Nasenlaufen (Rhinorrhoe) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Beurteilung des Allgemeinzustandes und der Körpertemperatur
- HNO-ärztliche Untersuchung (hals-nasen-ohrenärztliche Untersuchung) – mit besonderer Beurteilung von Nase, Nasenhöhle und Nasopharynx (Nasenrachen):
- Inspektion der äußeren Nase und des Nasenvorhofs
- Beurteilung von Seite, Menge, Farbe, Konsistenz und Geruch des Nasensekrets sowie einer möglichen Blutbeimengung
- Anteriore Rhinoskopie bzw. nasale Endoskopie – Beurteilung von Nasenschleimhaut, Nasenmuscheln, Nasenseptum, Nasengängen und Sekretstraßen [einseitige klare, wässrige Sekretion bei Liquorrhoe (Austritt von Hirnwasser aus der Nase); mukopurulente (schleimig-eitrige) Sekretstraße aus dem mittleren Nasengang bei Rhinosinusitis (Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen)]
- Beurteilung auf nasale Raumforderungen bzw. Polypen (Schleimhautwucherungen) [sichtbare Nasenpolypen bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen]
- Gezielte Suche nach einem intranasalen (in der Nase befindlichen) Fremdkörper, insbesondere bei Kindern [einseitige fötide (übelriechende), eitrige Rhinorrhoe (Nasenausfluss) mit sichtbarem Fremdkörper]
- Inspektion des Nasopharynx bei entsprechender klinischer Fragestellung
- Inspektion von Mundhöhle und Oropharynx (Mundrachen) auf postnasalen (hinter die Nase gerichteten) Sekretabfluss
- Augenärztlich orientierende Untersuchung – bei Verdacht auf allergische Begleiterkrankung oder orbitale (die Augenhöhle betreffende) Komplikation:
- Inspektion von Konjunktiven (Bindehaut) und periorbitaler Region (Bereich um das Auge) [beidseitige konjunktivale Injektion (Rötung der Bindehaut) und Tränenfluss bei allergischer Rhinokonjunktivitis (allergischer Entzündung von Nase und Bindehaut)]
- Prüfung von Bulbusstellung (Stellung des Augapfels) und Augenmotilität (Beweglichkeit der Augen) sowie bei Verdacht auf orbitale Beteiligung Prüfung des Visus (Sehschärfe) mit vorhandener Korrektur
- Neurologische Untersuchung – insbesondere bei Verdacht auf Liquorrhoe, nach Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung von Schädel und Gehirn) bzw. nasaler oder neurochirurgischer Operation sowie bei neurologischen Begleitsymptomen:
- Orientierende Untersuchung der Hirnnerven (Nerven des Gehirns)
- Prüfung auf Meningismus (Nackensteifigkeit durch Reizung der Hirnhäute) und fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems)
Red Flags (Warnzeichen) bei Rhinorrhoe
- Persistierende einseitige klare, wässrige Rhinorrhoe, insbesondere nach Schädel-Hirn-Trauma, Nasennebenhöhlen- oder Schädelbasisoperation bzw. mit lage- oder pressabhängiger Zunahme – Verdacht auf Liquorrhoe
- Einseitige blutige, fötide oder persistierende Rhinorrhoe bzw. sichtbare intranasale Raumforderung – Ausschluss eines Fremdkörpers oder einer neoplastischen (tumorbedingten) Ursache erforderlich
- Periorbitale Schwellung oder Rötung, Bulbusverlagerung (Verlagerung des Augapfels), Diplopie (Doppelbilder), Ophthalmoplegie (Lähmung der Augenmuskeln) oder Visusminderung – Verdacht auf orbitale Komplikation einer Rhinosinusitis
- Starke Kopfschmerzen, Meningismus, Bewusstseinsstörung oder fokal-neurologische Defizite – Verdacht auf intrakranielle (innerhalb des Schädels gelegene) Komplikation
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.