Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Labordiagnostik
Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom)

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Urinstatus (Schnelltest auf: pH-Wert, Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Blut) [Mikrohämaturie: keine sichtbare Verfärbung des Urins durch Blut; nur im mikroskopischen Bild fallen Erythrozyten/rote Blutkörperchen auf (> 5 Erythrozyten/μl Urin); bei Mikrohämaturie auch Erythrozytenmorphologie durchführen]
    Bei Hochrisikokollektiven (Raucher, berufsbedingte Risikogruppen) kann durch Urinuntersuchungen auf Mikrohämaturie ein Harnblasenkarzinom früher erkannt werden, als bei bereits symptomatischen Patienten [1].
  • Urinzytologie (Spontanurin oder Spülzytologie; frischer im Urin oder Morgenurin) – bei Verdacht auf maligne (bösartige) Veränderung
    Beachte:
    • Die Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) ist bei Low-grade-NMIBC (engl. non-muscle-invasive bladder cancer; nicht-muskelinvasive Karzinome der Harnblase) schlecht und bei High-grade-Tumoren (undifferenziertes bzw. anaplastisches bösartiges Gewebe) moderat. Sie kann daher in der Früherkennung bzw. im Screening des Harnblasenkarzinoms aufgrund der zu hohen Rate falsch-negativer Befunde nicht empfohlen werden.*
    • Für die Nachsorge von High-grade-Tumoren ist die Zytologie aufgrund der der hohen Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) besonders geeignet.
    • Bei simultaner Zystitis oder Urolithiasis (Harnsteinleiden) wird die Zytologie erschwert.
    • Das Verfahren ist stark untersucherabhängig.

*Bei Low-grade Karzinomen ist möglicherweise zukünftig die TERT-Analyse im Urin (Nachweis von Mutationen im Promoter der Telomerase reverse Transkriptase (TERT)) ein geeignetes Verfahren, um vorhersagen zu können, ob sich Krebszellen nach einer transurethralen Resektion des Blasengewebes (TUR-B) erneut ausbreiten werden. Die TERT-Analyse konnte in einer Studie in 80 % der Fälle vorhersagen, ob die Tumor­zellen sich im Follow-up von mindestens sechs Monaten erneut ausbreiten würden [8]. Weitere Studien sind abzuwarten.

Laborparameter 2. Ordnung (zur Diagnostik, Therapieplanung, Nachsorge/Therapiekontrolle)

  • Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH, UroVysion®), dabei werden mit Gensonden chromosomale Anomalien in Urothelzellen nachgewiesen: Aneuploidien der Chromosen 3, 7 und 17, und Verlust der Heterozytogie („loss of heterocygosity“, LOH) von 9p21; das Verfahren ist unabhängig von zytologischen Veränderungen durch benigne Erkrankungen oder Therapieeffekte (z. B. nach BCG-Therapie).
    Die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung weist neben einer hohen Sensitivität (74-100 %) auch eine sehr hohe Spezifität auf (95-100 %); die FISH-Analyse ermöglicht damit eine zuverlässigere Diagnose als die Zytologie.
  • Kleines Blutbild
  • Differentialblutbild
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • Urinstatus: Sediment, ggf. Urinkultur (Erregernachweis und Resistogramm, das heißt Austestung geeigneter Antibiotika auf Sensibilität/Resistenz)
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase, Bilirubin
  • Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin, ggf. Cystatin C bzw. Kreatinin-Clearance
  • Alkalische Phosphatase (AP)-Isoenzyme, Ostase, Calcium im Urin (die Tumorhypercalcämie (Synonym: tumorinduzierte Hypercalcämie (Calciumüberschuss), TIH) ist eine der häufigsten Symptome bei paraneoplastischen Syndromen), PTHrP (Parathormon-related Protein; die Konstellation mit verminderten Parathormon (PTH) und erhöhtem PTHrP ist typisch für die Tumorhypercalcämie) – bei Verdacht auf Knochenmetastasen
  • CYFRA 21-1 (Cytokeratin-19-Fragmente) – Tumormarker (diagnostische Sensitivität bei muskelinvasiven Blasenkarzinom: bis in 50 % der Fälle nachweisbar)
  • Prognoseparameter bei der Diagnostik des nicht-muskelinvasiven und invasiven Urothelkarzinoms der Harnblase
    • GATA3, p63, p40, CK20, CK5/6, S100P, Uroplakin III – zum Nachweis der urothelialen Differenzierung bei Metastasen [1]
    • CK20, Ki-67, p53, CK5/6 und CD44 (mindestens drei Marker parallel) – zur Abgrenzung einer reaktiven Atypie des Urothels von neoplastischen Veränderungen (z. B. Dysplasie oder Carcinoma in situ) [1]
  • PSA (prostataspezifische Antigen) – wg. hoher Koinzidenz des Prostatakarzinoms bei Patienten mit Zust. n. radikaler Zystektomie + erhöhtes Risiko für ein biochemisches PSA-Rezidiv; Studienverlauf: 10 Jahre [2]

Rezidivdiagnostik

  • Urinzytologie (s. o); Beachte: Eine negative Zytologie kann ein Low-grade-Karzinoim nicht sicher ausschließen da die Sensitivität zu schlecht ist. 
  • Immunzytologische oder molekulargenetische Verfahren – zur Verbesserung der Sensitivität (uCyt+®) und Spezifität (s. o.: Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, FISH) im Low-grade-Bereich.

Screening auf Harnblasenkarzinom

  • Die Anwendung kommerziell verfügbarer Blut- und Urintests zur Früherkennung und zum Screening für das Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms außerhalb von Studien soll nicht erfolgen (EK) [1].

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. (AWMF-Registernummer: 032-038OL), März 2020 Kurzfassung Langfassung
  2. Heidegger I et al.: High incidence of clinically significant concomitant prostate cancer in patients undergoing radical cystectomy for bladder cancer: A 10-year single-center experience. Urol Oncol 2016, online 9. Dezember; doi: 10.1016/j.urolonc.2016.11.004
  3. Descotes F et al.: Non-invasive prediction of recurrence in bladder cancer by detecting somatic TERT promoter mutations in urine. British Journal of Cancer , (6 July 2017) | doi:10.1038/bjc.2017.210

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. (AWMF-Registernummer: 032-038OL), März 2020 Kurzfassung Langfassung

     
Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag