Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Hepatitis B

Therapieziele

  • Bei der chronischen Hepatitis B sollte auf eine Normalisierung der Transaminasen (spezielle Leberenzyme; GOT, GPT) und eine möglichst niedrige Viruslast (< 300 Kopien der HBV-DNA/ml) hin therapiert werden.
  • Partnermanagement, d. h. ggf. infizierte Partner müssen ausfindig gemacht und behandelt werden (Kontakte müssen abhängig vom geschätzten Zeitpunkt der Infektion oder bis zu zwei Wochen vor Einsetzen des Ikterus (Gelbsucht) rückverfolgt werden) [2]. 

Therapieempfehlungen

  • Akute Hepatitis B:
    • im Regelfall keine Behandlung; sie heilt zu 99 % spontan aus
    • falls Abfall des Quick-Wertes (Parameter der Blutgerinnung) unter 50 % oder Einschränkung der Lebersynthese: Therapie mit Hemmstoffen der HBV-DNA-Polymerase
    • bei fulminantem Verlauf: Behandlung mit einem Nukleosid- bzw. Nukleotid-Analogon (Virostatika)
      • bei geringer HBV-DNA: Lamivudin 
      • bei hoher HBV-DNA: Entecavir oder Tenofovir
  • Chronische Hepatitis B: antivirale Therapie
    • Interferon bzw. Nukleosid- bzw. Nukleotid-Analoga
    • Zunächst prüfen, ob eine Interferon α-Therapie möglich/sinnvoll ist (definierte Therapiedauer von i. d. R. 48 Wochen).
    • Falls Interferon α-Therapie nicht möglich ist oder der Patient darauf nicht angesprochen hat, kommen Nukleosid- bzw. Nukleotid-Analoga zum Einsatz.
  • Ggf. symptomatische Therapie (Antiemetika/Arzneimittel gegen Übelkeit und Brechreiz)
  • Postexpositionsprophylaxe (PEP) [s.u.]
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Antiretrovirale Medikamente

Antiretrovirale Medikamente wirken gegen Retroviren, das ist eine bestimmt Untergruppe der Viren, zu denen auch die Viren zählen, die für die Hepatitis B verantwortlich sind.

Man unterscheidet die folgenden Gruppen der antiretroviralen Medikamente:

  • Reverse Transkriptase-Inhibitoren
  • Nukleosidanaloga
  • Protease-Inhibitoren
  • Fusionsinhibitoren

Bei der komplizierten akuten und der chronischen Hepatitis B wird Lamivudin eingesetzt, ein Nukleosidanalogon. Es ist relativ gut verträglich und wird deshalb häufig eingesetzt. Als Nebenwirkung treten Kopfschmerzen oder Übelkeit und/oder Erbrechen auf.

Interferon alpha

Interferon sind Stoffe, die verschiedene Wirkungen innerhalb der Zelle auslösen, die einen antiviralen Effekt haben. Sie werden bei Hepatitis B und Hepatitis C eingesetzt. Als Nebenwirkungen werden häufiger grippeähnliche Symptome beobachtet. Auch können die Leberparameter erhöht werden.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Unter einer Postexpositionsprophylaxe versteht man die Versorgung mit Medikamenten zur Vermeidung einer Erkrankung bei Personen, die gegen eine bestimmte Krankheit nicht durch Impfung geschützt sind, dieser aber ausgesetzt waren.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verletzungen mit möglicherweise kontagiösen (erregerhaltigen) Gegenständen wie Nadeln (Nadelstichverletzungen (NSV)) oder Skalpellen
  • Blutkontakt mit Schleimhaut oder nicht-intakter Haut
  • Neugeborene HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg-Status (unabhängig vom Geburtsgewicht)

Durchführung

  • Bei Verletzungen mit möglicherweise kontagiösen Gegenständen:
    • Sofortige Impfung und gleichzeitige Gabe eines Hepatitis-B-Immunglobulins (siehe Tabelle unten)
  • Gemäß Mutterschaftsrichtlinien ist bei allen Schwangeren nach der 32. Schwangerschaftswoche (SSW), möglichst nahe der Geburt, das Serum auf HBsAg zu untersuchen.
  • Bei Neugeborenen Hepatitis-B-positiv getesteter Mütter wird direkt nach der Geburt eine Dosis Hepatitis-B-Immunglobulin (Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren) und die erste Dosis HB-Impfstoff verabreicht. Die komplette Grundimmunisierung wird dann im ersten Lebensjahr durchgeführt.

Hepatitis-B-Immunprophylaxe nach Exposition in Abhängigkeit vom aktuellen Anti-Hbs-Wert

Aktueller Anti-HBs-Wert  Erforderlich ist die Gabe von
HB-Impfstoff HB-Immunglobulin
≥ 100 IE/l 
Nein  Nein 
≥ 10 bis < 100 IE/l   Ja 
Nein 
< 10 IE/l oder nicht innerhalb von 48 h zu bestimmen  und Anti-HBs war ≥ 100 IE/l zu einem früheren Zeitpunkt Ja Nein
und Anti-HBs war nie ≥ 100 IE/l oder unbekannt Ja Ja

Literatur

  1. Robert Koch Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. 22. August 2019 / Nr. 34
  2. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Hepatitis-B-Virusinfektion - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 021-011), Januar 2011 Langfassung
  2. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015

     
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