Keuchhusten (Pertussis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Pertussis (Keuchhusten) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute respiratorische Insuffizienz (akute Atemschwäche) – insbesondere bei schwerer Säuglingspertussis (Keuchhusten bei Säuglingen) mit Apnoe (Atemstillstand), Pneumonie (Lungenentzündung), Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) oder pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck) [1, 2, LL 1-3]
- Apnoe – vor allem bei Neugeborenen und jungen Säuglingen; kann in dieser Altersgruppe auch ohne ausgeprägten Husten im Vordergrund stehen [1-3, LL 1-3]
- Pneumomediastinum (Luftansammlung im Mittelfellraum)/subkutanes Emphysem (Luftansammlung unter der Haut) – seltene mechanische Folge ausgeprägter paroxysmaler Hustenattacken (anfallsartiger Hustenanfälle) mit alveolärer Druckbelastung (Druckbelastung der Lungenbläschen) [2, LL 2, LL 3]
- Pneumonie – wichtigste und häufigste organische Komplikation (körperliche Folgeerkrankung) der Pertussis, insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen; wesentlicher Treiber von Hospitalisierung (Krankenhausbehandlung) und Mortalität (Sterblichkeit) [1-3, LL 1-3]
- Pneumothorax (Luft im Brustfellraum) – seltene mechanische Komplikation bei schweren Hustenparoxysmen (Hustenanfällen) bzw. schwerer pulmonaler Beteiligung (Beteiligung der Lunge) [2, LL 2, LL 3]
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Hyposphagma (Bindehautblutung) bzw. Ruptur von Konjunktivalgefäßen (Riss von Bindehautgefäßen) – seltene mechanische Folge des erhöhten intrathorakalen (im Brustkorb gelegenen) und venösen Drucks (Drucks in den Venen) während schwerer Hustenparoxysmen [LL 2, LL 3]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akutes Cor pulmonale (akute Rechtsherzbelastung durch Lungenerkrankung)/Rechtsherzbelastung – bei schwerer Säuglingspertussis mit pulmonaler Hypertonie, Hypoxämie und respiratorischer Insuffizienz [1, 2]
- Pulmonale Hypertonie – schwere Komplikation der Säuglingspertussis; in der Metaanalyse (zusammenfassende Studienauswertung) bei kritisch kranken Säuglingen als Mortalitätsrisikofaktor (Risikofaktor für Sterblichkeit) identifiziert [1, 2, LL 2]
Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Leistenhernie (Leistenbruch) – seltene mechanische Folge wiederholter schwerer Hustenparoxysmen mit intraabdomineller Druckerhöhung (Druckerhöhung im Bauchraum) [LL 2, LL 3]
- Rektumprolaps (Mastdarmvorfall) – seltene mechanische Komplikation bei ausgeprägten Hustenattacken, insbesondere im Kindesalter [LL 2, LL 3]
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Otitis media (Mittelohrentzündung) – mögliche Begleit- bzw. Sekundärkomplikation (Folgekomplikation), vor allem bei Kindern [LL 1-3]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Enzephalopathie (Hirnfunktionsstörung) – seltene, aber schwere neurologische Komplikation (Komplikation des Nervensystems), vor allem bei hospitalisierten Säuglingen; pathogenetisch (krankheitsursächlich) insbesondere hypoxisch (durch Sauerstoffmangel bedingt) bzw. toxinassoziiert (giftstoffbedingt) diskutiert [1-3, LL 1-3]
- Epilepsie (Anfallsleiden) – nach hospitalisierter Pertussis im Kindesalter in einer dänischen Kohortenstudie (Gruppenverlaufsstudie) mit erhöhtem relativem, aber niedrigem absolutem Langzeitrisiko assoziiert [4]
- Krampfanfälle (epileptische Anfälle) – seltene schwere Komplikation, vor allem bei schwerer Säuglingspertussis; in der Metaanalyse bei kritisch kranken Säuglingen als Mortalitätsrisikofaktor identifiziert [1-3, LL 1-3]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Dehydratation (Austrocknung) – insbesondere bei wiederholtem posttussivem Erbrechen (Erbrechen nach Husten) und eingeschränkter Trinkmenge bei Säuglingen [LL 2, LL 3]
- Erbrechen nach Hustenattacken – typische Folge paroxysmaler Hustenanfälle, insbesondere im Stadium convulsivum (Krampfstadium) [LL 1-3]
- Hypoxämie/Zyanose (Blaufärbung durch Sauerstoffmangel) – insbesondere bei Apnoe, schwerer Pneumonie oder prolongierten Hustenparoxysmen (verlängerten Hustenanfällen) [1-3, LL 1-3]
- Synkopen (Ohnmachtsanfälle) – husteninduzierte Synkopen als seltene mechanisch-reflektorische Komplikation (mechanisch-reflexbedingte Komplikation) bei schweren Hustenparoxysmen, vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen [LL 2, LL 3]
- Tod – seltene, aber relevante Komplikation vor allem bei ungeimpften bzw. noch nicht vollständig immunisierten Neugeborenen und jungen Säuglingen mit schwerer Pertussis [1-3, LL 1-3]
Urogenitalsystem (N00-N99)
- Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei Belastung) bzw. Exazerbation (Verschlechterung) einer vorbestehenden Harninkontinenz (Blasenschwäche) – mögliche Folge schwerer paroxysmaler Hustenattacken, insbesondere bei Erwachsenen mit prädisponierenden Beckenbodenfaktoren (begünstigenden Faktoren des Beckenbodens) [LL 2]
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Rippenfrakturen (Rippenbrüche) – seltene mechanische Folge ausgeprägter Hustenparoxysmen, insbesondere bei Erwachsenen, älteren Patienten oder osteopenischer Knochenstruktur (verminderter Knochendichte) [LL 2, LL 3]
- Subdurales Hämatom (Blutung unter der harten Hirnhaut) – sehr seltene schwere mechanisch-vaskuläre Komplikation (mechanisch-gefäßbedingte Komplikation) im Zusammenhang mit massiven Hustenparoxysmen, vor allem bei Säuglingen differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Erkrankungen) sorgfältig zu bewerten [LL 2, LL 3]
Prognosefaktoren
- Alter
- Höchstes Risiko für schwere Verläufe, Hospitalisierung und Tod bei Neugeborenen und Säuglingen, insbesondere unter 2-3 Monaten [1-3, LL 1-3]
- Impfstatus
- Fehlende oder unvollständige Immunisierung (Impfschutz) erhöht das Risiko für schwere Pertussisverläufe, insbesondere bei Säuglingen vor Abschluss der Grundimmunisierung [2, 3, LL 1-3]
- Respiratorische Komplikationen
- Pneumonie, Apnoe, Hypoxämie und akute respiratorische Insuffizienz sind zentrale Marker eines schweren Verlaufs [1-3, LL 1-3]
- Kardiopulmonale Komplikationen
- Pulmonale Hypertonie, Tachykardie (Herzrasen) und Rechtsherzbelastung sind ungünstige Prognosefaktoren bei kritisch kranken Säuglingen [1, 2]
- Neurologische Komplikationen
- Krampfanfälle und Enzephalopathie sprechen für einen schweren Verlauf und sind insbesondere bei Säuglingen prognostisch relevant [1-3, LL 1-3]
- Laborchemische Schwerezeichen
- Ausgeprägte Leukozytose/Lymphozytose ist bei schwerer Säuglingspertussis mit erhöhtem Risiko für pulmonale Hypertonie, Intensivpflichtigkeit (Notwendigkeit einer Intensivbehandlung) und Mortalität assoziiert [1, 2]
Literatur
- Cousin VL, Caula C, Vignot J, Joye R, Blanc M, Marais C, Tissières P. Pertussis infection in critically ill infants: meta-analysis and validation of a mortality score. Crit Care. 2025;29(1):71.https://doi.org/10.1186/s13054-025-05300-2
- Guo S, Zhu Y, Guo Q, Wan C. Severe pertussis in infants: a scoping review. Ann Med. 2024;56(1):2352606.https://doi.org/10.1080/07853890.2024.2352606
- Kandeil W, van den Ende C, Bunge EM, Jenkins VA, Ceregido MA, Guignard A. A systematic review of the burden of pertussis disease in infants and the effectiveness of maternal immunization against pertussis. Expert Rev Vaccines. 2020;19(7):621-638.https://doi.org/10.1080/14760584.2020.1791092
- Olsen M, Thygesen SK, Østergaard JR, Nielsen H, Henderson VW, Ehrenstein V, Sørensen HT. Hospital-Diagnosed Pertussis Infection in Children and Long-term Risk of Epilepsy. JAMA. 2015;314(17):1844-1849.https://doi.org/10.1001/jama.2015.13971
Leitlinien
- Robert Koch-Institut. Keuchhusten (Pertussis). RKI-Ratgeber.https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Pertussis.html
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Features of Pertussis.https://www.cdc.gov/pertussis/hcp/clinical-signs/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention. Chapter 16: Pertussis. Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases.https://www.cdc.gov/pinkbook/hcp/table-of-contents/chapter-16-pertussis.html
- World Health Organization. Pertussis vaccines: WHO position paper, August 2015. Weekly Epidemiological Record. 2015;90(35):433-460.https://www.who.int/publications/i/item/WHO-WER9035