MERS-Coronavirus – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur [Fieber], Atemfrequenz [Tachypnoe (beschleunigte Atmung)], Sauerstoffsättigung (SpO₂) [Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut)], Puls [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)] und Blutdruck [arterielle Hypotonie (zu niedriger Blutdruck) bei schwerem Verlauf bzw. septischem Schock (Kreislaufversagen infolge einer schweren Infektion)]; des Weiteren:
    • Beurteilung des Allgemeinzustands [reduzierter Allgemeinzustand bis hin zu schwerem Krankheitsbild]
    • Beurteilung der Bewusstseinslage [Bewusstseinsstörung bei schwerer Hypoxämie, Sepsis (schwere Reaktion des Körpers auf eine Infektion) bzw. Multiorgandysfunktion (Funktionsstörung mehrerer Organe)]
    • Beurteilung der Atemarbeit [Dyspnoe (Atemnot), Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (zusätzliche Atemmuskeln), Zeichen respiratorischer Erschöpfung (Erschöpfung der Atmung)]
    • Inspektion von Haut und Schleimhäuten [Zyanose (bläuliche Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten) bei schwerer Hypoxämie]
    • Beurteilung des Hydratationszustands (Flüssigkeitshaushalt) [Exsikkose (Austrocknung) bei ausgeprägter Diarrhoe (Durchfall) bzw. Erbrechen]
    • Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung der Körperperipherie) [kühle Extremitäten, verlängerte Kapillarfüllungszeit (verzögerte Wiederfüllung kleiner Blutgefäße) bei septischem Schock]
  • Pulmonale Untersuchung (Untersuchung der Lunge)
    • Inspektion des Thorax (Brustkorbs) und Beurteilung von Atemtiefe, Atemrhythmus und Atemexkursionen (Atembewegungen) [Tachypnoe, flache Atmung, erhöhte Atemarbeit]
    • Auskultation der Lunge [inspiratorische Rasselgeräusche (knisternde Atemgeräusche beim Einatmen) bei Pneumonie (Lungenentzündung), abgeschwächtes Atemgeräusch bei ausgeprägter pulmonaler Beteiligung bzw. Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand)]
    • Perkussion des Thorax [umschriebene Dämpfung bei pulmonaler Konsolidierung (Verdichtung des Lungengewebes) bzw. Pleuraerguss]
    • Beurteilung auf Zeichen einer fortschreitenden respiratorischen Insuffizienz (unzureichenden Atmung) [zunehmende Atemarbeit, Hypoxämie, Zyanose, respiratorische Erschöpfung]
  • Kardiovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Herz und Kreislauf)
    • Auskultation von Herzfrequenz und Herzrhythmus [Tachykardie bei schwerem systemischem Verlauf]
    • Palpation der peripheren Pulse [schwache periphere Pulse bei Kreislaufinsuffizienz (unzureichender Kreislauffunktion)]
    • Beurteilung der peripheren Perfusion und Kapillarfüllungszeit [verlängerte Kapillarfüllungszeit bei septischem Schock]
  • Abdominale Untersuchung (Untersuchung des Bauches) – insbesondere bei gastrointestinaler Symptomatik (Beschwerden des Magen-Darm-Trakts)
    • Inspektion, Auskultation, Perkussion und Palpation des Abdomens (Bauches) [abdominelle Druckempfindlichkeit (Druckschmerz im Bauch) bei gastrointestinaler Beteiligung]
    • Beurteilung auf klinische Zeichen eines Flüssigkeitsverlustes [Exsikkose bei Diarrhoe bzw. Erbrechen]
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – insbesondere bei schwerem Verlauf
    • Beurteilung von Vigilanz (Wachheitsgrad), Orientierung und Bewusstseinslage [Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit) bzw. Bewusstseinsstörung bei schwerer Hypoxämie, Sepsis oder Multiorgandysfunktion]
  • Beurteilung der Nierenfunktion anhand klinischer Zeichen – insbesondere bei schwerem Verlauf
    • Erfassung der Diurese (Harnausscheidung) [Oligurie (verminderte Harnausscheidung) bzw. Anurie (fehlende Harnausscheidung) bei akuter Nierenschädigung (plötzlicher Schädigung der Nierenfunktion) oder Multiorgandysfunktion]

Die klinische Manifestation einer Infektion mit dem Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) reicht von asymptomatischen (beschwerdefreien) bzw. milden Verläufen bis zur rasch progredienten (fortschreitenden) Pneumonie mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS), respiratorischem Versagen (Versagen der Atmung), septischem Schock und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe). Ein unauffälliger oder nur gering pathologischer (krankhafter) körperlicher Untersuchungsbefund schließt eine MERS-CoV-Infektion insbesondere in der frühen Krankheitsphase nicht aus.

Red Flags (Warnzeichen) bei MERS

  • Rasch zunehmende Dyspnoe bzw. deutlich erhöhte Atemarbeit
  • Ausgeprägte Tachypnoe oder Zeichen respiratorischer Erschöpfung
  • Abfall der Sauerstoffsättigung bzw. zunehmender Sauerstoffbedarf
  • Zyanose
  • Zeichen einer schweren hypoxämischen (durch Sauerstoffmangel im Blut bedingten) respiratorischen Insuffizienz bzw. eines akuten Atemnotsyndroms (ARDS)
  • Bewusstseinsstörung
  • Arterielle Hypotonie, verlängerte Kapillarfüllungszeit, schwache periphere Pulse oder andere Zeichen eines septischen Schocks
  • Oligurie bzw. Anurie als Hinweis auf eine akute Nierenschädigung oder Multiorgandysfunktion
  • Rasche klinische Verschlechterung, insbesondere bei älteren, immunsupprimierten (abwehrgeschwächten) oder chronisch vorerkrankten Patienten

Beachte: Bei klinisch-epidemiologischem (Krankheitszeichen und Verbreitung betreffendem) Verdacht auf eine MERS-CoV-Infektion muss die körperliche Untersuchung unter konsequenter Infektionsprävention (Verhinderung einer Ansteckung) erfolgen. Der Patient ist frühzeitig zu isolieren. Zusätzlich zu den Standardhygienemaßnahmen sind die für die Versorgung wahrscheinlicher bzw. bestätigter MERS-Fälle vorgesehenen Kontakt- und Tröpfchenschutzmaßnahmen einzuhalten; bei aerosolgenerierenden Maßnahmen ist ein geeigneter Atemschutz entsprechend den geltenden Empfehlungen erforderlich.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.