Schweinegrippe-Impfung

Nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt es eine neue Mitteilung zur Impfung gegen die Neue Influenza A (H1N1), aus dieser folgende Fakten hervorgehen:

Die WHO-Kriterien für eine Pandemie sind für die "neue Grippe" erfüllt, da sich das Virus schnell auf allen Kontinenten ausgebreitet hat.
Es besteht keine schützende Immunität.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt liegt das Ausmaß der Infektionen jedoch noch unterhalb der Beobachtungen aus früheren Pandemien.

Da das Virus erst im Frühjahr des laufenden Jahres aufgetreten ist, konnten die Impfstoffe für die Influenzasaison 2009/2010 nicht mehr angepasst werden.
Aus diesem Grunde musste ein Impfstoff entwickelt werden, der die Grundimmunität induziert und so zu einer Verminderung der Krankheits- und Todesfälle führt. Dieser Impfstoff steht aufgrund der immer weiter fortschreitenden technischen und wissenschaftlichen Forschung schon ab November bereit.

Die STIKO spricht schon jetzt eine Impfempfehlung für die "Schweinegrippeimpfung" aus, um schweren und ggf. tödlichen Verläufen im Herbst/Winter 2009/2010 entgegenzuwirken.
Eine Impfung zu starten, wenn hohe Infektionsraten erst einmal vorliegen, ist schon allein aus logistischen Gründen kaum möglich.

Folgende Faktoren weichen von den Grundlagen einer generellen Impfempfehlung ab:

  • Infektions- und Erkrankungsraten können bei der neuen Grippe noch nicht vorhergesagt werden.
  • Pathogenitätsmutanten der neuen Grippe können ebenfalls noch nicht vorhergesagt werden.
  • Der Impfstoff gegen die neue Influenza konnte noch nicht an großen Kollektiven getestet werden; die bisher verfügbaren Daten sprechen jedoch gegen besondere Nebenwirkungen.

Deshalb kommt die STIKO zur Nutzen-Risiko-Abwägung und spricht für folgende Personengruppen eine Impfempfehlung aus:

  1. Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
  2. Patienten mit gesundheitlicher Gefährdung wie chronischen Krankheiten
  3. Schwangere und Wöchnerinnen (Schwangere sollten, vorzugsweise ab dem zweiten Trimenon, mit einem nicht-adjuvantierten Spaltimpfstoff geimpft werden)

Folgenden Bevölkerungsgruppen können in einer zweiten Phase (circa vier Wochen nach den oben genannten Personengruppen) geimpft werden:

  1. Haushaltskontaktpersonen von Personen mit gesundheitlicher Gefährdung, Schwangeren/Wöchnerinnen und Säuglingen unter sechs Monaten
  2. Alle übrigen Personen

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Grundsätzlich können alle Gruppen der Bevölkerung von einer Impfung gegen die neue Grippe profitieren.
Jede Impfung sollte nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden.

Zur Situation in den USA: Die meisten  H1N1 Schweinegrippe-Erkrankungen betrafen Kinder und junge Erwachsene. Bislang ist nicht klar, warum das so ist und es ist ebenso wenig bekannt, ob sich dieses ändern wird. Aber einige Gruppen haben ein besonders hohes Risiko, schwer zu erkranken bzw. im Falle einer Erkrankung eine besonders schlechte Prognose zu haben:

  • Schwangere haben ein sechsmal höheres Risiko einer schweren Erkrankung im Vergleich zu gleichalterigen Frauen
  • Junge Kinder unter 2 Jahren
  • Patienten mit
    • Asthma bronchiale
    • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (engl.: chronic obstructive pulmonary disease, COPD) oder anderen chronischen Lungenerkrankungen
    • Diabetes mellitus
    • Immunstörungen (inkl. HIV) und Patienten unter immunsuppressiver Therapie (Chemotherapie etc.)
    • kardiovaskulären Erkrankungen (außer Hypertonie – Bluthochdruck)
    • Chronische Nierenerkrankungen (insbesondere mit Niereninsuffizienz/Nierenschwäche)
    • Epilepsie
    • Lebererkrankungen
    • Bluterkrankungen (inkl. Sichelzellenanämie; med.: Drepanozytose; auch Sichelzellanämie, engl.: sickle cell anemia)
    • Neurologischen Erkrankungen inkl. neuromuskulärer Erkrankungen
  • Krankenschwestern und Pflegepersonal 
  • Patienten im Alter von mehr als 65 Jahren, die an der Schweinegrippe erkranken (sehr selten) – falls diese jedoch erkranken, haben diese ein besonders hohes Risiko, schwer zu erkranken
  • Übergewichtige, die an der Schweinegrippe erkranken, haben ein besonders hohes Risiko für Komplikationen (bei Grunderkrankungen wie insbesondere pulmonaler Erkrankungen und /oder Diabetes mellitus)

Durchführung

  • Bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis neun Jahren – zwei halbe Erwachsenendosen (wg. möglicher leichter Reaktionen auf den Impfstoff)
  • Menschen im Alter von 10 bis 60 Jahren – eine vollständige Erwachsenendosis
  • Über 60-jährige – zwei Dosen – zwischen den beiden Impfungen sollte allerdings mindestens drei Wochen liegen.

Für Schwangere soll ein spezieller Impfstoff nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Institut möglicherweise bis Ende November zur Verfügung stehen.

Eine Risiko-Nutzen-Abwägung wird regelmäßig von der STIKO durchgeführt und die Impfempfehlungen ggf. angepasst.

Mögliche Komplikationen

  • Eine Impfung gegen die H1N1-Influenza in der Schwangerschaft erhöht nicht das Fehlbildungsrisiko [1]
  • Der Impfstoff steht im Verdacht, in seltenen Fällen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Narkolepsie (Schlafkrankheit) auszulösen.

Zusätzlich gibt die STIKO eine Impfempfehlung gegen Pneumokokken für bestimmte Indikationen aus.

Literatur

  1. Ludvigsson JF et al.: Risk for Congenital Malformation With H1N1 Influenza Vaccine: A Cohort Study With Sibling Analysis. Ann Intern Med. Published online 20 September 2016 doi:10.7326/M16-0139

     
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