Einleitung
Hepatitis B

Bei der Hepatitis B (Synonyme: HBV; Hepatitis B-Virus; Virushepatitis B; ICD-10 B16.-: Akute Virushepatitis B) handelt es sich um eine Leberentzündung mit dem Hepatitis-B-Virus.

Das Hepatitis-B-Virus ist ein partiell doppelsträngiges DNA-Virus und gehört zur Familie der Hepadnaviridae.

Der Mensch stellt zurzeit das einzige relevante Erregerreservoir dar.  

Vorkommen: Die Infektion tritt häufig in Zentral- und Nordafrika, China, im mittleren Orient sowie in Ost- und Südeuropa auf. Sie wird häufig von Reisen aus diesen Ländern mitgebracht. 

Die Kontagiosität (Ansteckungskraft bzw. Übertragungsfähigkeit des Erregers) ist hoch. Das Virus kommt vor in Blut, Körperflüssigkeiten wie Sperma, Muttermilch, Speichel und Tränenflüssigkeit.

Das Virus kann in allen Körperflüssigkeiten gefunden werden. Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg) erfolgt in den meisten Fällen durch parenterale Infektionen:

  • durch sexuelle Transmissionen (darunter 40 % homosexuelle Kontakte); aus diesem Grunde wird die Hepatitis B zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs) gezählt; 49 % der Fälle
  • verunreinigte Injektionskanülen (intravenöser Drogenkonsum), verunreinigte Blutkonserven, verunreinigte Instrumente im Rahmen von Tätowierungen und Piercings; 17 % der Fälle

In 24 % der Fälle findet sich der Erreger in Wohngemeinschaften mit HepB-Virusträger.
In Ländern mit einer hohen Inzidenz an Virusträgern erfolgt die Übertragung des Erregers häufig perinatal (um die Geburt herum oder im Rahmen einer Geburt) von der Mutter auf das Ungeborene/Neugeborene.

Der Eintritt des Erregers in den Körper erfolgt parenteral (der Krankheitserreger dringt nicht über den Darm ein, sondern gelangt über die Haut (perkutane Infektion), über die Schleimhäute (permuköse Infektion), über die Geschlechtsorgane (genitale Infektion) in das Blut; das Infektionsrisiko bei einer Nadelstichverletzung (NSV, NSTV) mit viruspositivem Blut beträgt bis zu 30 %.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt in der Regel ca. 30-180 Tage.

Man unterscheidet eine akute und eine chronische Verlaufsform (ca. 5-10 %). Die akute Form kann wiederum in eine benigne (gutartige) und eine maligne (bösartige) Verlaufsform unterteilt werden (s. u. "Verlauf und Prognose").

Geschlechterverhältnis: Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Der Häufigkeitsgipfel liegt für Frauen 10 Jahre vor dem der Männer:

  • bei Männern: Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen
  • bei Frauen: Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 0,6 % in Deutschland. In Zentralafrika und China liegt die Prävalenz bei > 8 %, im mittleren Orient, Nordafrika und Ost-/Südeuropa bei 2-7 % und in den übrigen Gebieten bei < 2 %. Weltweit sind circa 400 Millionen Menschen chronisch erkrankt. Die Prävalenz in den Entwicklungsländern liegt bei bis zu 80 %.
Die Prävalenz einer chronischen Hepatitis B liegt in der Schwangerschaft bei 0,7-0,9 %.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 35 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland). 

Die Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Verlauf und Prognose: Die Hepatitis B verläuft zu 65 % der Fälle asymptomatisch ("ohne Symptome"), zu 35 % symptomatisch und zu 1 % fulminant (plötzlich, schnell und schwerwiegend)Die akute Hepatitis B führt in 90 % der Fälle zu einer spontanen ("von selbst") Ausheilung.
Die akute Form der Hepatitis B kann aber in 5-10 % der Fälle chronisch verlaufen. Davon sind ca. 70-90 % klinisch gesund (= chronisch inaktive Hepatitis) und in ca. 10-30 % der Fälle verläuft die Erkrankung chronisch aktiv.
Patienten mit einer chronisch aktiven Hepatitis klagen häufig über Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
Typische Langzeitkomplikation der chronisch aktiven Fälle ist mit 15-20 % die Leberzirrhose (irreversible (nicht umkehrbare) Schädigung der Leber und ein ausgeprägter Umbau des Lebergewebes) und davon haben als weitere Komplikation in ca. 15 % der Fälle ein hepatozelluläres Karzinom (hepatocelluläres Carcinom, HCC; Leberzellkrebs).
Die "Ausheilung"
der chronischen Hepatitis B (= niedrige Viruslast, d. h. < 300 Kopien der HBV-DNA/ml) unter Therapie beträgt bis zu 70 %.

Impfung: Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B ist verfügbar. Aufgrund der Impfmöglichkeit wird die Zahl der Betroffenen in den Industrienationen vermutlich zurückgehen. Vor allem bei Reisen in Risikogebiete wird eine Impfung empfohlen. Auch Beschäftigte im medizinische Bereich, im Rettungsdienst und geistig Behinderte in Heimen haben ein höheres Ansteckungsrisiko und sollten sich impfen lassen.
Für die Hepatitis-B-Postexpositionsprophylaxe (passive Immunisierung; zur Vermeidung einer Erkrankung bei Personen, die gegen Hepatitis B nicht durch Impfung geschützt sind, dieser aber ausgesetzt waren) steht ein Hepatitis-B-Immunglobulin zur Verfügung.

In Deutschland ist die Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. Die Meldung hat bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod namentlich zu erfolgen.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Hepatitis-B-Virusinfektion - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 021-011), Januar 2011 Langfassung
  2. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015

     
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