HPV-Impfung

Die HPV-Impfung ist eine Standardimpfung (Regelimpfung) für Mädchen/Frauen und Jungen/Männer. Der Totimpfstoff enthält gereinigte, rekombinant hergestellte L1-Proteine aus dem Kapsid der Papillomavirustypen.

Humanes Papillomviren (HPV) sind verantwortlich für Infektionen der Haut beziehungsweise Schleimhaut.

Daneben ist erwiesen, dass das Virus, vor allem die Hochrisikotypen 16 und 18 des HP-Virus, ein wichtiger Faktor bei der Entstehung des Cervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) und von Condylomata acuminata (Genitalwarzen) sind. Die genannten Hochrisikogruppen sind Ursache für circa 70 % aller invasiven Cervixkarzinome und für mehr als 50 % der hochgradigen zervikalen intraepithelialen Neoplasien (Neubildungen; CIN 2/3).

Eine HPV-Impfung ist seit längerem gegen die beiden Hochrisikotypen möglich. Die Impfstoffe erreichen eine Wirksamkeit von mehr als 90 % hinsichtlich einer Verhinderung von HPV 16- oder 18-assoziierten CIN 2+ (CIN = cervikale intraepitheliale Neoplasie = Vorstufe des invasiven Cervixkarzinoms) bei Frauen (diese waren vor der Impfung HPV 16 und/oder 18 negativ). Inzwischen gibt es einen HVP-Impfstoff, der gegen neun Virustypen (6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58) wirksam ist (Neunfach-HPV-Impfung).

Nachfolgend die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zur HPV-Impfung:

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Fehlende oder unvollständige Grundimmunisierung (s. u.)
  • Frauen, die zum empfohlenen Zeitpunkt (9-14 Jahre) keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung gegen HPV profitieren; gleiches gilt für Männer
  • Aussagekräftige Daten über den Erfolg der Impfung von Jungen/Männern zur Vermeidung der Übertragung liegen nicht vor
  • Lebenspartner von Personen mit Genitalwarzen
  • Personen mit sexuell-übertragbaren Erkrankungen wie beispielsweise HIV
  • Frauen nach einer überstandenen Infektion mit dem HP-Virus, um eine Reinfektion zu vermeiden.

Beachte: 2018 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) auch eine Empfehlung zur HPV-Impfung für Jungen abgegeben

Kontraindikationen

  • Personen mit akuten, behandlungsbedürftigen Krankheiten

Durchführung

  • Grundimmunisierung:
    • Mädchen: Alter von 9-13 (Gardasil®bzw. 9-14 Jahren (Cervarix®, Gardasil®9) mit 2 Dosen im Abstand von 6 Monaten, um eine Infektion mit den Erregern zu vermeiden.
    • Jungen: Alter von 9-14 Jahren, um eine Infektion mit den Erregern zu vermeiden. 
  • Bei Nachholimpfung
    • Mädchen: Alter von > 13 Jahren bzw. > 14 Jahren oder bei einem Impfabstand von < 6 bzw. < 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Dosis ist eine 3. Impfstoffdosis erforderlich (Angaben in den Fachinformationen beachten). 
    • Jungen: Alter von 17 Jahren
  • Die vollständige Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.

Beachte: "Frauen und Männer, die älter als 17 Jahre sind und keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung gegen HPV profitieren, jedoch ist die Wirksamkeit der Impfung bei nicht HPV-naiven Personen reduziert".

Hinweis: Seit April 2016 ist neben den Impfstoffen Cervarix® und Gardasil® der neunvalente HPV-Impfstoff Gardasil® 9 auf dem deutschen Markt verfügbar. Alle drei Impfstoffe können verwendet werden, um das Impfziel der Reduktion von Cervixkarzinomen (Gebärmutterhalskrebs) und dessen Vorstufen zu erreichen. Eine begonnene Impfserie sollte möglichst mit dem gleichen HPV-Impfstoff vervollständigt werden.

Wirksamkeit

  • Der Wirkstoff gegen neun Virustypen  (6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58) zeigt eine vergleichbare Serokonversionsrate wie der tetravalente Wirkstoff (Impfeffektivität zwischen 96 und 97,1 %).
  • Der tetravalente Wirkstoff gegen das HPV 6, 11, 16 und 18 zeigt eine 98 % Wirksamkeit
  • Der bivalente Wirkstoff gegen das HPV 16 und 18 zeigt eine Wirksamkeit von 91 % bei inzidenten Infektionen, eine 100 % Wirksamkeit bei persistenten Infektionen und eine 90 % Wirksamkeit gegen HPV 16-, 18- assoziierte CIN
  • In der Langzeitnachbeobachtung liegen bisher keine Hinweise auf ein Nachlassen des Impfschutzes nach Impfung gegen HPV 16 und 18 vor (Stand: 2014).
  • Der HPV-Impfstoff Cervarix (bivalenter Impfstoff gegen die HPV-Typen 16 und 18) erzielt möglicherweise bereits nach einer einmaligen Dosis einen guten Impfschutz [2]:
    • kompletten Gabe aller drei Impfungen 77,0 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 74,7-79,1 Prozent)
    • zwei Impfungen: 76,0 Prozent (62,0-85,3 Prozent)
    • eine Impfung 85,7 Prozent (70,7-93,7 Prozent)
  • Eine aktuelle Analyse von Daten des finnischen Krebsregisters konnte zeigen, dass bei gegen HPV geimpften Frauen kein einziges invasives Karzinom pro 65.656 Frauen pro Jahr auftrat. Dagegen entwickelten sich bei nicht geimpften Frauen zehn HPV-assoziierte invasive Malignome pro 124.245 Frauen pro Jahr; das entspricht einer Rate von acht Erkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr: acht Cervixkarzinome (6,4 Erkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr), ein Oropharynxkarzinom (Mundrachenkrebs; 0,8 Erkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr) und ein Vulvakarzinom (Vulvakrebs; Krebs der äußeren Genitalorgane der Frau; 0,8 Erkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr) [2].
  • Cochrane Review: Bei Mädchen und Frauen zwischen 15 und 26 Jahren, die sich gegen humanen Papillomaviren HPV 16 und HPV 18 impfen lassen, sinkt das Risiko für die gefährliche Vorstufe des Cervixkarzinoms CIN2+ (CIN = cervikale intraepitheliale Neoplasie) von 164 je 10.000 auf 2 je 10.000. Für die Vorstufe CIN3+ sank das Risiko von 70 auf 0 je 10.000. Des Weiteren konnte die Metaanalyse nachweisen, dass die HVP-Impfung nicht mit erhöhten Risiken für ernste unerwünschte Neben­wirkungen einherging [4].
  • Daten einer Metaanalyse zur Wirksamkeit einer Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) über Zeitraum von 8 Jahren konnten zeigen, dass HPV-Impfprogramme nicht nur HPV-Infektionen, sondern auch präkanzeröse Gebärmutterhalsläsionen des Levels CIN2+ deutlich senkten [6]. 

Mögliche Nebenwirkungen/ Impfreaktionen

  • Bisher sind keine Nebenwirkungen bekannt, bis auf geringfügige lokale Nebenwirkungen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle.

Trotz der Impfung sollte nicht auf eine regelmäßige Krebsvorsorge durch den Frauenarzt verzichtet werden, da die Impfung keinen vollständigen Schutz gegen das Cervixkarzinom erzeugen kann.

Hinweis zur Krebsvorsorge: Ein HPV-basiertes Screening (HPV-Test) bietet im Vergleich mit der Zytologie einen um 60 bis 70 % höheren Schutz vor invasiven Cervixkarzinomen [1].

Weitere Hinweise

  • Die Sächsische Impfkommission (SIKO) hat bereits 2012 die HPV-Impfung von Jungen empfohlen. Des Weiteren hat die Kommission der S3-Leitlinie „Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien“ (www.hpv-impfleitlinie.de) die Impfung von Jungen begründet.
  • Einer bevölkerungsbasierte Studie in Dänemark konnte zeigen, dass eine versehentliche HPV-Impfung in der Schwangerschaft zu keinen vermehrten Fehlgeburten, Totgeburten, Früh­geburten, schweren Geburtsfehlern oder zur Geburt von Kindern führte, die bei der Geburt zu klein oder zu leicht für ihr Gestationsalter (Small for gestational age, SGA) waren [3].
  • Eine epidemiologische Studie (populationsbasierte retrospektive Kohortenstudie) kann den Verdacht, dass bei jungen Mädchen im Anschluss an eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) vermehrt Autoimmunerkrankungen auftreten, nicht bestätigen [5].

Literatur

  1. Ronco G et al.: Efficacy of HPV-based screening for prevention of invasive cervical cancer: follow-up of four European randomised controlled trials, Lancet. 2014 Feb 8;383(9916):524-32. doi: 10.1016/S0140-6736(13)62218-7.
  2. Kreimer AR et al.: Efficacy of fewer than three doses of an HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine: combined analysis of data from the Costa Rica Vaccine and PATRICIA trials. doi: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00047-9
  3. Scheller NM, Pasternak B, Mølgaard-Nielsen D, Svanström H.Hviid A: Quadrivalent HPV Vaccination and the Risk of Adverse Pregnancy Outcomes Characteristics of Women Included in the Matched Analyses of Spontaneous Abortion and Stillbirth, According to Time Window of Quadrivalent Human Papillomavirus (HPV) Vaccination and Vaccination-Exposure Status during Pregnancy. N Engl J Med 2017; 376:1223-1233
  4. Arbyn M et al.: Cochrane Gynaecological, Neuro-oncology and Orphan Cancer Group: Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors. Cochrane Library First published: 9 May 2018 doi: 10.1002/14651858.CD009069.pub3
  5. Liu EY et al.: Quadrivalent human papillomavirus vaccination in girls and the risk of autoimmune disorders: the Ontario Grade 8 HPV Vaccine Cohort Study. CMAJ May 28, 2018 190 (21) E648-E655; doi: https://doi.org/10.1503/cmaj.170871
  6. Drolet M et al.: opulation-level impact and herd effects following the introduction of human papillomavirus vaccination programmes: updated systematic review and mta-analysis. Lancet June 26, 2019 doi: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)30298-3

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: HPV-assoziierter Neoplasien, Impfprävention. (AWMF-Registernummer: 082-002), Dezember 2013. Kurzfassung Langfassung
  2. Luostarinen T et al.: Vaccination protects against invasive HPV‐associated cancers. Int J Cancer 2018 May 15;142(10):2186-2187. doi: 10.1002/ijc.31231. Epub 2018 Jan 4.

     
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