Glucosamin-Therapie

Glucosaminsulfat – ein Aminmonosaccharid ist ein essentieller (lebensnotwendiger) Baustein der Glykosaminoglykane (GAG) Hauptbestandteile der Knorpelgrundsubstanz der Hyaluronsäure und der Synovia („Gelenkschmiere“).

Untersuchungen haben gezeigt, dass Glucosaminsulfat ein Vitalstoff* (Mikronährstoffe) die Proteoglykan-Synthese und damit auch Viskosität der Synovia, das heißt, die Fließeigenschaften der Gelenkflüssigkeit, steigern konnte.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Arthrose
  • Coxarthrose (Arthrose des Hüftgelenkes; Hüftarthrose)
  • Gonarthrose (Arthrose des Kniegelenkes; Kniearthrose)

Die Wirkweise

Des Weiteren konnte nachgewiesen werden, dass Glucosaminsulfat die für den Knorpelabbau verantwortlichen proteolytischen Enzyme und Zytokine hemmt. Es führt zu einer Regulation des Gleichgewichtes von Knorpelauf- und -abbau und hemmt den Untergang des Knorpelgewebes. Zudem besitzt Glucosaminsulfat eine antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung, ohne dabei die Prostaglandin-Synthese zu beeinflussen.

Das Glucosaminsulfat-Molekül ist etwa 250-mal kleiner als das des Chondroitinsulfats – dieses erklärt die gute Resorption von Glucosaminsulfat mit 97 % im Verdauungstrakt.

*Zu den Vitalstoffen (Makro- und Mikronährstoffe) gehören unter anderem Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, lebensnotwendige Aminosäuren, lebensnotwendige Fettsäuren etc.

Glucosaminsulfat wird wie Chondroitinsulfat zu den Chondroprotektiva gezählt, welche bei degenerativen Gelenkerkrankungen eingesetzt werden. Sie gehören ebenfalls zu den SYSADOA (engl. Symptomatic Slow Acting Drugs in Osteoarthritis) und sind charakterisiert durch eine fehlende direkte analgetische Wirkung (schmerzstillende Wirkung).

In mehr als 30 klinischen Studien – kontrolliert, doppelblind, randomisiert – mit circa 8.000 Patienten mit Gonarthrose (Kniegelenksarthrose) konnte die klinische Relevanz von Glucosaminsulfat bestätigt werden. Nach den neuesten Erkenntnissen weist Glucosaminsulfat zum einen abschwellende und schmerzlindernde Eigenschaften bei Gelenkproblemen auf. Zum anderen kann diese Substanz bereits geschädigtes Knorpel- und Sehnengewebe wiederherstellen und somit zur einer Funktionsverbesserung der betroffenen Gelenke führen [2, 8, 10, 13]. Der GAIT Studie zur Folge konnten nach 24-wöchiger Einnahme von Glukosamin (1.500 mg/Tag) die Gelenkschmerzen der Gonarthrosepatienten um 65,7 % gesenkt werden [3].

In einer klinischen Langzeitstudie über 3 Jahre wurde zudem festgestellt, dass Glucosaminsulfat die Symptome der Gonarthrose – Steifigkeit, Schmerzen, Funktionsverlust – reduziert und Strukturveränderungen im Kniegelenk verhindert, wodurch die Progression der Gonarthrose verlangsamt wird [4, 6, 7, 9, 11, 12, 14, 17]. Hinsichtlich der Gelenkspaltsituation konnte in der mit Glucosaminsulfat supplementierten Gruppe keine Gelenkspaltverschmälerung gemessen werden.

Glucosaminsulfat qualifiziert sich schließlich als krankheitsmodifizierende Substanz und gehört zu der Gruppe der DMOAD – disease modifying osteoarthritis drugs [4, 5, 6, 7, 8, 9, 12, 13, 14, 17].

Eine Placebo- und NSAR-kontrollierte Studie mit 329 Gonarthrosepatienten über 3 Monate Behandlungs- und zwei weitere Monate Nachbeobachtungsdauer zeigte darüber hinaus eine länger anhaltende Wirksamkeit beziehungsweise Schmerzlinderung und sehr gute Verträglichkeit von Glucosaminsulfat gegenüber üblicher Schmerzmittel – nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), NSAID. Nach Beendigung der Therapie hält die Symptom-modifizierende Wirksamkeit von Glucosaminsulfat mindestens noch 2 Monate an. Im Gegensatz dazu lässt der Nutzen der NSARs nach Absetzen der Behandlung schnell nach [11, 12, 18].

In einem systematischen Review konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit oder mit einem Risiko für Arthrose, die Verwendung von Glucosamin und Chondroitinsulfat als konservative Maßnahme dazu dienen kann, die Gelenkknorpel zu schützen und das Fortschreiten einer Arthrose zu verzögern. Hyaluronsäure-Injektionen zeigten eine unterschiedliche Wirksamkeit, während NSAR sowie die Vitamine E und D keinen Effekt auf die Progression einer Arthrose zeigten [20]. 

In einer multizentrischen Interventionsstudie mit 606 Gonarthrosepatienten konnte nachgewiesen werden, dass die Wirkung von Glucosamin und Chondroitin für die Therapie der Gonarthrose, identische Effekte zeigte wie eine medikamentöse Behandlung mit dem selektiven COX-2-Hemmer Celecoxib. Beide Therapieformen senkten den Schmerzindex der Gonarthrosepatienten um circa 50 %. Die Abnahme von Gelenkschwellungen und Gelenkergüssen nahm ebenfalls in beiden Gruppen gleich stark ab [19]. 

Ein Nebeneffekt der Einnahme von Glucosamin ist ein leicht vermindertes Erkrankungs- und Sterberisiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis [21]: 

  • Die Hazard Ratio für ein Herz-Kreislauf-Ereignis betrug 0,85 (95-%-Konfidenzintervall 0,80 bis 0,90)
  • Einen Herz-Kreislauf-Tod erlitten die Anwender von Glucosamin zu 12 % seltener (Hazard Ratio 0,78; 0,70 bis 0,87)
  • Koronare Herzkrankheit trat 18 % (Hazard Ratio 0,82; 0,76 bis 0,88) und ein Schlaganfall 9 % (Hazard Ratio 0,91; 0,83 bis 1,00) seltener auf.

Ihr Nutzen

Glucosamin ist eine natürliche Substanz, die erfolgreich in der Behandlung der Arthrose eingesetzt wird. Sie kann die typischen Symptome Ihrer Arthrose wie Steifigkeit, Schmerzen und Funktionsverlust positiv beeinflussen und dient somit Ihrem Wohlbefinden und Ihrer Vitalität.

Die obigen Vitalstoff-Empfehlungen (Mikronährstoffe) wurden mit Hilfe des EUSANA Expertensystems für Präventionsmedizin erstellt. Die Aussagen sind durch Evidence-Based-Medicine-Literatur,
das bedeutet durch klinische Studien mit hohem Wirksamkeitsgrad, belegt.

Umfangreiche weitere Informationen zu Glucosaminsulfat finden Sie im DocMedicus Arzt- und Patienteninformationssystem im "Lexikon für Mikronährstoffmedizin". Dieses finden Sie in der Kategorie "Ernährungsmedizin" unter dem Thema "Grundlagen der Ernährungsmedizin". 

Literatur

  1. Bruyere O, Pavelka K, Rovati LC, Deroisy R, Olejarova M, Gatterova J, Giacovelli G, Reginster JY: Glucosamine sulfate reduces osteoarthritis progression in postmenopausal women with knee osteoarthritis: evidence from two 3-year studies. Menopause. 2004 Mar-Apr;11(2):138-43.
  2. Bundesgesundheitsamt Berlin: Bekanntmachung über die Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln (Aufbereitungsmonographien für den humanmed. Bereich). D-Glucosamin. Bundesanzeiger 44, Nr. 104; 45-50; 31.Januar 1992
  3. Clegg DO, Reda DJ, Harris CL et al.: Glucosamine, chondroitin sulfate, and the two in combination for painful knee osteoarthritis. N Engl J Med, 354 (8): 795-808; 2006 Feb 23
  4. Das A Jr, Hammad TA: Efficacy of a combination of FCHG49 glucosamine hydrochloride, TRH122 low molecular weight sodium chondroitin sulfate and manganese ascorbate in the management of knee osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage. 2000 Sep;8(5):343-50
  5. Lequesne M, Brandt K, Bellamy N et al.: Guidelines for Testing Slow Acting Drugs in Osteoarthritis. J Rheumatol Suppl. 1994 Sep;41:65-71; discussion 72-3.
  6. Lopes Vaz A: Double-blind clinical evaluation of the relative efficacy of ibuprofen and glucosamine sulphate in the management of osteoarthrosis of the knee in out-patients. Curr Med Res Opin. 1982;8(3):145-9.
  7. McAlindon TE, LaValley MP, Gulin JP, Felson DT: Glucosamine and chondroitin for treatment of osteoarthritis: a systematic quality assessment and meta-analysis. JAMA;283(11):1469-75. Review;2000 Mar 15
  8. Müller-Faßbender H, Bach GL: D-Glucosamin-Sulfat als nebenwirkungsarme Alternative zu nichtsteroidalen Antirheumatika. In: "Aktuelle Rheumatologie Bayreuth Pathologie-Labor-Untersuchung-Therapie 1989" (Hrsg.: Bach GL, Stock KP). Echo VerlagsGmbH, Köln; 109-124; 1990
  9. Muller-Fassbender H, Bach GL, Haase W, Rovati LC, Setnikar I: Glucosamine sulfate compared to ibuprofen in osteoarthritis of the knee. Osteoarthritis Cartilage. 1994 Mar;2(1):61-9.
  10. Noack W, Fischer M, Förster KK et al.: Glucosamine Sulfate in Osteoarthritis of the Knee. Osteoarthritis Cart 2: 51-59; 1994
  11. Pavelka K, Gatterova J, Olejarova M et al.: Glucosamine sulfate use and delay of progression of knee osteoarthritis. A 3 year, randomised, placebo-controlled, doubleblind study. Arch Intern Med 162: 2113-23; 2002
  12. Reginster JY, Deroisy R, Rovati LC et al.: Longterm effects of glucosamine sulphate on osteoarthritis progression: a randomised, placebo-controlled, clinical  trial. Lancet 357: 251-56; 2001
  13. Reichelt A, Förster KK, Fischer M et al.: Efficacy and safety of intramuscular glucosamine sulfate in osteoarthritis of the knee. A randomised, placebo-controlled, doubleblind study. Arzneim Forsch / Drug Res 44: 75-80; 1994
  14. Richy F, Bruyere O, Ethgen O, Cucherat M, Henrotin Y, Reginster JY: Structural and symptomatic efficacy of glucosamine and chondroitin in knee osteoarthritis: a comprehensive meta-analysis. Arch Intern Med. 2003 Jul 14;163(13):1514-22.
  15. Setnikar I, Cereda R, Pacini MA et al.: Antireactive properties of glucosamine sulfate. Arzneim Forsch / Drug Res 41: 157-161; 1991
  16. Shikhman AR, Kuhn K, Alaaeddine N et al.: N-acetylglucosamine prevents IL1ß-mediated activation of human chondrocytes. J Immunol 166: 5155-5160; 2001
  17. Soeken KL: Selected CAM therapies for arthritis-related pain: the evidence from systematic reviews. Clin J Pain. 2004 Jan-Feb;20(1):13-8. Review
  18. Towheed TE, Anastassiades TP, Shea B et al.: Glucosamine therapy for treating osteoarthritis (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 1; Oxford: Update Software; 2001
  19. Hochberg MC et al.: Combined chondroitin sulfate and glucosamine for painful knee osteoarthritis: a multicentre, randomised, double-blind, non-inferiority trial versus celecoxib. Ann Rheum Dis. 2015 Jan 14. pii: annrheumdis-2014-206792. doi: 10.1136/annrheumdis-2014-206792.
  20. Gallagher B et al.: Chondroprotection and the prevention of osteoarthritis progression of the knee: a systematic review of treatment agents. Am J Sports Med. 2015 Mar;43(3):734-44. doi: 10.1177/0363546514533777. Epub 2014 May 27.
  21. Ma H et al.: Association of habitual glucosamine use with risk of cardiovascular disease: prospective study in UK Biobank BMJ 2019;365:l1628
  22. Aktuelle Literatur: siehe unter dem gleichnamigen Thema im Mikronährstofflexikon

     
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