Keuchhusten (Pertussis) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (Asthma) – anfallsartiger Husten, häufig mit Giemen (pfeifendes Atemgeräusch), Belastungs- oder Allergenbezug; Abgrenzung durch variable Atemwegsobstruktion (wechselnde Atemwegsverengung) und Ansprechen auf Bronchodilatatoren (atemwegserweiternde Medikamente)
  • Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Bronchien) – insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern; meist viral bedingte untere Atemwegsinfektion (Infektion der unteren Atemwege) mit Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Giemen, Einziehungen und Trinkschwäche
  • Chronische Bronchitis (dauerhafte Bronchialentzündung) – produktiver Husten über mindestens 3 Monate in 2 aufeinanderfolgenden Jahren; meist ohne typische pertussiforme Hustenanfälle
  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) (dauerhaft verengende Lungenerkrankung) – chronischer Husten, Auswurf und Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung); Abgrenzung durch Risikoprofil, Spirometrie (Lungenfunktionsprüfung) und fehlende typische Pertussis-Paroxysmen (Keuchhusten-Anfälle)
  • Laryngitis subglottica/Pseudokrupp (Kehlkopfentzündung unterhalb der Stimmbänder/Krupphusten) – bellender Husten, Heiserkeit und inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen), vor allem im Kleinkindalter
  • Pneumonie (Lungenentzündung) – Husten mit Fieber, Tachypnoe, fokalen Auskultationsbefunden (örtlich begrenzten Abhörbefunden) und gegebenenfalls Infiltrat (Verdichtung) im Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs)
  • Postinfektiöser Husten (Husten nach Infekt) – protrahierter Husten nach respiratorischem Infekt (Atemwegsinfekt) ohne Nachweis von Bordetella pertussis; meist allmähliche Besserung
  • Rhinosinusitis (Nasen- und Nasennebenhöhlenentzündung) mit Upper-Airway-Cough-Syndrom (Husten durch obere Atemwege) – Husten durch postnasalen Sekretfluss (Schleimabfluss in den Rachen), Räusperzwang und nasale Symptome

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – Husten insbesondere bei pulmonaler Stauung (Blutstau in der Lunge), Orthopnoe (Atemnot im Liegen), Belastungsdyspnoe, peripheren Ödemen (Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen) oder kardialer Grunderkrankung (Herzerkrankung)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Adenovirus-Infektion (Adenovirus-Ansteckung) – akuter respiratorischer Infekt mit Fieber, Pharyngitis (Rachenentzündung), Konjunktivitis (Bindehautentzündung) oder Bronchitis; kann pertussiformen Husten imitieren
  • Bordetella-holmesii-Infektion (Bordetella-holmesii-Ansteckung) – seltene Ursache eines pertussisähnlichen Krankheitsbildes, vor allem differentialdiagnostisch bei Bordetella-Nachweisverfahren relevant
  • Bordetella-parapertussis-Infektion (Bordetella-parapertussis-Ansteckung) – pertussisähnliches Krankheitsbild, meist milder als die Bordetella-pertussis-Infektion (Keuchhusten-Ansteckung)
  • Chlamydia-pneumoniae-Infektion (Chlamydien-Ansteckung der Atemwege) – atypische respiratorische Infektion mit protrahiertem Husten, Pharyngitis und Bronchitis/Pneumonie
  • COVID-19 (Coronavirus-Krankheit) – akuter respiratorischer Infekt mit Husten, Fieber, Halsschmerzen, Myalgien (Muskelschmerzen), Geruchs-/Geschmacksstörung oder Dyspnoe (Atemnot)
  • Influenza (Grippe) – akuter Beginn mit Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen, trockenem Husten und ausgeprägtem Krankheitsgefühl
  • Mycoplasma-pneumoniae-Infektion (Mykoplasmen-Ansteckung der Atemwege) – atypische Pneumonie beziehungsweise Tracheobronchitis (Entzündung von Luftröhre und Bronchien) mit trockenem, teils lang anhaltendem Husten
  • Respiratorische Synzytial-Virus-Infektion (RSV-Infektion) (RSV-Ansteckung) – insbesondere bei Säuglingen und älteren Patienten; Bronchiolitis, Pneumonie oder obstruktive Symptomatik (verengende Beschwerden) möglich
  • Rhinovirus-Infektion (Schnupfenvirus-Ansteckung) – häufiger viraler Infekt der oberen Atemwege mit Rhinitis (Schnupfen), Halsschmerzen und Husten
  • Tuberkulose (Schwindsucht) – länger bestehender Husten, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, subfebrile Temperaturen (leicht erhöhte Temperaturen) und gegebenenfalls Hämoptysen (Bluthusten)

Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) – chronischer Husten, Räusperzwang, Heiserkeit oder retrosternales Brennen (Brennen hinter dem Brustbein); häufig lage- oder nahrungsabhängig

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) – persistierender oder neu veränderter Husten, Hämoptysen, Gewichtsverlust, Thoraxschmerz (Brustkorbschmerz) oder Risikoprofil mit Nikotinkonsum
  • Tracheale oder bronchiale Tumoren (Tumoren der Luftröhre oder Bronchien) – seltene Ursache von therapieresistentem Husten, Stridor, Hämoptysen oder rezidivierenden poststenotischen Infektionen (wiederkehrenden Infektionen hinter einer Engstelle)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Tic-Husten/Somatischer Husten (Gewohnheitshusten/körperlich empfundener Husten ohne organische Ursache) – meist tagsüber auftretender, repetitiver Husten ohne infektiologische oder pulmonale Ursache; typischerweise fehlend im Schlaf

Medikamente

  • Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer (ACE-Hemmer) (Blutdruckmedikamente) – trockener Reizhusten, häufig ohne Fieber und ohne typische Hustenparoxysmen; zeitlicher Bezug zur Medikation entscheidend

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fremdkörperaspiration (Einatmen eines Fremdkörpers) – plötzlicher Beginn mit Husten, Würgen, Stridor, einseitigem Giemen oder rezidivierender Atelektase (wiederkehrender Lungenabschnittskollaps)/Pneumonie; besonders bei Kindern relevant