Patienten. Im neoadjuvanten Teil der VESPER-Studie zeigte sich nach 5 Jahren ein Vorteil gegenüber Gemcitabin/Cisplatin; die Toxizität ist höher [6].
Gemcitabin/Cisplatin Etablierte neoadjuvante cisplatinhaltige Kombination, wenn keine perioperative Durvalumab-Therapie durchgeführt wird. Carboplatin ist kein gleichwertiger Ersatz im neoadjuvanten kurativen Setting [LL1] [LL3].
Enfortumab Vedotin plus Pembrolizumab In der EU zugelassene perioperative Option bei resektablem MIBC, wenn eine cisplatinhaltige Chemotherapie nicht geeignet ist. In KEYNOTE-905/EV-303 wurden ereignisfreies und Gesamtüberleben gegenüber alleiniger Operation deutlich verbessert [8].
Nivolumab Adjuvant nach radikaler Operation bei hohem Rezidivrisiko. Die EU-Zulassung ist auf Tumoren mit PD-L1-Expression auf Tumorzellen von mindestens 1 % begrenzt [9].
Mitomycin C plus 5-Fluorouracil Evidenzbasierte Radiosensibilisierung innerhalb einer trimodalen blasenerhaltenden Therapie [11]. Alternativen sind Cisplatin oder niedrig dosiertes Gemcitabin nach festgelegtem Radiochemotherapieprotokoll.
  • Wirkweise: Cisplatin, Gemcitabin, Methotrexat, Vinblastin, Doxorubicin, Mitomycin C und 5-Fluorouracil wirken zytotoxisch. Durvalumab und Nivolumab hemmen PD-L1 beziehungsweise PD-1. Enfortumab Vedotin ist ein gegen Nectin-4 gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat.
  • Indikationen: Perioperative Systemtherapie beim resektablen MIBC, adjuvante Therapie bei pathologisch hohem Rezidivrisiko und Radiosensibilisierung bei trimodaler Therapie.
  • Kontraindikationen: Cisplatinhaltige Behandlung insbesondere bei unzureichender Nierenfunktion, höhergradiger Neuropathie (Nervenschädigung), relevantem Hörverlust oder schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche); Immuncheckpointhemmer bei nicht kontrollierten Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen durch einen Angriff des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe) oder erforderlicher starker Immunsuppression; Enfortumab Vedotin bei nicht beherrschbarer Neuropathie, Hyperglykämie oder schwerer Hauttoxizität.
  • Nebenwirkungen: Myelosuppression (Hemmung der Blutbildung im Knochenmark), Infektionen, Übelkeit, Nephro-, Neuro- und Ototoxizität (Nieren-, Nerven- und Gehörschädigung) unter cisplatinhaltiger Chemotherapie; immunvermittelte Organentzündungen (durch das Immunsystem verursachte Organentzündungen) unter Checkpoint-Inhibitoren; Hautreaktionen, periphere Neuropathie, Hyperglykämie und okuläre Beschwerden unter Enfortumab Vedotin.

Adjuvante Therapie nach Zystektomie:

  • Nivolumab: Bei ypT2-ypT4a und/oder ypN+ nach neoadjuvanter Chemotherapie beziehungsweise pT3-pT4a und/oder pN+ ohne neoadjuvante Chemotherapie, sofern die europäische Zulassung einschließlich PD-L1-Tumorzell-Expression von mindestens 1 % erfüllt ist [9] [LL1] [LL3].
  • Cisplatinhaltige Chemotherapie: Bei pT3/pT4 und/oder pN+ ohne vorausgegangene neoadjuvante Chemotherapie kann eine adjuvante cisplatinhaltige Kombination angeboten werden [19] [LL1] [LL3].
  • ctDNA-gesteuerte Therapie: In IMvigor011 verbesserte Atezolizumab bei postoperativ ctDNA-positiven Patienten das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben gegenüber Placebo [10]. Persistierend ctDNA-negative Patienten wurden lediglich beobachtet; daraus lässt sich kein randomisierter Vergleich einer Therapie gegenüber Beobachtung ableiten. Das Verfahren ersetzt in Deutschland derzeit nicht die zugelassenen perioperativen beziehungsweise adjuvanten Standards.

Trimodale blasenerhaltende Therapie: Geeignet sind insbesondere Patienten mit solitärem, vollständig oder nahezu vollständig reseziertem cT2-Tumor, guter Blasenfunktion, fehlender ausgeprägter Hydronephrose (Harnstauungsniere) und fehlendem ausgedehntem CIS. Regelmäßige zystoskopische Kontrollen und die Möglichkeit einer Salvage-Zystektomie sind erforderlich [LL1] [LL3].

Lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom

Vor Therapiebeginn sind Allgemeinzustand, Nierenfunktion, Neuropathie, Hörvermögen, kardiale Funktion, Diabeteskontrolle und Autoimmunerkrankungen zu erfassen. Zusätzlich sollen PD-L1 und spätestens bei Therapiefortschritt aktivierende FGFR3-Veränderungen bestimmt werden [LL1] [LL3].

Cisplatin-Untauglichkeit: Als Kriterien gelten insbesondere ECOG-PS 2, Kreatinin-Clearance beziehungsweise GFR unter 60 ml/min, audiometrischer Hörverlust Grad ≥ 2, periphere Neuropathie Grad ≥ 2 oder Herzinsuffizienz NYHA III. Bei einer GFR von etwa 40-60 ml/min kann in ausgewählten Fällen eine aufgeteilte Cisplatindosis erwogen werden. Eine ausgeprägte Einschränkung mit GFR unter 30 ml/min, ECOG-PS über 2 oder ECOG-PS 2 in Verbindung mit erheblicher Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) spricht regelmäßig gegen jede Platintherapie [LL3].

Erstlinientherapie

Wirkstoff Besonderheiten
Enfortumab Vedotin plus Pembrolizumab Bevorzugte Erstlinie für geeignete Patienten gemäß Zulassung und Leitlinienempfehlung [LL3]. In EV-302 wurden medianes PFS von 6,3 auf 12,5 Monate und medianes OS von 16,1 auf 31,5 Monate verlängert [12].
Nivolumab plus Gemcitabin/Cisplatin Zugelassene Alternative für cisplatinfähige Patienten; Verbesserung von OS und PFS gegenüber Gemcitabin/Cisplatin allein [13] [LL3].
Gemcitabin plus Cisplatin oder Carboplatin mit anschließender Avelumab-Erhaltung Alternative, wenn Enfortumab Vedotin/Pembrolizumab nicht geeignet oder nicht verfügbar ist. Avelumab soll 4-10 Wochen nach dem letzten Chemotherapiezyklus begonnen und bis zur Progression oder nicht tolerierbarer Toxizität fortgeführt werden [14] [LL1] [LL3].
Pembrolizumab Monotherapie bei Cisplatin-Untauglichkeit und PD-L1-CPS ≥ 10 gemäß Zulassung, insbesondere wenn eine Kombinationstherapie nicht geeignet ist [LL3].
Atezolizumab Monotherapie bei Cisplatin-Unverträglichkeit und PD-L1-Expression auf mindestens 5 % der tumorinfiltrierenden Immunzellen gemäß Zulassung. Die Kombination von Atezolizumab mit Platin/Gemcitabin ist kein etablierter Standard, da in IMvigor130 kein eindeutiger Gesamtüberlebensvorteil gezeigt wurde [18].
  • Wirkweise: Enfortumab Vedotin bindet Nectin-4 und transportiert Monomethyl-Auristatin E in die Tumorzelle. Pembrolizumab und Nivolumab hemmen PD-1, Atezolizumab und Avelumab PD-L1. Platinverbindungen und Gemcitabin verursachen DNA-Schäden beziehungsweise hemmen die DNA-Synthese.
  • Indikationen: Nicht resektables lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom; Auswahl nach Zulassung, Platinfähigkeit, Kombinationsfähigkeit, PD-L1-Status, Komorbidität und Vorbehandlung.
  • Kontraindikationen: Ausgeprägte Organinsuffizienz (schwere Einschränkung einer Organfunktion) oder Gebrechlichkeit gegen Kombinationsbehandlung; cisplatinspezifische Ausschlusskriterien; unkontrollierte Autoimmunerkrankung oder erforderliche Immunsuppression gegen Checkpoint-Inhibition; schwere Neuropathie oder unkontrollierte Hyperglykämie gegen Enfortumab Vedotin.
  • Nebenwirkungen: Enfortumab Vedotin kann schwere Hautreaktionen einschließlich SJS/TEN, periphere Neuropathie, Hyperglykämie bis zur Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper) und Augenbeschwerden auslösen. Checkpoint-Inhibitoren können jedes Organsystem immunvermittelt schädigen. Platin/Gemcitabin verursacht insbesondere Myelosuppression, Infektionen, Übelkeit und platinabhängige Neuro-, Nephro- und Ototoxizität.

Therapie nach Progression

Die Sequenz richtet sich nach der Erstlinientherapie. Nach Enfortumab Vedotin/Pembrolizumab kommt bei Platinfähigkeit eine Gemcitabin-Platin-Kombination infrage. Nach Platintherapie mit oder ohne Avelumab-Erhaltung soll bei fehlender Vorbehandlung Enfortumab Vedotin eingesetzt werden. Eine Wiederholung bereits resistenter Wirkstoffklassen ist außerhalb klinischer Studien nicht regelhaft belegt [LL1] [LL3].

Wirkstoff Besonderheiten
Erdafitinib Bei nicht resektablem oder metastasiertem Urothelkarzinom mit geeigneter FGFR3-Veränderung nach mindestens einer vorausgegangenen PD-1/PD-L1-haltigen Therapielinie. In THOR war das OS länger als unter Vinflunin oder Docetaxel [17].
Enfortumab Vedotin Standardoption nach Platin- und Checkpoint-Inhibitor-Therapie, sofern Enfortumab Vedotin nicht bereits eingesetzt wurde; OS-Vorteil gegenüber Chemotherapie [16].
Pembrolizumab Bei Progression nach platinhaltiger Chemotherapie und fehlender vorausgegangener Checkpoint-Inhibition; OS-Vorteil gegenüber Chemotherapie in KEYNOTE-045 [15].
Vinflunin Spätere Therapielinie, wenn wirksamere zugelassene zielgerichtete oder immunonkologische Optionen nicht geeignet sind.
  • Wirkweise: Erdafitinib hemmt aktivierte FGFR-Signalwege. Enfortumab Vedotin ist ein Nectin-4-gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Pembrolizumab reaktiviert über PD-1-Hemmung die antitumorale Immunantwort. Vinflunin hemmt die Mikrotubulusbildung.
  • Indikationen: Progress nach vorausgegangener Systemtherapie unter Berücksichtigung von FGFR3-Status, Vorbehandlung, Organfunktion und Resttoxizitäten.
  • Kontraindikationen: Erdafitinib bei nicht beherrschbarer Hyperphosphatämie oder relevanter retinaler Erkrankung (Erkrankung der Netzhaut); Enfortumab Vedotin bei schwerer Neuropathie, Hyperglykämie oder Hauttoxizität; Pembrolizumab bei nicht kontrollierter Autoimmunerkrankung; Vinflunin bei ausgeprägter Knochenmarkdepression.
  • Nebenwirkungen: Erdafitinib verursacht häufig Hyperphosphatämie, Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut), Nagel- und Hautveränderungen sowie zentrale seröse Retinopathie (Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut) beziehungsweise Ablösung des retinalen Pigmentepithels (Pigmentschicht der Netzhaut). Regelmäßige ophthalmologische Untersuchungen sind erforderlich. Vinflunin verursacht insbesondere Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen), Anämie (Blutarmut), Obstipation (Verstopfung) und Fatigue (anhaltende starke Erschöpfung).

Verlaufskontrolle und Arzneimittelsicherheit

  • BCG: Bei hohem Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), respiratorischen Symptomen oder Organmanifestationen an eine systemische BCG-Infektion denken. Weitere Instillationen sind auszusetzen; umgehend infektiologische Diagnostik und eine gegen Mykobakterien wirksame Kombinationstherapie einleiten. BCG ist intrinsisch gegen Pyrazinamid resistent.
  • Cisplatin: Vor jedem Zyklus Nierenfunktion, Elektrolyte, Blutbild und klinische Neurotoxizität kontrollieren; ausreichende Hydratation und Antiemese sicherstellen. Audiometrie bei Risikopatienten beziehungsweise Hörsymptomen.
  • Checkpoint-Inhibitoren: Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie Symptome einer Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes), Kolitis (Dickdarmentzündung), Hepatitis (Leberentzündung), Nephritis (Nierenentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und anderer immunvermittelter Ereignisse überwachen. Therapieunterbrechung und immunsuppressive Behandlung richten sich nach Schweregrad und Fachinformation.
  • Enfortumab Vedotin: Haut und Schleimhäute besonders während des ersten Zyklus engmaschig kontrollieren; Blutzucker vor und während der Behandlung messen. Bei Verdacht auf SJS/TEN sofort absetzen. Neuropathie und okuläre Symptome regelmäßig erfassen.
  • Erdafitinib: Serumphosphat, Nieren- und Leberfunktion sowie mögliche Arzneimittelinteraktionen überwachen. Ophthalmologische Untersuchung einschließlich optischer Kohärenztomographie vor Behandlungsbeginn, monatlich während der ersten 4 Monate und danach regelmäßig.
  • Restaging: Unter Chemotherapie üblicherweise nach 2-3 Zyklen, bei kontinuierlicher Systemtherapie etwa alle 8-12 Wochen beziehungsweise symptomorientiert [LL1] [LL3].

Weitere Hinweise

  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer: Beobachtungsdaten zeigen eine Assoziation zwischen präoperativer Einnahme und geringerem Progressions- beziehungsweise Mortalitätsrisiko (Sterberisiko) [22]. Aufgrund des nicht randomisierten Studiendesigns besteht keine Indikation zur medikamentösen Tumortherapie oder Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines Rückfalls) mit 5-Alpha-Reduktase-Hemmern.
  • Adjuvante Kombination von Chemotherapie und PD-L1-Hemmer: Außerhalb zugelassener perioperativer Regime sollen nicht erfolgreiche oder nicht zugelassene Kombinationen nicht eingesetzt werden.
  • Klinische Studien: Besonders bei BCG-unresponsive NMIBC, seltenen histologischen Varianten (besonderen feingeweblichen Tumorformen), Platin- und Kombinationstherapie-Untauglichkeit sowie Progress nach Enfortumab Vedotin/Pembrolizumab frühzeitig prüfen.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäuren: Linolsäure)
    Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • ADC: Antibody-Drug Conjugate (Antikörper-Wirkstoff-Konjugat)
  • AUC: Area Under the Curve
  • BCG: Bacillus Calmette-Guérin
  • CIS: Carcinoma in situ
  • CPS: Combined Positive Score
  • CTCAE: Common Terminology Criteria for Adverse Events
  • ctDNA: Zirkulierende Tumor-DNA
  • ddMVAC: Dosisdichtes Methotrexat, Vinblastin, Doxorubicin und Cisplatin
  • DFS: Disease-Free Survival (krankheitsfreies Überleben)
  • EAU: European Association of Urology
  • ECOG-PS: Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status
  • EFS: Event-Free Survival (ereignisfreies Überleben)
  • EMA: European Medicines Agency
  • EV: Enfortumab Vedotin
  • FGFR: Fibroblast Growth Factor Receptor
  • GC: Gemcitabin und Cisplatin
  • G-CSF: Granulozyten-koloniestimulierender Faktor
  • GFR: Glomeruläre Filtrationsrate
  • HR: Hazard Ratio
  • IC: Immunzellen
  • MIBC: Muscle-Invasive Bladder Cancer
  • MVAC: Methotrexat, Vinblastin, Doxorubicin und Cisplatin
  • NMIBC: Non-Muscle-Invasive Bladder Cancer
  • NYHA: New York Heart Association
  • OS: Overall Survival (Gesamtüberleben)
  • PD-1: Programmed Cell Death Protein 1
  • PD-L1: Programmed Death Ligand 1
  • PFS: Progression-Free Survival (progressionsfreies Überleben)
  • SCAR: Severe Cutaneous Adverse Reaction
  • SJS/TEN: Stevens-Johnson-Syndrom/toxische epidermale Nekrolyse
  • TPS: Tumor Proportion Score
  • TUR-B: Transurethrale Resektion der Harnblase
  • UC: Urothelkarzinom

Literatur

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  3. Malmström PU, Sylvester RJ, Crawford DE et al.: An individual patient data meta-analysis of the long-term outcome of randomised studies comparing intravesical mitomycin C versus bacillus Calmette-Guérin for non-muscle-invasive bladder cancer. Eur Urol. 2009;56:247-256. doi:10.1016/j.eururo.2009.04.038
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  16. Powles T, Rosenberg JE, Sonpavde GP et al.: Enfortumab vedotin in previously treated advanced urothelial carcinoma. N Engl J Med. 2021;384:1125-1135. doi:10.1056/NEJMoa2035807
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  22. An MH, Choi SY, Kim SH et al.: Association of 5α-reductase inhibitor prescription with bladder cancer progression in males in South Korea. JAMA Netw Open. 2023;6:e2313667. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.13667

Leitlinien

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  2. European Association of Urology: EAU Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer, 2026 Onlinefassung Langfassung [LL2]
  3. European Association of Urology: EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer, 2026 Onlinefassung Langfassung [LL3]

Fachinformation