Ursachen
Basalzellkarzinom (Basaliom)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Das Basalzellkarzinom (BZK; basal cell carcinoma, BCC) ist nicht nur die häufigste Krebserkrankung des Menschen, sondern weist zudem die höchste Mutationsrate aller Krebserkrankungen auf. Dieses ist auf eine Schädigung der DNA durch UV-Strahlen zurückzuführen. Dabei ist bei etwa 90 % aller BCCs die sogenannte Sonic Hedgehog (SHh)-Signalkaskade betroffen (Mutationen in den Genen PTCH1, SMO oder SUFU) [1].

Das Basalzellkarzinom entsteht aus veränderten pluripotenten basalen Epithelzellen (pluripotent: Stammzellen, die die Fähigkeit haben, sich in nahezu alle Zelltypen der drei Keimblätter differenzieren zu können), die sich nicht mehr differenzieren können, sich aber dennoch weiter teilen. Aus ihnen entsteht die Epidermis, die sich im Laufe des Lebens immer wieder erneuert. UV-Strahlen führen zur Mutation der Stammzellen (Austausch von Cytosin nach Thymidin in der DNA) und damit zum Tumor.

Lokalisation: Ohne frühe In-situ-Vorstufen v. a. an lichtexponierten Hautarealen (Gesichtshaut, Kopf, Hals, Dekolleté). Des Weiteren können Basalzellkarzinome gehäuft in einem Naevus sebaceus (Talgdrüsennaevus) entstehen.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: PADI6, XRCC1
        • SNP: rs25487 im Gen XRCC1
          • Allel-Konstellation: AG (2,0-fach)
          • Allel-Konstellation: GG (2,0-fach)
          • Allel-Konstellation: AA (0,7-fach)
        • SNP: rs801114 in einer intergenischen Region
          • Allel-Konstellation: GG (1,28-fach)
          • Allel-Konstellation: TT (0,78-fach)
        • SNP: rs7538876 im Gen PADI6
          • Allel-Konstellation: AA (1,28-fach)
          • Allel-Konstellation: GG (0,78-fach)
    • Genetische Erkrankungen, die zu einer erhöhten UV-Empfindlichkeit der Haut prädisponieren, wie beispielsweise:
      • Basalzellkarzinomsyndrom (Synonyme: Basalzellnävus-Syndrom; Fünfte Phakomatose; Gorlin-Syndrom, Gorlin-Goltz-Syndrom; Nävoides-Basalzellkarzinom-Syndrom (NBCCS); Naevus epitheliomatodes multiplex) – genetische Erkrankung mit autosomal-dominantem Erbgang, die mit Auftreten zahlreicher Basalzellkarzinome in der dritten Lebensdekade, Keratozysten (keratozystischer odontogener Tumor) im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt sowie multiplen weiteren Fehlbildungen (insb. Skelettsystem) einhergehen
      • Bazex-Dupré-Christol-Syndrom – X-chromosomal-dominant vererbtes Syndrom mit generalisierte Hypotrichose (reduzierte Anzahl von Haaren infolge Haarausfall), diffuse Alopecie (Haarausfall) und Prädisposition zu früh auftretenden Basalzellkarzinomen
      • Formen des okulokutanen Albinismus: Albinismus (lat.: albus‚ d. h. weiß) – genetische Erkrankung mit autosomal-rezessivem Erbgang: Sammelbezeichnung für angeborene Störungen  in der Biosynthese der Melanine (das sind Pigmente oder Farbstoffe) und der daraus resultierenden helleren Haut-, Haar- und Augenfarbe
      • Rombo-Syndrom – genetische Erkrankung mit wahrscheinlich autosomal-dominantem Erbgang (Genodermatose)
      • Xeroderma pigmentosum (Synonyme: Melanosis lenticularis progressiva, auch Mondscheinkrankheit oder Lichtschrumpfhaut, kurz "XP") – genetische Erkrankung mit autosomal-rezessivem Erbgang, die durch verschiedene Neubildungen der Haut auffällt, die durch hohe Lichtempfindlichkeit (Photophobie) bedingt sind
  • Lebensalter – zunehmendes Alter
  • Hauttyp – heller Hauttyp (Fitzpatrick I-II)
  • Berufe – beruflicher Kontakt mit Karzinogenen wie Arsen/UV-Strahlung 

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Prävention mit Mikronährstoffen 
  • UV-Strahlung (Sonne/Sonnenbrand; Solarium) (wichtigster Risikofaktor: intensive UV-Belastung)

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Basalzellkarzinom in der Eigenanamnese
  • Basalzellnävussyndrom – genetisch bedingtes neurodermales Syndrom; Kennzeichen dieser Erkrankung sind zahlreiche oberflächliche Basalzellkarzinome, die im weiteren Verlauf in echte Basalzellkarzinome übergehen
  • Chronisch degenerative Dermatosen (Hauterkrankungen)
  • Chronisch entzündliche Dermatosen
  • Chronische, mechanisch belastete Narben
  • Chronisch fistulierende (Fisteln bildende) Hauterkrankungen
  • Chronisch ulzerierende (geschwürige) Hauterkrankungen bzw. chronische Ulzera (Geschwüre)
  • Lupus vulgaris – chronische Hauttuberkulose
  • Narben (selten)
  • Nävi sebacei (selten) – Talgdrüsennävus
  • Röntgendermatitis – Hautreaktion auf Röntgeneinstrahlung

Medikamente

  • Hydrochlorothiazid (HCT) → Photosensibilität ↑ → Anstieg des dosisabhängigen Risikos für den nicht-melanozytären Hautkrebs (engl. Non-Melanoma Skin Cancer, NMSC)/Basalzellkarzinome, Lippenkrebs und Plattenepithelkarzinome (PEK) der Haut/Spinaliome: für die Basalzellkarzinome eine Odds Ratio von 1,29 (95 % confidence interval (CI):1,23-1,35) [2], für Lippenkrebs 2.1 (1.7-2.6) [3] und für die Plattenepithelkarzinome (PEK) der Haut/Spinaliome eine von 3,98 (3,68-4,31) [2]
  • Langjährige Immunsuppression
    • insb. Azathioprin (Thiopurine); z. B. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, CED)
    • Calcineurininhibitoren

Strahlentherapie

  • Areale bestrahlter Haut (sog. chronische Radioderme)

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Beruflicher Kontakt mit Karzinogenen wie Arsen
  • Therapeutische ionisierende Strahlung (insb. bei einer Krebserkrankung in der Kindheit)
  • UV-Strahlung (Sonne; Solarium)

Literatur

  1. Bonilla X et al.: Genomic analysis identifies new drivers and progression pathways in skin basal cell carcinoma. Nature Genetics (2016) doi:10.1038/ng.3525
  2. Pedersen SA et al.: Hydrochlorothiazide use and risk of nonmelanoma skin cancer: A nationwide case-control study from Denmark. JApril 2018Volume 78, Issue 4, Pages 673-681.e9 doi: https://doi.org/10.1016/j.jaad.2017.11.042
  3. Pottegård A et al.: Hydrochlorothiazide use is strongly associated with risk of lip cancer. JIM Volume282, Issue4 October 2017 Pages 322-331 https://doi.org/10.1111/joim.12629
     
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